Unterrichtssequenz Deutsch

»Simplicius Simplicissimus« im Vergleich mit einem Punker-Roman der 80er - Unterrichtseinheit 09.07.2016, 19:47

Bauernjunge Simplicius Simplicissimus und der Punker Peter Pank - zwei Antihelden im Vergleich. Kap. 7 und 8 des Simplicissimus im Vergleich mit einem modernen Picaro-Punker-Roman der 80er - eine ca. 10-stündige Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe II. Elf Arbeitsblätter mit allen Materialien, ausführliche didaktische Kommentare und Lösungshinweise. Von Alexandra Trinley.

Collage: Deckblatt Simplicissimus & Peter Pank
Bild: Hirnkost KG: Vielen Dank, Peter Pank
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Die Unterrichtsmaterialien wurden uns freundlicherweise bereitgestellt von Alexandra Trinley, Bettina-von-Arnim-IGS Otterberg - vielen Dank! In den Arbeitsmaterialien werden Textauszüge des Romans "Peter Pank" benutzt, der Autor Klaus N. Frick war so freundlich, die Verwendung zu genehmigen. Auch dafür vielen Dank!
Cover (Kleinbild): Vielen Dank, Peter Pank - von Klaus N. Frick
Eine subkulturelle Zeitreise in das Jahr 1986. Klaus N. Frick, "vielleicht der bekannteste und sicher einer der amüsantesten Schreiber der deutschen Punk-Szene" (Flight 13), erzählt in Vielen Dank, Peter Pank die Geschichte eines Kleinstadt-Punks zwischen Trinken, Trampen, Schnorren, Demos und jeder Menge anderer derber Späße und stressiger Situationen.

Alexandra Trinley hat dieses Material für einen Deutsch-Leistungskurs Klasse 11 in Rheinland-Pfalz entwickelt und durchgeführt. Sie schreibt:

Die Sequenz lief richtig gut, die Schüler sprachen auf den Text hervorragend an. Er bietet ausgezeichnete Möglichkeiten.

Die Urheberrechte an den Textpassagen hat Klaus N. Frick. Wir standen während der Durchnahme und der Erstellung der Unterrichtsanalyse in Verbindung und er kennt das gesamte Projekt.

Im folgenden Unterrichtsmaterial sind alle notwendigen Textpassagen enthalten; sie entstammen dem Simplicius Simplicissimus (Kap. 7/8) und dem Roman Vielen Dank, Peter Pank von Klaus N. Frick, heute Chefredakteur der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. Der Romantitel ist übrigens abgeleitet von dem Trio-Lied  »Ja ja wo geht's lank Peter Pank« (YouTube-Link).

Sämtliche Arbeitsmaterialien finden Sie in den folgenden beiden PDF-Dateien:

Im Folgenden sind die Inhalte der genannten PDF-Dateien zur Übersicht wiedergegeben.

Die Arbeitsblätter mit den Textauszügen und Aufgabenstellungen, die oben als eigenes PDF zur Verfügung stehen, wurden hier mit den didaktisch-methodischen Überlegungen und Lösungshinweisen zusammengeführt, um überflüssiges Scrollen zu ersparen.

A) Überblick über die Unterrichtseinheit

Der Punker Peter Pank, der in den 80er Jahren lebt, und Grimmelshausens namenloser Bauernjunge Simplicius Simplicissimus haben entscheidende Grundzüge gemeinsam. Beides sind Antihelden, beide Außenseiter, die von Situation zu Situation schlittern und hierdurch Einblicke in ihre jeweilige Gesellschaft ermöglichen. Die Gesellschaft des Barock im Dreißigjährigen Krieg und die der 80er Jahre in Deutschland im Vergleich? Unterschiede sind leichter zu finden als Parallelen. Allerdings gibt es einen praktischen Grund, sie zu suchen: dass nämlich selbst ein fleißiger, fähiger Leistungskurs auf barocke Texte nicht immer mit vollständiger Begeisterung reagiert und sich wesentlich freiwilliger auf einen gut geschriebenen Roman aus ihrem Lebensumfeld einlässt. Irgendwelche Punks kennt jeder. Antihelden kann man charakterisieren und den historischen Hintergrund klären. Darüber hinaus kann man Erzählstrategien vergleichen. Hier bietet sich genug Material für die Durchnahme in der gymnasialen Oberstufe. Eine entsprechende Unterrichtsreihe möchte ich hier darstellen.

Textgrundlage für die fünf Unterrichtsstunden umfassende Sequenz waren die Anfangsszenen von Klaus N. Frick: Vielen Dank Peter Pank. Berlin: Archiv der Jugendkulturen, 2005. (ISBN 3-86546-037-2), das siebte und achte Kapitel von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus, Erstausgabe 1669, zugänglich auf http://gutenberg.spiegel.de/buch/simplicius-simplicissimus-5248/8 und zur Vorbereitung das Barockkapitel im Deutschbuch "Texte, Themen und Strukturen/ Neue Ausgabe" von Cornelsen mit der Schilderung des Überfalls auf Simplicissimus' Dorf und dem Totenkopf mit pictura, inscriptio und subscriptio als Beispiel barocker Emblematik.

Die Verwendung des Exzerpts, der die ersten Seiten des Punkromans umfasst, erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Im Barockkapitel des Deutschbuchs „Texte, Themen und Strukturen/ Neue Ausgabe“ von Cornelsen finden sich eine allgemeine Darstellung des Dreißigjährigen Krieges und die Szene, in der die Soldaten den Hof überfallen und Simplicissimus miterlebt, wie um ihn herum getötet, vergewaltigt, gefoltert und niedergebrannt wird, bis die Magd ihm sagt, dass er weglaufen soll. Was sicherlich über die Kriegsgräuel informiert, als Erstbegegnung mit einem barocken Text jedoch nicht gerade zur Leseförderung beiträgt. Der Text motiviert nicht und ist zu weit von der Lebenswirklichkeit der Schüler entfernt. Warum zum Beispiel die Magd im Stall liegt, ganz komisch zerstrubbelt aussieht und nicht aufstehen kann, verstehen die Schüler nicht, und wer es versteht, will es nicht sagen. Es ist Deutschstunde, die Situation ist zu viel und zum Glück zu weit weg. Wir können also auf Auswendiglernen umschwenken oder weitergehen. Das Buch bietet Sonette zum Petrarcismus an, das sind diese Frauengedichte mit der Edelsteinmetaphorik. Die kann man gut mit den aktuellen Ansprüchen an weibliche Perfektion vergleichen. Die anderen Sonette hatten wir zum Teil vorgezogen, zum Teil kann man sie im Kontext des expressionistischen Sonetts beim Gedichtvergleich nachholen. Für die Analyse sprachlicher Mittel, deren Fachwortschatz eingeschliffen werden muss, reicht ein gut geschriebener Prosatext, und die Wirkung der Stilmittel lässt sich an so einem zugänglicheren Text sogar leichter ausarbeiten, weil die Schüler ihr Sprachgefühl einsetzen können. Schließlich wollen wir den Zugang zu Literatur vermitteln.

