Tipps und Tests

USB-Sticks für Lehrer/innen: Praxistipps und Kaufempfehlungen 15.02.2018, 18:45

USB-Stick mit gebrochener Öse

Um Ihre Dateien (Arbeitsblätter, Notenlisten …) zwischen Zuhause und der Schule zu transportieren, bietet sich ein USB-Stick am Schlüsselbund an. Der Stick sollte einigermaßen klein sein und eine bruchsichere Öse haben. Wir testen einige USB-Sticks und geben Hinweise zum Einsatz in der Praxis (z.B. Verwendung eines Karabiners).

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Wenn Sie Dateien wie Notenlisten oder Arbeitsblätter sowohl in Schule als auch Zuhause unkompliziert nutzen wollen, dann machen Sie das am besten verschlüsselt via USB-Stick am Schlüsselbund. Bei Unklarheiten lesen Sie:

USB-Stick am Schlüsselbund

Einen USB-Stick einfach so in der Hosentasche zu transportieren ist keine gute Idee, denn:

  1. Sie werden ihn ganz sicher irgendwann einmal verlieren.
  2. Sie werden ihn ganz sicher irgendwann einmal dringend in der Schule brauchen und stellen fest, Sie haben ihn zuhause vergessen.
  3. Sie werden ihn ganz sicher irgendwann einmal zusammen mit der Hose in der Waschmaschine waschen.

Wenn Sie dreimal im Jahr eine Notenliste von Zuhause in die Schule transportieren, dann können Sie das natürlich so machen. Wenn Sie den USB-Stick aber regelmäßig nutzen, müssen Sie ihn irgendwo befestigen.

Die Auswahl ist klein. Halsketten mit USB-Stick sind funktional, aber wirklich unästhetisch, Ohrringe und Brustwarzenpiercings ebenso (abgesehen davon, dass bei Letzterem der USB-Stick so unangenehm am Hemd reibt). Also bleibt nur noch der Schlüsselbund.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

Sie befestigen den USB-Stick stationär am Schlüsselbund, so dass Sie ihn nur mit großem Aufwand abbekommen. Dann stecken Sie Ihren Stick mitsamt Schlüsselbund an den Rechner. So werden Sie Ihren USB-Stick niemals an einem fremden Rechner vergessen, da Sie Ihren Schlüsselbund ja brauchen. Negativ ist hierbei das Handling: Manchmal behindert der Schlüsselbund das ungehinderte Einstecken des USB-Sticks; das Gewicht der Schlüsselbunds wirkt zerstörerisch auf USB-Stick und/oder USB-Buchse am Rechner.

Eine Zwischenlösung ist die Verwendung eines (Mini-)Karabiners. Sie können den Stick schnell vom Schlüsselbund lösen und verwenden. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass Sie ihn einfach am Rechner vergessen.

USB-Stick mit Karabiner

Auf dem Bild ist ein ordinärer Karabiner vom Hufschmied abgebildet, es gibt auch wesentlich kleinere, subtilere, fortschrittlichere Modelle mit Magnethalterung, ausziehbaren Drähten, Clipverschlüssen - aber allen ist gemein, dass man sie nach der Trennung vom Schlüsselbund am Rechner vergessen kann.

VeraCrypt-Tipp: Sie können eine Einstellung treffen, dass der VeraCrypt-Container nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität ausgeworfen wird. Wenn Sie den Stick an einem Rechner vergessen, findet man je nach Einstellung nach 15 Minuten nur noch einen verschlüsselten Container vor:

VeraCrypt-Einstellung: Automatisches Auswerfen des Containers bei Inaktivität

Achtung: Im Falle der Einstellungen oben ("Force auto-dismount …") gehen Änderungen an geöffneten Dateien verloren!

Auswahl des geeigneten USB-Sticks

Geschwindigkeit: Der USB-3-Irrtum

Hier kommt die erste und wichtigste Wahrheit: Dass ein Stick USB 3.0 oder gar USB 3.1 hat, sagt nicht das geringste über seine Geschwindigkeit aus. Natürlich kann USB 3 hohe Geschwindigkeiten. Nehmen Sie den Koalabären und ziehen Sie ihm die Hose und die Schuhe von Usain Bolt an. Mit diesen Schuhen kann man den Weltrekord über 100 Meter laufen - aber nicht, wenn man ein Koalabär ist.

Also merken Sie sich: Ein USB-Stick, der USB 3.0 hat, ist deshalb nicht automatisch schnell. Siehe unten unseren Testbericht.

(Dabei können Sie davon ausgehen, dass ein Stick mit USB 2 zwangsläufig langsam ist. USB 2 ist also verboten.)

Anschaffungspreis: Billig ist schlechter

Es muss nicht immer der Rolls Royce sein. Aber mit den üblichen Werbegeschenk-USB-Sticks oder den 3-Euro-Modellen werden Sie sitzen und warten. Und wenn Sie Pech haben, geht Ihnen das Ding kaputt, wenn Sie gerade mal zwei Monate lang kein Backup gemacht haben (was Ihnen bei einem "guten" USB-Stick auch passieren kann, aber vielleicht nicht so oft).

