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Beliebt in der Schule, Teil 2

Lehrer: Beliebt bei den Schüler/innen 04.09.2010, 11:41

Sympathische Lehrerin in Büro
Bild: jsoto / pixabay [CC0 (Public Domain)]

Es gibt verschiedene Wege, um sich bei Schüler/innen beliebt zu machen. Die Schüler/innen anzuschleimen und ihnen wenig Hausaufgaben aufzugeben funktioniert jedoch auf lange Sicht nie, sondern nur in kurzfristigen Kontexten (Lehrprobe, Unterrichtsbesuch o.ä.). Ein Programm zur Verbesserung Ihrer Beliebtheit bei Schüler/innen.

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  • (geändert: )

Lehrer/innen sind in sehr unterschiedlichem Maße bei Schüler/innen beliebt oder nicht beliebt. Manche Lehrer/innen sind äußerst beliebt: Die Klassen kooperieren, wünschen sich die Lehrer/in als Begleitperson bei Studienfahrten und geben bei Umfragen/Evaluationen regelmäßig Bestnoten. Andere Lehrer/innen sind einfach unbeliebt.

Beliebte Lehrer/innen haben es leichter: Ihr Arbeitsalltag gestaltet sich angenehmer, von Aggression geprägte Interaktionen sind auf ein Minimum reduziert und die Zahl der Erfolgserlebnisse im Arbeitsalltag liegt auf einer erfreulichen Höhe.

Wovon hängt die Beliebtheit bei den Schüler/innen ab? Und: Lässt sich die Beliebtheit bei Schüler/innen willentlich beeinflussen?

Kriterien für Beliebtheit bei Schüler/innen

Wir unterscheiden drei Dimensionen, die für die Beliebtheit bei Schüler/innen relevant sind:

A) Lernerfolg / Unterrichtsdurchführung

Schüler/innen verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit schulischen Belangen und sind davon - oft auch zu Recht - genervt. Wenn sie bei einer Lehrer/in dann auch noch nichts (Sinnvolles?) lernen, empfinden sie das als Zeiträuberei. Fast alle Lehrer/innen mit dem Status “beliebt” haben ein entsprechendes Fachwissen und machen Unterricht, bei dem die Schüler/innen etwas (Sinnvolles?) lernen. In offiziellen oder inoffiziellen Evaluationen honorieren Schüler/innen das regelmäßig: “Bei dem lernt man was.”

B) Umgang mit Schüler/innen / pädagogisches Verhalten

Der pädagogische Umgang mit der Klasse und mit einzelnen Schüler/innen determiniert den Grad der Beliebtheit ebenfalls deutlich. Darunter fallen Aspekte wie Strenge, Konsequenz oder Barmherzigkeit. Gerade junge Kolleg/innen sind bisweilen der Ansicht, dass übergroße Lockerheit zu übergroßer Beliebtheit führt - was sich in den meisten Fällen als Fehlkalkulation erweist.

C) Persönlichkeit

Es gibt Lehrer/innen, die sich vor die Klasse stellen und sofort einen Draht haben und Sympathie ausstrahlen; andere Lehrer/innen erwecken bei den Schüler/innen sofort den Eindruck, verklemmt und unsympathisch zu sein. Tatsächlich hat diese persönliche Ausstrahlung nicht zwangsläufig mit der Qualifikation als Lehrer/in(-nenpersönlichkeit) zu tun; beides wird aber häufig (auch von Schüler/innen) verwechselt. Lehrer/innen mit einer Strahlemann-Persönlichkeit sind in neuen Klassen häufig schnell sehr beliebt. Ihre Beliebtheit sackt jedoch rapide ab, wenn sich herausstellt, dass die folgenden beiden Punkte nicht funktionieren.

In dieser Liste fehlen Aspekte wie “Humor” oder “Aussehen”. Ein guter Humor oder ein Michelangelo-Body können zwar zur Beliebtheit bei Schüler/innen beitragen, sind aber nicht notwendig für die totale Beliebtheit. Auch hässliche, schlecht gekleidete oder humorlose Lehrer/innen können äußerst beliebt sein, wenn sie ihre Rolle als Lehrer/in gut ausfüllen.

Wie die vorgestellten Dimensionen zusammenwirken, ist unklar. Wer in allen drei Hinsichten eine gute Figur macht, wird bei seinen Schüler/innen beliebt sein und vice versa. Bei der Befragung von Schüler/innen ergibt sich ein sehr ähnliches Bild (Lehrerfreund 09.03.2009: Wie soll eine gute Lehrer/in sein? Umfrage unter Schüler/innen). Aufschlussreich ist auch das Ergebnise der Lehrerfreund-Umfrage Lehrertyp und Lernerfolg.

Wie kann eine Lehrer/in ihre Beliebtheit steigern?

Werden Sie sich zuerst darüber klar, in welchem Bereich Ihre Defizite liegen. Das ist oft gar nicht so einfach - wer kann sich schon selbst als “heimtückische” oder “verklemmte” Persönlichkeit identifizieren? Wenn Sie nicht wissen, wo Sie beginnen sollen, bitten Sie eine befreundete Kolleg/in zu einer Hospitationsstunde in Ihren Unterricht. Sie wird Ihnen wichtige Hinweise geben können.

Identifizieren Sie anschließend den Bereich, wo Sie am ehesten Verbesserungsmöglichkeiten sehen:

Lernerfolg und Unterrichtsdurchführung

Schüler/innen schätzen es, wenn sie etwas bei Ihnen lernen. Das setzt voraus, dass Sie fachlich einigermaßen kompetent sind und dass Ihr Unterricht ordentlich vorbereitet ist und nach didaktisch sinnvollen Gesichtspunkten durchgeführt wird.

