Farbe von Lehrer-Bekleidung

Farbpsychologie: Welcher Pullover für welche Klasse? 21.03.2015, 14:26

Lehrerin mit 2 unterschiedlichen Pulloverfarben
Bild: Rex Pe: student teacher [CC by]

Mit einem rosaroten Pullover entschärfen Sie aggressive Situationen, apathische Klassen bringen Sie durch das Tragen eines roten Oberteils in Fahrt. Manche Farbwirkungen sind in wissenschaftlichen Studien belegt - als Lehrer/in können Sie die Farbe ihrer Bekleidung systematisch auswählen, um die Stimmung in Unterricht oder in Elterngesprächen zu regulieren.

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Originalbeitrag vom 21.03.2015, Update 06.01.2017

Wirkung der Farben

Farben haben unbestreitbare Auswirkungen auf unsere Psyche. Gefängnisse, Wohnungseinrichter und Werbeleute versuchen, durch gezielte Farbwahl Effekte zu erzielen. Krankenkassenlogos haben oft grüne Farbtöne (Gesundheit), Diätprodukte oft hellblaue (Leichtigkeit)  - warum sollten Lehrer/innen diese Tricks nicht auch in der Schule anwenden?

Einige Wirkungsweisen sind durch streng empirische Studien belegt (s.u.), die teilweise verblüffende Ergebnisse zeigen. Die Farbe eines Raumes hat nach einer Studie von Prof. Hecht signifikante Auswirkungen darauf, wie (der gleiche) Wein schmeckt und wie viel zu bezahlen man dafür bereit wäre (Die Umgebungsfarbe verändert den Geschmack von Wein).

Rosarot: beruhigend

Rosa/pink scheint eine beruhigende Wirkung zu haben. Vor allem im Strafvollzug wird das sog. Schauss-Pink (Farbcode #FF91AF) eingesetzt. Der Wissenschaftler Alexander Schauss stellte fest, dass die Betrachtung einer in dieser Farbe gestrichenen Fläche die Atem- und Herzfrequenz senkt. Die Gefängnisdirektoren Baker und Miller stellten positive Wirkung auf renitente Häftlinge fest (daher auch die Bezeichnung "Baker-Miller-Pink"). Deshalb werden im Strafvollzug Gefängniszellen bisweilen in genau dieser Farbe gestrichen.

In den rosaroten Hochsicherheitszellen des Schweizer Gefängnisses Pfäffikon werden die durchgedrehtesten und aggressivsten Häftlinge in kürzester Zeit lammfromm (dradio: Gefängniszelle, pink angemalt - Bilder von der rosaroten Gefängniszelle hier (PDF)). Auch in Deutschland gibt es in dieser Farbe gestrichene Beruhigungszellen (Quelle). Allerdings scheint die Wirkung nicht in allen Fällen so eindeutig aufzutreten: "Rosa Zelle": Farbexperiment in Haftanstalten gescheitert

Wenn Sie es dennoch mal ausprobieren wollen - bitte sehr:

Baker-Miller-Pink -Farbfläche

Blau: fördert Kreativität, beruhigt

In einer Studie arbeiteten 600 Personen mit mit blauen oder roten Bildschirmhintergründen. Aus den Ergebnissen folgerten die Forscher, dass der blaue Bildschirmhintergrund der Bearbeitung von kreativen Aufgaben förderlich sei. (Abstract; mehr darüber und weitere: Reinvent Wheel? Blue Room. Defusing a Bomb? Red Room.)

In einer Dissertation wurde gezeigt, dass blaues Licht den Blutdruck und die Atemfrequenz der Proband/innen signifikant senkt. (Angela Steer-Reeh: Wirkung von farbigem Licht auf die Herzfrequenzvariabilität und den Puls-Atem-Quotienten gesunder Probanden. Dissertation Bad Hersfeld 2012 (PDF), S. 33, S. 71)

Blau scheint auch generell etwas abzukühlen:

In einem blau gestrichenen Raum fröstelt man schon bei 15 Grad Raumtemperatur, ein orangerot gestrichener Raum wird auch dann noch nicht als kalt empfunden, wenn das Thermometer bereits auf Kühlschranktemperatur gefallen ist.

Weiterhin wird der Farbe Blau eine positive Wirkung auf die Konzentrationsfähigkeit zugeschrieben.

