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*ohne Gewähr


Immer nur motzen reicht nicht

Schulbuch-O-Mat: Erstes OER-Projekt für freie Schulbücher 06.01.2013, 13:58

Montage: Schulbuch-O-Mat-Projektgründer-Profil, Logo des Projekts
Bild: Schulbuch-O-Mat bei startnext

Auf der Crowdfunding-Plattform startnext versuchen zwei Männer, das erste gemeinfreie, elektronische Schulbuch Deutschlands zu finanzieren - ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren. Wer sich in letzter Zeit über das Urheberrecht aufgeregt hat, sollte hier ein paar Euro springen lassen (Beitrag vom 01.11.2012, Update 06.01.2013).

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  • (geändert: )

Update 06.01.2013: In 7 Tagen wird das Geld gezählt, und es fehlen immer noch einige Euros. Für Idealist/innen ein guter Zeitpunkt, um die dicken Umschläge mit den weihnachtlichen Geldgeschenken durchzureichen.

Das Bildungssystem in Deutschland ist zerfetzt vom Föderalismus: In jedem der 16 Bundesländer gibt es andere Fächer, andere Schulformen - und natürlich auch entsprechend andere Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Solche Lehrwerke für den Unterricht sind strengstens geschützt, schon das Einscannen einer einzigen Seite zur Erstellung eines Arbeitsblattes ist eine Straftat im Sinne des Urheberrechts (Update 06.01.2013: Seit dem 06.12. ist das keine Straftat mehr).

So sitzen in den verschiedenen Bundesländern die Lehrer/innen verschiedener Schulformen und Fächer und schneiden mit ihrer Schere Kopien aus und kleben sie mit Klebestift auf Arbeitsblätter. Das ist wirklich zum Heulen.

Die OER-Bewegung ("Open Educational Ressources") setzt sich dafür ein, dass Unterrichtsmaterialien frei zugänglich sind und von jedermann verbreitet und frei benutzt werden können. Die Polen machen es vor: Mit  11.5 Millionen Euro (ein Klacks! ) werden vollständig frei verfügbare Unterrichtsmaterialien für die Klassen 4 bis 6 entwickelt.

Eine systematische, außerinstitutionelle OER-Bewegung konnte sich in Deutschland bisher nur in Ansätzen etablieren, obwohl es im Rahmen der Diskussion um den Schultrojaner Ansätze dazu gegeben hat.

Das Schulbuch-Projekt "Schulbuch-O-Mat"

Auf der Plattform startnext.de können Menschen ein Projekt vorstellen und es von anderen Menschen, die davon überzeugt sind, finanzieren lassen. Ein solches Vorgehen nennt man Crowdfunding.

Schulbuch-O-Mat bei startnext (Screenshot)

Zwei in der Bildungsszene bisher unbekannte Personen, Hans Wedenig (Wirtschafts-/Sozialwissenschaftler) und Heiko Przyhodnik (Biologie-/Sportlehrer in Berlin), haben nun das Projekt Schulbuch-O-Mat ausgerufen. Es sollen 10.000 Euro gesammelt werden, das Geld wird verwendet für

»a) die Errichtung des ersten deutschsprachigen Online-Portals für freie und offene Schulbücher inklusive den Betriebskosten des ersten Jahres sowie
b) die Organisation, Redaktion und Produktion des e-Schulbuches „Biologie 1“« (Rahmenlehrplan Berlin, Sekundarstufe I)

Nach bisherigen Projektvorstellungen sollen die Inhalte des Buches "auf kollaborative Weise erfolgen". Das heißt, dass die Projektbetreiber in erster Linie für Infrastruktur und Projektmanagement sorgen werden.

Das Buch wird unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA) veröffentlicht. Damit können die Materialien von allen für beliebige Zwecke verwendet und bearbeitet werden, auch zu kommerzieller Nutzung.

Warum Sie mitmachen sollten

Nun ist es ja nicht so, dass alle dringend ein elektronisches Biologielehrbuch für die Sek I in Berlin brauchen. Und es ist auch höchst fraglich, was die beiden Herren mit 10.000 Euro in einem Jahr reißen können - was, wenn keiner mitmacht? Was, wenn die Jungs sich mit der Kohle nach Jamaica absetzen?

Das ist alles ganz egal. Zeigen Sie Idealismus - denn Deutschland braucht solche ambitionierten Projekte. Unsere Politik ist weder fähig noch willens, uns mit ordentlichen, freien Bildungsmaterialien zu versorgen. Der "Bildungsszene" ist es bisher ebenfalls nicht gelungen, Lösungen für den Schulunterricht zu schaffen. Crowdfunding könnte ein erfolgversprechender Ansatz sein.

Investieren Sie 10 Euro oder 20. Für den letzten, stinklangweiligen 3D-Hollywood-Film haben Sie an der Kinokasse genau so viel Kohle hingelegt. Immer nur philosophieren oder rummotzen reicht nicht.

www.startnext.de/schulbuch-o-mat

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Kommentare

4

Zum Artikel "Schulbuch-O-Mat: Erstes OER-Projekt für freie Schulbücher".

  • #1

    Ich finde freie (im Sinne der Creative-Commons-Lizenz) auch richtig klasse. Das steigert den Wettbewerb und schadet der Qualität garantiert nicht.
    @Jo P.: Schulbücher dürfen einem nicht den Unterrichtsinhalt diktieren. Natürlich ist es viel leichter, nach dem Buch zu unterrichten. Schade ist es aber, wenn Lehrer sich davon bevormunden lassen (z.B. aufgrund von fehlendem Elan).

    schrieb schulchaos.wordpress.com am

  • #2

    Gute Initiative. Schulbücher bestimmen in ungesunder Weise den heimlichen, aber letztlich verbindlichen Lehrplan. Dabei ist eine Eskalation des abfragbaren Wissens bzw. der Kompetenz zu beobachten. Schulbücher machen de facto den Lehrplan. Oder besser: Sie SIND der Lehrplan. Und ohne Schulbücher wären die meisten Lehrer aufgeschmissen. Diese Art der Bevormundung durch Schulbuchverlage darf nicht ungebremst weitergehen.

    Im Sinne der in diesem Forum angesprochenen Angebotsschule muss also eine Umkehr stattfinden hin zur demokratischen “open source”-Plattform des Unterrichtsangebots, das flexibel ausgestaltet und variiert wird, von allen Beteiligten, d. h. auch von Schülern und Eltern.

    schrieb Jo P. am

  • #3

    Mister M(otz?), der Daimler-Metallfacharbeiter “spendet” die Differenz zwischen Kurzarbeit- und Vollzeitlohn, wenn andere (!) Firmen bessere Autos bauen…
    Ich verstehe zwar Ihren Unmut, schließlich bezahlen LehrerInnen aus Verzweiflung über schlechte Ausstattung oft genug für Materialien aus eigener Tasche. Aber ohne solche Intitiativ-Projekte wird sich in der erstarrten Schulbuchwelt wohl nichts bewegen. Und dafür zahle ich gern einen Mini-Anteil.

    schrieb Db am

  • #4

    Nö. Die Schulträger (= der Steuerzahler) hat dafür zu sorgen, dass die Schulen mit aktuellem, ausreichendem, differenzierenden Unterrichtsmaterialien ausgestattet sind. Egal ob mit oder ohne Copyright. Da brauche ich keine 10 Euro für “spenden”.

    Spendet der Metallfacharbeiter bei Daimler in Zukung auch 10 Euro für die Entwicklung besseren Werkzeugs, damit Daimler noch bessere Autos bauen kann?

    schrieb Mister M. am

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