Physische Größe: Klein ist besser

Wenn Sie den USB-Stick am Schlüsselbund herumtragen wollen, dann muss er so klein wie möglich sein. Leider schränkt diese Vorgabe Sie in punkto Auswahlmöglichkeiten massiv ein. Bevor Sie ein schnelles, aber großes Modell kaufen, das Ihnen den Rest des Lebens durch die Hosentasche auf die Aorta drückt, denken Sie genau nach.

Großer und kleiner USB-Stick im Vergleich

Datenkapazität: Groß ist besser

Wir messen die Kapazität des USB-Sticks (»Das, was draufpasst«) in Gigabyte (GB). Es gilt die Faustregel: Je mehr draufpasst, desto schneller ist der Stick. Ein Stick mit 64GB wird in den allermeisten Fällen spürbar schneller sein als das gleiche Modell mit 32 GB.

Geizen Sie nicht wegen 5 oder 10 Euro. Sie kaufen den USB-Stick als Arbeitsutensil, man nennt es Investition. Sie wollen nicht bei jedem Dateitransfer ewig warten. Außerdem wollen Sie nicht anfangen zu rechnen, ob Sie bei diesem Word-Arbeitsblatt vielleicht die Seitenzahlen weglassen, um Speicherplatz zu sparen.

Aber:

Lebensdauer: Alles ist endlich

Physischer Verschleiß ist durchaus gegeben, wenn Ihr USB-Stick dauernd in der Hosentasche mit 30 Schlüsseln kämpft. Bei großen Dateitransfers wird er heiß, der Schlüsselbund fällt mal runter und in der Hektik drücken Sie ihn mal schief in den USB-Port am Rechner. Kurz: Irgendwann wird das Ding verloren oder kaputt sein. Und das ist ja auch ok so. Ihr Auto ist nach 300.000 Kilometern auch reif für den Schrottplatz und Sie kaufen ein neues.

Das supermoderne 140-Euro-Top-Modell für Schlüsselbund-Transport muss also nicht unbedingt sein, zumal die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Sie in einem Jahr für das gleiche Geld das doppelte Datenvolumen bekommen. Allerdings sind USB-Sticks einigermaßen preisstabil, das muss hier auch gesagt werden.

Kaufberatung: USB-Sticks für Lehrer/innen

Wir betrachten hier eine Auswahl an Sticks, die folgenden Anforderungen genügen müssen:

  1. Öse für die Befestigung am Schlüsselbund oder am Brustwarzenpiercing
  2. USB 3
  3. Markenprodukt
  4. Ordentliche Geschwindigkeit

Zur Geschwindigkeit: Gerade der letzte Punkt ist schwierig. In den meisten »Tests«, die man so im Internet findet, werden vollmundig Geschwindigkeiten (»Schreiben« und »Lesen«) diskutiert, dabei hat niemand die Geschwindigkeit gemessen, sondern sich einfach an den Herstellerangaben orientiert, die teilweise erheblich von den Praxiswerten abweichen. Außerdem interessiert Sie wahrscheinlich nicht die Maximalgeschwindigkeit, wenn eine 10 Gigabyte große Datei kopiert wird, sondern die Geschwindigkeit, wenn Sie ihre 3.000 kleinen Arbeitsblattdateien durch die Gegend kopieren - und dann sieht es oft ganz anders aus.

Zur Auswahl: Wir haben eine Hand voll USB-Sticks genommen, die in Tests und/oder Herstellerangaben ordentliche Werte versprachen. Das ist kein Marktüberblick, so dominieren rein zufällig SanDisk-Sticks, weil die sich in den letzten Jahren durch zwei Modelle zum Preis-Leistungs-Platzhirsch gemacht haben (falls uns jemand vorwerfen will, wir seien geschmiert: Betrachten Sie bitte das Artikelbild mit der Kracks-Öse und lesen Sie dann die Lehrerfreund-Unabhängigkeitserklärung). Aktuelle Top-Modelle von Intenso, Kingston, Patriot, Lexar etc. können in unserem Test wahrscheinlich durchaus mithalten, wobei die Geschwindigkeiten des Extreme Pro nur schwer zu toppen sein dürften.

Uns hat auch interessiert, wie sehr die Kapazität der Sticks die Geschwindigkeit beeinflusst; bei den beiden SanDisk Ultra Fit (16GB und 64GB) sind die Ergebnisse recht eindeutig.

Alle USB-Sticks im Test

Wir sind keine Tech-Experten, sondern Pädagog/innen. Wir haben alle Sticks in der schulischen Schlüsselbund-Praxis getestet und einen Test durchgeführt, bei dem wir ein Verzeichnis mit vielen großen und kleinen Dateien einmal gelesen und einmal geschrieben haben. Falls jemand die Sticks mit irgendwelchen Profi-Tools testen möchte, kann er/sie das gerne tun. Uns hat interessiert, was passiert, wenn man den Stick einsteckt und Daten kopiert. Die Dokumentation der Testdurchführung finden Sie im Video unten.

