Katharsis

Sollen Lehrer/innen in der Schule fluchen? 05.01.2006, 01:22

Lehrer, der flucht
Bild: Pixabay / Olichel [CC0 (Public Domain)]

Fluchen ist gesund und reinigt die Seele - dies belegen wissenschaftliche Erkenntnisse. Doch wie sieht es mit den Lehrer/innen aus - dürfen sie in der Schule fluchen?

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Fluchen entspannt uns in Stresssituationen enorm. Die Lautstärke, in der der Fluch ausgeschieden wird, steht dabei in proportionalem Verhältnis zur befreienden Wirkung.

  1. Die Menschen fluchen viel

  2. Bei der Arbeit wird mehr geflucht

  3. Angefluchtwerden setzt unter Stress

  4. Sollen LehrerInnen also in der Schule fluchen?

1. Die Menschen fluchen viel

Die Malediktologen (Fluch-Wissenschaftler, s.a. Malediktologie) haben interessante Erkenntnisse über unser Fluchverhalten gewonnen: Etwa fünf Prozent aller Gespräche am Arbeitsplatz und doppelt so viel Gespräche in der Freizeit bestehen aus Gefluche und Geschimpfe.

Während in einem Kinofilm in den 60er Jahren noch etwa ein- bis zweimal geflucht wurde, kam Schauspielern Ende der 80er Jahre fast 100mal pro Film ein derber Spruch über die Lippen.

Berliner Morgenpost, 26.11.1996: ‘Mistdreck’ Fluchen kann zur Krankheit werden

Semantisch unterscheidet sich der Fluchstil von Nation zu Nation: Im Deutschen liegen fäkale Flüche auf Platz 1 (“Scheiße”, “Arsch”), im angloamerikanische Sprachraum sind sexuelle Vorgänge am häufigsten Pate für die Flucherei (“Fuck”).

2. Bei der Arbeit wird mehr geflucht

Wenn wir vor dem TV-Apparat sitzen, fluchen wir in der Regel nicht. Wir fluchen eher in Situationen, in denen wir Entscheidungen treffen müssen und Verantwortung tragen: Installation eines Betriebssystems (!), Reifenwechsel, Ausfüllen der Steuererklärung etc. So hat eine Studie ergeben, dass Chirurgen und Orthopäden öfter und häufiger fluchen, je länger und/oder komplizierter eine Operation sich gestaltet.

Der Malediktologe Timothy B. Jay aus Massachusetts weist darauf hin, dass Fluchen in solchen Situationen einen positiven Effekt hat. Auch Lehrer und Lehrerinnen erwähnt er explizit:“Schimpfen hilft auch Lehrern, ihren Schulalltag leichter zu ertragen [...]”

3. Angefluchtwerden setzt unter Stress

Es gibt zwei Arten des Fluchens: Das Vorsichhinfluchen (“Fuck”) und das Anfluchen (“Du Sack”). Beide Formen helfen, Stress abzubauen. Beim Anfluchen jedoch wird die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen:

Der Puls der Geschmähten beschleunigte sich, die Atmung wurde flacher, die elektrische Leitfähigkeit der Haut veränderte sich - Anzeichen einer heftigen emotionalen Reaktion. So ist auch die Gegenwehr der Sprachpolizisten und Fluchgegner unter physiologischen Gesichtspunkten nachvollziehbar, sie sind angesichts derben Vokabulars echtem Stress ausgesetzt.

Spiegel online, 21.12.2005: Fluchen tut gut, 2

In einer solchen Stresssituation befand sich sicher auch der Lehrer, der von einem Schüler als “Arschloch” bezeichnet wurde und ihm daraufhin eine Ohrfeige versetzte (Lehrerfreund 10.02.2008: Darf ich meine Schüler ohrfeigen?).

4. Sollen Lehrer/innen also in der Schule fluchen?

Einerseits wäre es sehr nützlich, wenn Lehrer und Lehrerinnen in der Schule fluchen würden. Es wäre ihrer Gesundheit dienlich und würde zu mehr Entspannung führen. Dennoch ist ein zu hoher Fluchanteil während des Unterrichts nicht angebracht.

Ist es überhaupt möglich und sinnvoll, während des Unterrichts nie zu fluchen?


 

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