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Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


26.5 Stunden/Woche

Vergleich: Arbeitszeiten der Lehrer/innen nach Bundesländern 04.11.2009, 11:11

Für Lehrer/innen wird die Arbeitszeit in "gehaltene Unterrichtsstunden pro Woche" gemessen. Die Pflichtstundenzahl unterscheidet sich dabei von Bundesland zu Bundesland. An der Spitze liegt Mecklenburg-Vorpommern (27.1 Stunden), das Schlusslicht bildet Sachsen-Anhalt mit 25 Stunden.

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  • (geändert: )

“Pflichtstundenzahl” - Arbeitszeiten von Lehrer/innen

Lehrer/innen müssen außerhalb der Ferien eine bestimmte Anzahl von Unterrichtsstunden abhalten. Diese Zahlen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und hängen von der Schulform ab (an Gymnasien muss weniger unterrichtet werden als an Grund- und Hauptschulen, Beispiel Baden-Württemberg: Gymnasium 25 Stunden, Grundschulen: bis 28 Stunden/Woche).

In der Regel können Lehrer/innen ihr “Deputat” (d.h. ihre Unterrichtsverpflichtung) relativ frei bestimmen. Dazu stellen Sie (nach Absprache mit der Schulleitung) vor Ablauf eines Schuljahres einen entsprechenden Antrag und geben an, wie hoch ihr Deputat im nächsten Schuljahr sein soll. Aus diesem Grund ist der Lehrerinnen-Beruf gerade für Eltern hoch interessant; viele frische Mütter steigen erst mal acht Stunden pro Woche wieder ein. In einigen Bundesländern wird diese Freiheit reglementiert: Wenn ein Über- oder Unterangebot an Lehrkräften herrscht, werden bestimmte Deputatsansprüche nicht genehmigt.

In Deutschland bedeutet ein Volldeputat im Durchschnitt (über alle Schulformen) 26.5 Unterrichtsstunden (s.a. Lehrerfreund 19.10.2008: Lehrer-Arbeitszeit im internationalen Vergleich).

Sind 26 Stunden Unterricht viel oder wenig?

In der Diskussion erhitzen sich die Gemüter, denn 26 (45-Minuten-)Stunden und 13 Wochen Ferien klingt nach einer wirklich entspannten Situation. Allerdings kommt zu den Unterrichtsstunden (je nach Fach und Schulform) ein nicht unerheblicher zeitlicher Aufwand dazu: Unterrichtsvorbereitung/-nachbereitung, Konferenz, Elterngespräche, Korrekturen usw., so dass Lehrer/innen mit Volldputat im Jahresschnitt nicht weniger Arbeitsstunden aufwenden als andere Personen (siehe Beitrag Lehrer arbeiten 51 Stunden die Woche und Kommentare #2 und #6 dazu). Ebenfalls nicht zu vergessen ist dabei, dass Unterrichten ein hochgradig anstrengendes Geschäft ist: Das disziplinierende Zentrum von 30 (manchmal: unwilligen) Personen zu bilden stellt einen hohen energetischen Aufwand dar.

Viele Lehrer/innen reduzieren deshalb ihr Deputat, um ihre Belastung zu reduzieren. Dafür bekommen sie natürlich weniger Geld.

Arbeitszeit von Lehrer/innen im Bundesländer-Vergleich

Die GEW Hessen hat anlässlich des geplanten Lehrer/innen-Streiks am 17.11.2009 eine Tabelle über die Volldeputate der einzelnen Bundesländer zusammengestellt, die wir hier mit freundlicher Genehmigung abbilden (aus: Präsentation Pressekonferenz 22.09.2009 (pdf)):

 DurchschnittRang
Baden-Württemberg26.211
Bayern26.84
Berlin26.84
Brandenburg26.56
Bremen26.56
Hamburg25.414
Hessen272
Mecklenburg-Vorpommern27.11
Niedersachsen26.211
Nordrhein-Westfalen26.93
Rheinland-Pfalz26.113
Saarland26.56
Sachsen26.56
Sachsen-Anhalt2516
Schleswig-Holstein26.410
Thüringen25.415

Quelle: KMK, Berechnungen der GEW Hessen
Stand: März 2009

Bei der Lektüre der Tabelle sollte berücksichtigt werden:

  1. Zwei Stunden Unterschied ist mehr, als man denkt. In einem Nebenfach bedeutet das: eine Klasse mehr - mit allem, was so dranhängt: 30 zusätzliche Schüler/innen; Vorbereitung; Konferenzen; Korrekturen; Eltern; Geben, Berechnen und Verwalten der Noten usw. Zwei Deputatsstunden bedeuten auf das Jahr gerechnet mindestens 130 Arbeitsstunden (= Zeitstunden) mehr Arbeit.
  2. Die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In vielen westlichen Bundesländern werden Lehrer/innen grundsätzlich verbeamtet, neben der erfreulichen Jobsicherheit haben sie dadurch auch mehr auf dem Konto. In einigen Bundesländern (v.a. im Südwesten der BRD: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen) sind viele öffentliche Schulen besser mit Sach- und Geldmitteln ausgestattet als im Norden und Osten Deutschlands, wo Lehrer/innen teilweise ihre Kopien für den Unterricht selbst bezahlen.

Die Bildungsminister/innen der Länder regulieren ihre Finanzen, indem Sie die Deputate für Lehrer/innen in regelmäßigen Abständen anheben, was regelmäßig zu lautstarken Protesten der Lehrer/innen führt. Neuerdings wird auch das Streiken für Beamte und Beamtinnen gesellschaftsfähig - was die Diskussion um die Höhe der Volldeputate durchaus dynamisieren dürfte.

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Kommentare

63

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  • #1

    @ chefkoch
    “Bei dem Gehalt in der freien Wirtschaft sind 60-70 Std. normal.” Das heißt, diese Arbeitgeber verstoßen ständig gegen geltendes Recht. Früher waren es die 50-stundenwochen, dann waren es 60-stundenwochen und da dies nicht reicht, werden jetzt schon bis zu 70-stundenwochen suggeriert, also 14 Stunden am Tag. Wers glaubt. Leute die ich kenne, die näherungsweise so viel arbeiten (müssen), verdienen entweder das 3-fache eines Gymnasiallehrers oder sind selbstständig.

    schrieb GriasDi am

  • #2

    @ wen auch immer: Was willst du mehr? Strahlende Kinderaugen UND Akademikergehalt ! Ich freue mich über beides! :D

    schrieb Sisyphos am

  • #3

    @chefkoch: “Wo bleibt die Freude mit jungen Menschen zu arbeiten????”

    Sie haben Recht!!! Strahlende Kinderaugen sollten Lohn genug sein für jeden Lehrer. Eine Frechheit, dass es Lehrer gibt, die für ihre Arbeit noch ein (Akademiker-)Gehalt verlangen!

    schrieb Mister M. am

  • #4

    @ Chefkoch : lesen Sie doch mal meine Beiträge bis #55. Da sollten Sie eigentlich merken, dass das die pure Lust ist, mit den jungen Menschen zu arbeiten, auch wenn die “armen” Kinder das böse böse Latein lernen müssen.
    Später müssen dieselben geplagten Geister jedoch Zugeben müsse, dass Sie von der ganzen heillosen selektieren den Plackerei auch profitiert haben und sogar ein- bis Zweimal Spaß halten. Dass ICH gerne Latein mache merken meine Schüler und lassen sich anstecken.
    Lehrer, die meinen, was sie sagen, lieben, was sie tun, Sagen, was sie meinen, erkennen Schüler sofort.  Ich überlasse Jammern den Anderen .

    schrieb Sisyphos am

  • #5

    Ich verstehe die Diskussion nicht. Bei dem Gehalt in der freien Wirtschaft sind 60-70 Std. normal. Eine Planbarkeit bis zur Rente bzw. Pension hat fast kein Arbeitnehmer.
    Wo bleibt die Freude mit jungen Menschen zu arbeiten????

    schrieb chefkoch am

  • #6

    Ich denke wir sollten nur noch Addition und Multiplikation durchnehmen, Subtraktion und Division können wir uns dann sparen oder wie?
    Da es in Bayern (noch) ein Zentralabitur gibt, setzen sich die Lehrer sehr wohl mit dem Lehrplan auseinander, nehmen vor allem die Inhalte durch, die abiturrelevant sind (schließlich sind wir Lehrer auch dazu da, um auf das Abitur vorzubereiten, wehe, wir würden das nicht machen). Somit ist die Liste derjenigen Inhalte, die weggelassen werden können schon sehr viel kürzer.
    Wird dann etwas weggelassen oder weniger ausführlich behandelt, wie eben im Lehrplan so vorgesehen, kommen die Unis und beklagen sich über die mangelnden Kenntnisse der Absolventen. Die Lücken sehen wir Lehrer wohl, allerdings sind diese vom Lehrplan so gewollt.

    schrieb GriasDi am

  • #7

    @OhMei, ooohmei
    “Die gelegentliche Klage über eine angebliche Lehrplanfülle stellt sich oft schnell als ein Missverständnis(!) heraus: Der Lehrplan wurde falsch(!) gelesen! ... “
    Diesen Eindruck habe ich ziemlich oft. Im Kollegium herrscht ein regelrechter Lehrplanfetischismus und 120% Erfüllungswahn.
    Kein Wunder, wenn dann die Schüler des G8 keinen Bock mehr auf Schule haben. 

    Vielleicht müssen wir im bayerischen Kollegium verpflichtende Lehrplannachhilfe einführen.

    schrieb L. Otto am

  • #8

    @ohmei
    tja, und die Unis werfen uns dann versagen vor, weil das und jenes nicht durchgenommen wurde :-)
    Aber Sie wissen natürlich alles.

    schrieb GriasDi am

  • #9

    Wer spricht eigentlich von den Kindern, denen Latein lernen Spaß macht ? Eigene Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit auf alle späteren “armen” Lateinlernen zu projezieren, ist jedenfalls nicht sinnvoll.
    Mir hat einmal ein Schüler gesagt : “Den ganzen Tag Lernzirkel, Zahnrad, Stuhlkreis, Fishbowl, WTF noch. Den ganzen Tag dieses Durcheinander. Bei ihnen ists viel schöner, da wissen wir, was kommt, da kann man sich drauf verlassen. Die fühlen sich mit ihren Kindergartenmethoden total hip und cool, aber die nerven nur.” SCHÜLERZITAT.
    ... und ich mach definitiv keinen bloßen Frontalunterricht, sondern nehme die Schüler ernst und provoziere und inspiriere sie zum SELBST-denken - im Dialog und in der Diskussion.

    schrieb Sisyphos am

  • #10

    @#46 : “Dass Bayern deshalb Schlusslicht ist, beim Bildungserfolg seiner Abiturienten und Studenten, das wundert keinen, der die Realitäten und Zahlen dort wirklich kennt.”