Der Einstieg erfolgte an einem im Deutschbuch abgedruckten Beispiel barocker Emblematik, dem Totenkopf. Über dessen pictura, inscriptio und subscriptio kann man die Rolle des Emblems an sich klären, dazu das Vanitas-Motiv – alles ist eitel alles ohne bleibenden Wert, was von deinen Träumen und Ideen bleiben wird, ist ein leerer Schädel wie dieser - und das Motto „memento mori“, „gedenke des Todes“: allgegenwärtig im unsicheren Leben im Dreißigjährigen Krieg mit seinen marodierenden Soldatenhorden, der Pest und dem Konfessionskrieg. Danach begann der Transfer: der Vergleich mit aktuell getragenen Totenköpfen: tätowierte Totenköpfen bei Rockern, Totenköpfen bei Gruftis, bunten Totenköpfen in der Mode. Die Diskussion, welche Leute so was tragen, was sie ausdrücken wollen und wie wie es auf einen persönlich wirkt, wurde schnell lebhaft.

Aus dieser Stimmung heraus schlug ich der Klasse einen Textvergleich vor – den Anfang eines modernen Punkromans im Vergleich mit einem Abschnitt aus Grimmelshausens „Simplicius Simplicissimus“. Die ich, mit Leitfragen versehen, auf die Lernplattform hochladen würde in der Erwartung, dass die Texte zur nächsten Stunde vorbereitet sind. Es sei ein einfacher kleiner Text, sehr gut geschrieben, beginnend mit einer Szene, in der der Punk betrunken neben der Autobahn geschlafen hat und langsam aufwacht. Die Klasse amüsierte sich und nahm an. Und sie machten ihre Hausaufgaben: in der nächsten Stunde hatte jeder die gut zehn Seiten, die wir brauchten, vorbereitet.

Eine Parallelszene zum Aufwachen neben der Autobahn findet sich im siebten und achten Kapitel: Simplicius wacht ebenfalls sehr verwirrt auf – er ist in den Wald geflohen und irgendwann eingeschlafen. Er kennt sich nicht aus und ein Einsiedler spricht mit ihm, um seine Geschichte herauszufinden. Im Aufwachen, in der Verwirrung und in Gespräch und Rückblick zur jüngsten Vergangenheit finden sich genug Parallelen, um einen gezielten Vergleich zu beginnen. Ich kopierte den Simplicius-Text vom „Projekt Gutenberg“ in eine Datei und fotografierte den Peter Pank bis Seite 9. Beides lud ich auf unsere Lernplattform itslearning. Die fotografierten Seiten sollten noch nicht ausgedruckt werden, ich kündigte Kopien in besserer Qualität an. Aufgabe war, den Inhalt zu kennen und sich Stichpunkte zu machen zu den Leitfragen „Inwiefern sind beide Protagonisten Antihelden? Was hören sie? Bei beiden geht es um den Magen. Inwiefern? Wen treffen sie? Wie benehmen die Leute sich? Welcher der Romane liest sich sympathischer an?“

Nun folgte ich der Neugierde, von einem Chefredakteur des Moewig-Verlags zu erfragen, wie es in Wirklichkeit mit jenen ominösen zwölf Seiten bestellt ist, die wir Lehrer angeblich kopieren dürfen, und schrieb Klaus Frick. Das mit dem Copyright weiß ich heute noch nicht. Aber ich bekam die Datei. Das war einerseits schade um die optisch ansprechende Seitengestaltung aus Punktextzeilen in der Druckausgabe, andererseits aber klasse, denn ich konnte meine Aufgaben direkt reinschreiben, eine ein bisschen eklige Szene erst mal rausnehmen und den Exzerpt auf Arbeitsblattlänge kürzen – gut, gleich im folgenden Abschnitt wäre ein Vokabular gekommen, dass beim Vorlesen im Klassenzimmer in einer weniger disziplinierten Klasse für erhebliche Unruhe sorgen kann und auch einige Schüler abstößt.

In die Textbegegnung brachte ich den biographischen Hintergrund des Autors nicht ein, weil die Schüler eigentlich sofort auf den Text zugehen und Bezüge zu ihren eigenen Erlebnissen aufbauen. Klaus Frick schrieb den Roman, als er um die dreißig war. Er hat seine Punkvergangenheit stets thematisiert und ein gutes Stück davon gepflegt und weitergeführt. 2016 ist die 61. Fortsetzung seiner Peter Pank-Geschichten im OX-Magazin erschienen, es gibt Interviews und alles Mögliche, das aufgrund seiner umfangreichen Online-Präsenz problemlos zugänglich ist, so dass man leicht Sachtexte zur Ergänzung finden würde. Auch der weitere Verlauf des Romans ist erst mal vernachlässigbar. Jetzt zu Beginn kann man alles verstehen, ohne Peter Panks Erlebnisse am Arbeitsplatz, bei Einkaufen und in diversen Kneipen zu kennen, die Auseinandersetzungen mit der Polizei, die chaotische Liebesgeschichte mit Ute, die politischen Aktivitäten rund um die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und die Schlägereien mit Nazis entwickeln sich erst im Verlauf des Romans. Er ist episodisch aufgebaut. Diesen Aufbau haben die Romane gemeinsam. Die Weltentsagung, die den großen Rahmen des Simplicissimus bildet, fehlt im Peter Pank natürlich. Aber die kann man über das schon bekannte Vanitas-Motiv und das „Memento mori“ zügig dazunehmen.

Den Begriff des Pikaroroman kann man mit einem Tafelanschrieb einführen wie: Der „Simplicius Simplicissimus“ von Grimmelshausen (Erstveröffentlichung 1669) ist ein sogenannter Pikaro- oder Schelmenroman. Die Hauptperson ist ein Antiheld: ohne Kontrolle über das eigene Leben schussert er von einer Situation in die andere. Seine Abenteuer sind mal traurig, mal lustig. Dargestellt wird die Gesellschaft seiner Zeit.

Die Aufbereitung habe ich folgendermaßen aufgebaut: Die Arbeitsblätter an sich, nur Text und Fragen, habe ich noch einmal in einer Extradatei. Hier folgen Hinweise zur Bearbeitung und Lösung. In dieser Unterrichtsanalyse bringe ich jeweils Fragestellung und Text eines Abschnitts und bespreche danach. 

B) Arbeitsblätter mit didaktischen Kommentaren + Lösungshinweisen zu den Aufgaben

Die ersten beiden Arbeitsblätter enthalten jeweils das 7. und 8. Kapitel des Simplicissimus.

Arbeitsblatt I – Einlesen in die vor allem auf Sinneseindrücken basierende Schreibweise / Übung zur Inhaltsangabe

Inhalt des Arbeitsblattes

Das dauernde Dröhnen nervte, es fräste sich in meine Gehörgänge und zermürbte mein Hirn. Mit einem Ruck riß ich die Augen auf, stöhnte kurz. Mein Kopf schmerzte, alles um mich herum schien zu kreisen, tausend grelle Lichter bohrten sich ins Hirn, mein Mund war trocken, und ich hatte das Gefühl, gleich sterben zu müssen. Wieder einmal. Wie so oft in letzter Zeit.

Ich schloß die Augen, versuchte einfach weiterzuschlafen. Unmöglich. Das Dröhnen blieb; es war unrhythmisch, ich konnte es nicht genau einplanen: Mal war es lauter, mal leiser, mal rauschte es vorbei, mal rumpelte es geradezu. Da konnte ich nicht länger schlafen, so gerne ich es getan hätte. Einfach wegschlafen, weg von dem Dröhnen, weg von den Kopfschmerzen, weg von der Feuchtigkeit. Feuchtigkeit? Was zum Teufel war los? Ich wußte es nicht, und mir wurde auf einmal klar, daß ich mit geschlossenen Augen nicht herauskriegen konnte, was eigentlich mit mir geschehen war.