Viele Lehrer/innen versuchen, ihre Beliebtheit zu steigern, indem sie den Schüler/innen in inhaltlicher Hinsicht ein lockeres Leben bereiten (keine Hausaufgaben, mal ein Filmchen kucken, immer etwas früher Schluss machen). Lassen Sie das - das bringt auf Dauer nichts. Mögliche Maßnahmen:

  1. Immer sehr gut vorbereitet im Unterricht.
  2. Keine Zeitverschwendungen (“Wer hat gestern das Fußballspiel gesehen?”)
  3. Regelmäßige, konsequente Hausaufgabenkontrolle

Sorgen Sie also dafür, dass die Schüler/innen bei Ihnen (möglichst etwas Sinnvolles) lernen, auch wenn Sie dafür Druck machen müssen. Die Schüler/innen schätzen das mehr als den Schlendrian.

Umgang mit den Schüler/innen

Wenn Lehrer/innen in ihren Klassen Disziplin einfordern und durchsetzen fliegen zwangsläufig manchmal die Federn. Um solche Konflikte zu vermeiden lassen viele Lehrer/innen die Zügel locker und hoffen darauf, als sympathischer Kumpel wahrgenommen zu werden. Tatsächlich schätzen Schüler/innen strenge Lehrer/innen sehr - sofern die Lehrer/in dabei gerecht und berechenbar vorgeht. Zurechtweisung und Strafe haben streng nach transparenten Prinzipien zu erfolgen, wie hier und hier dargelegt:

1. Strafen Sie transparent.
2. Strafen Sie berechenbar.
3. Strafen Sie emotionslos.
4. Strafen Sie sinnvoll.
5. Strafen Sie rückstandslos.

Lehrerfreund 20.06.2009: 5 Tipps, wie man Schüler/innen richtig bestraft

Es gilt einen Mittelweg zwischen übertriebener Strenge und übertriebener Lockerheit zu finden. Hilfreich ist auch hier das Gespräch mit Kolleg/innen (“Findest du es übertrieben, dass ich der kleinen Emma vier Stunden Arrest verpasst habe, weil sie ihr Schulheft vergessen hat?”).

Persönlichkeit und Ausstrahlung

Vielleicht sind Sie ein Typ, bei dem/der nicht sofort der Funke auf Mitmenschen oder Schulklassen überspringt. Dennoch können Sie vielleicht durch bestimmte Mittel (Körpersprache, Körperhaltung, Kleidung, Wortwahl, Artikulation, Blickkontakt ...) hier ohne große Mühe Verbesserung erzielen.

Gerade im Referendariat spielt dieser Bereich eine große Rolle; die supersympatische, motivierte Referendar/in ist auch dem inkompetent menschelnden Fachleiter sofort sympathisch (“Die hat eine tolle Lehrerpersönlichkeit.”). Dass ihre Stunden regelmäßig scheitern, fällt dem guten Mann gar nicht so sehr auf.

Schaffen Sie also die schlimmsten Eigenschaften ab. Betreten Sie den Klassenraum in aufrechter Körperhaltung. Begrüßen Sie die Schüler/innen freundlich und kraftvoll. Schlurfen Sie nicht.

Kurzfristige Beliebtheit (z.B. vor Lehrproben oder Unterrichtsbesuchen)

In manchen Fällen ist es notwendig, sich in kürzester Zeit bei Schüler/innen beliebt zu machen - so z.B. im Referendariat vor Unterrichtsbesuchen oder Lehrproben in fremden Klassen. Dies kann man mit relativ einfachen Maßnahmen erreichen (wenig Hausaufgaben, keine drakonischen Strafen, in disziplinarischen Belangen mal ein Auge zukneifen usw.). Vergessen Sie jedoch nie, dass dieses Verhalten auf lange Sicht dazu führen wird, dass die Klasse Ihnen auf der Nase rumtanzen wird.

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Kommentare

20

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  • #1

    Ich hoffe, Du vergisst nicht, was Du bemerkt hast. Ich habe bei meinem Studium z.B. bemerkt, dass immer wenn der Lehrer sich um ein einzelnes Kind kümmerte, das Problem danach größer war als zuvor.
    Das ist ein konkreter Grund, warum ich “kleine Klassen” nicht für eine Lösung halte.

    Eine erfahrene Kollegin musste mir in meinen Anfangszeiten ein Kind übergeben, das seit einem 3/4 Jahr als nervenleidend in ärztlicher Behandlung war. Sie wollte dem Kind nichts Böses tun, aber irgendwas fand sie an dem Mädchen ekelhaft und musste ihm das in einem fruchtbaren Augenblick an den Kopf werfen. Es fuhr dem Kind in alle Glieder und in die Seele.

    Meine Kollegin hatte exakt dasselbe gemacht, wo jeder Hypnotiseur in der Hypnoseshow tut. Sie hatte das Kind hypnotisiert - ohne irgendeine Ahnung zu haben, was sie getan hatte, warum sie es getan hatte und wie und warum man das wieder korrigieren muss.
    Ich habe den Fall in mehreren meiner Schriften berichtet und auch in einem Lebens-Lied besungen.

    Hässlich erscheinende Kinder müssen keineswegs hässlich bleiben oder gar noch hässlicher werden. Erwachsene, die Kinder hässlich behandeln, haben ihre eigene Hassproblematik noch nicht verstanden und sind Übelgefangene und nicht Übeltäter.

    Es hat mich immer wieder erstaunt, wie die Pädagogik so überhaupt gar nichts für die betroffenen Erwachsenen zu bieten hat. Eltern sucht sie in der Regel nur zum verlängerten Arm ihrer Misserfolgsanstrengungen zu machen und Kollegen können oft jahrzehntelang ganze Klassen herunterwirtschaften und sich selöbst aufarbeiten, da schaut man nur zu.

    Das ist für mich als Ich-kann-Schule-Lehrer unerträglich.

    Ich bekunde Dir meinen vollen Respekt, dass Du Dich der hässlich erscheinenden Kinder im Schüler- und Lehreralter annehmen und ihre besten Kräfte hervorrufen und zum Wachsen und Gedeihen bringen wirst. Ich freue mich auf Deinen Erfolg.