    Es ist mir schon aufgefallen, dass der Neid über die Leistungsfähigkeit der bayerischen Schüler so manchen Kritiker irrationale Schlüsse ziehen lässt. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt ist mir auch klar, aber künstlich geschönte Durchfallerquoten und so lange Prüfen bis auch der letzte intellektuelle Fußgänger das Abi hat, hat doch mit Qualitätssicherung, höherem Abiturienten-Output (!!) nichts zu tun und vergleicht Äpfel mit Birnen.
    Wenn ich lesen muss, dass Kinder nur noch lernen sollen, was sie später im Leben braucht (zum Überleben ?) dann sollen die auf die Realschule gehen. Da wird das jeden Tag gemacht.
    Kinder sind unterschiedlich leistungsfähig. Daher ist es nur gerecht den Kindern gegenüber sie auch unterschiedlich zu fördern anstatt sie alle gleich machen zu wollen. Das ist eine Schande für die wirklich schlauen Kinder. Wir sprechen nur über potentielle, virtuelle oder wirkliche “Bildungsversager”. Was ist denn mit den gut und hoch begabten Kindern, die sich am GesamtschulenGymnasium langweilen, weil die uneigentlichen Gymnasiasten nichts kapieren, aber unbedingt aufs Gymnasium müssen. Die hatten schon als Baby áuf dem Body stehen : Abi 2014. Arme Kinder.

    schrieb Sisyphos am

  • #11

    Ein Lehrer muss höchst fachkompetent sein..
    Er muss sich stets weiterbilden zum Segen der Schüler
    Er muss auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen
    Er muss den Unterrichtstoff für jeden Schüler einleuchtend erklären können.
    Er muss den Wissens-und Leistungsstand der Schüler regelmäßig neutral überprüfen und bewerten.
    Er muss Kontakt zum Elternhaus haben
    Er muss die Gemeinschaft durch pädagogisch sinnvolle Aktivitäten fördern.
    Er muss den Schülern vermitteln, dass dieser Beruf sein Traumberuf ist.

    schrieb Sartorius am

  • #12

    @#50
    In der Tat, werter Kollege ist es nicht gewährleistet, dass selbst bei einem Schulwechsel innerhalb des eigenen Bundeslandes der Lehrplan dasselbe ist. Wenn Schule x Felix als Lehrbuch nimmt und Schule y Campus, dann habe wir schon zwei unterschiedliche Formen der Lehrplanaufbereitung. Und bei den Stundenangaben steht immer dieses berühmte ca., aber vielleicht wissen Sie als Nichtlateiner nicht dessen Bedeutung.

    Und nun speziell für Sie zur genaueren Information:
    —————————————————————
    Lehrplanfülle und Belastung

    Die gelegentliche Klage über eine angebliche Lehrplanfülle stellt sich oft schnell als ein Missverständnis(!) heraus: Der Lehrplan wurde falsch(!) gelesen! ... (Den Rest dürfen Sie sich selbst durchlesen)
    http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26771
    *
    Weil jedoch viele KollegInnen unter einer veritablen Schwäche des verstehenden Lesens leiden, habe ich Ihnen hier nochmals ein paar weitere entschiedene Punkte herauskopiert:
    *
    http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26350
    (3) Die Themenvorschläge(!) in den Jahrgangsstufenlehrplänen lassen sich folgenden Bereichen zuordnen1: ......

    (4)...Festzulegen(!) ist, welche Aufgaben das jeweilige Leitfach und die zugeordneten Fächer übernehmen und in welchen Jahrgangsstufen welche Inhalte vermittelt und vertieft werden sollen. Eine systematische(!) Zusammenarbeit der Fachschaften in diesen Bereichen bildet die Grundlage für inhaltliche Kooperationen. Gleichzeitig stärkt sie auch bei den Schülern das Bewusstsein, dass es im Gymnasium nicht(!) um die Vermittlung jeweils isolierten Fachwissens geht, sondern um ganzheitliche, von den verschiedenen Fächern unter gleichen Zielen getragene ganzheitliche Bildungsarbeit.

    1.5 Qualitätsentwicklung am Gymnasium

    (1) Jedes Gymnasium muss sich als lernende(!) Organisation verstehen. Überprüfbare Standards Bei der ständigen und umfassenden Qualitätsentwicklung müssen die Erwartungen aller(!) an der Schulgemeinschaft Beteiligten (Lehrkräfte, Schüler und Eltern)....

    (3) Aufgabe der LehrkräfteLehrkräfte ist es, wissenschaftlich fundierten, methodisch durchdachten und weitgehend an der Lebenswirklichkeit(!) der Schüler orientierten Unterricht zu erteilen. ....

    (3) In diesem Lehrplan wird bewusst auf kleinschrittigeSchulprofil Vorgaben verzichtet. Schulleitungen, Lehrerkollegien und Fachschaften erhalten dadurch die Freiheit(!), aber auch die Aufgabe, Schwerpunktsetzungen(!) im Rahmen ihrer Schulprogramme vorzunehmen und damit den gymnasialen Bildungs- und Erziehungsauftrag unter Berücksichtigung der berechtigten Erwartungen und Bedürfnisse der Schüler, der Erziehungsberechtigten(!) und anderer an erfolgreicher gymnasialer Bildungs- und Erziehungsarbeit interessierter Gruppen dem eigenen Schulprofil entsprechend umzusetzen.

    (4) Ziel bayerischer Bildungspolitik ist es, den Schulen künftig noch mehr Gestaltungsfreiheit(!) zu geben und ihre Eigenverantwortung zu stärken. Die Einräumung erweiterter Evaluation Entscheidungsspielräume setzt die Bereitschaft zur qualitätsorientierten Selbst- und Fremdevaluation zwingend voraus. Schulprofil, Schulprogramm und andere Vereinbarungen liefern schulinterne Richtgrößen. ...

    Die Lehrbücher helfen den Lehrkräften bei der fachlichen Umsetzung der Lernziele und Lerninhalte des Lehrplans. Sie sind durch das Staatsministerium genehmigt.
    Sie sind jedoch keine(!) verbindliche Vorgabe für den Unterricht. Die einzelne(!) Lehrkraft entscheidet im Rahmen ihrer Gestaltungsverantwortung, welche Teile(!) des Lehrwerks sie zur Erreichung der Lernziele und zur Vermittlung der Lerninhalte mit den Schülerinnen und Schülern durchnehmen will.

    http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26773
    Da es ein bewusstes Merkmal dieses Lehrplans ist, den Lehrkräften Gestaltungsspielräume(!) zu lassen, haben sich viele Verlage entschlossen, in ihren Lehrwerken Material für verschiedene Wege zur Erreichung der Ziele anzubieten. Damit kann die einzelne Lehrkraft die individuelle Zusammensetzung der Klassen berücksichtigen und aus dem Lehrwerk auswählen.
    Auf keinen(!) Fall sollen bei solchen variantenreichen Lehrwerkarchitekturen alle Auswahlmöglichkeiten additiv(!) durchgenommen werden; dies würde zu einer Überlastung(!) der Schülerinnen und Schüler führen.

    ——————————————-
    Bei entschiedenen Stellen habe ich für die Begriffsstutzigen (!) gesetzt.
    Muss man dazu noch mehr sagen? Können Sie das alles erfassen?

    Ich bin der Meinung, dass wir einen so enorm grossen Spielraum haben, den wir lediglich nützen müssen, dass Schule tatsächlich grosse Freude machen könnte, wenn man nur wollte.

    schrieb OhMei, ooohmei am

  • #13

    Kann nicht einmal jemand diese “Ich-bin-auch-zur-Schule-gegangen-und-weiß-alles-besser-insbesondere-wie-Lehrer-ihren-Job-zu-machen-haben”-Trolle wegsperrren?

    schrieb Mister M. am

  • #14

    nochmal @ JaMei
    Nehmen wir einmal an, jede Schule könnte wirklich ihr eigenes Curriculum basteln, dann würde ein Schulwechsel sogar noch innerhalb eines Bundeslandes problematisch. Nicht umsonst versucht man zur Zeit die Lehrpläne innerhalb Deutschlands anzupassen. Hätten sich die (aus Ihrer Sicht) “Versager” die Mühe gemacht, dann würde den Schulen und insbesondere den Lehrern vorgeworfen, dass sie nicht einmal in der Lage sind, die Lehrpläne an einander anzupassen, da ja der Wechsel der Schule unmöglich ist. Wie man es macht, macht man es verkehrt.
    Ja ja, alle wissen, wie man unterrichtet. Nur die Lehrer, die können es nicht. Woran das wohl liegt.

    schrieb GriasDi am

  • #15

    @ ja mei
    Sie sollten einen Blick in den Fachlehrplan des Kultusministeriums werfen. Hier ist aufgeführt, was durchgenommen werden muss, sogar mit detaillierter Stundenzahl. Also von wegen das Kollegium kann sein Curriculum selbst basteln. Falls Sie mir nicht glauben wollen, können Sie es gerne unter dem folgenden Link nachsehen:
    http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26333

    Auch hier gilt: Erst informieren, dann lästern.

    schrieb GriasDi am

  • #16

    @#47
    Schon mal in den Rahmen-Leerplan des KuMi geschaut? Da steht herzlich wenig drin. Die schreiben ausdrücklich, dass jede Schule ihr eigenes Curriculum basteln darf. Ich weiss gar nicht, welche/r der KollegInnen noch das Märchen verbreitet, dass der G8-Stress dem Lehrplan geschuldet wäre. Die Fachschaften sind nur zu faul, ihr selbstgezimmertes Leerplanelend neu zu stricken. Vor allem die Lateinkollegen machen es sich zu einfach und unterstreichen damit ihre immer bedeutungsloser werdend Existenzberechtigung.
    Mir tun immer unsere Schüler leid, wenn ich sehe, mit welcher Geschwindigkeit der Lateinstoff durchgepaukt wird.
    Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf andere Fächer.