Erneut öffnete ich die Augen, wurde so langsam richtig wach. Ich lag auf dem Rücken, wie ich jetzt bemerkte; auf feuchtem Untergrund, denn meine Hose fühlte sich an, als hätte ich hineingepißt. Jetzt war mir auch klar, woher das feuchte Gefühl kam. Erleichtert rief ich mir ins Bewußtsein, daß es schlimmer hätte sein können.

Über mir war es hellgrau: ein Himmel, über den sich düstere Wolken jagten. Irgendein Instinkt sagte mir, daß es früher Morgen sein mußte; was über mir schimmerte, das war folglich das Morgengrauen. Und ich hatte Kopfschmerzen; damit waren schon zwei wesentliche Eckpunkte meines Problems ausreichend beschrieben. Den dritten konnte ich mir ohne größere Hirnerweichungen zusammenreimen: Das Zauberwort hieß »Alkohol«, mit großer Sicherheit in Verbindung mit dem Wort »zuviel«.

Auf meiner rechten Wange war irgendwas, ich konnte es als Schatten sehen, wenn ich mich anstrengte, und ich hatte zudem ein völlig merkwürdiges Gefühl an genau dieser Stelle. Langsam – verdammt langsam! – bewegte ich meine rechte Hand nach oben. Ich registrierte die schmutzigen Fingernägel, die Killernieten am Armband, den zerfetzten Ärmel der alten Jeansjacke, und dann hatte ich endlich meine Hand nahe genug am Gesicht. Es war anstrengender, als ich gedacht hatte, und fast hätte ich es nicht hinbekommen. Mit einiger Mühe schaffte ich es jedoch, die Hand zielsicher auf die Wange zuzubewegen und diese zu berühren.

Meine Finger packten zu. Es war ein ekelhaftes, ein widerlich-schleimiges Gefühl. Eine Schnecke! Eine gottverdammte, widerliche Nacktschnecke! Das verdammte Vieh war in der Nacht über mein Gesicht gekrochen und hatte sich dort – ausgerechnet dort! – häuslich niedergelassen. Ekel schüttelte mich, fast hätte ich endgültig gekotzt. Wenn ich eines nicht leiden konnte, dann waren es Schnecken, vor allem die ekligen roten und schwarzen Nacktschnecken – ganz zu schweigen von den noch widerlicheren grau-schwarzen Viechern, die aus Kellerlöchern krochen. Mit einer hektischen Handbewegung wischte ich das Tier aus meinem Gesicht.

Da die Hand ohnehin schon in Gesichtsnähe war, fingerte ich kurz an mir herum. Bartstoppeln im Gesicht – also hatte ich mich seit einigen Tagen nicht mehr rasiert. Die Haare hingen eher schlaff herunter; was ehemals halbwegs anständige Spikes gewesen waren, hatte sich in eine miserable Ansammlung von Strähnen verwandelt. Die Haare waren feucht; sicher vom Tau.

Die ersten selbständigen Gedankengänge setzten ein. Wo zum Teufel bin ich? Und wie komme ich eigentlich hierher? Ich lag auf einer Wiese, ich hatte in der Nacht vorher eindeutig gesoffen, und ich hatte dreckige Klamotten an. Es war wieder einmal etwas vorgefallen. Nur was? fragte ich mich selbst mißmutig.

Und dazu immer wieder dieses Dröhnen! Es nervte.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 5-6

AUFGABE 1: Unterteilen Sie den Vorgang des Aufwachens in Abschnitte. Formulieren Sie Abschnittüberschriften.

AUFGABE 2: Markieren Sie akustische, optische, haptische, sensorische Sinneseindrücke farbig.

Kommentar/Lösungshinweis

Unter dem Titel weist ein Halbsatz auf die Verwendung alter Rechtschreibung hin. Herr Frick meinte, so könnten die Schüler sich auch mit dem Sprachwandel in dieser kurzen Zeit auseinandersetzen. Sollte man diesen Aspekt aufgreifen, so wären das ß und die Großschreibung nach Indefinitpronomen (etwas Großes, viel Festes) Thema und die punktuell irreguläre Zeichensetzung.

Ich legte den Schwerpunkt auf den Aufbau des Aufwachvorgangs. Die erste der unten angefügten Aufgaben, auf welche die Schüler also am Ende des Lesevorgangs automatisch stoßen, fordert dazu auf, den Vorgang in Abschnitte zu unterteilen und Abschnittüberschriften zu formulieren. Nun ja, hierbei können sie der Absatzeinteilung folgen. Mögliche Lösungen wären dann Noch halb im Traum/ Bitte wieder einschlafen/ Ich fühle Nässe/ Kopfschmerzen und Morgengrauen/ Schattenhafte Wahrnehmung der Kleidung – und noch was./ Nacktschnecke/ Abtasten des Gesichts/ Erste Gedankengänge.

Die zweite Aufgabe fordert die Schüler auf, akustische, optische, haptische und sensorische Eindrücke im Text mit verschiedenen Farben zu markieren. Das kann spannende Diskussionen ergeben: Wie spürt man eigentlich Kopfschmerz? Wenn sich alles um einen dreht – ist das optisch oder sensorisch – und bei welchen Gelegenheiten? Natürlich grinsen sie. Aber sie bleiben beim Text. Er ist so geschrieben, dass die Schüler zu überlegen beginnen, was sie empfinden, auf welche Weise sie es empfinden und wie sie es benennen können.

Arbeitsblatt II – Personifikationen und Bildlichkeit

Inhalt des Arbeitsblattes

Langsam stemmte ich mich hoch, blickte geradeaus. Direkt vor mir, keine zwei Meter von meinem Gesicht entfernt, war eine Leitplanke, und in genau diesem Moment donnerte ein Lastzug vorbei; rechts von mir lag mein zusammengerollter Schlafsack, immer noch im angerissenen Kunststoffsack, und daneben ein kleiner Rucksack, auf diesem wiederum eine leere Bierdose. Ich war an einer Straße gestrandet; wie ich mein Glück kannte, war es eine Autobahn, irgendwo in der deutschen Pampa.

Wieder ein Lkw; direkt vor meiner Nase. Der Luftzug erwischte mich, ein Haufen Staub, vermengt mit Gummiresten und Teer, wurde von der Straße hochgewirbelt und direkt in mein Gesicht geblasen. Mir wurde erneut übel; ich hielt die Luft an, aber es war zu spät, ich bekam den Schwall ab. Das war für den Moment zu viel: Ich schloß die Augen, ließ mich zurückfallen, dachte einige Sekunden lang so konzentriert nach, wie es mir in diesem Moment überhaupt möglich war.

Und erneut dieses Dröhnen! Wieder ein Lkw, der vorbeirauschte, wieder ein Dreckschwall, der mich erwischte; danach einige kleinere Fahrzeuge, die mit röhrenden Motoren vorbeiheizten. Ich drehte mich auf den Bauch, stützte mich auf die Hände, riß die Augen erneut auf, musterte mit ungläubigem Blick die schmutzigen Fingernägel und den Handrücken an der Rechten, auf dem eine schmutzverkrustete Kratzspur zu sehen war.

