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Ein rascher Notenschlüssel…

*ohne Gewähr


Umfrage unter 6- bis 13-Jährigen

Kinder verlieren in der Schule den Spaß am Lernen 12.11.2013, 23:35

Kind, das den Spaß am Lernen verliert - heute/morgen
Bild: Shutterstock (Montage)

Einer Umfrage zufolge verlieren Kinder im Verlauf ihrer ersten Schuljahre zunehmend den Spaß am Lernen. Ist die Schule dafür verantwortlich, dass Kindern das Lernen ausgetrieben wird? Mit einem Gastkommentar von Hanspeter Hauke.

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  • (geändert: )

Im September 2013 veröffentlichte das Kindermagazin LEO der ZEIT gemeinsam mit dem  Lernsoftwareanbieter scoyo die Studie "Lernen mit Spaß". Befragt wurden 860 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren (Ergebnisse) und 1005 Eltern (Ergebnisse) von den Marktforschungsinstituten FACT bzw. FORSA.

Die Studie ist insgesamt etwas langweilig; schließlich geht es in erster Linie um Marketing: "Scoyo-Studie: Je länger Kinder zur Schule gehen, desto weniger Spaß haben sie am Lernen. Doch es ginge auch anders." (Quelle) - wenn alle scoyo benutzen würden, so die nicht besonders subtile Implikation, hätten alle Kinder Spaß am Lernen.

Ein Ergebnis jedoch ist interessant: Mit zunehmendem Alter verlieren die Kinder den Spaß am Lernen. Die Ergebniswerte zur Frage "Macht dir das Lernen für die Schule Spaß?":

Ergebnis der Studie 'Macht Lernen Spaß' (2013)

Offensichtlich hat kein einziges Kind im Alter von 6 Jahren mit "Nein" geantwortet - bei den 13-Jährigen waren es bereits 8 Prozent. Und während mehr als die Hälfte der 6-Jährigen immer(!) Spaß am Lernen haben, sind es bei den 13-Jährigen nur noch 6 Prozent. 

Zwischen früher und später Kindheit geht die Lust am Lernen also maßgeblich zurück. Die zentrale Frage liegt auf der Hand: Warum verlieren Kinder im Verlauf ihrer ersten Schuljahre die Lust am Lernen?

"Lernen braucht sinnvolle Reize" - Gastkommentar von Hanspeter Hauke

Hanspeter HaukeHanspeter Hauke, 59 Jahre alt, SWR Fernseh-Redakteur (Wissenschaft und Bildung), Diplom-Pädagoge, ausgezeichnet mit dem Japan-Prize (beste Lernsoftware weltweit) und weiteren nationalen und internationalen Preisen für "Wizadora - eine zauberhafte Sprachreise durch Großbritannien", Gründer und Präsident des Vereins für Innovative Schulentwicklung e.V., Berater der Hector-Akademie für Hochbegabte, Gründer und Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesen e.V.

Spätestens nach der Geburt beginnt der Säugling zu "lernen", d.h. er beginnt, Informationen, welche über die Sinnesorgane im Gehirn ankommen, zu verarbeiten. Reize wie Licht, Berührung, Geräusche, Gerüche oder Geschmacksempfindungen regen Nervenzellen im Gehirn an. Je öfter die gleichen Nervenzellen angeregt werden, um so leichter und schneller werden die eingehenden Impulse im Gehirn verarbeitet. Übung macht hier in der Tat den Meister. Durch den ständigen Gebrauch werden gleichzeitig die Sinne und Sinnesorgane kontinuierlich geschärft, ihre Leistungsfähigkeit wächst. Immer mehr und immer differenziertere Informationen gelangen so ins Gehirn und werden dort verarbeitet.
 
Direkt nach der Geburt kann das Gehirn verglichen werden mit einem Ährenfeld, auf welchem die Ähren kerzengerade stehen. Über die Sinnesorgane im Gehirn eintreffende Reize haben nun eine vergleichbare Wirkung wie wenn ein Mensch durch ein solche Ährenfeld marschiert: Einige Ähren werden niedergetreten - das Gehirn wird strukturiert. Bei einmaligem Vorgang richten sich diese wieder auf. Kommen jedoch immer wieder die gleichen Reize, geht der Mensch in unserem Bild vom Ährenfeld den gleichen Weg immer wieder. Die Ähren bleiben niedergetreten - ein Weg entsteht, der immer glatter und breiter wird und auf welchem immer schneller gegangen werden kann. Reize, die immmer wieder im Gehirn ankommen, führen zu Strukturen im Gehirn, welche Nervenverbindungen stabilisieren und "schmieren", so dass sie immer spontaner und schneller ausgelöst und für den Informationstransport genutzt werden können. Die Nervenverbindungen oder Synapsen erleichtern also im Laufe der Zeit die Interpretation und Einordnung der aus der Umgebung des Lebewesens im Gehirn ankommenden Impulse. Gleichzeitig entwickelt sich ein "Filter", der für das Kind "wichtige" von "unwichtigen" Infomationen unterscheidet. Die Entscheidung, was "wichtig/unwichtig" ist, wird dabei vom Kind auf Grund seiner aktuellen persönlichen und emotionalen Befindlichkeit getroffen. Die "Stimmungs- und Interessenlage" des Kindes steuert somit den Filter.
 
