Social Media

Facebook im freien Fall 18.10.2014, 13:11

Die Nutzung von Facebook geht in Schülerkreisen drastisch zurück, vor allem in der Mittel- und Unterstufe. Statt dessen sind WhatsApp und Snapchat auf dem Vormarsch. Der Trend ist offensichtlich: Weg von sperrigen Timelines, hin zu direkter, möglichst unmittelbarer Kommunikation.

Facebook-Logo verbrennt
Bild: flickr-User mkhmarketing: Facebook Burnout [CC by]
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Noch vor ein, zwei Jahren war es unvorstellbar, dass das Facebook-Monopol nicht bis in alle Ewigkeit halten würde. Viele Lehrer/innen kommunizierten über Facebook mit ihren Schüler/innen, da man hier fast alle erreichen konnte (im Gegensatz zu E-Mail). Mitte 2013 erließen zahlreiche Landesbildungsministerien Hinweise und Vorschriften zum Thema Schüler-Lehrer-Freundschaften auf Facebook (z.B. Facebook-Verbot in Rheinland-Pfalz (Oktober 2013)). Ein Zeichen, welch zentrale Rolle Facebook für die Schüler/innen spielte.

Im April 2014 veröffentlichte die BITKOM eine Studie, nach der WhatsApp bei den unter-16-Jährigen beliebter als Facebook war (Lehrerfreund 01.05.2014: WhatsApp bei Kindern und Jugendlichen beliebter als Facebook). Und diese Entwicklung setzt sich beschleunigt fort: Immer weniger Schüler/innen benutzen Facebook. Die wenigsten löschen ihren Account - aber sie werden von aktiven Teilnehmer/innen (die posten, liken, diskutieren ...) zu passiven (die ab und zu reinschauen um zu sehen, was es Neues gibt) oder nutzen nur noch einzelne Funktionalitäten (z.B. den Messenger).

Michael O., Lehrer in den Sekundarstufen I und II, hat diese Beobachtung gemacht:

Ich frage meine neuen Klassen jedes Jahr zu Schuljahresbeginn: Wer von euch benutzt Facebook? Bisher habe ich das immer gemacht, um zu sehen, wie viele "Außenseiter" es gibt, die kein Facebook benutzen. In den letzten Jahren waren das pro Klasse höchstens einer oder zwei. Anfang des Schuljahrs 2013/2014 waren es schon 4, 5 in jeder Klasse, die kein Facebook hatten. Dieses Jahr [2014] ist die Facebooknutzung noch weiter zurückgegangen; in den meisten Klassen nutzen noch eine Hand voll Leute Facebook aktiv - die anderen sind alle auf WhatsApp umgestiegen.

Wir befragen im Oktober 2014 zwei Schüler zu ihrem Nutzungsverhalten von Sozialen Netzwerken: Quirin W. (17 Jahre, Klasse 12) und Hannes H. (14 Jahre, Klasse 8)

Lehrerfreund: Welche Sozialen Netzwerke nutzt ihr und eure Schulkamerad/innen am häufigsten?
Hannes H
.: Ich benutze WhatsApp, Instagram und Facebook Chat. Facebook "klassisch" nutze ich fast gar nicht. Einige meiner Freunde nutzen Facebook, posten aber nicht viel dort. Snapchat spielt keine große Rolle, ich kenne 2, 3 Leute, die das benutzen.
Quirin W.: Das von mir am meisten genutzte Soziale Netzwerk ist WhatsApp, da ich auf dieser Plattform all meine Freunde problemlos erreichen kann. Die Gespräche dabei haben oft schulische Themen zum Gegenstand, aber normalerweise führe ich auf dieser Plattform eher private Gespräche.
Um Fotos hin und her zu schicken, nutze ich Snapchat und Instagram; zum Verschicken nutze ich meistens Snapchat. Instagram benutze ich persönlich eher, um Fotos anzuschauen, poste dort aber selbst weniger.

Lehrerfreund: Welche Rolle spielt Facebook in eurer Kommunikation?
Hannes H.
: Keine große. Manchmal chatte ich über Facebook mit Leuten, die kein WhatsApp haben oder deren Handynummer ich nicht kenne.
Quirin W.: Bevor ich mir vor einem Jahr ein Handy gekauft habe, war Facebook mein Hauptkommuniktionsmittel. Jedoch wurde Facebook bei mir persönlich zum Kommunizieren durch WhatsApp abgelöst, da mich die ständigen Werbe-Popups mit der Zeit genervt haben. Im Moment nutze ich Facebook nur noch, um mit den wenigen Leuten zu kommunizieren, die kein WhatsApp haben und um mit meiner Kursstufe Dinge zu organisieren.

Lehrerfreund: Warum benutzt du für die Organisation von Treffen, Feiern ... nicht WhatsApp?
Quirin W.: Für private Treffen mit ein paar Freunden ist die Organisation über WhatsApp noch gut möglich, jedoch wird es bei größeren Gruppen, beispielsweise bei Gruppen für Klassentreffen, schwerer, da die Gruppen auf WhatsApp dann unübersichtlicher werden. Facebook hingegen ist wesentlich übersichtlicher mit den Kommentierfunktionen etc. Hierfür ist Facebook immer noch gut zu gebrauchen.

Lehrerfreund: Habt ihr eine Vorstellung darüber, wie die Altersgruppen über/unter euch via Social Media kommunizieren?
Hannes H.: Ich sehe keinen besonderen Unterschied.
Quirin W.: Ich habe 3 Geschwister - einen Bruder und zwei Schwestern. Ich bin der Zweitälteste. Meine große Schwester (20) nutzt ausschließlich Facebook. Meine kleine Schwester (14) nutzt im Gegenteil dazu nur WhatsApp und hat keinen Facebook-Account. Mein kleiner Bruder (11) nutzt keine der bereits erwähnten Kommunikationsmittel, sondern kommuniziert, wenn überhaupt mal, nur über E-Mail oder per Telefon.

Die Lehrer/innen kommen kaum noch hinterher

Natürlich sind das keine repräsentative Aussagen. Doch sie belegen den Trend: Facebook verliert an Bedeutung, es gewinnen Tools und Netzwerke, bei denen die direkte Kommunikation im Vordergrund steht. Erstaunlich ist dabei die immense Geschwindigkeit dieser Entwicklung. Möglicherweise sitzen nächstes Schuljahr in ihren Klassen Schüler/innen, die Facebook gar nicht mehr kennen. Und Sie als Lehrer/in haben sich endlich überwunden und einen Facebook-Account eingerichtet, um endlich mit dabei zu sein und zu verstehen, was die Schüler/innen so umtreibt.

Immerhin: Um den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg müssen Sie sich keine Sorgen machen. Instagram und WhatsApp hat er ja in weiser Voraussicht schon aufgekauft. Registrieren Sie sich schnell - bevor das nächste Große Ding losgeht.

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