Oh Gott! raste es mir durchs Hirn. Ich muß eine Schlägerei hinter mir haben ... irgendwoher sind die Kratzer ... ich muß einem Typen die Faust durch die Fresse gezogen haben, und seine Zähne haben zumindest zu dem Zeitpunkt noch gesessen.

Mir tat nichts weh, ich hatte keine Schmerzen, sah man von dem dummen Gefühl im Magen ab. Also hatte ich keine abgekriegt; das hieß, daß die Schlägerei nicht zu derb gewesen sein konnte. Zu allem Überfluß war mir aber kalt; Kunststück, wenn man die Nacht ohne Schlafsack an einer Straße verbrachte. Die Kälte hatte ausreichend Zeit gehabt, in meine Knochen zu kriechen, und dort hockte sie jetzt, ziemlich fest sogar, und von dort würde ich sie so schnell nicht hinausbefördern können. Grauenhafte Aussichten!

Klaus N. Frick: Vielen Dank,  Peter Pank. Berlin 2005, S. 6-7

AUFGABE 3: Unterstreichen Sie die Personifikationen und erläutern Sie ihre Wirkung.

AUFGABE 4: Markieren Sie Verben und Adjektive, die zusätzliche Bildlichkeit einbringen.

Kommentar/Lösungshinweis

Der zweite Textabschnitt ist gespickt voll mit Personifikationen und weiteren bildlichen Ausdrücken. Von der exakten Klassifikation in Metapher, Onomatopoesie, Synekdoche usw. würde ich absehen, weil es den Unterrichtsfluss an dieser Stelle überlastet. Es geht um die Sensibilisierung für Wortmaterial aus verschiedenen Lebensbereichen und seine Wirkung. Direkte Schülerfragen zur Kategorisierung müssen natürlich geklärt werden. Eine kleine Liste eindeutiger Personifikationen – der Luftzug erwischt mich und Staub wurde hochgewirbelt, ungläubiger Blick, sitzende Zähne, dummes Gefühl, etwas rast durchs Hirn, in die Knochen kriechende und dort hockende Kälte – lässt sich leicht erstellen. Ihre Wirkung, die Belebung der Umwelt und der Wahrnehmungen durch Vermenschlichung, ist einfach nachzuvollziehen. Einige Formulierungen sind eindeutige Metaphern, andere entstammen nur ein Stück weit anderen Seinsbereichen, so dass es sich eher anbietet, die Spannungsverhältnisse zwischen den Wörtern zu ergründen und die eigenen, subjektiven Assoziationen zu formulieren. Diese Art von Schwingungsfähigkeit halte ich für wichtiger beim Erschließen eines Textes als das Herumballern mit halb verstandener Fachterminologie. Für deren Einschleifen bevorzuge ich dann doch das Barocksonett. Wobei gerade das Erschließen der Metaphern stets viele Möglichkeiten zum Transfer auf die eigene Erlebniswelt bietet. In diesem bildlichen Bereich finden sich: ich stemmte mich hoch, ein Lastzug donnert vorbei, röhrende Motoren, ich war gestrandet, ich schloss die Augen, weh tun, derbe Schlägerei, grauenhafte Aussicht. Eine Wortgruppe verweist auf vergangene Tätigkeiten, die Erzählgegenwart zur Vergangenheit hin öffnen: ein zusammengerollter Schlafsack, eine aufgerissene Dose und die schmutzverkrustete Kratzspur. In der Jugendsprache des kursiv abgedruckten Gedankengangs finden sich mit Faust - Fresse und Zähne – Zeitpunkt zwei Alliterationen.

Arbeitsblatt III – Personencharakteristik, Sympathielenkung, Exposition

Inhalt des Arbeitsblattes

Ich richtete mich auf; dann stand ich etwas wackelig auf den Füßen. Fast wäre ich umgekippt, aber das konnte ich gerade noch vermeiden. Ich schaute an mir hinunter: mehrfach geflickte Jeans, abgelatschte Springerstiefel, um den rechten Fuß eine Kette. Am Rand einer Buschgruppe stand ich, es war irgendwelches Dornengestrüpp, wie man es am Rand von Straßen häufig findet. Und die Straße entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als Teil eines Autobahnkreuzes, an dem mit hohem Tempo allerlei Fahrzeuge beschleunigten, um auf die andere Autobahn zu wechseln. Wie zum Teufel kam ich an diesen Platz? Ich wußte es nicht; und mir war klar, daß das nicht mal das wichtigste Problem war. Wichtiger war, hier wieder wegzukommen.

Vor weiteren Überlegungen blieb ich bewahrt, denn jetzt rebellierte doch mein Magen. Das hektische Aufstehen brachte unangenehme Folgen mit sich. Der Schwall kam schneller, als ich reagieren konnte, und ehe ich weiter nachdenken konnte, kauerte ich auf allen Vieren auf dem Boden und kotzte, was ich kotzen konnte. Die Brühe lief mir übers Kinn und tropfte auf den Boden, zuerst als Schwall, dann nur noch in einzelnen Teilen. Viel festes war nicht darunter, es war fast nur Flüssigkeit; Bierreste eben, wie mir erneut bewußt wurde. Es war wieder einmal zuviel gewesen.

Und jetzt fiel mir zumindest ein, welchen Tag wir schreiben mußten – wenn ich mich nicht völlig in den Wahnsinn gesoffen hatte. Sonntag, 21. September 1986 – und du Depp mußt morgen wieder arbeiten! Allein der Gedanke sorgte schon dafür, daß ein weiterer Schwall Kotze in mir hochkroch und sich auf den feuchten Rasen ergoß.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 7-8

AUFGABE 5: Beurteilen Sie, ob Peter Pank zu diesem Zeitpunkt sympathisch wirkt.

AUFGABE 6: Erläutern Sie, inwiefern das Aufwachen am Autobahnkreuz in der Exposition das Thema des Jugendromans bildlich darstellen könnte.

Kommentar/Lösungshinweis

Beim dritten Abschnitt liegt der Schwerpunkt der Durchnahme beim Affektiven. Peter Pank steht ja nun auf, orientiert sich und muss gleich wieder auf alle Viere, weil sein Magen rebelliert. An dieser Stelle kann man die Frage aufwerfen, ob man ihn mag oder nicht. Sobald man die Gründe bespricht, untersucht man die Sympathielenkung. Dieses Fachwort kann man an eine Seitentafel schreiben und Notizen machen. Ansprechend wirkt erst einmal die Erzählsituation: der Ich-Erzähler ermöglich viel Identifikation und lässt den Protagonisten ehrlich wirken, weil man in ihn hineinschauen kann. Er beschreibt alles ganz genau und wirkt dabei irgendwie lieb. Er kann sich selbst als Deppen bezeichnen, was aufzeigt, dass er nicht von sich selbst eingenommen ist. Das Sichübergeben ist eklig, sorgt also für den notwendigen Abstand, aber eigentlich kennt es jeder und kann sich hineinversetzen.