    Das G8-Versagen ist zu 80% ein Versagen des Kollegiums.

    schrieb JaMei, am

  • #17

    @Pfiadi
    Komischerweise überwiegt in Finnland, dem Pisasieger der Frontalunterricht, genauso in den anderen Ländern, die in diesem Ranking vorne sind (Singapur, Südkorea). Außerdem entscheiden doch nicht die Lehrer vor Ort, was im Lehrplan steht. Die müssen es umsetzen.

    schrieb GriasDi am

  • #18

    @#43

    Viele Umwege führen in die Irre. Und das bayerische Grundschulabitur ist das beste der Welt. Und wenn Latein nicht unter 5 Wochenstunden + eine Intensivierungsstunde unterrichtet wird, dann bricht die Welt unter der bayerischen Bildungsarmut zusammen.
    Es ist immer wieder erstaunlich welche weltfremden Vorstellungen im Kollegium zur Qualität des bayerischen Gymnasiums unterwegs sind.
    Natürlich werden im altertümlich gegliederten bayerischen Schulsystem des 19. Jahrhunderts nach Methoden des 19. Jahrhundert Inhalte des 19. Jahrhunderts gelehrt, die kaum einer der Schüler jemals wieder benötigt, ausser er oder sie wollen fürs Lehramt studieren und dann Lehrer werden.
    Der Witz an der ganzen Sache ist, dass den Studenten im Studium gesagt wird, dass die Methoden mit denen sie in der Schule malträtiert wurden, absolut veraltet sind, im Referendariat, das natürlich nur die machen dürfen, die im Studium gelernt haben, dass die Schulen nach völlig überholten Mustern arbeiten, wird dann erklärt, vergesst alles, was ihr im Studium gelernt habt, erst wir können euch richtig beibringen, wie Schule funktioniert, der Rat der praktizierenden Kollegen an die Referendare lautet dann, da mussten wir auch durch und die merkwürdigen Methoden des jeweiligen Seminarlehrers praktizieren, aber danach wird dann alles gut. Dann kann dir keiner mehr gross in den Unterricht reinreden. Du darfst nur nicht negativ oder positiv auffallen.
    Und so praktiziert Kollege Otto Normal und Kollegin Ottilie Normaler weiterhin den über 12 - 13 Jahre genossenen Frontalunterricht und paukt mit den Schülern Stoff durch, den sie vielleicht gebrauchen, wenn sie Lehrer werden wollen, den sie aber wahrscheinlich selbst dann nicht gebrauchen.
    Gibt es dann eine Änderung im System, statt G9 nun das G8, dann gibt es zwar ein grosses Gejammer, dass damit die Qualität des Abiturs sinken würde, am veralteten Unterrichtsstiefel kann und will Kollege Otto jedoch nichts ändern. Wir machen stur im 45 Minutentakt frontale Schülerbespassung, da wir zu faul, zu phantasielos oder zu unfähig sind, andere Unterrichtsformen erfolgreich zu etablieren, wird der gleiche Stoff in kürzerer Zeit durchgezogen. Und weil wir frustirert sind, lasten wir unsere Unfähigkeit den Schülern an.
    Zumindest in Bayern in grosser Zahl. Zum Glück gibt es nicht nur diese Systemversager, sondern fähige Kolleginnen. Leider können diese die Defizite dieser Versager nicht ausgleichen.
    Dass Bayern deshalb Schlusslicht ist, beim Bildungserfolg seiner Abiturienten und Studenten, das wundert keinen, der die Realitäten und Zahlen dort wirklich kennt. 

    schrieb Pfiadi Bayern am

  • #19

    Die unerbittliche Brille der Selektion, ich kenne keinen Lehrer der Schüler nur durch eine solche Brille betrachtet.

    schrieb GriasDi am

  • #20

    Es wäre doch interessant zu wissen, zu wie vielen der von Sisyphos beklagten Verhaltensauffälligkeiten es alleine dadurch kommt, dass Lehrer, die bekanntlich in erster Linie kommunizieren und interagieren, weder Nennenswertes zur Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen noch professionelle Beziehungsarbeit gelernt haben. Denn, jaja, in zeitgemäßen Störungsmodellen nimmt die Soziogenese durchaus eine entscheidende Rolle ein.

    Würde es Sie, Sisyphos, als Heranwachsenden nicht ganz schön auf die Palme treiben, Jahr für Jahr durch die unerbittliche Brille der Selektion betrachtet zu werden? Und wenn Sie dann noch den Text der bayerischen Verfassung gelesen hätten und wüssten, dass dort von Selektion rein gar nichts, umso mehr aber von einem Bildungsauftrag steht, dann wäre doch mehr als verständlich, wenn Sie darob die eine oder andere Verhaltensauffälligkeit (welch unglaublicher Begriff das!) an den Tag legen täten. Schon, oder?

    schrieb Dipl.-Psych. Thorsten Kerbs am

  • #21

    @Fred : Apropos Realitätsverweigerer : eine Unterrichtsstunde steht mindestens derselben Zeit an vor- und Nachbereitung gegenüber. Erstmal nachrechnen.

    @Sissis Fuß:
    Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Egal auf welchem schulischen Zweig man landet, anfangs oder auch später, ist es möglich Fachhochschul- und / oder allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Viele Wege führen nach Rom.
    Es muss aber auch erlaubt sein, dass nicht jeder Abitur machen kann. Die Gleichmacherei z.B. im Gymnasium (“jedes Kind kann Abi machen”) ist eine Augenwischerei und ideologische Romantik. Auch muss es erlaubt sein, DIE Kinder besonders zu fördern, die besonders begabt sind (lassen wir mal “JEDES Kind ist besonders” außer acht). Diese Förderung ist kaum möglich, weil immer mehr verhaltensauffällige und nicht ausreichend begabte Kinder aufs Gymnasium drängen und die Masse die Klasse erdrückt. Das ist nicht in Ordnung. Alle sollen ihren Begabungen gemäß gefördert werden, das geht aber nicht gemeinsam, gilt aber auch FÜR ALLE.
    Wenn soundsoviel Prozent durchs Gymnasium oder das Abitur fallen, ist das auch ein Zeichen, dass a) die Schulpolitik versagt hat und b) die Masse vor Klasse Vorgaben zuviele Schüler unter größten Frusterlebnissen zum Abitur schiebt, um sie dann vor für sie unrealistische Anforderungen zu stellen.
    Wir stehlen den Kindern die Zeit und die Freude am Lernen, wenn sie jahrelang konsequent überfordert und gleichzeitig weitergeschoben werden, anstatt sie an die für sie angemessene Schule zu verweisen, wo sie wieder Erfolgserlebnisse haben können und angemessen gefordert und gefördert werden (können).
    Ich bin ein großer Verfechter des gegliederten Schulsystems, das keine Kinder aussortiert - das interpretieren v.a. die Presse und Sozialromantiker so - sondern ihnen prinzipiell die angemessene Förderung zukommen lassen möchte. Dass dies nur begrenzt funktioniert, liegt v.a. an der durch die PISA-Studien und OECD-Studien ausgelöst Bildungspanik. Ich kann es nicht mehr hören. Hier schlaue Studien, dort noch schlauere Gegenstudien und eine Politik ohne Prinzipien, die ihr Fähnchen mal nach dieser und mal nach jener Studie richten, je nachdem wo man am meisten Geld sparen kann. Ein Verbrechen an der nachfolgenden Generation.

    schrieb Sisyphos am

  • #22

    @ Fred
    32 Stunden Unterricht + 20 Stunden Vorbereitung. Wobei, Ingenieure arbeiten auch nur, wenn sie auf der Baustelle sind. Ich glaub auch Schauspieler arbeiten nur dann wenn sie Abends auf der Bühne stehen. Ärzte arbeiten nur dann, wenn ihre Praxis geöffnet ist. Bitte machen Sie sich erst schlau, bevor Sie lästern.

    schrieb GriasDi am

  • #23

    ZITAT:”...Mindestens 32 Stunden, bei überwiegend theoretischen Fächern an einer Berufsfachschule, schlauchen dermaßen… ZITAT ENDE

    Mich haut´s um! Das ist ja kaum zu glauben! So viele Arbeitsstunden in der Woche? Da ist doch eine vorzeitige Pesion/Rente mehr als nur Programm…
    Lehrer sind Realitätsverweigerer, sonst nichts!

    schrieb Fred am

  • #24

    Ich bin wie viele andere, ebenfalls der Meinung, dass das Klassenwiederholen, als pädagogischer Müll des 19. Jahrhunderts, schnellstens entsorgt gehört! Was ja viele Studien auch belegen!

    Ich liebe auch Ausrufezeichen!!! Ist das schlimm???

    Vermutlich hat Sisyphos keine Ahnung vom bayerischen Bildungssystem, denn das ist nur nach unten durchlässig, abgesehen von den ersten zwei Klassen der Realschule, und dieser Effekt wird kurz danach wieder umgekehrt.

    Ich kenne übrigens viele praktizierende Kollegen in Bayern, die sich selbst als nicht besonders gute Schüler bezeichnen und z.B. als Nieten in Mathe.
    Andere können kaum einen Satz fehlerfrei schreiben. Nullen also in Deutsch. Unser aktuelle Direktorat ist besetzt mit einer 50% Schwäche in verstehendem Lesen und eine formal korrekte Briefansprache wäre dort manchmal ein Segen!

    Diese Ansammlung an leider schon verbeamteten “Lehrern auf Probe”, machen die wirklich gute Arbeit vieler Kollegen zunichte, die dieses zweifelhafte pädagogische Mittel nicht benötigen!

    Dass dann bis zur Mittelstufe regelmässig 50% der Schüler aus dem Klassenverband fallen ist eine Schande für das bayerische Gymnasium!

    schrieb wohl eher Sisis Fuss! am

  • #25

    @Auch Sisiphos (wohl eher Sissi-phos)

    Da ist aber jemand in Rage. Viele Ausrufezeichen. Das hat noch nie geholfen. Fehlt nur noch die Marseillaise : Allons enfants de la patrie ... auf die Barrikaden.

    Ihre Aussagen zeigen nur, dass Sie vom bayerischen Schulsystem nicht viel Ahnung haben. Das ist in alle Richtungen durchlässig. Nach oben aber auch nach unten. Ist das verwerflich ? Inzwischen wählen manche Eltern in liebvoller Gutgläubigkeit lieber den Weg über die Realschule zum Abitur. Viele Wege führen nach Rom. Auch ohne Barrikaden. Da liegt aber der Irrglaube, JEDES Kind könne bzw müsse Abitur machen. Gleichmacherei schadet den Kindern ebenso wie der Qualität der Ausbildung. Wir stehlen den Kindern die Zeit, indem sie auf eine falsche Schulart gelobt werden und dort heillos überfordert sind und nur schulische Frusterlebnisse einfahren.

    Ich geben Ihnen Recht, dass das Durchfallen an sich suboptimal ist. Im Wiederholungsjahr, das meist ganz gute Früchte trägt, sollte der Repetent einen LernPlan und LernBergleiter bekommen, der sich um das Aufholen der Lücken kümmert. Das geschieht nicht bzw viel zu selten. Das Wiederholungsjahr sollte effektiver genutzt werden aber nicht abgeschafft.

    Das ist ideologisch verblendeter Unsinn ... ohne Ausrufezeichen.

