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GPT-Slam

Präsentation für die Schule - in 10 Minuten von ChatGPT 23.02.2023, 10:18

Der Lehrerfreund - die 10-Minuten-Präsentation mit ChatGPT

Die Challenge: Zu einem zufälligen Thema in 10 Minuten einen kompletten Präsentationsvortrag von ChatGPT vorbereiten lassen - Timer läuft! ChatGPT wählt als Thema Evolution aus, und der (in allen Schulen verbreitete) Schwachsinn nimmt seinen Lauf.

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In der Schule ein Referat mit PowerPoint halten bedeutet: sinnlos 80 Unterpunkte auf 20 Folien paraphrasieren, alle langweilen sich zu Tode - aber das ist state of the art. Als regelmäßige Lehrerfreund-Leser/in wissen Sie das natürlich (Lehrerfreund-Kategorie »Präsentieren und Vortragen«).

KI-Systeme wie ChatGPT sind die perfekten Erfüllungsgehilfen für diesen Schwachsinn. Ich demonstriere das, indem ich ChatGPT eine Präsentation erstellen lasse und die dann halte - obwohl ich vom Thema keine Ahnung habe und die Folieninhalte nicht ein einziges Mal durchgelesen habe. Und trotzdem entspricht das Ergebnis einer durchschnittlichen Präsentation, wie man ihr in Schule und Hochschule täglich begegnet.

Sinn der Sache: Durch den Zeitdruck werden die Schwächen des Systems »Präsentationsvortrag« ganz deutlich - siehe im Video oder unten.

Let's go (höhere Qualität + Kapitel: das gleiche Video auf YouTube: Mit ChatGPT eine Präsentation in 10 Minuten erstellen):

Für diejenigen, die keine Zeit für stark 10 Minuten haben und es lieber lesen wollen: Hier die wesentlichen Erkenntnisse in Textform mit Links zu den entsprechenden Video-Kapiteln.

Vorbemerkung: Wenn eine Lüge von ChatGPT deine Präsentation platzen lässt

Natürlich sind atemberaubende Beispiele wie in Die Lügen des ChatGPT: Das alte Gurkenfass nur Kinderkrankheiten, in allerkürzester Zeit werden KI-Systeme solche Schnitzer nicht mehr machen. Doch während man bei Arbeiten, die in schriftlicher Form abzugeben sind, wohl eine höhere Messlatte anlegt, lassen die meisten Schüler/innen und Student/innen es bei Präsentationen etwas laxer angehen. Das ist natürlich ein echter Killer: Eine einzige ChatGPT-Lüge reicht, dass die Lehrer/in die Präsentation sofort abbricht und Sie durchfallen lässt. Klar, »Weltweit gehören ungefähr 160.000 Menschen dem Islam an« hätte man auch echt kurz nachrecherchieren können.

Ablauf der Challenge

Man könnte eine solche Challenge durchaus nach Vorbild des Science Slam systematisieren. Allerdings wäre das moralisch nur zu vertreten, wenn das zentrale Lernziel darin besteht, dass man Vorträge eben genau NICHT so hält (siehe folgender Punkt »Schwächen des Systems 'Präsentation'«).

  • Einrichtung der Arbeitsoberfläche: Präsentationssoftware (bspw. PowerPoint), ChatGPT-Eingabefeld, Bilderportal (z.B. Pixabay), evtl. Text-Editor als Zwischenstation für aus ChatGPT kopierte Texte (wenn man die direkt in PowerPoint einfügt, werden die Formatierungen wie Schriftgröße, Schriftfarbe etc. der Website mitgenommen; diese zu entfernen kostet Zeit). Startbereiter Countdown-Timer (evtl. separat auf Smartphone).
  • ChatGPT nennt ein zufälliges Referats-/Präsentationsthema. Hier empfiehlt es sich, zuvor ein zufälliges Schulfach nennen zu lassen; auf die Bitte »Nenne ein Thema für ein Schulreferat« erhält man zum aktuellen Zeitpunkt (Februar 2023) ein sehr eingeschränktes Themenfeld (Klimawandel, Computertechnik etc.).
  • Timer starten - 10 Minuten Zeit
  • Nach 10 Minuten muss die Präsentation fertig sein. Abspeichern und … die Präsentation halten.

