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Durchgreifen von Anfang an?

Was Lehrer/innen von Schiedsrichtern lernen können 30.04.2015, 19:27

Schiedsrichter mit Fahne verwarnt Spieler
Bild: StockSnap / pixabay [CC0 (Public Domain)]

Ein guter Schiedsrichter behält das Spiel unter Kontrolle, indem er schon von Anfang an konsequent gegen Regelverstöße vorgeht (=Gelbe Karte). Wer als Lehrer/in eine neue Klasse bekommt, ist gut beraten, es dem Schiedsrichter gleichzutun - im Rahmen der pädagogischen Fairness.

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  • (geändert: )

Die folgende Darstellung bezieht sich auf den disziplinarischen Aspekt des Unterrichts. Der Schiedsrichter beim Fußball ist in erster Linie dazu da, die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten, indem er Verstöße ahndet. Diese Funktion ist nur eine von vielen, die die Lehrer/in erfüllt. Pädagogische und organisatorische Aufgaben sind weitaus umfangreicher als die Aufrechterhaltung der Disziplin. Dennoch muss die Lehrer/in während des Unterrichts darauf achten, dass die "Regeln" eingehalten werden.

Originalbeitrag vom 04.07.2012

Regeln beim Fußball, Regeln im Schulunterricht

Beim Fußball sind die Regeln übersichtlich und eindeutig (einsehbar z.B. beim DFB: Fußballregeln). Im Schulunterricht gibt es einige wenige "offizielle" Regeln, wie sie z.B. durch Schulgesetze (Anwesenheitspflicht ...) oder die Hausordnung (kein Smartphone im Unterricht ...) vorgeschrieben sind, darüber hinaus ist die Lehrer/in dafür verantwortlich, ein Regelwerk zu schaffen. Jede Lehrer/in macht es ein wenig anders: Einige sind streng, andere sind locker. Manche bestrafen häufig, manche kaum.

Aber auch der Fußballschiedsrichter legt die Regeln aus. Während es bei "Aus" oder "Tor" keine Spielräume gibt, sind Gelbe und Rote Karten häufig eine umstrittene Interpretation des Schiedsrichters.

Taktisch bestrafen - die richtige Reihenfolge

Es gibt genau zwei Gründe, aus denen man einen Schiedsrichter als unfähig bezeichnet:

  1. Er trifft Fehlentscheidungen - d.h. er ahndet Regelverstöße nicht oder behandelt regelkonformes Verhalten als Regelverstoß.
  2. Er hat das Spiel nicht unter Kontrolle.

Wenn ein Schiedsrichter in einer schwierigen Partie zu Anfang zu viele Fouls durchgehen lässt (d.h.: ohne eine Karte zu zeigen), wird die Anzahl und die Härte der Fouls im Verlauf des Spiels zunehmen. Die Spieler "lernen" ziemlich schnell, dass sie noch härter aufs Schienbein treten können, da sie selbst keine schlimmeren Konsequenzen zu spüren bekommen.

Irgendwann (meistens in der zweiten Halbzeit) ist ein Punkt erreicht, an dem der Schiedsrichter eingreifen MUSS, um schwere Verletzungen und ein völliges Entgleisen des Spiels zu vermeiden. Er zieht also eine oder zwei Gelbe Karten - und erstaunlicherweise reagieren die Spieler überhaupt nicht darauf. Sie haben in überraschend kurzer Zeit gelernt, dass sie tun dürfen, was sie wollen, und das Spiel geht mit unverminderter Härte weiter. Der Schiedsrichter muss unverhältnismäßig viele Karten in kurzer Zeit zeigen, um das Spiel in Griff zu bekommen. Damit handelt er fast zwangsläufig ungerecht, da er Aktionen bestraft, die er zu Beginn des Spieles hat durchgehen lassen.

Im folgenden Diagramm sind zwei typische (fiktive) Spielverläufe abgebildet. Der "gute" Schiedsrichter (rot) zeigt zu Beginn drei Gelbe Karten, danach verläuft die Partie friedlich. Insgesamt werden vier Gelbe Karten gezeigt.

Der "schlechte" Schiedsrichter (blau) zeigt in den ersten 60 Minuten nur eine Gelbe Karte. Um das Spiel wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, muss er in der letzten halben Stunde acht (!) Gelbe Karten zeigen.