    Lücken werden nicht kleiner, wenn parallel ein eh überforderter Schüler zum laufenden Stoff noch den alten aufholen muss, den er schon beim ersten Mal nicht mitbekommen hat. Da sagt jedes Kind DANKE ! Das sind meist die Ergebnisse des “Vorrückens auf Probe”. Gut gemeint ist halt meist nicht gut gemacht.

    btw : Wieso sprechen Sie eigentlich immer von GymnasiastINNEN ?

    schrieb Sisyphos am

  • #26

    Was spricht überhaupt für das bayerische Gymnasium oder Abitur?

    6% der bayerischen Schülerinnen fallen pro Jahr im Gymnasium durch oder verlassen es ganz!

    Damit fallen ingesamt fast 50% der bayerischen Gymnasiastinnen mindestens einmal im Gymnasium durch oder verlassen es ganz.

    40% der Gymnasiastinnen scheitern, erhalten also kein Abitur.

    Viele dieser, oft in der Pubertät, Aussortierten, landen dann nicht auf der Realschule, denn dort gibt es für sie keine Plätze.
    Sie landen also auf der bayerischen Restschule und heben dort den bayernüblichen schlechten Schnitt der Hauptschulen ein wenig. 

    Dass trotz dieses grossen Aussortierens, in höheren Klassen teilweise 50% und mehr versetzungsgefährdet sind, illustriert nur weiter den Unsinn des bayerischen Bildungsdurchfalls. 

    Die geschieht schon lange. Statt hier überhöhte Methoden des 19. Jahrhunderts über den grünen Klee zu loben, sollten Sie sich über diesen armselige Negativrekord des bayerischen Bildungsversagens Gedanken machen.

    Ich kann nur sagen: Sitzenbleiben abschaffen! Sofort!
    Alles andere ist demographischer, ökonomischer und menschlicher Unsinn!

    Vielleicht sollten wir pro Jahr auch jeweils 6% der unfähigsten Kolleginnen aussortierten, damit sich dort qualitativ etwas bessert!

    schrieb Auch Sisiphos am

  • #27

    @GriasDi
    Ja, Masse ist wichtiger als Klasse. Geht doch mit allen Quoten so.
    Im G8 werden die Massen durchgeschoben, die Klasse wird nicht gefördert.

    schrieb Sisyphos am

  • #28

    Sagt denn die Abiturientenquote etwas über die Qualität des Abiturs aus?

    schrieb GriasDi am

  • #29

    @GriasDi
    dann ist ja schön, wenn wir einer Meinung sind.
    Es wird soviel von sovielen Dilettanten am Schulsystem rumgedoktort, dass der Frust und der Unwille extrem groß ist, diese Änderungen mitzutragen. Es gibt ja auch Schulen und Schulleiter, die immer die ersten sein müssen. Das ist für den Rest des Kollegiums sehr anstrengend, zu wissen, WELCHE Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird, gerade aktuell ist.

    schrieb Sisyphos am

  • #30

    @ sisyphos
    ich habe in meinem Beitrag nichts anderes behauptet.

    schrieb GriasDi am

  • #31

    3,7 Prozent fielen in Bayern durchs Abitur!

    Dass beim letzten Abiturjahrgang nun plötzlich 3,7 Prozent der SchülerInnen statt etwa 1 Prozent im G9 durchs Abitur fielen und daß in Bayern durch Klassenwiederholungen jährlich Kosten in Höhe von ca. 270 Millionen Euro entstehen, spricht weder für die Qualität des bayerischen Gymnasiums, noch für eine weitsichtige Bildungspolitik. Dieses Geld könnte man besser anlegen, wenn Kinder und Jugendliche damit gezielt gefördert würden.

    Der aktuelle Bildungsmonitor (und auch der letze und vorletzte ...) des konservativen CDU-CSU-FDP-nahen Instituts sagt:

    Bayern ist Schlusslicht (zusammen mit MVP) bei …

    AKADEMISIERUNG UND MINT (!) (BM 2012: JEWEILS 13. PLATZ)
    24,4 Prozent eines Altersjahrgangs erwarben im Jahr 2010 ihre Studienberechtigung an allgemeinbildenden Schulen – an den beruflichen Schulen waren es 17,1 Prozent. Damit liegt Bayern sowohl bei den allgemeinbildenden als auch bei den beruflichen Schulen unter dem Bundesdurchschnitt (31,0 bzw. 19,5 Prozent). Zugleich gab es in Bayern im Jahr 2010 gemessen an der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter relativ wenige Absolventen von Hochschulen
    ...
    Sorry, bitte keine Artikel aus anderen Quellen hier reinkopieren, sondern lieber verlinken. Der gelöschte Rest ist hier nachzulesen: faz.net 19.08.2012: Schlechtere Mathe-Noten im G8
    Redaktion, 17.02.2013

    schrieb Bayern vor! Und noch ein weiterer Tor! am

  • #32

    @sisiphos
    wenn sie meinen Beitrag richtig gelesen hätten, hätten Sie bemerkt, dass dieser Artikel genau dem widerspricht, was pythagokrass in seinem Beitrag schrieb. Ich habe den Artikel gelesen und wollte damit nur zeigen, dass in Schulen durchaus auch das Denken gelehrt wird, dass in Schulen auf eigenständige Arbeit Wert gelegt wird, dass in Schulen das gefördert wird, was pythagokrass den Schulen insbes. den dort Lehrenden abspricht. Dass es allerdings an den Universitäten immer weniger auf diese sowohl von Ihnen als auch von phthagokrass gewünschten Fähigkeiten ankommt.

    schrieb GriasDi am

  • #33

    @GriasDi
    Wenn SIE den Artikel richtig gelesen hätten, ist der ein Plädoyer fürs Denken und gegen die stupide Lernbulemie. Jemand, der nur DAS gelernt hätte, wäre zu so einem selbstreflektierten Artikel gar nicht fähig.
    Zur Uni : Den letzten beißen eben die Hunde. Mehr aber weniger gut ausgebildete Abiturienten strömen auf eine unvorbereitete Uni-Infrastruktur ein und spammen den ganzen Betrieb. Heute studieren ... nein danke.

    schrieb sisyphos am

  • #34

    @pythagokrass
    Vielleicht sollten Sie mal den Artikel “Sie haben uns völlig falsch vorbereitet” lesen.
    Link: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/516359
    In diesem Artikel beschwert sie eine bayerische Schülerin, dass sie auf das sture Büffeln, das Wiederkäuen und das Auswürgen des Stoffes wie es in der Uni heute nötig ist, an der Schule nicht vorbereitet wurde.
    Eigentlich wären die von Ihnen kritisierten Eigenschaften heutzutage gerade die richtigen für die Uni.

    schrieb GriasDi am

  • #35

    @phytagokrass

    Wenn Sie sich die Mühe machten, die internationalen Vergleichsstudien bezüglich des Abschneidens der Schüler aus Bayern und den anderen genannten Ländern zu lesen, würden Sie feststellen, dass gerade diese Schüler überdurchschnittlich gute Werte erhielten. Neben Wissen tritt hier die Fähigkeit, analysieren und beurteilen zu können, während viele Schüler aus den übrigen Ländern aufgrund des laxen Schulsystems nur gelernt haben, gute Ausreden zu entwickeln.

    P.S. Rot-Grün will noch nicht die Zensuren abschaffen, aber das ‘Sitzenbleiben’ verbieten, weil es kontraproduktiv sei. (Wer’s glaubt)

    schrieb Sartorius am

  • #36

    @satorius

    Bayern ist Schlusslicht, was den Bildungserfolg seiner Abiturient/inn/en und Student/inn/en anbelangt.

    Dass die bayerischen Abschlüsse eine höhere Qualität hätten, ist ein Mythos, der keinen Wiederhall in der Realität findet.
    In Bayern wird stur Wissensstoff gebüffelt und wiedergekäut und ausgewürgt, und dann so schnell wie möglich wieder vergessen.

    Intelligente Schule, die auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereitet, geht anders. Fürs Leben lernt Schüler/in da nichts. Viele werden krank. Ein Grossteil an intelligenten Schüler/inne/n werden aus diesen Schulen aussortiert, von Lehrer/inne/n, die damit nicht zurecht kommen, dass diese Schüler/innen selbst denken.

    schrieb phytagokrass am

  • #37

    Die Problematik der Überlastung der Lehrer wird sich in Wohlgefallen auflösen, denn in Niedersachsen schafft die rot-grüne Regierung die Zensuren ab, um, wie sie sagt, Benachteiligungen zu vermeiden.
    Diese Entwicklung wird sich, wie die Gesamtschulidee, zum Nachteil der Betroffenen auf alle Bundesländer ausweiten. Dann haben die Lehrer Zeit und Muße, sich dem Unterrichtsgeschehen hingebungsvoll zu widmen. Ob die Schüler etwas lernen, sogenannte Kompetenzen erwerben, ist dann fraglich und wohl auch vollkommen nebensächlich.
    Erstaunlich ist nur, dass in den Ländern, in denen auf Leistung durch Kontrolle geachtet wird ( Bayern, Sachsen, Thüringen z.B.), die Schulabschlüsse hoch geachtet sind, während die aus NRW, HB, B
    HH eher ironisch belächelt werden.

    schrieb Sartorius am

  • #38

    Wäre es nicht gar so traurig, möchte man sich fast darüber amüsieren, wie hier um die Position “der ärmsten Sau am Bau” gestritten und gerungen wird.

    Das hat wohl weniger mit einem Mehr oder Weniger an Überarbeitung der Protagonisten zu tun als mit den Charakteristika eines Systems, in dem Führung durch Machtausübung und Abhängigkeiten ersetzt wird. Derartige Strukturen münden, wo auch immer sie anzutreffen sind, bei den Abhängigen in Klagelitaneien (siehe oben), in passive Aggressionsausübung (Krankfeiern, Dienst nach Vorschrift, der Ärger wird an Dritte weitergereicht) und das epidemische Auftreten von Ängsten vor allem möglichen (darob die staatliche Vollkasko-Verbeamtung).

