Urlaubstechniken

Wie Lehrer/innen ihre Ferien optimal gestalten können 03.07.2011, 02:24

Lehrer/innen haben irrsinnig viel Ferien (auch genannt: »unterrichtsfreie Zeit«). In den Ferien korrigieren Lehrer/innen, sie bereiten Unterricht vor und organisieren Elternabende. Und sie gehen in Urlaub. Verreisen oder Balkonien? Jamaica oder Bodensee? Joggen oder schlaf(f)en? Eine Entscheidungshilfe.

Sandburg
Bild: pixabay [CC0 (Public Domain)]
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Ferien

Pro Schuljahr gibt stark 12 Wochen Schulferien (schulferien.org), auch genannt "unterrichtsfreie Zeit". Viele Personen glauben, dass Lehrer/innen in den Schulferien nichts arbeiten. Das stimmt natürlich nicht: Korrekturen, Unterrichtsvorbereitung und Elternabendorganisationen verschlucken einen beträchtlichen Teil der Ferien.

Für Lehrer/innen gilt deshalb eher die Unterscheidung von Ferien und Urlaub.

Urlaub

Im »Urlaub« arbeiten Lehrer/innen nicht für die Schule. Das sind pro Jahr ungefähr 5-7 Wochen. In dieser Zeit versuchen Lehrer/innen - wie andere Menschen auch - sich zu erholen und vielleicht das zu tun, wozu ihnen die Arbeit im Alltagsbetrieb keine Zeit lässt.

Gerade bei Lehrer/innen ist der Erholungsfaktor enorm wichtig: Im Unterricht steht die Lehrer/in täglich stundenlang im Fokus von 30 energiegeladenen Kindern oder Jugendlichen. Deshalb gibt es kaum Tätigkeiten, die in mentaler Hinsicht so kraftraubend sind wie das Unterrichten an Schulen.

Maximale Erholung

erholen [...] Im reflexiven Gebrauch bekommt es frühneuhochdeutsch [...] die Bedeutung 'sich für etwas entschädigen', daraus die heutige Bedeutung 'seine Kraft wiederzuerlangen suchen'

Friedrich KLUGE: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, “erholen”

Wie kann man sich "für etwas entschädigen"? Indem man sich etwas nimmt, das einem das Geraubte zurückgibt. Mentale Kraft also. Aber wie bekommt man mentale Kraft?

Erholung durch Distanz

Je unähnlicher die Urlaubssituation der Alltagssituation ist, desto weniger werden die Anstrengungen der Arbeit assoziiert. Es gibt drei Möglichkeiten, solchermaßen Abstand zu gewinnen:

Geografische Distanz
Physische Entfernung vom Arbeitsort bedeutet auch mentale Entfernung vom Arbeitsort. Zum "Arbeitsort" gehört für Lehrer/innen auch das Zuhause (Arbeitszimmer!), s.u. In der Ferne werden die Regenerationskräfte angeregt. Manche Lehrer/innen fahren deshalb umgehend nach der letzten Schulstunde vor den Ferien in Urlaub und kehren erst kurz vor Schulbeginn wieder zurück, um möglichst viel Zeit in diesem regenerativen Zustand zu verbringen.
Untypischer Tagesablauf
Je weniger der Tagesablauf im Urlaub dem Tagesablauf im Alltag ähnelt, desto weiter weg scheint der Arbeitsalltag. Ein gängiges Mittel ist die Langsamkeit: lange schlafen, kein Stress, ein Käffchen in der Fußgängerzone, bisschen im Schwimmbad rumhängen. Sehr einfach zu realisieren bei Urlaubsformen, die nicht zuhause stattfinden.
 
Ablenkung
Probleme und Stress werden durch das Ausführen von anderen Tätigkeiten verdrängt. Häufig besteht eine Schnittmenge mit aktivierenden Urlaubstechniken (s.u.).

Erholung durch Nichtstun

Wenn ein Lehrling sich nach acht Stunden an der Supermarktkasse nur noch vor die Glotze legen mag, dann versucht er Energie zu tanken, indem er nichts tut. Sich erholt eben.

Erholung durch Aktivierung

Manche Menschen wenden dagegen eine Menge Energie für Sport, Solaranlagenbau oder Bildermalen auf. Der subjektive "Erfolg" bei diesen Tätigkeiten gibt ihnen die Kraft, die sie während des Arbeitsalltags verbraucht haben. Häufig spielt auch Ablenkung (s.o.) eine Rolle.

Je nach Persönlichkeitstyp sind die Modalitäten für "erfolgreiche Erholung" verschieden. Während der Eine beim Nichtstun ganz verrückt wird, ist dem Anderen während des Urlaubs jegliche Art von Betätigung zuwider. Manche LIEBEN es im Urlaub zu verreisen, mögichst oft und möglichst weit, andere HASSEN es und möchten nur im Bademantel auf dem Balkon rumhängen und akribisch aufgeschäumten Milchkaffee schlürfen.

Der optimale Weg der Urlaubsgestaltung für Lehrer/innen

Durch ihre Arbeitsumstände neigen Lehrer/innen dazu, in ihrer Freizeit unentwegt zu arbeiten: Die Politiklehrerin liest am Strand in der Zeitung vom Putsch des italienischen Parlaments - und schneidet den Artikel aus. Der Deutschlehrer korrigiert am Samstagmorgen vor dem Rasenmähen noch ein paar Klausuren, die mittägliche Diskussion der Physiklehrerin mit ihrem Sohn inspiriert diese zu einem tollen Einstieg am nächsten Tag. Und der Biologielehrer nutzt das gemütliche Kaffeetrinken auf dem sonnigen Balkon, um über den Streit mit der 11c nachzudenken.

Deshalb gibt es für Lehrer/innen einen zusätzliche Grundregel für einen erfolgreich gestalteten Urlaub: Du sollst nicht arbeiten. Vermeiden Sie in der Urlaubszeit (nicht: Ferienzeit!) also jegliche arbeitsbezogene Betätigung, sofern Sie keine persönliche Befriedigung daraus ziehen. Dann wird Ihr Urlaub seinen Namen verdienen.

Urlaub [...] alte Nominalbildung zu erlauben. In alter Zeit wird das Wort spezialisiert auf ‘Erlaubnis, sich zu entfernen’, in der Neuzeit angepaßt zu ‘zeitweilige Freistellung vom Dienst oder von der Arbeit’. Täterbezeichung: Urlauber [...]

Friedrich KLUGE: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, “Urlaub”

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