Rot: fördert Konzentration, anregend

Rot scheint dem rationalen Denken förderlich zu sein und die Konzentration zu fördern. In der genannten Studie (s.o. "Blau") konnten mit dem roten Bildschirmhintergrund Aufgaben deutlich besser gelöst werden, in denen Erinnerungsvermögen gefragt war. Außerdem schnitten die Proband/innen besser bei detailorientierten Aufmerksamkeitsübungen ab - nämlich bei der Korrektur von Rechtschreibfehlern [sic!].

Rotes Licht erhöhte in einer Studie die Atemfrequenz (Quelle s.o. "Blau"). Eine Schlussfolgerung der zitierten Dissertation ist, dass "dass das rote Farblicht möglicherweise eine anregende Wirkung auf das Vegetativum hat " (S. 71). Entsprechend hat Rot auch einen wärmenden Effekt (Prof. Hecht, s.o. "Blau" - Kühlschrank-Experiment).

US-amerikanische Psychologen konnten zeigen, dass eine Frau im roten Pullover für Männer signifikant attraktiver war als die gleiche Frau im blauen Pullover (sueddeutsche: Vorteil für Rot). In einer anderen Studie funktionierte das auch andersherum: Männer in roten T-Shirts wirkten auf Frauen sexuell anziehender, außerdem schrieben sie den Männern einen höheren sozialen Status zu (Red, Rank, and Romance in Women Viewing Men (PDF)).

Grün: fördert Kreativität

In einer Studie wurden kreative Aufgaben besser gelöst, wenn zuvor die Farbe Grün gezeigt wurde; für die Aufgaben wurden sowohl Bilder als auch Wörter verwendet (Fertile Green: Green Facilitates Creative Performance (PDF)).

In verschiedenen Studien wurde Grün von den Proband/innen mit Frieden, Natur und Ruhe assoziiert; außerdem wurde Grün als positiv bewertet (ebd., S. 785).

Die Kombination aus Grün und Weiß assoziiert bei vielen Menschen "Gesundheit" - entsprechend gestaltet sind einige Krankenkassenlogos (z.B. Barmer, DKV, AOK - s.a. sueddeutsche: Farben fürs Gehirn).

Gelb: gute Laune, anregend

2006 hielten im Rahmen einer US-Studie Personen in verschiedenfarbigen (blau, rot, gelb) Räumen eine Cocktailparty ab ("cocktail party study", nicht zu verwechseln mit dem "cocktail party effect"). Die Personen im gelben und roten Raum waren gestisch und motorisch aktiver, während sich die im blauen Raum deutlich ruhiger verhielten. Außerdem wurde im gelben Raum doppelt so viel gegessen wie im blauen und roten Raum (What is the color of hope und Accurate red, creative blue: Color counts, study says)

Einer niederländischen Studie (?) zufolge sorgt Gelb für gute Laune und erhöht Behaltenseffekte (Quelle).

Weiß: gut, neutral

Einer US-Studienreihe zufolge werden Objekte in hellen Farben eher als "gut" eingeschätzt, Objekte in dunklen Farben als "schlecht" (Automatic Inferences About Stimulus Valence Based on Brightness (PDF)).

Schwarz: schlecht, aggressiv

Football- und Hockeymannschaften mit schwarzem Dress bekamen nach einer Studie von 1988 erheblich mehr Strafen durch den Schiedsrichter. Dieser Effekt zeigt sich auch, wenn eine Mannschaft von einem Spiel zum anderen von hellen auf schwarze Spielkleidung umstieg. Die Forscher nennen zwei Gründe für diesen Effekt: Sowohl der Schiedsrichter als auch die Spieler selbst schätzen sich/die Spieler als aggressiver ein - und verhalten sich entsprechend. Dabei betonen die Forscher (S. 83), dass die Farbe Schwarz nicht grundsätzlich aggressive Konnotationen hat - sondern nur in Situationen, in denen Wettbewerb und Konflikte vorprogrammiert sind (The Dark Side of Self- and Social Perception: Black Uniforms and Aggression in Professional Sports  (PDF)).

Pastellfarben: Leichtigkeit

Helle Farben werden in der "Verpackungspsychologie" systematisch für Diätprodukte eingesetzt (einige Beispiele z.B. hier: ktipp.ch 2009: Produktedesign: Wenn die Verpackung auf die falsche Fährte führt).

Lehrer mit Pulli in 6 unterschiedlichen Farben
(Foto: gualtiero boffi/Shutterstock.com (Montage))

Kann man das alles glauben?

Oben finden Sie vor allem Farbwirkungen, für die es empirische Befunde gibt. Natürlich stellt sich bei solchen Untersuchungen immer die Frage, wie und in welcher "Menge" die Farbe auf die Probanden wirkte.