Diagramm: Gelbe Karten bei einem Fußballspiel

Sehr ähnlich verhält es sich bei der Steuerung einer Klasse: Einige Gelbe Karten zu Anfang und das Spiel läuft. Vielleicht muss man wie im oberen Diagramm ab und an eine weitere Gelbe Karte nachschieben. Wer mit Regelverstößen zu nachlässig umgeht, der muss später viele, viele Gelbe Karten zeigen - und wird sich dabei den Ruf einhandeln, überstreng und aggressiv zu sein.

Beispiele

a) Verletzung der Anwesenheitspflicht

Zu den klassischen Beispielen gehört die Missachtung der Anwesenheitspflicht. Wird Stemmen nicht von Anfang an konsequent geahndet, ist das Übel nach einigen Monaten kaum mehr auszurotten. Deshalb empfiehlt sich schon bei den ersten Vorkommen die drakonische Anwendung der in den Schulgesetzen vorgesehenen Mittel (s.a. 5 Tipps, wie man Schüler/innen richtig bestraft, Abschnitt »Welche “Strafen” gibt es in der Schule?«) gegenüber uneinsichtigen Schulabsentist/innen.

b) Hausaufgaben

Zu den zentralen Streitpunkten in Klassenzimmern gehören die Hausaufgaben. Wer hier am Anfang des Schuljahres nachlässig verfährt ("Dann zeigst du sie mir eben das nächste Mal."), der handelt sich ewigen Streit ein. Ahnden Sie nicht gemachte Hausaufgaben unerbittlich, und Sie müssen im weiteren Verlauf weniger Gelbe Karten zeigen.

c) Disziplin

Auch für disziplinarische Aspekte (Stören, Schwätzen ...) gilt das oben Gesagte. Allerdings sind hier die Grenzen weicher, während es in Fragen der Anwesenheit nur "da" und "nicht da" gibt. Je konsequenter und drakonischer man die Klasse zu Beginn des Schuljahres anpackt, desto mehr sollte man darauf achten, pädagogisch immer fair zu handeln.

Nicht vergessen: Pädagogische Fairness

Einfach nur die Keule rauszuholen wird Ihnen nichts bringen - was Sie bekommen, ist keine schöne und kontrollierte Situation, sondern Krieg mit 30 Minderjährigen. Eine klassische Lose-Lose-Situation.

Sämtliche Maßnahmen, die Sie ergreifen, müssen für die Schüler/innen vorhersehbar sein: "Wenn ich morgen in Latein fehle, wird dies und jenes passieren." (mehr: Umgang mit Konflikten) Auch beim Fußballspiel ist das so: Bei 80% aller verteilten Gelben Karten weiß der betroffene Spieler schon vorher, dass er eine bekommt. Er wird sich trotzdem aufregen und schimpfen. Die Schüler/innen übrigens auch.

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Kommentare

9

Zum Artikel "Was Lehrer/innen von Schiedsrichtern lernen können".

  • #1

    Eine Pädagogik in der Form, wie sie der Artikel vorschlägt, erscheint mir nicht besonders zeitgemäß - schwache Führungspersönlichkeiten mögen diese Vorschläge vielleicht bejubeln, allerdings sollten Hinweise wie “deshalb empfiehlt sich schon bei den ersten Vorkommen die drakonische Anwendung der in den Schulgesetzen vorgesehenen Mittel” doch heutzutage eigentlich überholt sein. Wie wäre es denn, wenn Lehrer sich mehr auf ihre Kernkompetenz beziehen - die Vermittlung von Wissen und zwar in einer Form, die den Schülerinnen und Schülern Menschlichkeit, gegenseitigen Respekt und Würde vermittelt? Das ist natürlich anstrengend und erfordert viel mehr geistige Arbeit als die Methoden, die hier vorgeschlagen werden - doch ist es die Mühe allemal Wert.

    schrieb M. Mohr am

  • #2

    Den Sinn des Artikels nicht verstanden. Hier geht es nicht um Wissensvermittlung, sondern wie diese erst ermöglicht wird. Ein besseres Beispiel wäre vielleicht das Stören im Unterricht gewesen, aber genauso sollte es sein: Von Anfang an klare Regeln (wie die aussehen, ist den SchülerInnen eher nicht so wichtig, als dass sie eingehalten werden).

    schrieb AnnDido am

  • #3

    Na, der hier ist ja auch schon mehr als 3 Jahre alt und wurde nur aktualisiert.