Die Schwächen des Systems »Präsentation«

»Präsentationen« sind Mist - zumindest in der Form, wie Schule, Hochschule und Meeting-Betrieb sie regelmäßig verstehen. Falls Sie das nicht genau so sehen, lesen Sie zuerst

Durch den Zeitdruck der 10-Minuten-Challenge werden die Nachteile und die Sinnlosigkeit des Systems offenbar:

Inhalte statt Kommunikation

Folie für Folie, Unterpunkt für Unterpunkt: Langeweile ist vorprogrammiert. Im meditativen Rhythmus der Aufzählungszeichen nicken die Zuhörer/innen weg, und keinen stört es so richtig. Klar: Es geht in erster Linie darum, dass das Thema vollständig abgearbeitet wurde, wehe, ich vergesse einen Punkt. Deshalb schreibt man ja auch jedes Detail auf die Folie, damit man es nicht vergisst. Was die Zuhörer/innen wollen, brauchen, erwarten - egal.

Vortragen ist kommunizieren. Ich erläutere jemandem das, was ihn interessiert. Ich versuche, jemanden zu manipulieren. Ich möchte etwas verkaufen.

Bei der klassischen Präsentation - Fehlanzeige. Sie sehen im Video (04:15), wie der Präsentator mit Gestik und Mimik Kommunikation simuliert. Macht er gar nicht so schlecht. Doch letztlich geht es ihm nur darum, mit der Folie fertig zu werden, um zur nächsten zu kommen, um irgendwann mit der »Präsentation« fertig zu werden.

Paraphrasieren statt wissen: Die Illusion des freien Vortrags

Bei 05:36 ist die Rede von »vergleichende Anatomie und Physiologie«, als Beispiel nennt der Redner »Ähnlichkeiten in der Skelettstruktur«. Offensichtlich hat er keine Ahnung vom Thema, doch schlauerweise liest er nicht vor, sondern paraphrasiert, was auf der Folie steht. So entsteht die Illusion, dass er eigentlich frei redet und das auch ohne Folien könnte. Aber nehmen Sie ihm spontan mal die Folien weg - er wird keinen einzigen geraden Satz zustande bringen. Und dann wird bei der Bewertung auch noch von den Schüler/innen lobend erwähnt, »Er hat frei gesprochen« und »Er war gut vorbereitet«.

Bewertung

Es wäre ja schon schlimm genug, wenn nur Schüler/innen die sinnlose Vorleserei betreiben würden. Doch bei der Bewertung(sdiskussion) ernten sie in der Regel von Lehrer/innen keine Kritik dafür. Lehrer/innen, Dozent/innen machen es ja selbst genau so. Wie das laufen kann, sehen Sie im Video bei 06:42 - Transkript:

Lehrer/in: Na, wie fandet Ihr die Präsentation?
Schüler/innen: Das war eigentlich eine schöne Präsentation. Es sah gut aus. Er hatte gutes Bildmaterial und ist auf die Bilder eingegangen. Er hat sich gut ausgekannt. Sein Schluss war super.
Lehrer/in: Ich hätte da noch eine inhaltliche Nachfrage zur DNA und dem Skelett-Beispiel.
Präsentator: Naja, da wurde mir das dann doch etwas zu komplex.
Lehrer/in: Endbewertung - befriedigend. Inhaltlich hattest du Schwächen, aber es war gut gemacht, du hast die Inhalte gut vermittelt. 

ChatGPT befördert den Schwachsinn

Bisher war die Horrorvorstellung, dass Schüler/innen sich die Inhalte ihrer Präsentation im Internet zusammensuchen (Video 07:27). Immerhin - stellen wir jetzt mit Schrecken fest - lernen sie dabei noch ein bisschen was: Sie müssen entscheiden, welche Inhaltsschnippsel sie verwenden, sie müssen diese Inhalte in eine irgendwie schlüssige Struktur bringen, sie müssen einzelne Punkte umformulieren, etc.

Bei der oben skizzierten Verwendung von ChatGPT dagegen sinkt der Leistungsanspruch auf Null. Selbst ein Grundschüler kann eine Präsentation über Fusionsreaktoren bauen, wenn man ihm zeigt, wie das geht.

An sofort wären wir froh, wenn die Schüler/innen ihre Präsentationen aus dem Internet zusammenstehlen würden - was würden sie alles dabei lernen! Aber zu spät. Auf diesen Gedanken hätten wir früher kommen müssen.

Und jetzt?

Jetzt schauen wir erst mal ganz schön blöd. An Schulen und Hochschulen bilden sich Taskforces, die den Umgang mit KI-Fremdleistungen diskutieren und häufig auf Zensur und Entlarvung setzen (was angesichts der zu erwartenden technischen Entwicklungen aussichtslos sein dürfte).

Was wir brauchen, ist eine didaktische Diskussion. Was sollen die Schüler/innen eigentlich lernen/können? Wühlen wir im Nähkästlein Des Lehrerfreunds, und was finden wir? Ein vollständiges Lösungskonzept, geschrieben im Jahr 2015:

»Präsentieren« - Das ultimative didaktische Konzept

Danke, lieber Lehrerfreund!

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