    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #2

    Hallo lieber Franz-Josef,
    Wenn du jetzt noch dicke, häßliche und langsame Schüler genauso magst, wie die niedlichen, denke ich, dass du ein guter Lehrer bist - auch wenn der Lehrer, der bei uns die Hufeisenform eingeführt hat am Ende ganz schlimm war. Aber wenn es einem wirklich um den Erfolg und nicht um das Aushängeschild geht, ist man auf jeden Fall den Titel “Lehrer” wert.
    (Das mit den häßlichen Kindern ist übrigens kein Scherz! Ich habe zu meinem Entsetzen während meinen Praktika und Nebenjobs wirklich einen riesigen Unterschied bei der Behandlung zwischen niedlichen und nichtniedlichen Kindern bemerkt! Schrecklich! Und das bei ausgebildeten Pädagogen…)

    schrieb auch noch Studentin am

  • #3

    Liebe Studentin,
    als Titelbild auf der 5.Auflage meiner Ich-kann-Schule habe ich ein Bild einer meiner ersten 4.Klassen. Die 24 Kinder sitzen im Hufeisen. Da brauchten sich nur die 4 Kinder vorne umdrehen, dann konnte jeder jeden sehen, und so brauchte sich keiner beim Abschreiben von der Twfel verrenken. Wir hatten in diesem Jahr u.a. alle Sozialformen durchprobiert.

    Vor ein paar Jahren mailte mir ein Kollege die Zufriedenheit mit meinen Texten und seine Kritik am Titelbild. Für ihn gebe es nur noch die Gruppentische. Ich mailte ihm zurück, ob er nicht gesehen habe, dass alle Kinder auf dem Bild konzentriert bei der Sache und glücklich sind.
    Für mich zählt aber nicht nur WAS wir tun und WIE wir es tun; entscheidend ist, IN WELCHEM GEISTE wir es tun.

    Ich denke, dass es im Grunde den meisten Lehrern so geht wie mir. Ich bin letztlich Lehrer geworden, weil ich als Schüler mit der Schule nicht fertig geworden bin.

    Dabei hat mich der Freistaat Bayern gar nicht als LEHRER gebraucht. Sein erstes Problem war, dass eine vakante (leere) Planstelle zu besetzen war. Weder ein Seminarleiter noch ein Schulleiter oder Schuleamtsdirektor hat je von mir haben wollen, dass ich LEHRE. Sie verlangten allesamt nur, dass ich UNTERRICHTE, dass ich den Lehrplan und den Unterricht nach den aktuellen Vorgaben vollziehe. Sie machten - ohne dass dies irgendjemand bewusst geworden wäre - einen Lehrplan- und Unterrichtsvollzugsbeamten aus mir und ich strengte mich an, ein gutes Vollzugsorgan zu werden.

    Da gab es allerdings Kräfte in mir, die mich von diesem “Dienstweg” abzuweichen drängten. Ich hatte auch ganz interessante Erfolge damit, unmd genau das war das Problem. Wenn man schon etwas anderes macht als das Vorgeschriebene, dann gehört es sich doch wenigstens, dass man damit Misserfolg hat!

    Dieses Wochenande war ich am Rhein für den Rheinland-Pfalz-Ich-kann-Schule-Tag. Da waren hoch interessierte Kollegen aus der Schule aus der Jugendhilfe, Eltern usw. Wenn wir es nur konkret überprüfen, kommen wir darauf, dass die meisten “Neuerungen” in der Pädagogik seit Jahrzehnten in aller Regel von “Fachleuten” eingeführt wurden, die von konkreter praktischer Problemlösung keinen blassen Schimmer haben. Oft sind sie sogar aus der Praxis “ach oben weg” geflüchtet. Dann lesen sie die neueste amerikanische Literatur und malen bunte Schaubilder und “vermitteln” so “Bildung”.
    Es ist doch erstaunlich, wie gedultig dieser Unfug immer noch mitgemacht wird.

    Besonders freut es mich, dass immer mehr Betroffene beginnen, statt des angelernten Verstandes ihren eigenen zu benutzen. Die kommen auch zu ganz interessanten Ergebnissen. Seltsamerweise sind es aber diese Erfolgreichen, die noch weitere Beratung suchen. Hier liegen Potentiale für unsere SCHULE, die einen schon begeistern können.

    An den Universitäten, wo ich war, habe ich Professoren erlebt, die begeistert mit gelernt haben, aber viele haben einfach Angst, souverän zu denken und zu handeln, und verkriechen sich hinter Papierwissen, mit dem sie selbst noch nie auch nur ein Problem konkret gelöst haben. Dabei könnten sie genau das jeden Tag lernen, wenn sie MIT IHREN KINDERN LERNEN.

    Zu meinen wichtigsten Schlüsselerlebnissen für die Ich-kann-Schule gehört, der Schüler meiner Schüler zu sein und sie in der Hauptrolle ihres Lebens zu erleben. Da Du eigene Gedanken hast und ihnen treu bleibst, würde mich das Lernen mit Dir sehr wahrscheinlich auch sehr interessieren.

    Ich wünsche Dir und ich freue mich auf Deinen Erfolg.

    Fraanz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #4

    Lieber Franz-Josef,
    Mir gefällt die positive Sichtweise, aber mich erinnert vieles in deinem Beitrag an die langen, komplizierten und so blumigrealitätsfernen Ansätze aus den Didaktikkursen an der Uni. Unser lieber Dozent macht die allerbestens didaktisch aufbereiteten Seminare und ich erwische mich und meine Kommilitonen immer wieder beim Augenverdrehen, wenn wieder zum großen Tischerücken aufgerufen wird. Ich mag Gruppenarbeit nicht! (Ok, man kann sich gut über das Mittagessen oder den Nebenjob unterhalten - aber gerade in diesen Momenten erwischt man sich doch wieder in der ungeliebten Rolle des bockigen Schülers, die man nie wieder jemandem zumuten wollte, wo man doch selber schon fast die Seite gewechselt hat… und weil man doch zu alt dafür ist…) Aus meiner Schulzeit weiß ich noch (ich war eine extrem faule und unglückliche Schülerin), dass besonders engagierte Lehrer mit großen Idealen oft lange vieles verdrängt haben und am Ende ziehmlich frustriert waren. Mein Lieblingslehrer hat traditionellen Unterricht gemacht, sein Fach geliebt, auf den Tisch gehauen, wenn’s ihm zu laut wurde und einen guten Humor an den Tag gelegt. Viele Veränderungen im Bildungssystem sind sinnvoll, aber nach wochenlanger Examensvorbereitung zu den Themen Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, In- und Output,... frage ich mich doch hin und wieder, ob das eine oder andere nicht einfach nur wegen den schönen Formulierungen eingeführt wird. Tradition und Qualität schließt sich doch nicht zwangsläufig aus, oder?