    Wie dem auch sei, es wird sich immer noch jemand finden, der (im Schuldienst) deutlich schlimmer dran ist als Sie. Dem gefühlten Leiden sind in der Abhängigkeit kaum Grenzen gesetzt.

    schrieb Dipl.-Psych. Thorsten Kerbs am

  • #39

    Wohl dem, der in den Ferien seine Überstunden abfeiern kann. In der Regel arbeite ich in den 1-wöchigen Ferien durch, da allerdings dann nicht an den Wochenenden. In den 2-wöchigen Ferien kann ich es mir dann dann mal erlauben eine Woche nicht zu arbeiten. Allerdings besteht diese eine Woche dann aus üblicherweise 4 Arbeitstagen (Da immer ein Feiertag dabei ist, den auch jeder andere Arbeitnehmer frei hat). So müsste ich dann zu Beginn der Sommerferien noch 3-5 Wochen Überstunden abfeiern. Danach hätte ich dann noch 6 Wochen Jahresurlaub. :-)
    Ich will nicht jammern, ich beschreibe nur einen Zustand, den uns Lehrern keiner glaubt.

    schrieb GriasDi am

  • #40

    Hallo. Ich bin ebenfalls Lehrerin für die Fächer Englisch und Mathematik an einer beruflichen Schule. Ich finde meinen Beruf klasse. Die Arbeitsbelastung ist, wie in anderen Berufen auch, hoch. Aber die Kunst ist denke ich einfach, einen Weg zu finden, damit umzugehen. Dann kann man auch zufrieden sein und muss nicht immer jammern. Ich beginne meinen Arbeitstag jeden Tag um 7.30 Uhr und er endet um 17 Uhr. Dann habe ich bereits eine Überstunde gemacht und was dann nicht fertig ist, muss eben warten. Zu dieser täglichen Überstunde, kommen 7 weitere, die ich am Sonntag für Unterrichtsvorbereitungen, Korrekturen, etc. aufwenden muss. Also pro Woche sind das 12 Überstunden, die ich dann quasi in den Ferien in der Regel “abfeiern” kann. Und wenn dann wieder irgendjemand daher kommt mit… “Oooohhh, du hast schon wieder Ferien?!” dann kann ich guten Gewissens sagen: “Jawohl! Und ich hab sie mir verdient.” Denn der durchschnittliche Arbeitnehmer würde auch nicht auf die Idee kommen, in seinem wohlverdienten Urlaub zu arbeiten.

    schrieb Abcxyz am

  • #41

    @Sartorius:
    Auch wenn Sie es nicht wahrnehmen wollen: Mangelnde Fachkompetenz ist bei der großen Mehrheit der Lehrer in Deutschland nicht das Problem. Eher im Gegenteil: Viele Kollegen sind fachlich hervorragend, aber mit dem heutigen schulischen Alltag überfordert, weil ihnen das dazu notwendige Wissen nicht in Seminaren über das Altenglische, der Booleschen Algebra oder der Thermodynamik beigebracht werden. Und selbst das Referendariat ist alles andere als praxisrelevant.
    Wenn Sie ferner noch davon ausgehen, dass alle Schüler ausnahmslos lernen wollen, dann haben Sie in den letzten Jahren keine durchschnittliche Schule von Innen gesehen, denn das ist schlichtweg nicht der Fall, selbst an Gymnasien nicht erts seit der Unverbindlichkeit von Schullaufahnempfehlungen in einigen Bundesländern. Auch das von Ihnen vertretene Humboldtsches Ideal ist genauso verstaubt und unzeitgemäß wie die proklamierte Unerlässlichkeit überdurchschnittlicher Fachkompetenz oder latinisierte Namen.
    Wenn man Ehrlich ist, so hat uns die in Deutschland ertsaunlich hohe Fachkompetenz und die preussische Lesitungshaltung in den letzten Jahrzehnten im internationalen Vergleich nicht allzu gut aussehen lassen.
    Und in meiner Dienstzeit hat sich noch kein einziger Kollege aus mangelnder Fachkompetenz Versagensängsten stellen müssen, aber schon einige Aufgrund unzureichender pädagogischer. psychologischer und berufspraktischer Erfahrung, um den alltäglichen Problemen mit Schülern, Eltern und nicht zuletzt auch dem zerfahrenen, von kurzsichtigen und nicht zu Ende gedachten Strukturreformen geplagten Schulsytem mit probaten Mitteln zu begegnen.
    Eine stärker praxisorientierte Ausbildung im Sinne einer Lehrer-Berufsakademie wäre daher sowohl für künftige Lehrergenerationen, für die immer heterogeneren Lerngruppen und für die zunehmend mit Erziehungsaufgaben überforderten Eltern zielführender und sinnvoller, als noch stärker als bisher auf zu großen Teilen wirkungslose Fachkompetenz zu setzen, aber die zur Vermittlung erforderlichen Voraussetzungen nicht zu schaffen. Damit ist weder Lehrern noch Schülern geholfen

    schrieb Englischlehrer am

  • #42

    @21 BEdStudent
    eine überdurchschnittliche Fachkompetenz ist Grundvoraussetzung für einen guten Unterricht, und zwar in jedem Fach. Gerade weil Sie Gymnasiallehrer mit Lehrberechtigung in der Oberstufe werden wollen, ist diese Kompetenz eine ‘conditio sine qua non’
    In einem Bericht der FAS vom 21.10. wird darauf hingewiesen, dass viele Schüler an den Schulen heute nicht mehr lernen, wie man lernt, dass viele Lehrer fachlich scheitern, weil ihr Wissen klapprig ist und daher bei ihnen Versagensängste aufkommen, die sich dann im Schulalltag frappierend bemerkbar machen.
    Das Humboldtsche Ideal des umfassend gebildeten Menschen kann auch heute verwirklicht werden, wenn in den Schulen dem Lehren und Lernen mehr Platz gegeben wäre, nicht unterbrochen durch permanente Gruppenarbeit, ausufernde Projekttage /wochen. Dannwäre schon ein Anfang gemacht.
    Schüler wollen lernen, wollen wissen, wollen ihre Kenntnisse anwenden, wollen stolz auf sich sein.
    Die Ausbildung muss am grünen Holz geschehen . in Ihrem Fall z.B. als Assistant in GB oder F,
    Die wissenschaftlich theoretische Ausbildung muss hohen Qualitätsansprüchen genügen, auch mit ‘Macbeth’ oder ‘Tartuffe’,  denn die Vergangenheit lehrt uns die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu formen ( siehe Orwell, 1984).
    Was Sie zu Recht beklagen, ist die amöbenhaft zerfließende Bildungsstruktur in unserem Land. Lehrer an FHs auszubilden halte ich für den falschen Weg, denn damit würde eine Niveausenkung, besonders in den oberen Gymnasialklassen einhergehen und die Universitäten würden, wie in GB un USA rigorose Aufnahmeprüfungen durchführen.
    Wir braucne den fachlich und pädagogisch hochqualifizierten Lehrer, der die Leistungsfähigkeit,Leistungsbereitschaft und den Leitungswillen der Schüler/innen fördert.

    schrieb Sartorius am

  • #43

    Guten Tag,

    ich studiere Englisch und Französisch auf Lehramt an Gymnasium als Bachelor of Education und merke bereits in den Praktika, die wir während des Studiums absolvieren, dass auf den Lehrern ein hoher Druck lastet, der vor allem seit PISA und G8 entstanden ist.
    Einige Kommentare prangern die vielen jammernden Lehrer an, dabei müsste man sich doch fragen, warum sich bloß so viele beschweren. Würden es nur wenige tun, könnte man denken, dass diese den falschen Beruf erwischt haben. Doch da viele Lehrer das Gefühl haben, die Arbeit nicht zufriedenstellend erledigen zu können, ohne dabei krank zu werden, liegt es nahe, dass es ein allgemeines Defizit im System Schule gibt.
    Der Unterrichtsstoff soll in noch weniger Zeit den Schülern vermittelt werden; in Hessen werden die Abiturprüfungen vom Bildungsministerium konzipiert, sprich, Lehrer können nicht mehr selbst entscheiden, wie sie den Schwerpunkt setzen. Alles muss gewusst werden.
    Es wird hier auch davon gesprochen, dass die Fachkompetenz nicht ausreicht. Natürlich ist Shakespeare wichtig, allerdings wird uns im Fremdsprachenstudium geprädigt, dass Texte schülerorientiert und zweckmäßig sein sollen. Was bringt es den Schülern, Englisch aus dem 16. Jahrhundert zu können, wenn sie sich in London nicht einmal 1 Minute mit einem native speaker unterhalten können? So ist es mir jedenfalls ergangen als ich die Schule verlassen habe. Akademisches Englisch ist nicht Alltagsenglisch. Doch das ist es, was jeder in der Berufswelt verlangt.
    Der Lehrerberuf war schon immer mein Traum, doch während meines Studiums verliere ich stetig die Lust an meinen Fächern, weil in Französisch z.B. viele Seminare nur auf Deutsch stattfinden und man selbst die Hausarbeiten auf Deutsch verfassen (muss zum Teil) kann.
    Die schlechte Qualität der Lehrerkompetenz liegt also nicht ausschließlich an den Lehrern, sondern auch an der Ausbildung, die viel zu akademisch ist. Ein spezieller Studiengang für Lehrer an einer FH wäre da viel sinnvoller.
    Uns wurde in einem Seminar gesagt, dass die Referendariatszeit komplett unrealistisch sei und man einfach die Scheuklappen aufsetzen sollte bis es vorbei ist. Wenn man das doch von Anfang an weiß, warum kann man es nicht ändern? Für mich ist die Referendariatszeit jetzt schon der Horror, obwohl ich noch 3 Jahre studieren muss. Ich habe das Gefühl, man will lediglich die Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit der Studenten testen. Auf didaktische, fachliche Fähigkeiten kommt es gar nicht wirklich an.
    Es ärgert mich, wenn ich Praktika in anderen Ländern mache (Spanien, Schottland z.B.) und sehe, wie dort Unterricht betrieben wird. Gerade im Fremdsprachenunterricht wird bei weitem nicht so sehr von Lehrern und Schülern erwartet, dass sie die Sprache perfekt beherrschen, es geht vor allem darum, die Schüler zum Sprechen zu bringen und ihnen das Zielland nahe zu bringen. Natürlich ist Deutschland für seinen Perfektionismus bekannt und “geschätzt”, aber Fakt ist, der Stress macht einen krank. Ich habe meine Praktikumsleiter und ihre Energie sehr bewundert und daher gefragt, wie sie es schaffen, immer 100 Prozent geben zu können. Sie sagen selbst, dass es nicht gesund ist und man sich nicht so viel aufhalsen sollte wie sie es tun. Nicht gerade motivierend für einen Studenten… .

