Der Trick: Per Mail oder USB-Stick einen Materialpool simulieren

Eingescannte Unterrichtsmaterialien legal an Schüler/innen verteilen 08.10.2013, 08:23

USB-Sticks
Bild: pixabay / EsaRiutta [CC0 (Public Domain)]

Lehrer/innen dürfen neuerdings Unterrichtsmaterialien einscannen, das Verteilen an Schüler/innen ist aber nur eingeschränkt möglich. Wir zeigen, wie Sie die Gesetzeslage möglichst kraftvoll ausnutzen können, um Ihre Materialien an die Schüler/innen zu bringen. Die Lösung lautet: exzessive Nutzung von E-Mail oder USB-Sticks.

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Die folgenden Ausführungen sind eine im juristischen Sinne nicht professionelle Interpretation der Regeln, wie sie auf schulbuchkopie.de kommuniziert werden. Verstehen Sie den Aufsatz nicht als juristische Beratung, sondern als Inspiration zur Interpretation der Gesetzeslage. Wenn Sie mit urheberrechtlich geschützten Inhalten arbeiten, müssen Sie die Verantwortung dafür vollständig selbst übernehmen.

Wie wir wissen, dürfen wir eingescannte Unterrichtsmaterialien nicht auf einer Lernplattform ablegen; wir dürfen sie aber via Mail, CD/DVD oder USB-Stick an die Schüler/innen weitergeben (mehr: Lehrerfreund 31.07.2013: Eingescannte Unterrichtsmaterialien - Was darf man, was nicht?).

Sobald wir also eine Datei, die urheberrechtlich geschützte Inhalte enthält, an alle Schüler/innen verteilen wollen, wird es schwierig: Wir können Sie nicht einfach irgendwo passwortgeschützt ablegen (z.B. Moodle, Dropbox, Homepage) und die Schüler/innen greifen bei Bedarf darauf zu. Natürlich können wir die Dateien per Mail verschicken, das bringt aber initial einen hohen logistischen Aufwand mit sich: Mailadressen herausfinden, dafür sorgen, dass alle darauf zugreifen können usw.

Die direkte Distribution per E-Mail oder USB-Stick hat noch weitere Nachteile: Wenn sich an unserer Datei etwas ändert, müssen wir allen Schüler/innen diese Datei zukommen lassen (Änderungsproblematik). Häufig wollen wir außerdem Dateien in Verzeichnisstrukturen ablegen, die sich evtl. ändern (Strukturproblematik). Das ist per Mail nicht so einfach.

Solche Verzeichnisstrukturen können sich bspw. am Unterrichtsverlauf orientieren oder an einer thematischen Gliederung (vgl. Lehrerfreund 27.01.2009: Organisation von Unterrichtsmaterialien auf der Festplatte - Verzeichnisstruktur):

Mögliche Ordnerstrukturen, um Unterrichtsmaterial zu strukturieren

 

Nun geht es darum, den gesetzlichen Spielraum möglichst weit auszuschöpfen, um diesen Problemen entgegenzutreten; viel einfacher wäre es natürlich, man könnte die Materialien irgendwo online ablegen, aber das ist eben verboten. In keinem Fall dürfen die Schüler/innen die Materialien weitergeben - das sollte man vielleicht kurz unterschreiben lassen.

A) Materialien verteilen per E-Mail

Intuitiv scheint die Verteilung von Materialien per E-Mail schwierig - jede/r Schüler/in eine eigene Mail mit dem Arbeitsblatt schicken? Und das nächste Arbeitsblatt wieder in einer eigenen Mail, wer soll denn da den Überblick behalten?

Ganz einfach:

1. Allen Schüler/innen wird ein Mailaccount eingerichtet

Am einfachsten übernimmt das die Schule. Für ein paar Euro monatlich erhält man bei den meisten Hostern ein Mailsystem, wo man für alle Schüler/innen einen Mailaccount anlegen kann (wahrscheinlich auch einfach als Ergänzung zur Schulhomepage zubuchbar). Alle Accounts haben das gleiche Format (z.B. vorname.nachname@schulname.de). Bei Strato bekommt man aktuell [Stand: Oktober 2013] im Tarif PowerWeb Basic 500 Mailpostfächer mit jeweils 5GB Platz + eine eigene Domain (z.B. schulname-mail.de) für unter 5 Euro pro Monat (klick).

