Urlaubstechniken

Wie Lehrer/innen ihre Ferien optimal gestalten können 13.07.2019, 02:24

Sandburg
Bild: pixabay [CC0 (Public Domain)]

Lehrer/innen haben ziemlich viel Ferien (auch genannt: »unterrichtsfreie Zeit«). In diesen Ferien korrigieren Lehrer/innen, sie bereiten Unterricht vor und organisieren Elternabende. Und sie gehen in Urlaub. Verreisen oder Balkonien? Jamaica oder Bodensee? Joggen oder schlaf(f)en? Eine Entscheidungshilfe.

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Originalbeitrag vom 03.07.2011, Überarbeitung 13.07.2019

Ferien

Pro Schuljahr gibt es stark 12 Wochen Schulferien, auch genannt "unterrichtsfreie Zeit". Viele Personen glauben, dass Lehrer/innen in den Schulferien nichts arbeiten. Das stimmt natürlich nicht: Korrekturen, Unterrichtsvorbereitung und Elternabendorganisationen verschlucken einen beträchtlichen Teil der Ferien.

Für Lehrer/innen gilt deshalb eher die Unterscheidung von Ferien und Urlaub.

Urlaub

Im »Urlaub« arbeiten Lehrer/innen nicht für die Schule. Das sind pro Jahr ungefähr 5-7 Wochen. In dieser Zeit versuchen Lehrer/innen - wie andere Menschen auch - sich zu erholen und vielleicht das zu tun, wozu ihnen die Arbeit im Alltagsbetrieb keine Zeit lässt.

Gerade bei Lehrer/innen ist der Erholungsfaktor enorm wichtig: Im Unterricht steht die Lehrer/in täglich stundenlang im Fokus von 30 energiegeladenen Kindern oder Jugendlichen. Deshalb gibt es kaum Tätigkeiten, die in mentaler Hinsicht so kraftraubend sind wie das Unterrichten an Schulen.

Maximale Erholung

erholen [...] Im reflexiven Gebrauch bekommt es frühneuhochdeutsch [...] die Bedeutung 'sich für etwas entschädigen', daraus die heutige Bedeutung 'seine Kraft wiederzuerlangen suchen'

Wie kann man sich "für etwas entschädigen"? Indem man sich etwas nimmt, das einem das Geraubte zurückgibt. Mentale Kraft also. Aber wie bekommt man mentale Kraft?

Erholung durch Distanz

Je unähnlicher die Urlaubssituation der Alltagssituation ist, desto weniger werden die Anstrengungen der Arbeit assoziiert. Es gibt drei Möglichkeiten, solchermaßen Abstand zu gewinnen:

Geografische Distanz

Physische Entfernung vom Arbeitsort bedeutet auch mentale Entfernung vom Arbeitsort. Zum "Arbeitsort" gehört für Lehrer/innen auch das Zuhause (Lehrer/innen-Schreibtisch!), s.u. In der Ferne werden die Regenerationskräfte angeregt. Manche Lehrer/innen fahren deshalb umgehend nach der letzten Schulstunde vor den Ferien in Urlaub und kehren erst kurz vor Schulbeginn wieder zurück, um möglichst viel Zeit in diesem regenerativen Zustand zu verbringen.

Untypischer Tagesablauf

Je weniger der Tagesablauf im Urlaub dem Tagesablauf im Alltag ähnelt, desto weiter weg scheint der Arbeitsalltag. Ein gängiges Mittel ist die Langsamkeit: lange schlafen, kein Stress, ein Käffchen in der Fußgängerzone, bisschen im Schwimmbad rumhängen. Sehr einfach zu realisieren bei Urlaubsformen, die nicht zuhause stattfinden.

Ablenkung

Probleme und Stress werden durch das Ausführen von anderen Tätigkeiten verdrängt. Häufig besteht eine Schnittmenge mit aktivierenden Urlaubstechniken (s.u.).

Erholung durch Nichtstun

Wenn man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag nur noch vor die Glotze legen mag, dann versucht man Energie zu tanken, indem man nichts tut.

Erholung durch Aktivierung

Manche Menschen wenden dagegen eine Menge Energie für Sport, Solaranlagenbau oder Bildermalen auf. Die Kraft, die sie während des Arbeitsalltags verbraucht, holen sie durch Erfolgserlebnisse wieder herein (»Ich habe den Mount Everest bezwungen!«, »Was für ein schönes Gartenhäuschen habe ich da gebaut.«). Häufig spielt hierbei auch Ablenkung (s.o.) eine Rolle.


Je nach Persönlichkeitstyp sind die Modalitäten für "erfolgreiche Erholung" verschieden. Während der eine beim Nichtstun ganz verrückt wird, ist dem anderen während des Urlaubs jegliche Art von Betätigung zuwider. Manche lieben es im Urlaub zu verreisen, möglichst oft und möglichst weit, andere hassen es und möchten nur im Bademantel auf dem Balkon rumhängen und akribisch aufgeschäumten Milchkaffee schlürfen.

Der optimale Weg der Urlaubsgestaltung für Lehrer/innen

Durch ihre Arbeitsumstände neigen Lehrer/innen dazu, in ihrer Freizeit unentwegt zu arbeiten: Die Politiklehrerin liest am Strand einen Artikel über die Krise der amerikanischen Demokratie - und schneidet den Artikel aus. Der Deutschlehrer korrigiert am Samstagmorgen vor dem Rasenmähen noch ein paar Klausuren, die mittägliche Diskussion der Physiklehrerin mit ihrem Sohn inspiriert diese zu einem tollen Einstieg zur Einheit "Schiefe Ebene". Und der Biologielehrer nutzt das gemütliche Kaffeetrinken auf dem sonnigen Balkon, um über den Streit mit der 11c nachzudenken.

Deshalb gibt es für Lehrer/innen einen zusätzliche Grundregel für einen erfolgreich gestalteten Urlaub: Du sollst nicht arbeiten. Vermeiden Sie in der Urlaubszeit (nicht: Ferienzeit!) also jegliche arbeitsbezogene Betätigung, sofern Sie keine persönliche Befriedigung daraus ziehen. Dann wird Ihr Urlaub seinen Namen verdienen. Um noch einmal die Etymologie zu bemühen:

Urlaub [...] alte Nominalbildung zu erlauben. In alter Zeit wird das Wort spezialisiert auf ‘Erlaubnis, sich zu entfernen’, in der Neuzeit angepaßt zu ‘zeitweilige Freistellung vom Dienst oder von der Arbeit’. Täterbezeichung: Urlauber [...]

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