    Danke in jedem Fall für den Hinweis - du als Sportlehrer sprichst ja aus Erfahrung:

    Eine Zeitlang habe ich Fussball-Vereinsspiele gepfiffen. Als Neuling lernt man ganz schnell, wie wichtig es ist, sich möglichst frühzeitig Respekt zu verschaffen und Ruhe ins Spiel zu bringen, indem man bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eine gelbe Karte zieht und den Spielern frühzeitig signalisiert, wo es langgeht.

    Sehr wichtig ist sicher auch diese Bemerkung in deinem Artikel:

    Und eine gelbe oder rote Karte hat natürlich auch überhaupt nichts mit dem Spieler als Person zu tun. Ich reagiere als Schiedsrichter auf Verhalten, nicht auf Personen.

    Das entspricht der “Straf”-Regel Nummer 3: Strafen Sie emotionslos. (5 Tipps, wie man Schüler/innen richtig bestraft )

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #4

    Der ganze Artikel kommt mir bekannt vor: http://www.jochenenglish.de/?p=188

    schrieb Jochen Lüders am

  • #5

    Danke für Ihren Kommentar im Sinne einer konstruktiven, positiven Pädagogik, wie wir sie alle anstreben. Können Sie schildern, wie Sie mit Schüler/innen umgehen, die Ihre Hausaufgaben nicht machen oder die dauernd zu spät kommen?

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #6

    Wie kommt der Autor dieser obigen Zeilen eigentlich dazu, sich mit einem Schiedsrichter beim Fussball zu verwechseln? Noch dazu gepaart mit der Überschrift “Durchgreifen von Anfang an” stellt sich mir als geneigtem Leser doch die Frage, was dieser “Pädagoge” eigentlich in seinem Unterricht so tut - geht es hier um die Vermittlung von Lernstoff und den entsprechenden Spaß der Schüler am Lernen (= Bildungsauftrag eines Lehrers) oder nicht doch eher um einen falsch verstandenen Erziehungsauftrag, der sich hier in einem diktatorisch verstandenen, geradezu anmaßendem Machtanspruch ausdrückt - wenn ich Zeilen lese wie “deshalb empfiehlt sich schon bei den ersten Vorkommnissen die drakonische Anwendung der in den Schulgesetzen vorgesehenen Mittel” und “ahnden Sie nicht gemachte Hausaufgaben unerbittlich”, dann frage ich mich, wes’ Geistes Kind sich da “Pädagoge” nennt - totalitäre Systeme arbeiten so - Lehrer im Jahr 2015 also auch, ja?

    schrieb Brisbane am

  • #7

    Ich habe eigentlich noch nie gesehen, dass ein Schiedsrichter die Spieler lobt. Schade eigentlich. Ich versuche als Lehrer über Hervorhebung des Richtigen zu sanktionieren und das geht auch ganz gut.
    Auch habe ich noch nie erlebt, dass der Schiedsrichter das Spiel unterbricht um das Gespräch über das Spielerverhalten zu führen (Metakommunikation). Das kommt schon bei 10-Jährigen gut an.
    Wahrscheinlich liegt das daran, weil Fußball -“spiel” letztlich doch Kampf ist, bei dem eine Mannschaft redlich gewinnen soll. Unterricht sollte aber doch eher Arbeit sein, wo letztlich alle das Ziel erreichen.

    schrieb Helge am

  • #8

    Ein weiterer wichtiger Aspekt fehlt:
    Wer sich mit dem Schiedsrichter anlegt, fliegt!

    schrieb sunny am

  • #9

    Das sind sehr überzeugende Überlegungen.
    Ein wichtiger Aspekt fehlt:
    Ein guter Schiedsrichter ist nicht nur (besonders am Anfang) streng, sondern er strahlt zugleich mit Mimik und Gestik keine Aggressivität aus (z.B. Pierluigi Collinas Lächeln nach ernstgemeinter Ermahnung). Nur so kann der andere trotz Ermahnung/gelber Karte “sein Gesicht wahren” und wird selbst nicht allein der körperlichen Ausstrahlung wegen auf die Person des Schiedsrichters aggressiv. Gleiches gilt für Lehrer/innen ...!

    schrieb Jürgen Otte am

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