Die sechste Fragen zum dritten Textabschnitt bezieht sich auf den Symbolcharakter des Autobahnkreuzes in der Exposition des Romans. An Kreuzungen muss man sich zwischen Wegen entscheiden. Es ist eine Entscheidungssituation, die Ratlosigkeit oder Unentschlossenheit ausdrücken kann. Durch die Art der Straße, die Weite des Autobahnnetzes wird dies extremer und auch spannender als wenn Peter Pank irgendwo im Graben einer Landstraße aufwachen würde. Die Situation drückt auch aus, dass er seine Position abseits des hektischen Lebens bezieht und sozusagen neben der Spur läuft.

Arbeitsblatt IV – Darstellungsweisen: Drucktypus und Nennung

Inhalt des Arbeitsblattes

Nach einiger Zeit rappelte ich mich auf und wischte mir das Kinn ab. Es ging mir wieder einigermaßen erträglich, nur der widerliche Geschmack im Mund blieb. Scheußlich! Muß mir dringend die Zähne putzen! dachte ich, während ich zu meinem Rucksack ging und diesen durchwühlte. Eine weitere Bierdose, wie ich schon gehofft hatte, fand ich nicht; zum Ausgleich förderte ich einen Apfel zutage: zwar schon etwas angeschlagen, aber noch gut genug aussehend.

Ich biß kräftig ab, kaute, schluckte, dann noch einmal. Mit mehreren hektischen Bissen haute ich mir den Apfel in den Bauch, schleuderte den kärglichen Rest mit voller Wucht auf einen vorbeifahrenden Schwertransporter. Es wurde Zeit, daß ich mir meine Situation genauer klarmachte; also ging ich einige Schritte an der Autobahn entlang.

Nach einiger Zeit, in der meine Gedanken langsam etwas klarer verliefen, wußte ich immerhin, wo ich war: am Darmstädter Kreuz, an einer der konfuseren Stellen dieses ohnehin durch die Stadtauffahrt merkwürdig genug gestalteten Kreuzes. Keine schlechte Situation, dachte ich, wenn alles schlecht läuft, kann ich nach Darmstadt reinlatschen und Hermann besuchen. Vielleicht hat er etwas gutes zu trinken daheim. Der wird sich freuen! Aber das war Schwachsinn, und das wußte ich auch; ich hatte keine Lust, meinen Job zu verlieren.

Sonderlich viel Möglichkeiten blieben mir nicht. Ich schaute mich ein letztes Mal um, dann ging ich zurück, holte meinen Rucksack sowie die Plastiktüte mit dem Schlafsack und marschierte an der Autobahn entlang: zu einer Stelle dieses Kreuzes, an der ich stehen konnte, ohne einen Unfall zu provozieren, an der ich wenigstens den Hauch einer Chance hatte, mitgenommen zu werden. Schwierig genug könnte es ohnehin werden.

Immerhin kam meine Erinnerung wieder, zumindest in Bruchstücken. Das war immerhin etwas. Ich erinnerte mich gut genug ... an mich selbst und an den Tag vorher.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 8

AUFGABE 7: Erschließen Sie, mit welchen Methoden Gedankengänge dargestellt werden.

Kommentar/Lösungshinweis

Gedankengänge werden in zwei Weisen dargestellt. Hier wäre einerseits der Kursivdruck zu nennen, andererseits die explizite Nennung: meine Gedanken verlaufen langsam klarer, meine Erinnerung kam zumindest in Bruchstücken wieder, ich erinnerte mich gut genug.

Arbeitsblatt Va – Charakterisierung, Wirkung sprachlicher Register

Inhalt des Arbeitsblattes

Bonn, Kaiserplatz, Samstag mittag. Einige Dutzend Punks, mit Bierdosen und Weinflaschen bewaffnet, einige Penner am Rand, im Hintergrund tauchten ab und zu grüne Wannen auf, gemütlich-ruhige Stimmung. Das Wetter war nicht so gut, aber es regnete nicht, und so konnte man sich bei dummen Geschichten und noch dümmeren Aktionen ganz gut die Zeit vertreiben. Irgendeiner hatte einen Cassetten-Recorder dabei, und die Musik war nicht so laut, daß man keinen zusätzlichen Ärger bekam. Den hatte ich in letzter Zeit zu oft gehabt, und die anderen Punks auf dem Kaiserplatz ebenso. […] Noch später, als es schon dämmerte und ich schon schwer einen sitzen hatte, gingen wir quer durch die Fußgängerzone rüber zum Friedensplatz, wo wir uns mit einigen Leuten aus Köln treffen wollten.

Und noch später, da war es schon dunkel, stand ich am Bornheimer Eck, irgendein Typ sprach mich schräg von der Seite an, es gab einen überflüssigen, sehr aggressiven Wortwechsel, er stieß mich vor die Brust, ich zog ihm die Faust durch die Zahnreihen, er fiel um und blieb liegen, irgend jemand sagte, »hey, Peter, hey, Peter Pank, nix wie weg, bevor die Bullen kommen«, und dann rannten, nein, torkelten!, wir durch die Stadt, ich hatte einen ortskundigen Führer dabei, denn ich hätte zu dieser Zeit nicht mal mehr zurück an den Kaiserplatz gefunden, und dieser Ortskundige schleppte und schleuste mich quer durch die Innenstadt, bis zu einer Bundesstraße, wo ich den Daumen raushielt und erstaunlich schnell wegkam. Und irgendwann in dieser Nacht hatte mich ein Autofahrer, dem ich wohl zu sehr auf die Nerven ging, mitten auf dem Autobahnkreuz rausgeschmissen.

Schöne Aussichten! Ich war ernsthaft besorgt. Was, wenn ich den Kerl ernsthaft verletzt hab’? Oder gar umgebracht? So ein verdammter Dreck! Wenn ich Pech hab’, lande ich noch mal im Loch, nur wegen so ‘nem Scheiß!

Das Sinnieren brachte nichts ein, ich mußte erst mal weg, ab Richtung Süden. Nachdem ich einige Zeit hin- und hergegangen war, hatte ich eine halbwegs erträgliche Tramperstelle gefunden; ich stellte mich an den Straßenrand und hielt den Daumen in die Luft, als der erste Wagen heranfuhr. Überzeugend sah ich nicht aus, das wußte ich, aber die Chance, daß mich bereits am frühen Morgen eine Polizeistreife aufgriff, war sehr gering.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 8-10

AUFGABE 8a: Geben Sie wieder, wie die Polizei dargestellt wird.

AUFGABE 9a: Erschließen Sie die Wirkung der beiden verwendeten Sprachebenen.

Arbeitsblatt Vb – Veränderte Charakterisierung

Inhalt des Arbeitsblattes

(Vb ist bei […] in Va einzufügen oder separat z.B. auf Folie einsetzbar)

Struppi und ich gingen aufs Klo; als anständige Menschen suchten wir uns einen sauberen Laden aus und nahmen deshalb McDonald’s, beim Bahnhof gleich ums Eck. Zumindest die Klos waren sauberer als alle anderen; ich hockte mich rein, drückte einen guten Bierschiß ab. Und als ich rauskam, hüpfte Struppi wie ein Idiot zwischen den Pissoirs herum und bespritzte die Wände, den Boden und jedes der einzelnen Pissoirs mit einem dicken gelben Strahl. Lachend verließen wir den Schnellimbiß, zurück zu den Freunden.

Später tanzte Fröschle, der irgendwo aus dem Schwäbischen kam, mir aber seinen Heimatort nie verraten wollte, auf einem Bein über eine Mauer, torkelte ganz unglücklich zur Seite und flog gut auf die Nase; es passierte ihm aber nichts.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 9

AUFGABE 8b: Geben Sie wieder, wie die Darstellung der Polizei sich durch die zusätzliche Szene verändert hat.