    schrieb BEdStudent am

  • #44

    @Sartorius: Ich hatte einen Muttersprachler als Englischlehrer, der vor Fachkompetenz nur so strotzte, aber weder didaktisches oder methodisches Feingefühl noch Empathie für Nicht-Muttersprachler mitbrachte. Bei keinem anderen Englischlehrer an unserer Schule hat man weniger gelernt. Im übrigen gibt es schulformübergreifend nicht wenige Schulen, wo in der Orientierungsstufe, in Nebenfächern auch in der Mittelstufe, fachfremd unterrichtet wird. Und das muss nicht der schlechteste Unterricht sein. Burnoutgefährdet sind dann eher die fachkompetenten Quereinsteiger mit Promotion, aber ohne ein probates Mittel gegen desinteressierte, aufmüpfige Teenager, die sich komischer Weise nicht für die Battle of Hastings, Differentialrechnung oder aromatische Kohlenwasserstoffe interessieren.
    Im Übrigen konnte man bereits vor 13 Jahren an einigen Unis in Deutschland Anglistik auch auf Diplom oder Magister ohne Latinum studieren, wenn man Kenntnisse in einer anderen Fremdsprache nachweisen konnte. Meine Kenntnisse über Mittelenglisch, Literaturgeschichte und den Kanon konnte ich bisher bestenfalls ansatzweise im Oberstufenunterricht sinnvoll einsetzen, weil selbst dort kein Platz dafür ist und die Schüler auch kein Anglistik-Kurzstudium anstreben, sondern das Abitur, bei dem Englisch nur ein Fach, im Idealfall für mich ein Leistungsfach ist.
    Statt also ein abgespecktes Diplomstudium in mindestens zwei Fächern mit ein paar Stunden Erziehungswissenschaften und Fachdidaktik anzureichern und als Lehrer ungeeignete “Fachidioten” ins Berufsleben zu schicken, die eine nicht geringe Chance auf vorzeitige Dienstunfähigkeit haben, sollte man neben einem gewiss notwendigen Maß an Fachkompetenz vor allem methodische, didaktische und psychologische Kenntnisse vermitteln, am besten nicht nur in Theorie, sondern schon während des Studiums mit ausreichend Praxis.
    Ich bin jedenfalls mehr Sozialarbeiter, Erzieher, Berufs- und Familienberater, Psychotherapeut und Entertainer als Anglist, Mathematiker oder Geograph. Man kann es durchaus bedenklich finden, aber die Fachkompetenz ist nur ein kleiner Baustein im System Schule, welcher ohne die anderen noch so gut sein kann, aber völlig wirkungslos. Vielleicht hospitieren Sie mal im Unterricht einer lokalen Schule, um Ihr Bild mit der Realität abzugleichen!

    schrieb Englischlehrer am

  • #45

    Die angebotenen Kommentare sind in vielen Fällen voller Selbstmitleid und Anklagen. Es gibt im Englischen ein schönes Sprichwort : “Those who can, do. Those who can’t, teach"vic
    Lehren, heißt nämlich im Kreis der Lernenden zu lehren und gleichzeitig zu lernen. Das macht den Unterricht anschaulich und für die Schüler begreifbar.
    Unabdingbare Voraussetzung, sozusagen eine ‘conditio sine qua non’  ist natürlich absolute Fachkompetenz. Aber gerade da hapert es bei Lehrern immer häufiger. Darum ist es klar, dass Ängste und sogenannte ‘Burnout- Symptome’ zunehmen.
    Ein Grund mag auch darin liegen, dass die Qualifikationen für das Studium gesenkt wurden. So ist es z.B. nicht mehr durchgehend notwendig, für das Studium der Anglistik im Bereich Lehramt für Gymnasium, das Latinum vorzuweisen, um u.a. Altenglisch angemessen studieren zu können.  Die Verkürzung und Senkung des Niveaus auf Ferien-Sprachschul-Niveau lässt als Ergebnis keine adäquaten Englischlehrer für das Gymnasium zu.
    Shakespeare wird nicht im Urtext gelesen, weil der Hintergrund fehlt. Milton wird gar nicht erwähnt, Dickens nur in Auszügen vorgestellt. Man kann die Liste verlängern und kommt zum Ergebnis, dass eine Schule oder ihr System nur so gut ist wie die in ihr arbeitenden Menschen

    schrieb Sartorius am

  • #46

    @Seepferd
    Ein hervorragender Beitrag bei CIAO!

    Hierzu noch einige Anmerkungen. Vergessen hast Du z. B, wie es aussieht, wenn ein Parteibuch-Fuzzy und ein Verbands-Heinrich in der Schulleitung sitzen, nur Sand in das Getriebe streuen, bei Elternbeschwerden kein Rückgrat haben, die Schule vollkommen verschlampt, weil der Schulleiter 60 km entfernt wohnt und mit den hiesigen Politikern auf Kriegsfuß steht, viele unnötige Dinge erledigt werden müssen, um organisatorische Mängel auszugleichen usw.

    Eine weitere Geschichte, die mich seit vielen Jahren ärgert. Jungen Kollegen, denen das Wasser bis zum Halse steht, werden unnötige Aufgaben auf’s Auge gedrückt. Ich habe bis heute noch keinen Schulleiter kennen gelernt, der ein Gespür dafür hatte, wie hoch die Arbeitsbelastung bei einem Berufsanfänger ist.
    Können sie sich nicht mehr an ihre eigenen Anfangsjahre erinnern oder hat man ihnen das damals zu leicht gemacht?

    Ich bin der Meinung, dass ein Schulleiter und selbstverständlich auch der Stellvertreter für das Kollegium in jeder Hinsicht eine Vorbildwirkung haben sollten. Leider habe ich bis heute nur solche kennen gelernt, bei denen das wenigstens in Teilbereichen der Fall war.

    Viele Grüße
    Hugo

    schrieb Hugo Schuster am

  • #47

    @ Seepferd,

    sehr schön und treffend geschrieben. Ich kann Ihnen/dir in vollem Umfang zustimmen.

    Besonders gut hat mir Folgendes gefallen:
    “Ich diskutiere nicht mehr mit Leuten, die überheblich, naiv und weltfremd “argumentieren” und glauben, die Grenzen ihres Vorstellungsvermögens seien gleichzeitig die Grenzen meiner Arbeit und ich würde dann irgendwann “zugeben”, dass sie Recht haben, wenn sie es nur oft genug wie ein verbohrtes Kleinkind wiederholen. Das ist ein krankes Mantra.”

    Aber auch dem Rest kann ich nur zustimmen. (Mit der gleichen Position lassen sich schlecht kontroverse Diskussionen führen.)

    Als Hauptschullehrerin kann ich den Aufwand, den eine Oberstufe mit sich bringt nicht beurteilen, aber ich kann ermessen, was es bedeutet, in einer 7. Hauptschulklasse mit 29 unwilligen Hauptschülern Mathe, Englisch und Deutsch zu unterrichten.
    Meine Schüler sind nicht so kreativ bei der Auswahl ihrer Ausreden bei nicht gemachten Hausaufgaben. Sie sagen entweder, dass sie es vergessen/keine Lust hatten oder dass ich die NIEEEEE aufgegeben hätte. Die zwei von den 29, die die Hausaufgaben gemacht haben, reichen ihnen nicht, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass sie aufgeflogen seien, denn sie seien ja in der Mehrheit.
    Ich weiß nicht um die Arbeit in der Oberstufe, aber ich halte es für eine vergleichbare planerische Herausforderung, meinen 29 Schülern aus 10 verschiedenen Sprachräumen mit Schicksalen, deren alleinige Kenntnis mich schon belastet, mit Goethe, Dreiecksberechnung und present perfect zu bespaßen. 
    Der Korrekturaufwand ist sicher anders, aber ob es weniger belastend ist, wenn ich eine Deutscharbeit mehrfach korrigieren muss, weil nach der ersten Korrektur überhaupt erst lesebare Texte entstanden sein könnten, weiß ich nicht.

    Ich gehöre zu den Lehrern, die über ihr Gehalt sagen, dass ich natürlich von meinem Gehalt ganz gut leben kann und auch weiß, dass eine Friseurin weniger verdient, aber ich empfinde mein Gehalt nicht als angemessen.

    Ansonsten:
    Es war ein Lesespaß, den ich mitten in meinen einzigen ernstzunehmenden Ferien sehr genossen habe.

    Vielen Dank dafür :-)

    schrieb Schülerfreund am

  • #48

    Grüß Gott zusammen. Ich habe das hier so gut wie möglich versucht darzustellen. Kritik erwünscht, aber bitte nur dann, wenn man das Geschilderte aus eigener Erfahrung kennt. Grüße, Seeeepferd

    http://www.ciao.de/Lehrer_in__Test_8748785

    schrieb Seeeepferd am

  • #49

    @tintenklecks: ich stimme dir 100%ig bei allem zu…
    ansonsten:
    Ich habe meine 2 Fremdsprachen studiert, fast 8 Jahre als Übersetzerin (auch ein unterschätzter Job mit großem Zeitdruck und (sehr)schlechtem Gehalt und Ansehen..) und dann als Projektmanagerin gearbeitet und dann (endlich) den “Seiteneinstieg in den Schuldienst” beginnen können, den ich schon 3 Jahre lang machen wollte. Das heißt, man macht das 2-jährige Referendariat exakt wie die Referendare, außer dass man von Anfang an auch noch 18-20 Stunden eigenverantwortlich hat (habe 6 Klassen).. So wie ich diese Zeit gelebt habe/noch bis Sommer lebe, könnte man keine Familie, keine Freunde und keine Hobbies haben… ich bin schon froh wenn ich von 7 Tagen mal 1 Tag nicht arbeiten kann.. Ferien gibt es nicht. Ich hatte vorher auch einen stressigen Job mit Überstunden und Verantwortung, aber sowas kann man sich kaum vorstellen… KEINER der nie Lehrer war weiß, was für ein Fulltime-Job das ist.. wie oft man auch abends und zwischendurch an die Schule muss ist unglaublich… ohne Korrekturen wäre es für mich ein Traumjob, denn dann würde sich alles im Rahmen halten, aber durch Korrekturen ist es ein extremer Knochenjob, den man bestimmt nur macht weil man ihn mag. So wie ich. Trotzdem heißt das nicht, dass Lehrer ungerecht behandelt werden sollten… der Lehrer, der nachmittags frei hat, existiert kaum noch..Grundschule vielleicht? Meine Schule ist ein G8-Ganztagesgymnasium und die ganzen Zusatzaufgaben sind erdrückend, erst recht wenn man noch dazu in der Ausbildung ist. Ich muss sagen, ich habe auch darüber nachgedacht, 1 Jahr mit weniger (also bei 20 zu bleiben..) Stunden zu machen, aber dann bekommt man halt mehr Vertretung oder andere Aufgaben, dann lohnt es sich nicht…
    Ich kenne die Arbeit in der freien Wirtschaft und die als Lehrer und finde den Lehrerberuf insgesamt ok (Hauptsache ein sinnvoller Job!), aber man hat es schwer, daneben Familie zu haben oder auf seine Gesundheit zu achten und das sollte in KEINEM Job der Fall sein in einem entwickelten Land, wo so etwas eigentlich nicht nötig wäre.. die Entwicklung ist unmenschlich auf dem gesamten Arbeitsmarkt und ich hoffe, dass die Politik irgendwann den Leuten wieder normales Arbeiten ermöglicht.. bei dem man nicht krank wird, eine Familie haben kann und trotzdem Vollzeit arbeiten kann.. wenn das jetzt zu sozialistisch klingt: natürlich geht es nur um arbeitswillige, fleißige Menschen, die immer etwas machen und sich nicht zu schade sind…(wenn ich überlege, was ich alles schon als (Neben-)Job hatte…)
    So, und jetzt muss ich dringend weiterarbeiten.. vermutlich wieder bis Mitternacht..
    Beste Grüße!

    schrieb KolleginX am

  • #50

    Ganz ehrlich: ich kann das jammern von lehrern nicht mehr hören, wie schlecht sie es haben, wie schlecht es hinen geht.

