Lehrer-Kabarett

»Der Klassenfeind«, oder: Hospitieren Sie mal in Ihrem eigenen Unterricht 26.07.2015, 18:36

Wollten Sie schon immer mal Mäuschen in Ihrem eigenen Unterricht spielen? Der Lehrer Marc Hofmann tourt mit seinem sehenswerten Programm »Der Klassenfeind« über die Kleinkunstbühnen, zahlreiche Ausschnitte gibt es auf YouTube. Endlich mal Lehrer-Kabarett mit Drive! Jetzt hat er auch noch ein Buch geschrieben.

Ausschnitt: Marc Hofmann bei Kabarett mit Sprechblase
Bild: Marc Hofmann: Homo Faller (YouTube)
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Während die meisten Lehrer/innen-Kabaretts sich zeitraubend auf das eher unoriginelle Spiel mit Klischees beschränken (Mann mit braunem Cord-Jackett steht auf der Bühne und sagt: "Soll ich heute mittag korrigieren oder Tennis spielen?"), stellt Marc Hofmann (Homepage) in seinem Kabarettprogramm den Lehreralltag in großer Unmittelbarkeit nach. Man fühlt sich mitten im Geschehen, die tumbe Ahnungslosigkeit des Schülers Jeremias Faller bläst uns förmlich ins Gesicht. Er (Marc Hofmann) weiß, wovon er redet und bringt seine Erlebnisse schonungslos auf den Punkt.

Das ist der Unterschied. Bei Marc Hofmann erkennen wir in jeder Sekunde den eigenen Lehreralltag wieder - entgleisende Unterrichtsstunden, degenerierte Abifeiern, verzweifelte Referendarinnen, bereichert um die Perspektive eines Mannes, der auch den düstersten Tiefen des Lebens ein Quäntchen Humor abgewinnen kann. Unten finden Sie zu Ihrem Amüsement ein paar hübsche Video-Ausschnitte.

Nun hat Marc Hofmann sein Kabarettprogramm verschriftlicht und ein Buch veröffentlicht, die Zeit hat er ja ("ist ja nur ein Halbtagsjob mit 14 Wochen Ferien im Jahr", meint er selbst dazu). Wer in den Sommerferien den Schulalltag schmerzlich vermisst, kann sich hier für eine Hand voll Dollars ein Alter Ego kaufen: Marc Hofmann - Der Klassenfeind (Amazon-Link). Dort lesen wir dann zum Beispiel, was ein externer Evaluator am Unterricht des Protagonisten Harry Milford auszusetzen hat:

Insgesamt finden zu viele Phasen im Plenum statt, Ihr Sprechanteil ist viel zu hoch. Es ist auch keine Lösung, immer nur die einzige Schülerin dranzunehmen, die sich meldet, und alle anderen zu ignorieren. Ihre Unterrichtsziele erreichen Sie zwar, jedoch vor allem deduktiv, wobei sich die Frage der Nachhaltigkeit stellt. Viel zu viele Fragen beantworten Sie am Ende selbst. Der Vorteil dieser Technik ist allerdings, dass fast alle Antworten richtig waren.

1) Klassenarbeit

In der folgenden Szene erleben wir, wie eine Klassenarbeit abläuft - vom Austeilen der Hefte bis hin zu den ausgefuchsten Spickversuchen der Schüler/innen (YouTube-Link: Marc Hofmann erzählt):

2) Deutschstunde - Homo Faller

Sehr gefällig vor allem für Deutschlehrer/innen ist Homo Faller - vom sinnlosen Versuch, eine Stunde lang Homo Faber zu unterrichten, und das auch noch unter den verstörten Augen einer hospitierenden Referendarin (Lesung):

3) Wie Schüler/innen ticken

Etwas tiefer in die Seele der Schüler/innen dringt Marc Hofmann ein im Ausschnitt Die Jugend von Heute, wo belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zitiert werden ("Es gibt ja mittlerweile Biologen, die sagen, der Pubertierende ist gar kein Mensch im eigentlichen Sinne …"):

4) Abistreich

Und wer an einem Gymnasium unterrichtet, kann sich hier eine neue alte Sichtweise auf den Abistreich verschaffen (ebenfalls Lesung):

Wem das gefallen hat, der liegt sicher mit dem Buch nicht schlecht, das ebenso eingängig und unterhaltsam ist wie das Kabarettprogramm:

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