Die Geschwindigkeiten im Schreiben und Lesen unterscheiden sich bei ein und demselben USB-Stick teilweise stark - Lesen geht immer schneller als Schreiben (wie beim Schüler mit dem Füller meistens auch). Ebenso ist zu unterscheiden, ob viele kleine Dateien oder eine große Datei geschrieben/gelesen wird (tragen Sie einen 1-Kilo-Beutel Reis in die Wohnung oder die einzelnen Körner?).

Wir führten deshalb für jeden USB-Stick einzeln an einem USB-3-Port folgende Tests durch:

Test 1: Viele Dateien auf den Stick schreiben

Wir kopierten ein Verzeichnis (»Ordner«) mit 11.197 Dateien auf den USB-Stick. Die Gesamtgröße der Dateien lag bei 3.42 Gigabyte, die größte Datei war ein Film mit knapp 300MB.

Dieser Test nahm erwartungsgemäß am meisten Zeit in Anspruch.

Test 2: Viele Dateien vom Stick lesen

Das gleiche Verzeichnis kopierten wir vom USB-Stick auf ein SSD-Laufwerk.

Test 3: Eine große Datei auf den Stick schreiben

Wir kopierten einen VeraCrypt-Container von 3GB Größe auf den Stick …

Test 4: Eine große Datei vom Stick lesen

… und wieder zurück auf die SSD.

Testergebnisse

Vorbemerkung: Wenn Sie ab und zu Mal ein Word-Dokument aufmachen oder eine Excel-Datei auf den Stick kopieren, dann ist es nicht wichtig, dass Sie einen USB-Stick mit Top-Performance kaufen. Das Mounten des VeraCrypt-Volumes dauert dann etwas länger, ansonsten werden Sie nur wenig Unterschied zu Top-Modellen bemerken. Achten Sie in diesem Fall lieber auf Größe, Stabilität und ggfs. Preis. Kaufen Sie in jedem Fall Markenprodukte.

Der SanDisk Extreme Pro (Amazon-Link) war durchgängig mit atemberaubendem Abstand der schnellste. Die Geschwindigkeit hat natürlich ihren Preis.

Ganz mies performt hat der Patriot Tab 32GB (Amazon-Link), der uns zuvor schon beim Schlüsselbund-Praxistest als ziemlich lahm aufgefallen war.

In den letzten Jahren galten die SanDisk Extreme-USB-Sticks als mit die schnellsten Sticks auf dem Markt. Leider gibt es die offiziell nicht mehr, wenn man Sie noch irgendwo bekommt, sind sie meist überteuert. Der offizielle Nachfolger SanDisk Extreme GO (Amazon-Link) fällt in allen Tests negativ auf und gilt gemeinhin als unzumutbar, wir selbst haben ihn jedoch nicht getestet.

Das SanDisk-Modell Ultra Fit (Amazon-Link) hat in den Tests, die so durchs Internet geistern, gut abgeschlossen, konnte in unserem Test jedoch gerade beim Schreiben nicht überzeugen. Eigentlich hat dieser Stick ein optimales Hosentaschenformat und zudem eine praktische Plastikkappe zum Schutz der Anschlüsse vor Staub und Dreck. Da die Öse jedoch grundsätzlich nach wenigen Wochen am Schlüsselbund bricht, kann man hier keine wirkliche Kaufempfehlung aussprechen.

Für den permanenten Hosentascheneinsatz eignen sich Sticks mit einer Metallöse gut, allerdings erreichen die meisten Modelle in den gängigen Tests schlechte Schreibwerte. Der von uns getestete Transcend JetFlash 710 64GB (Amazon-Link) genügt den Ansprüchen einigermaßen, wenngleich der Preis mit 55 Cent pro Gigabyte happig ist; wem der SanDisk Ultra zu voluminös ist, kann dieses Modell durchaus an den Schlüsselbund hängen.

Unter den getesteten USB-Sticks scheint sehr empfehlenswert der SanDisk Ultra Cruzer 64GB (Amazon-Link). Der Preis ist gut, die Geschwindigkeiten für den Alltagseinsatz absolut ausreichend. Er ist einen Tick kleiner als der "normale" USB-Stick und hat eine einigermaßen stabile Öse für die Schlüsselbundaufhängung. Der USB-Anschluss lässt sich in den Stick versenken, so dass die Anschlüsse etwas besser gegen Hosentaschenschmutz geschützt sind.

Hier die gemessenen Werte:

 

Tabelle: Testergebnisse USB-Sticks (Februar 2018)

Und hier die Testdurchführung im Video (YouTube-Link), teilweise im Zeitraffer:

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