Farben haben je nach Zeitepoche, Kultur usw. unterschiedlichen, teils starken Symbolgehalt. Es ist unklar, ob die Wirkung der Farben aus sich selbst heraus funktioniert - oder vielmehr ein Produkt unserer kulturellen Hintergründe und Erwartungen ist. In der allgemeinen Diskussion wird die Trennung von Wirkung ("Blau macht kreativ") und Symbolgehalt ("Grün steht für Hoffnung") oft verwischt. Die Zahl solcher Zuschreibungen ist Legion: Blau bedeutet Pflichtbewusstsein und Treue, Rot Gefahr und Energie, Gelb steht für Wissen und Wahrheit, Grün symbolisiert Ehrlichkeit und Sicherheit - usw. Inwieweit hier auf spezifische Wirkungen geschlossen werden kann, ist unklar.

Die Hinweise darauf, dass Farben auf Menschen in spezifischer Weise wirken, sind jedoch unbestreitbar. Besonders eindrücklich sind die zahlreichen Erfahrungen mit dem Baker-Miller-Pink in den Gefängniszellen, wenn es auch hier Gegenanzeigen gibt (s.o.).

Welche Farbe für welche Klasse/Situation?

Die hier skizzierten Situationen können aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Wenn die Schüler/innen nicht mitarbeiten, kann das an der vorausgegangenen 8-stündigen Deutscharbeit liegen, an der 44-Grad-Hitzewelle oder daran, dass die Klasse Sie hasst. In jedem Fall gibt Ihnen die korrekte Farbwahl Ihrer Kleidung die Möglichkeit, die Schüler/innen entsprechend zu aktivieren. Vergessen Sie dabei nicht, dass Farben nicht alles sind. Wenn die Klasse Sie HASST, dann sollten Sie eher ein konstruktives Gespräch suchen - und nicht das Problem mit dem Anziehen eines roten Pullovers als erledigt ansehen.

Passive Klasse; Mittagsunterricht

Die Schüler/innen sind träge, kaum Wortmeldungen, kein Engagement bei Gruppenarbeiten und Vorträgen.

Tragen Sie Rot und/oder Gelb, um die Schüler/innen zu aktivieren und die allgemeine Laune etwas zu heben.

Undisziplinierte Klasse

Die Schüler/innen sind laut und unbeherrscht, vielleicht auch aggressiv und respektlos Ihnen gegenüber.

Tragen Sie Blau und/oder Rosarot, am besten das klassische Baker-Miller-Pink, um die Schüler/innen etwas zu beruhigen. In hoffnungslosen Fällen streichen Sie das ganze Klassenzimmer in Baker-Miller-Pink. Falls die Schüler/innen dann zu apathisch werden, ziehen Sie zum Ausgleich eine rote Hose und ein rotes Oberteil an.

Vermeiden Sie Schwarz, um den Aggressionspegel nicht sinnlos zu erhöhen.

(siehe auch: 5 Tipps, wie man Schüler/innen richtig bestraft)

Einfallslose Klasse

Die Arbeitsergebnisse der Schüler/innen sind langweilig und uninspiriert.

Tragen Sie Blau und/oder Grün, um die Kreativität zu fördern.

Klassenausflug/Klassenfahrt

Auf keinen Fall können Sie Schüler/innen brauchen, die wie verrückt durch die Gegend rasen und vor den einfahrenden Zug springen. Besorgen Sie sich eine rosarote Funktionsjacke (Baker-Miller-Pink!), dazu eine hellblaue Hose, um den Blutdruck der Kinder zu senken.

Elterngespräch

Tragen Sie helle Farben, um eine positive Stimmung und ungezwungene Atmosphäre zu erzeugen. Vermeiden Sie Blau und Grün, wenn Sie die Eltern nicht unnötig kreativ haben wollen ("Ich habe eine Idee - Könnten Sie nicht einfach eine zusätzliche Arbeit schreiben?").

Wenn das Elterngespräch heftig zu werden droht, kommen Sie ganz in Baker-Miller-Pink, um die Emotionen runterzuregeln.

(siehe auch: Eltern-Lehrer-Konflikte professionell lösen)

Gespräch mit der Schulleitung

Je nach Ziel des Gesprächs wählen Sie auch hier Ihre Kleidung. Wenn Sie die Schulleiter/in in einen Zustand guter Laune versetzen möchten, wählen Sie Gelb in Verbindung mit einer Pastellfarbe. Wenn Sie den Konflikt mit Fäusten austragen wollen, kleiden Sie sich ganz in Schwarz.

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