    Vielleicht sollten sie es mal mit einer vernünftigen Arbeitsplanung versuchen - wie jeder andere Arbeitnehmer es auch machen muss.

    In jedem Arbeitsgebiet steigt der Stresspegel an.

    Mich wundert es nur, dass ich im Internet permanent von jammernden Lehrern hören, die ihre Arbeit nicht schaffen. Ich frage es, wie Freunde von mir es machen, dass sie eigentlich jedes Wochenende frei haben, die Ferien nehmen können und auch unterhalb der Woche ein Privatleben haben. ich werde sie mal fragen.
    Darunter sind Klassenlehrer mit Deutsch, Mathe- und Physiklehrer (der maßgeblich an der Projektgruppe soziales Lernen beteiligt ist) - beides Vollzeit beschäftigt, andere lehrer, die wohl umgerechnet eine 30 Stundenwoche haben.

    Natürlich gibt es in Klausurphasen stressige Zeiten - aber auch das ist ziemlich normal.

    Also erklärt mir doch mal das unterschiedliche Bild:
    Stress ohne Ende mit zig Überstunden wöchentlich und dem Lehrerbild aus meinen privaten Umfeld. Ich weiß, dass es kein einfacher Job ist - auch nicht psychisch, aber meine psychischen Belastungen sind sicherlich im Job auch nicht geringer.

    Oder geht es euch hier darum, auf die Stresswippe mit aufzuspringen, wenn der 50 Stunden wöchentlich arbeitet, arbeite ich bestimmt 55…

    Puzzleteil

    schrieb Puzzleteil am

  • #51

    @Baufreund: Vergleiche zwischen Berufsgruppen hinken immer.
    Aber nur zur Info: War heute von 8 bis 15 Uhr in der Schule, habe dann zuhause von 16 bis 20.30 gearbeitet. Gestern dasselbe! Die nächsten zwei Stapel Arbeiten, die zur Korrektur dran sind, liegen bereits seit über einer Woche auf dem Schreibtisch. Dazwischen habe ich für die Nikolausfeier meiner 5. gedichtet, verpflichtende Evaluationsbögen ausgefüllt, meine nächste Arbeit für eine 10. Klasse konzipiert etc, etc. Freizeit heute und gestern: von 7 bis 20.30 jeweils 90 Minuten. So büße ich das freie Adventswochenende mit Besuch von meiner Familie, das ich mir einfach mal so gegönnt habe! Ganz schön dekadent, oder?
    Freizeitstress ist mir in den letzten sieben Jahren, in denen ich meinen Beruf ausübe (E/F Gym), nur in den paar Stunden passiert, in denen ich meinem aufwendigen und kostspieligen Hobby, zwei Paar Socken im Jahr zu stricken, nachgegangen bin. Ein anderes gibt es nicht, denn außer in den Sommerferien kann ich es leider nicht ausüben…

    schrieb Korrekturfachlehrerin am

  • #52

    Hallo Baufreund,

    du bist gewiss nicht vom Fach und holst immer wieder die gleichen Vorurteile aus der Mottenkiste! Politiker und Eltern, die mittlerweile die komplette Erziehung ihrer Sprösslinge an die Schulen weitergegeben haben, haben uns mittlerweile mit Aufgaben zugeschüttet, wovon die breite Öffentlichkeit wenig erfährt. Viele Reformen werden begonnen und wieder eingestellt; das Schulministerium lässt ständig neue Versuchsballons aufsteigen, die die Lehrerschaft in mühevoller Kleinarbeit auf ihre Praxistauglichkeit untersuchen und umsetzen muss. Für die enorme zusätzliche Arbeit, die in den Schulen zudem sehr ungleich verteilt ist, wird keine Entlastung gewährt. In den Lehrerkollegien brodelt es.

    P.S.: Die Bauleute sitzen jetzt sicher vor dem Fernseher beim Bier und kassieren Schlechtwettergeld!

    schrieb tintenklecks am

  • #53

    Bin selber auch Lehrer ! Aber sage trotzdem Ihr solltet alle bei Wind und Wetter auf dem Bau malochen dann würdet ihr nicht so einen Scheiß
    posten.
    Danke

    PS.Lehrern sollte man eine Uniform anziehen dann
      könnte man sie beim Freizeitstress besser
      erkennen.

    schrieb Baufreund am

  • #54

    Hallo Tintenklecks,

    bitte beruhigen Sie sich: Ich bin Ihrer Meinung, unterrichte selbst zwei Sprachen und damit Korrekturfächer, eins davon bis zur FHR und AHR. Ich weiß um den Aufwand der Korrekturen und der Prüfungserstellung.

    Meine Überlebensstrategien (außer im Lehrerrat um gerechtere Behandlung zu kämpfen - bislang allerdings erfolglos): möglichst kurze Klassenarbeiten schreiben. Sie haben auch weniger zu korrigieren, wenn Sie lange, schwierige Texte mit kniffeligen Fragen wählen, für deren Verständnis die Schüler länger brauchen und so weniger Zeit für ihre eigene Textproduktion haben. Teilweise gebe ich auch Höchstwortzahlen für Schülerantworten vor, damit ich keine Romane mit nach Hause schleppen muss. Außerdem korrigiere ich bei Nichtabschlussarbeiten zügig und schlage nicht mehr jede zweifelhafte Äußerung nach: im Zweifelsfall entscheide ich mich häufig für die Lösung des Schülers und streiche keinen Fehler an ;-); das beschleunigt die Korrektur auch. Das heißt nicht, dass ich schludere, aber ich lege keinen Wert mehr auf eine absolut perfekte Korrektur. Und wenn alles zuviel wird, fehle ich in derSchule und korrigiere zuhause im Nachthemd weiter. Die Erstellung zusätzlicher Nachschreibeklausuren lässt sich je nach Fach umgehen, wenn man die bereits geschriebene Arbeit nicht zurückgibt und erst abwartet, bis der Nachzügler wieder auftaucht - geht natürlich je nach Klausur auch nicht immer. Dann arbeite ich viel mit bereits ausgearbeitetem Material, gebe viel Geld dafür aus, aber es spart mir Zeit für die Unterrichtsvorbereitung. Letztendlich haben die Korrekturen bei mir immer Vorrang, denn sie müssen unbedingt gemacht werden. Unterricht kann man auch mal provisieren.

    Wie eingangs erwähnt, kämpfe auch ich für bessere Bedingungen der Korrekturfachlehrer;ich habe aber in meiner Schule eine starke Lobby von Technikkollegen gegen mich und kenne es, unverstanden zu sein und belächelt zu werden - darum hier mein Mitgefühl für Sie und mein Rat, sich nicht kleinkriegen zu lassen und wie ich zu sehen, wo und wie Sie reduzieren können, um in diesem ungerechten System nicht vor die Hunde zu gehen. Mit kollegialen Grüßen ...

    schrieb Sochri am

  • #55

    @tintenklecks

    Offenbar habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Der Hinweis auf die deutlich mehr Klassen bezog sich auf die Anzahl der zu korrigierenden Arbeiten. Wenn Sie in einem vierstündigen Hauptfach vier Klassenarbeiten im Schuljahr zu korrigieren haben, sind das bei einem Musiklehrer in der Regel zwei bis vier Klassen (Musik ist außerhalb des Musikprofils ein überwiegend überwiegend einstündig). Die wenigsten Nebenfachlehrer werden ihre Zeugnisnoten außschließlich aufgrund der mündlichen Leistung machen, also in jeder Klasse pro Schuljahr etwa zwei schriftliche Arbeiten schreiben lassen - macht (gehen wir mal von einer zwei- und zwei einstündigen Klasse aus) schon mal sechs schriftliche Arbeiten.

    Sicher sind diese oft schneller korrigiert als z.B. ein umfangreicher Deutschaufsatz, aber z.B. alleine die Korrektur einer in einen Text gefassten Analyse eines Notenausschnittes zu korrigieren, ist zeitlich auch sehr aufwendig. Ich bestreite nicht, dass die meisten Hauptfächer unterm Strich mehr Korrekturaufwand beinhalten als die meisten Nebenfächer. Aber ich bin überzeugt, dass dieser Unterschied durch andere Dinge weitestgehend aufgewogen wird. Fragen Sie doch mal einen Kollegen mit Mathematik und Erdkunde, für welches Fach er mehr Vorbereitungsaufwand hat - und nebenbei, wie es bei diesen beiden Fächern mit dem Korrekturaufwand aussieht!

    Übrigens bin auch ich Klassenlehrer und war in den letzten Jahren praktisch jedes zweite Jahr im Schullandheim, mit allem, was an Organisation und Aufwand dazugehört (und auch da mussten die armen Kollegen mich vertreten - bitte nie wieder dieses grauenvolle Argument!)

    Ich zitiere: “Der Unterricht in den Hauptfächern ist fast immer schwierig und stressig, weil hier ständig eine ganz bestimmte Leistung abgefragt wird, die eingefordert und überprüft wird. Und dann kommen noch die enormen Korrekturlasten dazu! Ganz schlimm wird es, wenn problematische Schüler oder Klassen hinzukommen!” - Bis auf die unbestritten größere Korrekturlast gilt alles genauso für jedes Nebenfach! Und besonders in meinen Fächern bedeutet dies auch noch einen hohen Aufwand, die extrinsische Motivation durch Noten (die in den Hauptfächern ja in der Regel noch eine große Rolle spielt) zu nahezu hundert Prozent durch aufwendige Vorbereitung eines instrinsisch ansprechenden Unterrichts zu ersetzen. (Schon mal was vom KuMuTu-Erlass gehört, der Musik praktisch irrelevant für jede Versetzung macht?)

    Übrigens weiß unsere Schulleitung mit Sicherheit sehr wohl das “Kerngeschäft” jedes einzelnen Kollegen zu schätzen. Und Beförderungen werden definitiv nicht aufgrund irgendwelcher Unterrichtsprojekte vergeben!