    schrieb auch noch Studentin am

  • #5

    Ja, mit den unbequemen Sichtweisen sind wir das schon gewöhnt und mit den bequemen üben wir halt noch ein wenig, das macht das Leben abwechslungsreich. Alles Gute!
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #6

    Ich gebe zu, auch ich habe (wieder mal) etwas gelernt. Und das klappt nur, wenn man das Gespräch sucht und auch unbequeme Sichtweisen zunächst einmal zulässt. Aber den allerletzten Schritt zur totalen Bejahung kann ich nicht mitmachen - es klingt einfach alles zu, naja, zu einfach :) Und das ist es womöglich auch für jeden, der seine Weltsicht so einstellt wie du sie schilderst.

    schrieb Musikus am

  • #7

    1. Wie mans nimmt, so hat mans.
    2. Jeder darf alles ausstrahlen. Es gilt halt dabei: actio = reactio. Ich tät nicht nur auf andere achten sondern auch auf mich selbst.
    3. Der LEHRER weiß es vorher NIE, WIE es kommt. Als Lehrplanvollzugsbeamter, weiß er natürlich immer, WAS er zu vollziehen hat. Das juckt die Realität aber gar nicht. Lehren und Lernen vollzieht sich immer im Wechsel. Als PH-Student war ich mal total begeistert von einem Praktikumslehrer, weil er an dem Vormittag zweimal einem Schüler zu seiner Leistung anerkennend sagte: “Das hab ich auch noch nicht gewusst.” Als ich es zu Mittag mit ihm feiern wollte, konnte er sich an die Ereignisse gar nicht erinnern. So gehen Profis mit der Qualität IHRES Lebens um.
    Das ist ja das Drama, dass unsere auf den Vollzugsdienst dressierten Pädagogen NIE ETWAS LERNEN bei ihrem Tun, weil sie überhaupt nicht mit der REALITÄT umgehen sondern nur, fixiert auf ihre Unterrichtsvorbereitung, gegen diese antreten. Als Ich-kann-Schule-Lehrer lerne ich ständig. Und ich bin begeistert, auf was ich alles im Umgang mit anderen und ihren Talenten komme. Schau doch nur mal, auf was Du mich alles bringst! Das find ich klasse.
    4. Persönlichkeiten wachsen doch nicht aus der Überzeugung: sie wachsen aus der STÄRKUNG ihrer Kräfte und einem guten Umgang damit.
    Was ist denn schon ein Fehler? In der IKS heißt der Fehler Fehler, weil er zeigt, was fehlt. Fehler sind so wichtig wie das tägliche Brot; sie sind die wertvollste Orientierungshilfe, die wir haben. Nicht nur Fehler: alles hat Konsequenzen; auch wenn man keine Fehler machen will.
    6. Danke für den Glückwunsch! Ich hoffe, ihn bald erwidern zu können.
    7. Was wird da “gnadenlos abgebügelt”, wenn ich den Schwachen aufrichte und den Starken selber laufen lasse? Schämst Du Dich wirklich, es zu genießen, wenn Du mal spürst, dass Du stark bist? Das nehm ich Dir nicht ab.
    Ich finde es für alle sehr ungünstig, wenn wir wollen, dass jeder immer sofort das Hirn ausschaltet, wenn die Gefahr droht, dass er eine bessere Wahrnehmung für sein Fühlen bekommt.
    Ich finde es gar nicht gut, wenn man sich selber nach unten richten soll, wenn man es wagt höher als 3 cm über dem Boden selbständig zu denken.
    Mit herzhaften Grüßen
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #8

    In gut aufgelegter Streitlaune:

    zu 1. Ich mag Gegenfragen nicht - es schwingt da immer so ein gewisses “Na, kommste selbst drauf?” mit, und es fühlt sich mächtig blöd an, wenn man die Gegenfrage nicht versteht oder gar für blanken Unsinn hält.
    zu 2. Darf ich jetzt also ausstrahlen, dass ich manchen SuS einen messbaren Lernerfolg nicht zutraue, oder darf ich nicht?
    zu 3. Ob nun “Unterricht” oder “Lehren” - die Idee vom gemeinsamen entdeckenden Lernen ist ja nicht ganz neu, fühlt sich aber irgendwie schal an. Denn der Lehrer weiß ja die Dinge schon, die er lehrt. Es bleibt letztlich eine Differenz zw. Lehrern und Schülern, da hilft auch ein staunendes “Guck mal da, wie interessant!” nicht wirklich weiter.
    zu 4. ECHTE Persönlichkeiten könnten allerdings auch zu dem überzeugten Schluss kommen, dass ungebremste Selbstüberzeugung ungesund ist :) Ich bleibe dabei: Lehrer und Schüler sind Menschen und Menschen machen Fehler, jeden Tag. Auch, wenn sie dem Prinzip der Ich-kann-Schule anhängen. Und diese Fehler haben echte Konsequenzen, in der Schule weniger, im Leben mehr.
    zu 5. ?
    zu 6. “Ich hab etwas”. Na herzlichen Glückwunsch! (Achtung, Sarkasmus). Und wenn wir jetzt noch erfahren könnten, was das ist, haben wir alle es vielleicht etwas leichter in der Schule :)
    zu. 7. Diese Haltung lehne ich ab, je öfter sie mir begegnet. Sie bügelt Menschen mit einer kritischen Selbstwahrnehmung gnadenlos ab und genießt ihre eigene Stärke.
    zu 8. Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.