AUFGABE 9b: Vergleichen Sie die Wirkung der Sprachebenen mit der in Va. 

Kommentar/Lösungshinweis

Anlässlich der leichten Aufgabe „Geben Sie wieder, wie die Polizei dargestellt wird“ kann man die Bedeutung des Operators “wiedergeben“ und seiner Zuordnung zu den drei Ebenen der EPAs (der Einheitlichen Prüfungsanforderung)thematisieren und auch die Operatoren der anderen Fragestellungen besprechen. Die Operatorenlisten, die es auf dem Bildungsserver jedes Bundeslandes gibt, legt man natürlich während der Klausur aus, damit die Schüler im Zeifelsfall nachschauen können, was sie tun müssen. Es erspart ihnen Zeit und gibt ihnen Sicherheit, wenn sie ab und zu besprochen werden. Zu dieser Frage könnte man auch eine rein formal ausrichtete Übung in Zitiertechnik einschieben, schnell zu besprechen wegen der eindeutigen Lösungsmöglichkeiten. Zu finden sind grüne Wannen, zusätzlicher Ärger bei zu lauter Musik, im Loch landen und eine Polizeistreife.

Eine Übung zur Sympathielenkung: Wenn man den Textausschnitt 5b erst weglässt und dann auf Folie oder durch ein zusätzliches Blatt hinzufügt, verändert sich die Situation erheblich: der Punker wirkt zwar nach wie vor nett, jedoch nicht mehr wie reines Opfer der Unterdrückung durch die Obrigkeit, denn die Polizeipräsenz wird wesentlich nachvollziebarer. Die Frage nach den beiden Sprachebenen fließt ebenfalls direkt in das Herausarbeiten der Personencharakteristik und der Sympathielenkung ein: die Jugendsprache der kursiv gedruckten, in der Situation angesiedelten Gedankengänge wirkt authentisch und ehrlich, während die gehobene Sprache des Erzählers mit Ausdrücken wie „Sinnieren“ und „eine halbwegs erträgliche Tramperstelle“ Vertrauen erweckt. Im Vorübergehen kann man die Correctio „rannten, nein, torkelten!“ ansprechen.

Arbeitsblatt VI – Charakterisierung der Gesellschaft

Inhalt des Arbeitsblattes

Die ersten Autos fuhren einfach vorüber, mit stur geradeaus blickenden Fahrern hinter den Windschutzscheiben, aufs Ziel und die Arbeit fixiert; einige Transporter und Lastwagen donnerten vorüber und nahmen mir mit ihrem Luftzug jedesmal fast den Atem; irgendein Idiot zeigte mir aus seinem Mittelklassewagen heraus seinen Stinkefinger; alles in allem eine völlig normale Tramper-Situation, mit dem einen Unterschied, daß ich an einer reichlich dämlichen Stelle rumstand.

Und mich selbst ganz schön ausgekotzt fühlte. Die Wirkung des Apfels ließ nach, der schale Geschmack im Mund tauchte wieder auf, und der Alkoholpegel machte sich erneut bemerkbar.

Plötzlich hielt ein Auto, eine Mittelklasse-Limousine, kein ganz so schlechtes Modell, mit Münchener Kennzeichen, wie ich sofort registrierte. Alte Tramper-Manie. Ich rannte hin, das Gepäck unterm Arm.

Der Beifahrer machte die Tür auf. Ich bemerkte einen Schnauzbart und eine durchschnittliche Krankenkassen-Brille, den Fahrer nahm ich erst gar nicht wahr. »Wo willst du denn hin?« fragte der Schnauzbart, nicht gerade sehr freundlich, aber auch nicht völlig abweisend.

»Ich muß nach Süden, Richtung Stuttgart, so was wäre nicht schlecht«, haspelte ich hervor.

»Da stehst du völlig richtig!« rief der Schnauzbart und lachte laut auf, knallte die Tür zu; der Fahrer gab Gas, die beiden düsten davon; ich bildete mir ein, ihr Hohngelächter noch eine ganze Weile hören zu können. Ein netter Spaß am Morgen – wunderbar! Die zwei hatten den Tag für sich gut eingeleitet. Für eine Reaktion war ich allerdings zu müde; Steine zum Nachwerfen lagen keine in Reichweite, und getroffen hätte ich in meinem Zustand ohnehin nicht.

Müden Schrittes ging ich zurück zu meinem Gepäck, stellte mich erneut in Positur, versuchte, so normal wie möglich zu schauen, und hielt meinen Daumen in den Wind. Ein halbes Dutzend Transporter rollte vorbei; die Scheiben waren so verschmiert, daß ich die Fahrer nicht einmal erkennen konnte. Jetzt fiel mir ein, warum so wenig Lastkraftwagen unterwegs waren: Sonntags hatten die, bis auf wenige Ausnahmen, Fahrverbot, und wahrscheinlich waren die paar zugelassenen Ausnahmen am frühen Morgen an mir vorbeigerauscht und hatten mich aus dem Schlaf gerüttelt. Auch recht. Der Dreck normaler Fahrzeuge reichte mir schon völlig, da brauchte ich nicht noch den Dreck schwerer Jumbo-Fahrzeuge in mich reinzuziehen und meine Lungen zum Kollaps zu treiben.

Die Zeit verrann zäh; ich hatte keine Ahnung, wie spät oder wie früh es war, und vor allem wußte ich nicht, wie lange ich schon an diesem Autobahnkreuz rumstand. Wenn ein Fahrzeug kam, hielt ich den Daumen raus; wenn der Fahrer mich erst gar nicht registrierte oder mehr als zwei Personen drinsaßen, ließ ich die Hand gleich wieder sinken. Es war ein Morgen, und das an einem Sonntag im frühen Herbst – da standen die Chancen, per Anhalter wegzukommen, ohnehin nicht sonderlich gut. Ich richtete mich also auf eine längere Wartezeit ein.

Nach einiger Zeit wurde mir das zu bunt. Ich begann damit, eines meiner beliebten Tramperspiele zu spielen: Ich zähle auf hundert – und wenn die hundertste Karre vorbeigefahren ist und keiner angehalten hat, dann gehe ich nach Darmstadt rein und besuche Hermann. Ein guter Trick, der immer funktionierte: Er verkürzte die Wartezeit und machte halbwegs realistische Hoffnungen, endlich mitgenommen zu werden. Und meist funktionierte er auch, ohne daß ich begründen könnte, warum.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S.10-11

AUFGABE 10: Erläutern Sie, welche Einstellungen im Verhalten der Autofahrer deutlich werden und nehmen Sie kritisch dazu Stellung.

Kommentar/Lösungshinweis

Die Erwachsenen, die den Tramper verachten, sind ignorant, egoistisch und rücksichtslos. Hierzu ergibt sich schnell eine Diskussion.

Arbeitsblatt VII – Personencharakteristik, Ironie, Vorurteile

Inhalt des Arbeitsblattes

An diesem Morgen war der Verkehr – angesichts der frühen Zeit verständlich – eher behutsam; es waren nicht so viel Fahrzeuge unterwegs. Für das Darmstädter Kreuz war das geradezu Totenstille; trotzdem hielt bei Nummer sechsundzwanzig einer an, gerade als ich mir überlegte, zum Pinkeln ins Gebüsch zu hüpfen.