    Ich gebe Ihnen in vielem, was Sie schreiben, ja Recht: Ich habe in meinen Fächern viele Freiheiten. Aber ich kenne auch Kollegen, die in ihren Hauptfächern wesentlich weniger Arbeit haben als ich. Es kommt eben immer drauf an, was man draus macht…

    schrieb Musikmeyer am

  • #56

    @ Musikmeyer

    Was heißt denn mehr Klassen?  Sie haben das gleiche Stundendeputat wie Hauptfachlehrer!Jede Stunde muss doch individuell vorbereitet werden und dass Sie sich ein paar Namen mehr merken müssen (schon mal mit fotografieren probiert?)gleicht doch ein riesiges Korrekturpensum nicht aus! Wer kontrolliert die Leistung in den Wenigstundenfächern? Das frage ich ganz offen! Es gibt keinen Druck durch PISA und man kann immer viele schöne Dinge (oft ohne Vorbereitungszeit) machen, die die Schüler bei Laune halten!

    Schön, dass Sie die Intensivprobenphase erwähnen(AGs gehören bei uns zum Stundendeputat!). Auch ich organisiere Klassen- und Studienfahrten, die ebenfalls aufwändig vorbereitet werden müssen, weil ich mit den Hauptfächern immer auch Klassenlehrer bin. Wann haben Nebenfachlehrer schon einmal eine eigene Klasse? Wenn Sie in Ihrer Intensivprobenphase sind,in der Ihr Unterricht ausfällt, kann ich übrigens die Vertretung in Ihrer Klasse übernehmen! Dazu kommen noch die Artikel in der Zeitung über die hervorragende Arbeit und die Lorbeeren (incl. Beförderung) von der Schulleitung, die nicht an das vielbeschworene Kerngeschäft denkt, sondern an die Außenwirkung! Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich befürworte den Musikbereich in der Schule, an dem ja viele Kolleginnen und Kollegen auch noch hobbymäßig teilnehmen, aber er ist nur teilweise gegen die strenge Korrekturarbeit (mit all den Tätigkeiten, die sich um diese noch herumranken) von Kollegen mit zwei Korrekturfächern aufzuwiegen!

    Ich glaube schon, dass Musikunterricht auch manchmal schwierig und stressig sein kann. Der Unterricht in den Hauptfächern ist fast immer schwierig und stressig, weil hier ständig eine ganz bestimmte Leistung abgefragt wird, die eingefordert und überprüft wird. Und dann kommen noch die enormen Korrekturlasten dazu! Ganz schlimm wird es, wenn problematische Schüler oder Klassen hinzukommen!

    Ich wundere mich, dass sich hier nicht mehr Kolleginnen und Kollegen in gleicher Situation zu Wort melden, aber ich vermute, dass sie viel zu erschöpft und mit Korrekturarbeit beschäftigt sind, als sich in einem solchen Forum zu tummeln.

    Meine Ausführungen machen deutlich: Ein Lehrerarbeitszeitmodell muss her, das Arbeitszeit so gerecht wie möglich abbildet!

    schrieb tintenklecks am

  • #57

    @ tintenklecks

    Natürlich bedeutet ein Nebenfach weniger schriftliche Arbeiten pro Klasse, aber eben auch deutlich mehr Klassen.

    Ich habe in diesem Schuljahr acht verschiedene Klassen bzw. Gruppen (da sich in katholischer Religion bei uns die Gruppen grundsätzlich aus Schülern aus drei bis sechs verschiedenen Klassen zusammensetzen) bei 20 Gesamtwochenstunden. Bei einem Hauptfachlehrer wären das - in vierstündigen Fächern - vier Klassen.

    Wäre ich nicht an einem Musikprofil-Gymnasium, hätten die meisten Klassen eine Wochenstunde und ich hätte noch mehr Klassen. In den letzten Jahren hatte ich zwischen 12 und 15 verschiedene Schülergruppen vor mir!

    Und was heißt, Konzerte werden “zudem noch im AG-Bereich” eingeübt? Gehört der zur Freizeit??? Und glauben Sie bitte nicht, das sei wenig Vorbereitungs- und Organisationszeit. So ganz nebenbei gibt es da obendrein noch eine dreitägigen externen Intensivprobenphase und den dafür nötigen Aufwand…

    “Zudem haben Sie noch Religion - wo ist da der vergleichbare Aufwand?” - Achso , das ist natürlich das absolute Schnarchfach, für das man gar nichts tun muss, weil die Schüler ja ohnehin soooo interessiert sind! Gilt für Musik übrigens auch. Was glauben Sie was für eine Vorbereitung oft nötig ist, um mit Schülern einer neunten Klasse aktiven Musikunterricht mit Instrumenten zu machen. Oder haben Sie schon mal von einem Verlag eine Ausgabe eines Brandenburgischen Konzerts für 30 Glockenspiele gesehen?

    Natürlich gibt es in Nebenfächern - nicht zuletzt, weil dort schriftliche Arbeiten nicht verbindlich vorgeschrieben sind - eher die Möglichkeit, mit weniger Aufwand durchzukommen. (In jedem Fach gibt es Kollegen, die es sich leicht machen.) Aber das ist nicht der Normalfall!

    schrieb Musikmeyer am

  • #58

    @ Musikmeyer

    “Warum sollen wir in der Diskussion um die Lehrerarbeitszeit unsere unterschiedlichen Arbeitsbereiche immer wieder gegeneinander ausspielen?” Ganz einfach, weil professionell erstellte Arbeitszeituntersuchungen bei LehrerInnen gezeigt haben, dass die Unterschiede in der gleichen Schulart einfach enorm sind und wir doppelten KorrekturfachlehrerInnen uns das einfach nicht mehr bieten lassen wollen! In allen europäischen Ländern ist das Stundendeputat der KorrekturfachlehrerInnen gegenüber NebenfachlehrerInnen deutlich reduziert, damit diese auch ihre Arbeit vernünftig machen können und ihre Gesundheit nicht ruinieren. Nur in Deutschland ist - wie so vieles im Bildungssystem - die Herstellung gerechterer Lehrerarbeitszeiten verschlafen worden! Es geht um keine Rangfolge der Fächer, sondern um die zeitliche Belastung, die bei den Korrekturfächern einfach erheblich
    ist. So viele Konzerte, die zudem noch im AG-Bereich eingeübt werden, können Sie in einem Jahr gar nicht geben! Zudem haben Sie noch Religion - wo ist da der vergleichbare Aufwand? Ich denke, wir vergleichen unsere Fächer viel zu wenig! Ich bin nämlich noch Klassenlehrer und habe alle Klassen in einem engen Zeitkorsett auf ihre Prüfungen vorzubereiten, die ich zum größten Teil noch selbst erstellen muss, um später Berge von Klassenarbeiten, Klausuren, Lernstandserhebungen, Zentralen Prüfungen, Facharbeiten, Praktikumsberichten und schriftlichen Hausaufgaben mit nach Hause zu bringen. Dazu kommt eine erhebliche Anzahl von Nachschreibarbeiten, die ebenfalls erstellt und korrigiert werden muss. Das kann man gar nicht oft genug sagen!Die unterschiedliche zeitliche Belastung in den verschiedenen Fächern einer Schulform lässt sich nicht wegdiskutieren.

    schrieb tintenklecks am

  • #59

    @ tintenklecks

    genauso schön einfach und falsch wie die Annahme, 25 Stunden Unterricht und 13 Wochen Ferien seien ein lockerer Job, ist leider auch Ihre Ansicht, reine Nebenfachlehrer hätten grundsätzlich mehr Freizeit als Korrekturfachlehrer.

    Ich unterrichte Musik und Katholische Religion, bin also “reiner Nebenfachlehrer”. Aber was bitte ist ein sogenanntes “freies Wochenende”?? Wann werden die sog. Korrekturfachlehrer endlich begreifen, dass auch “die anderen” ihren Unterricht so gut zu machen versuchen, dass dann eben die Vorbereitungszeit und ggf. zusätzliche Projekte (Schülervorspiele, Aufführungen, Synagogen- und Moscheebesuche, entsprechend groß ist? Warum sollen wir in der Diskussion um die Lehrerarbeitszeit unsere unterschiedlichen Arbeitsbereiche immer wieder gegeneinander ausspielen?

    schrieb Musikmeyer am

  • #60

    Ich werde als doppelter Korrekturfachlehrer mein Stundendeputat nicht reduzieren, damit ich - wie reine Nebenfachlehrer - freie Wochenenden habe und meinen Unterricht so gut vorbereiten kann, dass er allgemeinen und insbesondere meinen Ansprüchen genügt. Ich feiere eben regelmäßig krank! Basta! Ich lasse mich vom Schulministerium nicht kaputt machen: PolitikerInnen, die nach kurzer erfolgloser sogenannter Regierungszeit eine fette Pension kassieren und sich einen T…. um das scheren, was sie da verzapft haben. Ich kann dieses Grinsegesicht von Frau S. aus NRW nicht mehr sehen!

    schrieb tintenklecks am

  • #61

    Möchte nur mal darauf hinweisen, dass die Förderschullehrer in NRW eine Unterrichtsverpflichtung von 27,5 Stunden haben, vorher waren es mit der Vorgriffsstunde 28,5. Hinzu kommt die gesamte Vor- und Nachbereitungszeit, Elterngespräche, Konferenzen, Teambesprechungen etc. Am frühen Nachmittag zu Hause sein- ein schöner Traum. Bin selten vor 17/18 Uhr zu Hause und dann geht die Vorbereitung erst los, oft bis in den spären Abend

    schrieb Maybritta am

  • #62

    Ich, an einer Privatschule tätig, würde mich freuen, wenn ich die in der Übersicht genannten wöchentlichen Unterrichtsstunden hätte.

    Mindestens 32 Stunden, bei überwiegend theoretischen Fächern an einer Berufsfachschule, schlauchen dermaßen, dass kreativer Unterricht nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sehr selten möglich ist.

    Wer die Unterrichtszeiten ausdehnen möchte hat sicherlich nie unterrichtet oder ist sehr schnell in die Verwaltung “geflohen”.

    schrieb Madame O. am

  • #63

    Solange es Lehrer gibt, die

    a) ihre Kopien für den Unterricht aus eigener Tasche bezahlen und

    b) ihre Stundenverpflichtung wegen der Arbeitsbelastung reduzieren, wenn der Dienstherr die Regelstundenzahl mal wieder heraufsetzt

    natürlich alles “wegen der Schüler, die können ja nichts dafür und haben ein Recht auf guten Unterricht”,

    wird sich an diesem System NICHTS ändern.

    schrieb Mister M. am

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