    schrieb Musikus am

  • #9

    1. Wie kann das UNbewusste steuern, wenn es doch unbewusst ist? - Gegenfrage: Wie kann ich Dir schreiben, wenn ich Dich doch gar nicht kenne?
    2.Ausgeprägten Persönlichkeiten hat man was eingeprägt, aber sind sie nicht Lebewesen? Und wäre das Leben am Leben, wenn es sich selbst nicht vertraut? Schwingt und strahlt das Leben nicht permanent?
    3.Im Unterricht wird man unterrichtet. Als Ich-kann-Schule-Lehrer frage ich: “Was LERNEN wir dabei?” Der Auftrag des Unterrichtsvollzugsbeamten ist lediglich, darauf zu achten, dass sich unten alle nach dem richten, was er von oben herab durchführen muss, weil er ja auch von oben herab kontrolliert wird, ob er sich unten danach richtet.
    Der Ich-kann-Schule-Lehrer unterrichtet nicht. Der Ich-kann-Schule-Lehrer LEHRT, d.h. er gibt ein Vorbild im Lernen, und das meint wörtlich, er geht im Verfolgen interessanter Fährten des Lebens mit gutem Beispiel voran. Damit erreicht er SOGwirkung und man FOLGT ihm VON SICH AUS und tut nicht nur so, nicht weil man muss.
    Im Gegensatz zum Unterrichtsvollzugsbeamten, dem jeder Furz vorgegeben werden kann - ich erinnere da z.B. an einen brüllenden Schulamtsdirektor, der einen dazu nötigen wollte, ständig “Feinzielpläne” zu schreiben bis hin zu “Deutimpulsen” und mehreren möglichen Schülerantworten - muss ein Lehrer nicht auf Schritt und Tritt am Schüler kleben. Ich habe bereits in meinem ersten Lehrerstudium beobachtet, dass die Probleme in der Regel nicht kleiner sondern größer wurden, wenn der “Lehrer” sich um einen Schüler einzeln gekümmert hat.
    4. Eine Persönlichkeit IST JEDER MENSCH. Unsere Lehrerausbildung würdigt diese Tatsache überhaupt nicht. In der äußeren, oberflächlichen Form des Lehrplanvollzugs, versucht sie tatsächlich, aus Persönlichkeiten ständig Persönlichkeiten zu machen, und will diese peinliche Miss-handlung nicht wahrhaben. Man braucht ja nur einmal versuchen, einem intelligenten Menschen zu sagen: “Ich habe den Auftrag, Dich intelligent zu machen”, dann kann man empfinden wie peinlich solche Ignoranz wirkt.
    Wie jeden Schüler so behandle ich als Ich-kann-Schule-Lehrer auch jeden Kollegen als wirkliche Persönlichkeit. Mir ist bewusst, dass ich damit so manchen viel besser behandle als er sich selbst. Auch wenn jemand seine Persönlichkeit nicht lebt, IST er eine.
    Ich würde niemand unter die Nase reiben wollen, dass er eine ferngesteuerte Marionette ist. Aber es nutzt jedem, wenn er seine Realität ab und zu in diesem Punkt konkret hinterfragt.
    5. Das Dschungel-Camp interessiert mich nicht, dazu kann ich nichts sagen. Was wir brauchen ist nicht, unterricht zu werden, sondern endlich LEHREN & LERNEN zu lernen. Man trifft ja kaum noch einen, der wenigstens die Bedeutung dieser Worte richtig erklären kann.
    6. Mich interessieren nicht Leute, die das Dschungel-Camp schauen sondern IHRE TALENTE, und die sind auch nicht doofer als die mancher Ministerialräte und Minister. Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich kein Problem darin, sie zu erreichen. Das ist doch gar nicht die Frage. Es geht allein darum, ob wir etwas haben, weswegen SIE UNS ERREICHEN wollen. Ich hab etwas.
    7. Sorgen tät ich mir um meine Gefühle vor allem dann machen, wenn sie ZU SCHWACH sind und nicht wenn sie zu stark erscheinen.
    8. Von der Schülerin “Ramona”, die nach einer jahrelangen Schulschwänzerkarriere auch mal krank in die Schule kam, habe ich ich w.o . berichtet. Es geht nicht um die Krankheit, es geht um die Achtung der Persönlichkeit. Ramona ist durch ihre persönliche Entscheidung als Persönlichkeit gewachsen. Alles, was ich als ihr Lehrer dafür zu tun hatte, war, mich darüber ehrlich zu freuen.
    Mit herzlichen Grüßen an Musikus
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #10

    Nur ein paar wirklich ernsthaft interessierte Fragen:
    * Wie kann ich das UNbewusste steuern, wenn es doch unbewusst ist?
    * Wie kann ich Vertrauen ausstrahlen, wenn ich aufgrund meiner ausgeprägten Persönlichkeit vielleicht gar keines habe?
    * Wie sähe ein Unterricht in der Praxis wirklich aus, der JEDEN EINZELNEN Schüler bei seiner eigenen Lernbegeisterung abholt und diesen auch über Jahre begleitet?
    * Wie sähe eine Lehrerbildung aus, die JEDEN Lehrer zu einer Persönlichkeit macht? Und geht das überhaupt? Und was zeigt mir, ob ich es mit einer ECHTEN Persönlichkeit zu tun habe? Sind denn die aktuellen Lehrer alles nur fremdgesteuerte Marionetten?
    * Hat guter Unterricht wirklich mit Peer aus dem Dschungel-Camp zu tun?
    * Kann man Menschen, die das Dschungel-Camp schauen, wirklich erreichen, wenn man so argumentiert wie “Michael”?
    * Ist das Selbstwertgefühl von Franz Josef Neffe noch gesund oder schon überheblich?
    * Ist es erstrebenswert, dass die Schüler krank zum Unterricht kommen?

