Ein Knopfdruck genügt

E-Books mit Wikipedia-Inhalten erstellen 30.12.2012, 22:36

Beispiel: E-Book aus Wikipedia-Inhalten, Cover
Bild: pediapress / Wikipedia (E-Book-Generator)

Wählen Sie bei Wikipedia einige Artikel aus und erstellen Sie auf Knopfdruck ein E-Book (PDF, EPUB ...). Für ein paar Euro können Sie es auch gleich drucken lassen. Ein Segen für das Bildungswesen - oder einfach noch mehr Texte, die niemand liest?

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Seit 2010 bietet Wikipedia diese "Buchfunktion" an, die seither um einige kleinere Features erweitert wurde. Es ist wirklich erstaunlich, dass fast niemand sie kennt oder gar nutzt; neu darauf hingewiesen hat derletzt die Medienfundgrube.

Funktionsweise des Wikipedia-Buchgenerators

Die Buchfunktion versteckt sich in der linken Navigation unter "Drucken/exportieren" -> "Buch erstellen".

Wikipedia-Navigation: Buch aus Artikeln erstellen

Anschließend zeigt sich über jedem Artikel der "Buchgenerator". Hier kann man den gerade aufgerufenen Artikel dem geplanten Buch hinzufügen, das Buch ansehen oder Seiten vorschlagen.

Wikipedia: Buchgenerator

Alles verläuft überaus einfach und intuitiv, selbst der (bekanntlich sehr medieninkompetente) Räuber Hotzenplotz kann sich in weniger als fünf Minuten ein 500-Seiten-PDF über das aktuelle Strafrecht erzeugen.

Nach Klick auf "Buch zeigen" kommt man zur Verwaltung des Buchs. Hier kann man den Titel und Untertitel des E-Books festlegen, Kapitel einfügen und die einzelnen Artikel/Kapitel ordnen. Beachten Sie bitte, dass die hier vorgestellten Beispiele in wenigen Minuten erzeugt wurden.

Wikipedia Buchgenerator: Buch verwalten

Wer im Buchgenerator auf "Seiten vorschlagen" klickt, der erhöht die Arbeitsgeschwindigkeit enorm: Passend zu den bisher ins Buch eingefügten Artikeln werden weitere Artikel vorgeschlagen, die thematisch relevant sind. Da Wikipedia alle Verlinkungen kennt und auswertet, sind die Vorschläge ziemlich gut, so dass man sein Buch in Windeseile aufblähen kann - zumal ein ins Buch übernommener Artikel in der Vorschlagsliste sofort durch einen neuen ersetzt wird.

Wikipedia-Buchgenerator: Vorgeschlagene Seiten

Nachdem man sich nun mehr oder weniger reflektiert seine Artikel zusammengeklickt hat, wird es interessant: Das Buch kann entweder in verschiedenen Formaten heruntergeladen werden: als PDF, als EPUB (E-Book-Format), zum Bearbeiten im ODF (als .odt für Open Office & Co) oder als Wiki-Sicherungsdatei im Kiwix/ZIM-Format.

Wikipedia: Buch publizieren

Sein Buch kann man auch direkt beim Wikipedia-Print-on-Demand-Dienst PediaPress drucken lassen. Der Vorgang ist denkbar einfach, man wähle ein Coverbild (Vorschläge für Bilder in Anlehnung an den Inhalt), Titel, Umschlagfarbe, schreibe ein Vorwort und fertig. Die Preise sind moderat, für einen 741-Seiten-Moloch legt man 33 Euro hin (zzgl. 6 Euro Versand). Für 7 Euro Aufpreis gibt es das Ganze als Hardcover, Farbdruck kostet saftige 37 Euro dazu (was bei 741 Seiten durchaus nicht übertrieben ist). Die Bücher werden innerhalb von 2-3 Werktagen erstellt (Farbe dauert länger).

Der testweise erstellte Titel im folgenden Bild mit 300 Seiten kostet inkl. Versand also rund 23 Euro - da darf man nicht meckern.

Wikipedia-E-Book bei PediaPress drucken lassen

Dünnere Bücher (z.B. für Schüler/innen) lohnen sich aber kaum. Ein Heft mit 38 Seiten kostet inkl. Versand rund 16 Euro, das lässt man dann lieber durch den Kopierer und tackert es.

Wenn man in sein Buch (in welchem Format auch immer) hineinblättert, ist natürlich gemäß der Wikipedia-Mentalität am Ende auch ein überaus üppiges Verzeichnis der Quellen, Urheber und der Lizenzen zu finden:

Wikipedia-E-Book: Quellen im Anhang (Ausschnitt)

Und so sieht dann eine Doppelseite aus:

Wikipedia E-Book: Doppelseite

Wikipedia-E-Books in Schule und Hochschule

Für den Bildungsbereich ist die Wikipedia-Buchfunktion auf den ersten Blick höchst interessant: Da die meisten Wikipedia-Artikel sehr hochwertig sind (auch was Bildmaterial betrifft), kann man den Lernenden mit wenigen Klicks ein Skript zusammenstellen, z.B. zu den Epochen der Literaturgeschichte, zu historischen oder naturwissenschaftlichen Themen. Allerdings wird man selten Artikel finden, die mit dem Unterrichtsstoff übereinstimmen. Da man keine Abschnitte weglassen oder Ergänzungen vornehmen kann, sind diese Skripte fast immer redundant und/oder zu mager. Für die "letzte Ölung" vor Klausuren oder Abschlussprüfungen aber lassen sich möglicherweise rasch ein paar hilfreiche Skripte zusammenklicken.

Die ODF-Version für Open Office ist leider suboptimal, gerade was Bilder und Grafiken, mathematische Formeln oder in den Text eingebettete Symbole angeht. Die Bearbeitung eines Skriptes ist damit zwar möglich, erfordert aber möglicherweise gute Nerven.

Auf der anderen Seite steht die Frage, ob die Welt noch nicht voll genug ist mit ungelesenen Texten. Fragen Sie Ihre Schüler/innen doch mal, wann sie zuletzt einen Wikipedia-Artikel ganz gelesen oder gar durchgearbeitet haben. Nix. (Fragen Sie sich übrigens selber mal, wann Sie einen ganz gelesen haben ...). Die scannen immer nur drüber, neuerdings machen sie das übrigens auch mit Schulbüchern und Arbeitsblättern. Ob eine 150-seitige Wikipedia-PDF-Datei dem Lernprozess hilfreich sein kann, ist fraglich.

In der Praxis wird sich der Nutzen zeigen. Und falls Sie dringend ein Geburtstagsgeschenk für Ihren Liebsten brauchen, können Sie ihm ein individuelles Erotik-Wikipedia-Buch zusammenstellen. Mal schauen, wie lange er braucht, bis er den Betrug bemerkt.

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