»Du weißt ja hoffentlich, daß du beschissen stehst«, begann der Fahrer das Gespräch, nachdem er die Scheibe an der Beifahrertür automatisch runtergemacht hatte.

»Ja«, sagte ich mißmutig, »total beschissen. Aber es ging heute morgen nicht anders.«

Der Mann grinste breit. Sein Fahrzeug, ein recht neuer BMW der Fünfer-Klasse, sein Jackett, sein Backenbart und seine graumelierten Schläfen ließen mich sein Alter auf Ende 40 schätzen; seinen Beruf schätzte ich spontan auf selbständigen Handelsvertreter ein. Im Laufe der Tramperzeit hatte ich mir ein Bündel von Vorurteilen erworben, die gar zu oft mit der Realität übereinstimmten.

»Wo willst du eigentlich hin?« fragte der Mann weiter; er schien nicht mal unfreundlich, nur ein bißchen ungeduldig.

»Irgendwo Richtung Süden; ich muß nach Stuttgart. Wenn Sie mich bis Karlsruhe mitnehmen könnten ...«

Er überlegte kurz. »Ich fahre nach Karlsruhe rein, aber das bringt dir ja nichts. Ich lasse dich am Rasthof Bruchsal raus.« Er machte eine einladende Geste.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Rasch hatte ich das Gepäck auf den Rücksitz gelegt, dann ließ ich mich im Vordersitz nieder. »Danke«, meinte ich, dann fuhr er schon los.

Ich überlege schon, mit welchem Thema er sein Gespräch beginnen würde, da fing er auch schon an. »Sag mal, bist du ein Punker?« fragte er.

»Ja, so was ähnliches.« Ich grinste und nickte kurz.

»Und natürlich arbeitslos und voller Haß auf den Staat.«

»Nein, eigentlich nicht.« Ich hatte keine Lust auf Diskussion, trotz der ehernen Tramper-Regel, nie mit dem Fahrer Streit anzufangen. Also gab ich möglichst rasch Auskunft. »Ich arbeite in einem Supermarkt im Lager, drei- oder viermal die Woche, das reicht fürs Leben.« Vor allem drückte ich mich in solchen Fällen gern um eine direkte Anrede. Gerade die graumelierten Typen, die einen so leutselig mitnahmen und duzten, erwarteten dann, daß man sie – aus purer Dankbarkeit natürlich! – siezte, und darauf hatte ich meist nie Lust.

Er schien doch überrascht zu sein. »Hast du einen Beruf gelernt?«

Ich schüttelte den Kopf. »Warum denn?«

»Dann hättest du doch wesentlich bessere Zukunftsaussichten.« Mittlerweile fuhren wir 150 Stundenkilometer, mein Fahrer gab flott Gas, übertrieb sein Tempo aber nicht, blieb recht locker. »Du könntest später mal richtig gut Geld verdienen.«

Jetzt bekam er die direkte Anrede! »Weißt du«, sagte ich so beiläufig wie möglich, »ich glaube nicht, daß ich so alt werde wie du, und eigentlich habe ich das auch gar nicht vor. Weshalb soll ich mir also um meine Zukunft Gedanken machen?«

Es kam keine Antwort von ihm, aber sein Gesicht schien sich zu verhärten. Er schaltete kurz und hektisch, und dann beschleunigte der BMW zuerst auf 160, auf 180 und 190 Stundenkilometer. Recht rüde schaltete der Mann kurz das Fernlicht ein, verscheuchte einen langsameren Opel von der linken Seite, trotz 130er-Zone, und raste dann links weiter. Er sprach kein Wort mehr, schaute mich nicht einmal an.

Mich sollte das nicht stören. Ich lehnte mich in den Sessel zurück, fühlte mich jetzt relativ wohl. Und die Schlägerei in Bonn? dachte ich noch kurz, aber das interessierte mich jetzt doch nicht. Auf einmal fühlte ich mich sehr müde.

Ich hatte das Gefühl, nur kurz eingenickt zu sein, als mich plötzlich eine Hand an der Schulter packte. »He, Bursche, wir sind da!« dröhnte die Stimme des Fahrers durch den dichten Nebel, der sich über mein Hirn gelegt hatte. »Das hier ist Bruchsal, der Rasthof, du mußt raus.«

Von einer Sekunde zur anderen wurde ich wach; ich riß meine Augen auf und schaute mich um. Der Typ neben mir blickte nicht mal unfreundlich, aber er war wohl in Eile und wollte mich rasch loshaben. Ich bedanke mich kurz bei ihm, er nickte mir zu; dann packte ich meinen Kram zusammen und verließ seinen Wagen. Er winkte mir sogar zu, als er Gas gab, ich winkte kurz zurück, das verlangte die Höflichkeit; er gab noch mehr Gas und verschwand auf dem Beschleunigungsstreifen.

Klaus N. Frick: Vielen Dank, Peter Pank. Berlin 2005, S. 11-13

AUFGABE 11: Der Autor bezeichnete den Autofahrer später als „ironische Annäherung“. Stellen Sie zu dieser Aussage eine sinnvolle Hypothese auf und beurteilen Sie sein Verhalten.

Kommentar/Lösungshinweis

Die Aussage, der Fahrer sei eine ironische Annäherung, stammt aus einer Begleitmail Klaus Fricks. Ich habe sie aufgegriffen, um den Begriff der Ironie und ihre Funktion in Erzähltexten zu thematisieren. An eine Seitentafel kam die Definition: „Ironie ist die Diskrepanz zweier Ebenen oder Sichtweisen, durch die eine tiefere Bedeutungsebene aufscheinen kann“. Nachdem wir das Verhalten des Autofahrer vor und nach der entscheidenden Aussage an der Haupttafel dargestellt hatten, ergänzten wir auf der unteren Hälfte der Seítentafel: „Zwei komplett verschiedene Lebensentwürfe prallen aufeinander. Der Leser beginnt, über beide Möglichkeiten nachzudenken.“

Die Haupttafel trug die Überschrift „Der Autofahrer“, Darunter kam ein Kasten mit der Peter Panks Antwort auf die guten Ratschläge, mit denen er versorgt wird: „Weißt du, ich glaube nicht, daß ich so alt werde wie du, und eigentlich habe ich das auch gar nicht vor.. Darüber verläuft ein Pfeil mit der Beschriftung „hektisch“ - denn der Mann wird von diesem Moment an hektisch – von der linken Spalte „Autofahrer vorher“ zur rechten Spalte „Autofahrer nachher“. Vor dieser Aussage ist der ein wenig ältere Herr mit „graumelierten Schläfen“ betont locker, gibt sich cool und jugendnah und zeigt Interesse. Jedoch hat Peter zu Recht den Eindruck, dass er zwar lässig duzt, umgekehrt aber das Sie erwartet und sich über ihn stellt. Er fragt ihn nicht nach dem Namen und erklärt ihm, wie die Punks sind: sie haben einen „Hass auf den Staat“ und sind arbeitslos. Schon die Information, dass Peter arbeitet, irritiert ihn sichtlich. Er möchte sein klischeehaftes Denken bestätigt sehen.