    schrieb Musikus am

  • #11

    Naja, wir könnten, statt die alten, übernommenen Sichtweisen immer wiederzukäuen, die Augen aufmachen und selbst sehen.
    Keine Pädagogik ist je nervös geworden, das werden immer nur die Pädagogen. Und selbst die werden nicht wegen sich selbst nervös - viele sind sich allenfalls mal in Teilen selbst begegnet - sondern wegen des Bildes, das sie von sich haben. Sie selbst kann man ihnen ja nicht wegnehmen, aber ihr Bild von sich selbst, o je, da könnte sich herausstellen, dass das eine “Luft-Aufnahme” ist. Und was dann?
    Sie wissen ja weder, wie sie zu dem alten Bild gekommen sind noch wie sie zu einem neuen kommen. Man hat ihnen ja ihre ganze Bildung stets zugeteilt - soweit das bewusst ablief.
    Das Unbewusste fragt nicht, ob wir es mögen. Es nimmt uns unser ganzes Leben lang mit. Wir hätten ja auch freiwillig mitkommen können. Unser Unbewusstes managt unsere 100 Billionen Zellen weiter, welchen Unsinn wir auch anstellen mögen. Egal, ob wir es mögen oder nicht, wir suchen es ständig. Unbewusst natürlich, sonst würde die Misserfolgsquote zu hoch. Unsere Erkenntnisse tauchen aus dem Unbewussten auf. Und es managt auch alle unsere Schwierigkeiten, geradeso wie wir´s aktuell brauchen. Wenn wir aufhören, unsere Fehler mit bewussten Anstrengungen zu forcieren, spielt es uns entsprechend mehr Erkenntnis zu. Es reagiert sehr fein auf uns. Warum nur machen wir´s mit ihm umgekehrt?
    Im Unterricht wird man halt nach unten gerichtet und das braucht man offenbar unbedingt, um den Menschen am Lernen zu hindern. Unterricht ist ein grobes, plumpes, sehr wirksames Mittel, dem Menschen die natürliche Fähigkeit des Lernens auszutreiben oder wenigstens zu neurotifizieren. Er lernt dabei, dass Gewalt alles darf und er sich unterwerfen, fügen, mitmachen muss. Das ist natürlich eine Fehlinformation.
    Natürlich gibt es kein Handbuch für mich, Dich, Ramona oder sonstwen, aber es gibt ein Buch des Lebens. Aus dem Schreibe ich gerade ab.
    Lat. “meditari” heißt “den Raum durchmessen” - unser Meterstab kommt davon. Man möchte nicht, dass wir frei den Raum durchmessen, drum “definiert” man uns auch die Meditation sinnlos = weglos (ahd. “sinan = Weg”).
    Das Unbewusste hat man uns immer beschworen, sei gefährlich und schmutzig. Wenn wir etwas davon bemerken, rette uns nur, sofort den Kopf in den Sand zu stecken und nichts damit zu tun haben zu wollen. Heute ist die Verblödung moderner, da suggeriert man uns, das Unbewusste sei zu blöd, Worte wie “nicht” oder “keine” zu verstehen. Mein Gott, das Unbewusste managt jeden Augenblick nebenbei unsere 100 Billionen Zellen. Mit unserem beschränkten bewussten Verstand, mit dem wir solchen Unsinn verzapfen, können wir im Leben nicht mal bis zur Billion zählen.
    Nötigungspädagogik ist nicht “überflüssig”, sie ist Nötigung. Wir alle sind doch Kinder! “Manche Leute sind dafür oft ziemlich blind, dass sie länger schon als Kinder Kinder sind” hab ich in einem meiner Lebens-Lieder gesungen. “Der Mensch kann nicht nicht lernen” hat uns Paul Watzlawick gewarnt. Was lernen wir???
    Wir betrügen uns ständig selbst. Es ist uns bewusst, dass wir uns selbst nicht treu sind und ständig etwas anderes tun als das, wofür wir auf dieser Welt sind. Wir müssen oft erst krank werden, bis wir aufhören, uns selbst in die Schablonen zu drücken, die gar nicht für uns sind. Ein Leben lang müssen wir deshalb unsere immer stärker anwachsenden Schuldgefühle (uns selbst gegenüber) verdrängen. Und wenns uns schon so beschissen geht, dann soll sich gefälligst keiner über unser erbärmliches Niveau zu erheben wagen. Selbstverständlich wollen wir, dass es unseren Kindern einmal besser geht, aber: wehe, wenn sie es sich auch nur gut gehen lassen!
    Die neue Ich-kann-Schule ist bloß ein kleines, bescheidenes Angebot, unauffällig die eigene Realität zu überprüfen und sich vielleicht doch noch in diesem Leben wieder gut zu werden. Man braucht dazu fast nichts zu tun, es wird einem alles vom Leben geschenkt. Unser Leben und all seine Kräfte erlebt sich selbst ja nur dann als sinnvoll und gut, wenn wir ihm das ermöglichen. So wie das Leben sich aufgrund unserer Behandlung fühlt, fühlen wir es in uns.
    Jeder ist seines Glückes - oder wahlweise Unglückes - Schmied.
    Viel Glück wünsche ich uns allen.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #12

    Lieber F.J. Neffe,

    Ihren Beitrag habe ich mit Interesse und vorsichtiger Begeisterung gelesen. Vorsichtig deshalb, weil die klassischen Pädagogik traditionsgemäß höchst nervös wird, sobald das Gespräch beginnt, uns persönlich zu betreffen. Der westliche Kulturmensch mag das Unbewusste nicht. Er gibt sich alle Mühe, es zu verdrängen. Eine milliardenschwere Unterhaltungsindustrie lebt davon, den Menschen permanent Zerstreuung und Ablenkung zu servieren. Solange der Fernseher(MP3-Player dudelt, übertönt die Außenwelt die innere Haltlosigkeit.