Natürlich kann man auch mit den privaten Mailaccounts der Schüler/innen arbeiten, das hat aber zahlreiche Nachteile: Beim einen ist das Postfach voll, der andere hat die Mail aus Versehen gelöscht usw. Außerdem muss man hier mit zahlreichen datenschutzrechtlichen Fragen kämpfen und ist auf den guten Kooperationswillen der Eltern angewiesen.

2. Gruppen einrichten

Sie richten sich über Ihre Mailoberfläche Gruppen mit Ihren Klassen oder Kursen ein. Alle Webmailer oder Mailprogramme erlauben das. So haben Sie eine Gruppe namens "klasse7". Wenn Sie eine Mail an diese Gruppe schicken, erhalten alle Schüler/innen der Klasse 7 diese Mail.

3. Regeln in der Klasse festlegen

Möglich wären Regeln wie diese:

  • Der eingerichtete Mailaccount wird ausschließlich zu den vereinbarten schulischen Zwecken benutzt (damit er nicht von unrelevanten Mails zugemüllt wird).
  • Der Mailaccount dient ausschließlich zum Empfang der Unterrichtsmaterialien von der Lehrer/in (damit umgeht man so datenschutzrechtliche Probleme, die entstehen, wenn individuelle (=personenbezogene) Informationen übermittelt werden).
  • Mails werden nur auf Anweisung gelöscht.

Evtl. Merkblatt anfertigen und die Schüler/innen (+ Eltern?) unterschreiben lassen.

4. Material verteilen!

Das war's schon! Ab sofort können Sie Ihre Unterrichtsmaterialien in großem Stil verteilen, so lange Sie die gesetzlichen Regelungen einhalten. Entweder arbeiten Sie grundsätzlich nach dem Prinzip "eine Mail - eine Datei" oder mailen in einzelnen Einheiten, also alle Dateien für Stunde 2 oder alle Dateien zu den Übungen zur indirekten Rede in jeweils einer Mail. Beachten Sie, dass viele Mailanbieter ein Limit für die Dateigröße der Anhänge haben (zzt. häufig um 20MB - ein gescanntes Bild ist zwischen 1 und 3 MB groß, ein Word-Dokument zwischen 0.1 und 2 MB).

Dabei gilt es lediglich darauf zu achten, dass Sie ein einheitliches System zur Benennung der Mails haben, der Betreff könnte dann lauten:

"Grammatik - Übungen" oder
"Stunde 1 - Arbeitsblätter" oder
"Aufsatz - Merkblätter"

An die Mail "Grammatik - Übungen" kommen dann die Dateien arbeitsblatt-perfekt.docx und uebungsblatt-perfekt.docx (PDF wäre natürlich besser). Wenn die Schüler/innen ihren Posteingang nach Name sortieren, haben sie die Mails in einheitlicher und durchschaubarer Struktur vorliegen und können darauf zugreifen.

Auf keinen Fall wird über diesen Account kommuniziert, ebenfalls werden keine Mail weitergeleitet - denn sonst steht am Anfang des Betreffs "Re: ... ", "FW: ...", "AW: ..." ("Reply", "Forward", "Antwort") o.ä. und das Sortieren nach Name funktioniert nicht mehr.

5. Wenn sich etwas ändert

Sie haben ein neues Übungsblatt zur Grammatik. Dann schicken Sie die Mail "Grammatik - Übungen" erneut, diesmal aber mit drei Anhängen (und nicht zwei wie in Punkt 4 gezeigt). Wichtig ist, dass die Schüler/innen umgehend (oder noch besser zuvor) die ursprüngliche Mail "Grammatik-Übungen" löschen.

Durch dieses Konzept haben alle Schüler/innen Zugriff auf einen strukturierten Materialpool, und zwar unabhängig von Zeit und Raum. Natürlich entfremdet man das System "E-Mail" dabei, doch der Zweck heiligt die Mittel.

