Lehrergehalt im Vergleich

Lehrer/innen in der Schweiz sind unterbezahlt 13.07.2014, 13:30

2 Schweizer Franken
Bild: flickr-User Marcel Grieder: Swiss Francs [CC by]

Die Gehälter für Lehrer/innen in der Schweiz liegen bis zu 39% unter dem Gehalt, das für vergleichbare Tätigkeiten bezahlt wird. Das Einstiegsgehalt für Lehrer/innen in der Schweiz liegt bei 80.000 bis 100.000 Schweizer Franken (65.000-80.000 Euro). Interessierte finden hier auch eine Liste mit Lehrer-Stellenbörsen der BRD-grenznahen Schweizer Kantone.

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Der Schweizer Lehrer/innen-Dachverband LCH beklagt in einer Pressemitteilung vom 26.06.2014: Löhne der Lehrpersonen sind nicht konkurrenzfähig. Dort heißt es:

Die Löhne der Lehrpersonen können mit denjenigen der Angestellten in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung [...] nicht mithalten. Bis zu 39% mehr würden Lehrpersonen in anderen Branchen für anforderungsgleiche Arbeiten verdienen.

Grundlage ist die aktuelle Studie Salärvergleich Unterrichtswesen - Privatwirtschaft/Public, 10.06.2014 (PDF), die sich auf die Lehrergehälter im Kanton Aargau bezieht. Dort wird auch definiert, was “anforderungsgleiche Arbeiten” bedeutet.

Gehalt einer Lehrer/in im Kanton Aargau ...

Im Kanton Aargau beträgt die Ist-Besoldung von Lehrer/innen im Jahr 2014 in Schweizer Franken

 Einsteigernach 5 Jahrennach 10 Jahren
Primarschule77.294 (~63.673 EUR)83.895 (~69.111 EUR)93.359 (~76.907 EUR)
Sek I87.824 (~72.348 EUR)95.644 (~78.790 EUR)106.855 (~88.025 EUR)
Berufsschule (Sek II)96.249 (~79.288 EUR)105.199 (~86.661 EUR)118.032 (~97.233 EUR)
Mittelschule (Sek II)102.567 (~84.493 EUR)112.104 (~92.349 EUR)125.780 (~103.615 EUR)

(Wechselkurs 07/2014: 1 CHF = 0,82 EUR)

Dies ist nachzulesen in besagter Studie (S. 27), die diese Daten ihrerseits vom Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau hat.

In Deutschland würde in der Tabelle unten links ein Wert von etwa 40.000 Euro stehen - also rund die Hälfte (mehr: Lehrerfreund 14.04.2010: Lehrergehälter in Deutschland: Bundesländer-Rangliste 2010).

... im Vergleich mit Gehältern in der Privatwirtschaft:

Die Lehrergehälter werden verglichen mit drei Beschäftigungssektoren (Studie, S. 25):

Public - Bundes- und Kantonsverwaltungen, bundesnahe Unternehmen
Finanzdienstleistung - Banken, Versicherungen, Finanzdienstleister
Übrige Industrie - Dienstleistungen, Maschinenindustrie, Technologie, Verkehr, Energie

Am Berufsanfang verdienen Lehrer/innen überdurchschnittlich (Ausnahme: Primarschule - unterdurchschnittlicher Verdienst). Mit den Jahren nimmt dieser Vorteil ab, Lehrer/innen mit 10 Jahren Berufserfahrung verdienen bis zu 39 Prozent weniger als Beschäftigte in den Vergleichsmärkten (Kurzzusammenfassung: Studie, S. 32-34).

Im folgenden Diagramm ist deutlich zu erkennen, dass in der Primarschule (Grundschule) das Einstiegsgehalt deutlich unter den Gehältern der anderen verglichenen Beschäftigungsfelder liegt. Ebenso ist zu sehen, dass sich der Anstieg über die ersten 10 Berufsjahre wesentlich flacher gestaltet:

Diagramm: Gehaltsentwicklung Lehrer Primarschule, Vergleich zur Privatwirtschaft

(Quelle: Studie Salärvergleich Unterrichtswesen - Privatwirtschaft/Public, 10.06.2014 (PDF), S. 6)

In der Sekundarstufe II liegt das Einstiegsgehalt deutlich höher als in anderen Beschäftigungszweigen. Nach 10 Jahren ist dieser Vorteil verschwunden. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Berufsschulen und der Sekundarstufe I: hohes Einstiegsgehalt, wenig Entwicklung nach oben.

Diagramm: Gehaltsentwicklung Lehrer Sekundarstufe II / Mittelschule, Vergleich zur Privatwirtschaft

(Quelle: Studie Salärvergleich Unterrichtswesen - Privatwirtschaft/Public, 10.06.2014 (PDF), S. 7)

In der zugehörigen Pressemitteilung warnt der LCH vor massivem Lehrermangel:

Bis zu 39 % höher liegen die Löhne in anforderungsgleichen Berufen in Privatwirtschaft und Verwaltung bereits nach 10 Jahren. [...] Während die Ausbildung zur Lehrperson länger wurde und die Anforderungen stiegen, blieb die Lohnentwicklung der letzten Jahre ungenügend. Auf jedem Lohnentwicklungsvergleich der vergangenen Jahre dümpelt die Kurve der Lehrerlöhne weit tiefer als die der meisten übrigen Berufe.  [...] Bis 2018 muss aber aufzuholen sein, was in den letzten 20 Jahren versäumt worden ist: Ein Lohnniveau für die Lehrpersonen zu erreichen, das den hohen Anforderungen an Ausbildung und Arbeit gerecht wird. Sonst steigen zu viele junge Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen bereits nach wenigen Jahren aus dem Beruf aus. Das BFS zeigt, dass 2010 bis 2011 bereits im ersten Dienstjahr 16% der Lehrerinnen und Lehrer aus dem Beruf ausgestiegen sind. Nach fünf Jahren waren es die Hälfte (49%) und nach zehn Jahren zwei Drittel (65 %).

Das sind immense Absprungquoten, die wir in Deutschland so nicht kennen, und der LCH macht sich zu Recht Sorgen.

Arbeitsmöglichkeit für Lehrer/innen aus Deutschland

Für pädagogisches Personal gerade im süddeutschen Raum ergeben sich in dieser Situation möglicherweise attraktive Anstellungschancen. Während das vermeintlich hohe Gehalt durch die Lebenshaltungskosten für Bewohner/innen der Schweiz stark relativiert wird, können Pendler/innen aus Deutschland durchaus einen guten Schnitt machen. Schon seit einigen Jahren behebt die Schweiz ihren Lehrermangel u.a. durch Lehrer/innen aus Deutschland (siehe verwandte Links zum Artikel).

Karte. Grenzgebiet Schweiz - Deutschland

(Quelle: Wikimedia/Tschubby: Karte Kantone der Schweiz farbig 2011, CC BY-SA 3.0)

Wie die Karte zeigt, sind vor allem die Kantone Basel, Basel-Landschaft, Aargau, Zürich, Schaffhausen und Thurgau interessant. Wer sich interessiert, kann hier klicken:

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