    Ihr Beitrag ist streitbar, fast sophistisch: Was ist das entscheidende Merkmal des “guten” Lehrers?

    Um die Antwort zu finden, studieren wir jahrelang, lesen Bücher und besuchen Seminare, in denen es wieder, wieder und nochmals wieder um dieselbe alte Leier geht: “Gu-ter Un-ter-richt be-steht aus : Er-stens gu-ter Pla-nung, zwei-tens guter Per-sön-lich-keit…” Bla erstens. Blabla zweitens. Blablabla drittens. Was für ein furchtbarer Versuch, aus Scherben eine Persönlichkeit herbei zu kleben! Es war schon bei Hegel und Hebbel ein Paradoxum: Eine Persönlichkeit zu schaffen, die von außen installiert, aber den innersten Wesenskern des Menschen darstellen soll? Was eine psychologische Schatzsuche sein soll, wird zum seelenkastrierten Vernünfteln über das ohnehin Offensichtliche reduziert. Was zurückbleibt, sind Fragmente eines Puzzles, dass sie nie richtig zusammenfügen will: “Wie die vorgestellten Dimensionen zusammenwirken, ist unklar.” (s.o.)

    Der initiale Beitrag (“Lehrer: Beliebt bei den Schüler/innen”) hat dennoch durchaus seinen Sinn. Aber die Fragen, die im Rahmen der Analyse entstehen, betreffen UNS. Wir können sie nicht in einem Buch nachschlagen, weil es kein Handbuch für “Ramona”, “F.J. Neffe” oder “Michael” oder DICH gibt. Die Antwort des Sokrates an den Phaidros “Was Qualität ist - müssen wir danach andere fragen?” kann durchaus als Losung und Lösung ausgegeben werden.

    Der wissenschaftliche Objektivizismus hat die Rationalität entwickelt, aber gleichzeitig ist eine Verkümmerung der Selbstkenntnis zu beklagen. Wie will ein Mensch seine Mitmenschen richtig erfassen, solange er sich selbst ein Rätsel ist? Vor Meditation bspw. wird regelrecht gewarnt; zu unwägbar seien die Risiken für denjenigen, der es wagt, in den gähnenden Abgrund der eigenen Seele zu schauen. Wahnsinn droht. Bestenfalls Depression oder Resignation. Die Seele wird apriori zur Müllhalde erklärt, auf der es nichts Wertvolles zu finden gebe. Stattdessen glotzt die ganze Nation, wie “Peer” König im RTL-Dschungelcamp wird. Laut, schrill und dröhend wird diejenige Zeit totgeschlagen, in der man nicht mit sich selbst allein sein kann.

    Ich stimme Ihnen teilweise zu: Unsere Druck- und Nötigungspädagogik ist vielfach überflüssig. Die ganze Motivationspsychologie könnte es auch sein. Kinder lernen mit Begeisterung. Sie lieben Freiheiten, Können und Wissen und alle Quellen, aus denen sie diese Dinge beziehen können. M.E. hat die Gesellschaft Angst vor der Individualität des Menschen. Sie fordert seine prokrustische Einpassung - nicht nur in sozialen Fragen, sondern auch, wie Kuhn/Foucault gezeigt haben, im Bereich des Wissens/Für-Wahr-Haltens.

    schrieb Michael am

  • #13

    Ob ich ein guter Lehrer sei, das könne er an den Fehltagen von Ramona ablesen, sagte mir mein Schulleiter. Bis in die 7.Klasse hinein hatte sie jedes Jahr jeweils mehr als das halbe Schuljahr gefehlt. Bei mir fehlte sie in der Kennenlernphase etwa 10 Tage und dann nie mehr, sie kam sogar in die Schule wenn sie krank war.
    Ich hatte Hochachtung vor ihr und ihren Talenten und ein vitales Interesse an der Entfaltung ihres Genies. Ich sagte und zeigte ihr, dass sie gut ist und alles schaffen kann. Vor allem glaubte ich daran und strahlte es aus: das ist der entscheidende Punkt, der fast immer missachtet wird.
    Bei meinen Recherchen für die neue Ich-kann-Schule habe ich regelmäßig erlebt, dass die Erwachsenen etwas ganz anderes denken und ausstrahlen als sie reden und tun. So senden sie immer zwei sich widersprechende Botschaften: Weißer Mann (und Frau) spricht mit gespaltener Zunge.
    In der Regel redet man und rackert sich ab für eine gute Entwicklung. Glauben und ausstrahlen tut man aber immer mehr den Ungkauben daran, die gesammelten Misserfolge, den Frust, die Ohnmacht. Durch eine verkürzte Pädagogik sind wir blind gegenüber dem UNBEWUSSTEN - der Instanz, die alle Lebensfunktionen lenkt. Die nimmt alles wahr, was wir denken und ausstrahlen, und unsere Strahlen kommen überall durch und tief hinein, wo etwa Worte zurückgewiesen werden. Außerdem wirken unsere Strahlen, die die Atmosphäre machen, mindestens 100mal stärker. Mit unseren BEWUSSTEN ANSTRENGUNGEN haben wir keinerlei Chance, solange wir auf der UNBEWUSSTEN Ebene alles verkehrt machen.
    In der neuen Ich-kann-Schule ist das Unbewusste der wichtigste Lebenspartner. Dort liegen alle unsere entscheidenden FEINEN Kräfte: die brauchen FEINEN Umgang. Unsere übliche Druck- und Nötigungspädagogik ist dafür vollkommen ungeeignet. Erhöhter Kraftaufwand ist der Indikator für einen verkehrten Umgang mit dem Leben. Wenn sie erfolgreich werden will, muss Pädagogik feine Präzisonsarbeit werden.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #14