Nach Peters Antwort sprechen die beiden lange nicht,und der Mann fährt immer schneller. Er wirkt eingeschnappt und durch die überhöhte Geschwindigkeit auch aggressiv. Peter schläft ein. Als sie am Rasthof Bruchsal ankommen, hat der Mann sich beruhigt, setzt ihn an einem guten Platz ab und winkt, so dass er doch einen freundlichen Eindruck macht. Als Resumée kann man schreiben: „In diesem Abschnitt wird vermittelt, dass es gegenseitige Vorurteile gibt. Der Erfolg in der Gesellschaft wird mit der Freiheit des Punks kontrastiert. Beide sind fragwürdig.“ Der Text ist so angelegt, dass die Schüler ihre eigenen Erfahrungen mit dem Geschilderten vergleichen und hierdurch ihre persönliche Empfindsamkeit für Begegnungen und gesprochene Worte einbringen können, wodurch sie unmittelbar aus dem Textverlauf heraus arbeiten.

Arbeitsblatt VIII Zeitgeschichte – 80er und Dreißigjähriger Krieg im Vergleich

Inhalt des Arbeitsblattes

AUFGABE 12: Vergleichen Sie die Erwachsenenwelt, die Peter Pank erlebt, mit der, die Grimmelshausens Simplicissimus kennenlernt (Stichpunkte reichen).

Kommentar/Lösungshinweis

Diese Augabe kann man zuhause oder in Partnerarbeit vorbereiten lassen. Die Schüler müssen den Simplicissimus-Text wiederholen und das Verhalten der Erwachsenen beider Welten herausarbeiten. Zum Sammeln braucht man Haupttafel und beide Seitentafeln. Als Überschrift geht „Erwachsenenwelt“.

Zu finden ist erst mal die Parallele, dass der Autofahrer und der Einsiedel beide hilfsbereit sind und beide über das Leben der Jugendlichen, die sie aufnehmen, reden wollen. Während der Fahrer mit beiden Beinen im Leben steht, lebt der Einsiedler zurückgezogen und hat die Welt hinter sich gelassen. Er kennt sich jedoch in ihr aus. Beide sind geistig präsent, beide wollen die Jugendlichen an einen für sie sinnvollen Ort bringen. Beide beschäftigen sich mit der Unreife und Unwissenheit der Jüngeren, wobei in dieser Hinsicht der Gesprächsverlauf sehr voneinander abweicht. Die Frage des Einsiedlers, „bist du närrisch oder gescheit?“ kann man auf beide Gesprächssituationen anwenden.

Die umgebende Gesellschaft ist bei Peter Pank ignorant, schadenfroh, selten hilfsbereit und auf Geld und Image aus. Die Erwachsenen bei Simplicissimus sind arme Bauern und plündernde Soldaten. Die Bauern gehen ohne viel persönliche Wertschätzung miteinander um: der Vater, der Knan, säuft und die Mutter gebraucht grobe Schimpfworte. Sie bringen dem Kind weder das Vaterunser im richtigen Wortlaut bei noch den eigenen Namen. Er weiß nicht, was Gott, Menschen oder Kirche sind. Die Soldaten plündern, morden, vergewaltigen und foltern, indem sie vorher Alltägliches wie die raue Zunge der Ziege, Tierpinkel („Schwedentrunk“) und Gerätschaften verwenden, um den Leuten alles zu nehmen. In beiden Fällen keine berauschende Bilanz.

Arbeitsblatt IX Erörterung, Dateibearbeitung/ Formatierung/ Absatzeinteilung

AUFGABE 13: Das Thema der abschließend zu verfassenden Erörterung lautet „Peter Pank oder der Simplicissimus im Unterricht?“. Verfassen Sie eine kleine Erörterung (ca. 500 Wörter), in der Sie begründet erläutern, welchen Sinn es macht bzw. nicht macht, diese Romane im Unterricht zu lesen.

Achten Sie auf sinngestaltende Absätze zwischen Einleitung, Hauptteil und Schluss. Der Hauptteil soll mindestens drei Absätze umfassen. Achten Sie beim Schreiben am Computer auf gültige formale Vorgaben.

Kommentar/Lösungshinweis

Mit der letzten Aufgabe wiederholen wir nebenbei Formalien wie Dateienbeschriftung, Kopf, Formatierung. Außerdem üben wir das Einfügen sinngestaltender Absätze. Die Daten für die Einleitung sind vermischt mit weiterführenden Quellenangaben – die Schüler müssen überlegen, welche sie übernehmen und welche nicht:

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus - Kapitel 7 und 8, http://gutenberg.spiegel.de/buch/simplicius-simplicissimus-5248/8. Erstausgabe 1669.
Klaus N. Frick: Vielen Dank Peter Pank. Berlin: Archiv der Jugendkulturen, 2005. Die ISBN ist 3-86546-037-2.

Aus methodischen Gründen macht es Sinn, die Einleitung gemeinsam im Unterricht zu erstellen, weil die Verankerung des Aufsatzes dann stimmt und die Vorgaben zusammen wiederholt werden. Der Textvergleich kommt eigentlich erst in 12 und diese Art Einleitung ist komplexer als die bisher geübten Modelle. Ein Lösungsvorschlag:

"Zwei ganz verschiedene Romane über Außenseiter, welche die Gesellschaft ihrer Zeit erleben: ein Punk und ein verlassener Bauernjunge. Klaus N. Fricks Antiheld wacht zu Beginn des 2005 im Verlag der Jugendkulturen erschienenen Punkromans "Vielen Dank Peter Pank" betrunken an einer Autobahn auf. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen 1669 veröffentlichter Pikaroroman "Simplicius Simplicissimus" beschreibt das Leben eines Bauernjungen, dessen Dorf verbrannt wird. Nun stellt sich die Frage, warum oder ob überhaupt diese Romane sinnvolle Unterrichtslektüren darstellen."

Um diese Aufgabe zu bearbeiten, muss man das Erarbeitete wiederholen: Sprache, Personengestaltung samt Identifikationsmöglichkeiten und der gesellschaftliche Hintergrund, so dass der Aufsatz ein Resumée der Unterrichstequenz ergibt. Durch die persönliche Stellungnahme erfährt man auch gleich, welche Art Texte die Schüler bevorzugen und warum. Unterrichtstechnisch hat das Einbeziehen des Punkromans viele Vorteile: über Vergleich und Kontrast können viele Lernziele der Barocksequenz umgesetzt werden, ohne dass die Schüler im Widerwillen gegen die allzu sperrigen Texte steckenbleiben. Durch den zugänglichen Text können sie unmittelbar ihre eigene Kompetenz einbringen und mit dem Text ins Gespräch kommen, ein Prozess, in dessen Verlauf man Charakterisierungsmethoden, Erzählperspektiven, Emblem, Pikaroroman, Stilmittel, Ironie, Operatoren, Textarbeit, die Aufsatzform der Erörterung und zum Schluss auch noch Formalien der Textarbeit am Computer üben kann. Die Schüler sind leicht zu motivieren, was vieles erleichtert. Sie erzählen, man lernt sie besser kennen, und der Lernstoff wird gründlicher aufgenommen, weil sie sich interessieren.

Ein weiterer sehr interessanter Abschnitt des Romans ist das Kapitel über die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Protest gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Sicherlich wird sich auch hierfür ein pädagogischer Ort finden. 


Sämtliche Arbeitsmaterialien finden Sie in den folgenden beiden PDF-Dateien:

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