Gesetzlich sollte alles im Rahmen sein. Es ist erlaubt, den Schüler/innen eingescannte Unterrichtsmaterialien per Mail zukommen zu lassen - und nichts anderes tut man hier.

B) Materialien verteilen per USB-Stick

Einen ähnlichen Weg kann man auch mit USB-Sticks gehen. Hier können Sie Ihren gesamten Materialpool mit einem Rutsch überspielen. So gehen Sie vor:

1. Jede/r Schüler/in braucht einen USB-Stick

Der Stick sollte mindestens 1GB groß sein. In den einschlägigen Hongkong-Shops bekommt man im Juli 2013 solche Sticks für 3 Euro das Stück (z.B. bei Tmart, ab 4 Euro über guenstiger.de). Möglicherweise kann die Schule USB-Sticks in größerer Menge anschaffen und sie wie Schulbücher an Schüler/innen verleihen.

2. Materialpool auf die Sticks überspielen

Ihr Verzeichnis mit den Unterrichtsmaterialien müssen Sie den Schüler/innen jetzt nur noch auf USB-Stick zukommen lassen. Es geht leider nicht, dass Sie die Materialien auf den Schulserver legen und die Schüler/innen sie selbstständig auf ihre USB-Sticks kopieren - denn die Unterrichtsmaterialien dürfen nicht auf Servern verfügbar gemacht werden (unbedingt hier informieren: Eingescannte Unterrichtsmaterialien - Was darf man, was nicht?).

Also müssen Sie das Zeug einzeln auf die USB-Sticks kopieren. Am heimischen PC ist das eine teuflische Arbeit; das geht natürlich nur, wenn man nicht alle zwei Wochen Änderungen in den Materialien hat und die Sticks neu bespielen muss. Für eine einmalige Aktion, mit der eine ganze Unterrichtseinheit abgedeckt ist, könnte sich der Aufwand aber lohnen.

Wesentlich komfortabler wäre die Verwendung einer USB-Kopierstation. Hier können auf Knopfdruck mehrere USB-Sticks gleichzeitig bespielt werden. Allerdings ist der Spaß nicht ganz billig: Für ein 1:15-Gerät sind schnell mal 1.000 Euro oder mehr fällig (Beispiele hier oder hier). Ein erstaunlich billiges Gerät gibt es hier: 16 Sticks kopieren, 299 Euro.

USB-Sticks: Massenkopie am heimischen Desktop-PC
Bild: USB-Sticks am heimischen PC kopieren - flickr-User Rob Flickenger, CC BY-SA 2.0

3. Wenn sich etwas ändert

Sobald Sie eine Datei hinzufügen, die Verzeichnisstruktur verändern o.ä., müssen die Schüler/innen auf den gleichen Stand kommen wie Sie. Also sammeln Sie die USB-Sticks wieder ein und bespielen sie neu. Wenn Sie das einzeln am Rechner machen, brauchen Sie pro Stück ungefähr eine Minute, einen Klassensatz erstellen Sie also in weniger als einer Stunde (aber Ihr Gehirn trocknet dabei massiv ein). Mit einem Multikopierer haben Sie die Sache in weniger als 10 Minuten erledigt.

Fazit

Beide Wege (E-Mail, USB-Stick) sind absolut gangbar und sollten mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar sein. Natürlich ist es pervers, im Zeitalter der Vernetzung 30 USB-Sticks einzusammeln, neu zu bespielen und wieder auszuteilen. Doch nur so schaffen Sie es, den Schüler/innen einen individuellen Materialpool zur Verfügung zu stellen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Beachten Sie bitte: Die obigen Ausführungensind eine im juristischen Sinne nicht professionelle Interpretation der Regeln, wie sie auf schulbuchkopie.de kommuniziert werden. Verstehen Sie den Aufsatz nicht als juristische Beratung, sondern als Inspiration zur Interpretation der Gesetzeslage. Wenn Sie mit urheberrechtlich geschützten Inhalten arbeiten, müssen Sie die Verantwortung dafür vollständig selbst übernehmen.

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