    Kann Hugo Schuster nur beipflichten: In den Klassen 9-12 hatten wir eine Mathe- und eine Chemielehrerin, die beide ausgesprochen “streng” waren, kompromisslos, überaus kompetent und uns in jeder Unterrichtsstunde entweder mündlich oder schriftlich prüften. Natürlich gab es nur Frontalunterricht, und persönliche Gespräche reduzierten sich auf ein Mindestmaß. Das war in den Jahren 1968 bis 1972. In Mathe und Chemie kann ich mit heutigen Schülern noch gut mithalten und empfinde für diese beiden Damen inzwischen große Hochachtung. (seit 1976 selbst mit Herz und Seele Lehrerin, allerdings nicht für die o. g. Fächer)

    schrieb cinderella267 am

  • #15

    Überkreuz-Effekt
    Wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, dann waren die beliebtesten Lehrer diejenigen, die sich cool gaben, von sich selbst und auch von uns wenig verlangten, der Schulleitung und auch den anderen Lehrern gegenüber eher kritisch gegenüberstanden und auch mit überwältigender Mehrheit zum Verbindungslehrer gewählt wurden.
    Es gab in jeder Klasse nur eine Handvoll Schüler, welche dieses Spiel durchschauten.
    Ich hatte das große Glück, mehrere Jahre solche Typen z. B. im Fach Geschichte zu genießen.
    Nach ein paar Jahren wendet sich das Blatt, und das merkt man am deutlichsten beim ersten Klassentreffen.
    Diesen Effekt brachte einmal ein berühmter Dirigent, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte, auf den Punkt: “In Französisch hatten wir eine Lehrerin, bei der machte der Unterricht richtig Spaß. Nebenbei erfuhren wir sehr viel über Land und Leute. Der Unterricht war interessant und abwechslungsreich. In Latein hatten wir einen fürchterlichen Pauker, humorlos, streng und unsympathisch. Nun, Latein kann ich heute noch, Französisch fast überhaupt nichts ...” Nach einer
    kleinen Pause meinte er: “Ich kann nur raten, suchen Sie einen Mittelweg”

    schrieb HugoSchuster am

  • #16

    Selbst war ich ein mittelmässiger Schüler, nun habe ich eine Tochter 9.Klasse Gymnasium.

    Es ist schon immer dasselbe: Erfolg motiviert!!

    Erfolgreich werden Schüler, wenn sie die Gelegenheit wahrnehmen wollen, am Unterricht aktiv teilzunehmen. Da Jugendliche aber entwicklungsbedingt zunächst “Contra” gepolt sind, müssen sie definitierte Grenzen erkennen können. Nur dann haben sie eine Chance dieselben zu akzeptieren.

    Ich bin schon lange Eltervertreter und fass mal aus meiner Sicht die Eigenschaften beliebter Lehrer zusammen: Korrekt, streng, gerecht, rücksichtsvoll (z.B auf Wochenende oder Arbeiten in anderen Fächern), kalkulierbar, Üben in der Klasse mit dem Ziel, dass jeder eine Chance auf eine mindestens 4 hat, erwachsen (das locker, jugendlich-Spiel kommt ganz schlecht an), Verständnis (die Schüler haben auch noch andere Fächer), ich bin der Chef!!

    Gebt den Kids reelle Chancen in Euren Fächern, bereitet mit Ihnen die Klausuren vernünftig vor, gebt Hausaufgaben, die den Klausuren ähneln. Schnell wird den Kids klar: Wenn ich bei dem mitarbeite und meine Hausis mache, dann wird dieses Fach nie zur Falle werden!

    schrieb Christopher am

  • #17

    a), ja! grandios. endlich wird mal erkannt, dass lehrer, die wirklich gescheiten unterricht machen, beliebter sind als die (ihrer meinung nach) unglaublich jugendlich wirkenden lehrer(vornehmlich: /innen) mit ihren pseudoalternativen unterrichtsmethoden. jede stunde nur gruppenarbeit/standbilder etc nervt.
    und das ein lehrer nicht gut aussehen muss, um beliebt zu sein, dafür gibts an unserer schule genügend beweise. nur ein wenig charismatisch sollte man zumindest schon sein..
    (bedauerlich ist nur, dass die schüler heutzutage immer notenfixierter werden und demzufolge tatsächlich diejenigen lehrer lieber mögen, bei denen sie gute noten bekommen. aber so sind ja nicht alle. zum glück.)

    eine schülerin

    schrieb g.s. am

  • #18

    Erst lesen, dann kommentieren:

    Beliebte Lehrer/innen haben es leichter: Ihr Arbeitsalltag gestaltet sich angenehmer, von Aggression geprägte Interaktionen sind auf ein Minimum reduziert und die Zahl der Erfolgserlebnisse im Arbeitsalltag liegt auf einer erfreulichen Höhe.

    Außerdem gibt es Ähnliches z. B. im Einzelhandel (zwecks Umsatzsteigerung). Anders formuliert: Wem völlig egal ist, wie er auf seine Umwelt wirkt, ist ein unerträglich egozentrischer Zeitgenosse. Schließlich: Der Lehrerfreund betont nun wirklich mehr als einmal, dass guter Unterricht, klare Regeln, authentisches Auftreten die besten Ratgeber sind. Na, und wenn das auch noch beliebt macht - warum dann nicht?

    schrieb Musikus am

  • #19

    dachte mir schon immer, dass so mancher Lehrer die Schüler dazu benutzt, seine seelischen Bedürfnisse zu befriedigen oder seine persönlichen Defizite auszuleben ...
    Vielleicht ergreifen manche gerade deshalb diesen Beruf?

    Manche verbiegen sich dabei bis zur Selbstaufgabe. Sie schleimen bei den Schülern und bei der Schulleitung.

    Warum wollen denn die Lehrer immer beliebt sein? Sagt jetzt bloß nicht, weil der Schüler dann besser lernt.

    schrieb frederik k am

  • #20

    Gerade zur kurzfristigen Beliebtkeitsförderung ...

    wenn man keien Hausaufgaben gibt, sollten die Schüler das auch klar sehen, damit sie auch entsprechend erfreut reagieren :D ...

    Wenn man natürlich nie welche gibt, fällt das gar nicht auf ...

    Birgit

    schrieb Birgit am

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