Melk-Kühe

Lehrer/innen in der Top 10 der Gehaltsverlierer (Jahr 2010) 17.02.2010, 00:10

Fiktiver Gehaltszettel eines Lehrers, unkenntliche Zahlen

Die Financial Times Deutschland (FTD) listet die Berufsgruppen mit der geringsten Gehaltssteigerung in den letzten 18 Jahren auf (Inflation eingerechnet). Lehrer/innen verdienten 2008 inflationsbereinigt 21% weniger als noch 1990 und gehören damit zusammen mit Ärzt/innen, Kraftfahrern und Informatiker/innen in die Top 10 der "Gehaltsverlierer". Aber was ist beim Gehalt schon "viel" und "wenig"?

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Gehaltsverlierer

Unter dem Titel Die Gehaltsverlierer unter den Berufen fasst die Financial Times Deutschland die Berufe zusammen, die in den letzten 18 Jahren (1990 bis 2008) gehaltsbedingt am meisten an Kaufkraft eingebüßt haben. Grundlage ist eine Statista-Studie für die Zeitschrift “Stern”. Alle Berechnungen sind um die Inflation bereinigt, die von 1990 bis 2008 rund 47% betrug.

Auf Platz 8 der Verliererliste stehen Lehrer/innen, gleichauf mit Berufskraftfahrern und Wissenschaftler/innen. Die FTD schreibt:

Platz 8: Lehrer haben wenigstens viel Jahresurlaub
Hier unterscheiden sich Lehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen von ihren Kollegen an Gymnasien: Sie verdienen weniger. 2008 waren es 3160 Euro. 1990 verdienten sie zwar mit 2740 Euro absolut weniger - durch die Inflation ergibt sich in den letzten 18 Jahren trotzdem ein Verlust von 21 Prozent.

FTD 13.02.2010: Die Gehaltsverlierer unter den Berufen

Bei den Zahlen handelt es sich offensichtlich um den durchschnittlichen Bruttoverdienst quer durch alle Schulformen, Bundesländer und Dienstaltersstufen. Das entsprechende Netto hängt von dem Status der Lehrer/in ab (verbeamtet vs. angestellt). Den größten Gehaltsverlust mussten Ärzt/innen hinnehmen (50% weniger). Auf Platz 2 stehen die “Sportlehrer in allen Schularten”, die 39% verloren haben und 2008 noch 2500 Euro brutto verdienten. Verwirrend ist, dass Sportlehrer/innen sich an Regelschulen eigentlich gehaltsmäßig nicht von Biologie- oder Mathelehrer/innen unterscheiden.

Bei den Gehaltsgewinnern stehen Grafiker/innen (+85%), Beschäftigte im Marketingbereich (+63%) und Immobilienmakler (+62%) ganz vorne.

Sind Lehrer/innen wirklich “Gehaltsverlierer”?

Letztendlich ist das Gehalt nichts weiter als ein Indikator für die Lebensqualität. Hier muss berücksichtigt werden, dass Lehrer/innen hinsichtlich der Arbeitsplatzsicherheit kaum zu klagen haben, gleich ob verbeamtet oder angestellt. Verbeamtete Lehrer/innen müssen zudem keine Sozialabgaben entrichten (dafür jedoch vom Netto einen Teil der verpflichtenden privaten Krankenversicherung berappen). Auch die flexiblen Arbeitszeiten der Lehrer/innen gelten in den Augen der Öffentlichkeit als vorteilhaft.

Auf der anderen Seite stehen die wachsenden Belastungen der Lehrer/innen, die in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen haben: Größere Klassen, eine veränderte Schülerklientel und zunehmende Unterrichts- und Zusatzverpflichtungen bestimmen das Anspruchsniveau des Lehrerdaseins. So ist die Unterrichtsverpflichtung seit 1990 um mehr als 10% gestiegen (z.B. gymnasiale Sekundarstufen Baden-Württemberg: 22 Stunden 1990 vs. 25 Stunden 2009). Ein Großteil der Lehrer/innen leidet berufsbedingt unter gesundheitlichen Problemen wie Burnout.

Ob das Gehalt von Lehrer/innen nun “viel” oder “wenig” ist: Die meisten Lehrer/innen vermissen eine Wertschätzung ihres Berufs durch ihren Arbeitgeber und sehen sich als Melk-Kühe der Ministerien. Dass das Lehrer/innen-Gehalt in den letzten zwei Jahrzehnten nicht mit der Inflation Schritt gehalten hat, ist ein deutliches Zeichen dafür.

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