Die Nutzung der Sinnesorgane und die Verarbeitung der Informationen ist beim Säugling und Kleinkind mit Spass und Lust verbunden. Gelingt es dem Kind, ein neues Geräusch zu produzieren, ist ihm die Freude darüber anzumerken. Spaß am eigenen Erfolg, Freude am eigenen Tun, Lust am Erkunden und das selbstbestimmte sich Ausprobieren aktivieren das körpereigene Belohnungssystem: Endorphine werden ausgeschüttet, der kleine Mensch fühlt sich glücklich.

Mit der Einschulung hört der Spaß auf, der Ernst des Lebens beginnt. Nun bestimmt ein fremder Erwachsener, was "wichtig/unwichtig" für das Kind zu sein hat - und nicht mehr seine aktuelle Befindlichkeit. Das körpereigene Belohnungssystem wird durch die Fremdbestimmung nicht wie bisher aktiviert. Mit externen Belohnungssystemen wird versucht, einen Ausgleich zu schaffen. Für eine sehr gute Note bekommen Schüler dann schon mal 5 Euro, oder mit "Angstfaktor", wenn sie ihre Hausaufgabe nicht machen, bekommen sie eine 5. Lernen durch Druck, Schule als Spaßbremse. Im Grundschulalter völlig ungeeignete (Lern-)Anreize und Ansätze. Dass Kindern da die Lust am Lernen, am Aufnehmen und Verarbeiten von Informationen verlieren, kann ihnen wirklich nicht vorgeworfen werden. Es erklärt jedoch die Ergebnisse der Umfrage.

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Kommentare

70

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  • #1

    Schule und Lehrer scheinen nur dann gut zu sein, wenn alle nur erfolgreich sind, es Spaß macht und jedem der Bauch gepinselt wird. Schule ist Arbeit und keine Spaßfabrik und es gibt auch dumme, schlecht erzogene Kinder.
    Solange Eltern nicht zumindest ansatzweise einen realistischen Blick auf ihre Kinder haben, wird sich nichts verändern können.

    schrieb Anne Müller am

  • #2

    Was soll ich als Elternteil machen.
    Ich muss gerade miterleben wie mein Sohn immer mehr die Freude am Lernen verliert.(3. Klasse) ” Im Kindergarten war es viel schöner.”
    Wenn ich meine Verantwortung ernst nehmen will und muss, sehe ich mich mittlerweile gezwungen meinen Sohn vor der Schule zu Schützen. Hier wird nicht auf das Leben vorbereitet. Gute Noten sagen nichts aus außer das man gut gelernt hat. Ob man das wissen Anwenden kann ist eine andere Sache. Ich hätte mir gewünscht das die Schule sich in den letzten 30 Jahren sich zum besseren entwickelt hätte. Statt dessen stelle ich fest das man es gerade so Geschäft hat die Prügelstraffe abzuschaffen. Schuld am nicht erreichen des Lernzieles ist der Schüler und seine Eltern . Niemals der Lehrer.
    Was soll ich machen? Auswandern? Wohin?
    Möge der Herr gesunden Menschenverstand auf die Schule Regnen lassen.

    Spielerisches Lernen ist vom System her in Wahrheit ausgeschlossen, selektives Zensieren im Interesse von Politik, Wirtschaft, sog. Wissenschaft 1. Gestaltungsgebot: dafür nützt die Schulpraxis dann stets zuerst den Lehrern, die zudem das alleinige Sagen innehaben, statt Schülern. Dieser Tage fielen bei uns wieder mal trotz 12-Jahre-Abi 2mal die 5. u. 6. Stunde aus - wegen Lehrer-Fortbildung! Von all den weiteren Ausfällen, für die es immerzu Anlässe gibt, natürlich ganz zu schweigen: Wie kann man Lehrer permanent direkt auf Kosten des ohnehin arg gebeutelten Unterrichts von Schülern veranstalten, wo Lehrer sonst meist so tun, als wüssten sie alles besser? Ist IHR Unterricht so entbehrlich, dass es egal ist, ob er permanent ausfällt, o. geht schlicht nichts übers Eigeninteresse?

    Schule ist einfach heute kaum mehr als eine Benotungsanstalt, für reelle Bildung können dann Eltern - je nach Eitelkeit für ihr Egos - sorgen o. es lassen, worauf Lohn bzw. Strafe dann folgen: fürs Kind, auf seinem Rücken - das ist die m.E. heute die einzige Realität jenseits all der Lippenbekenntnisse von Politik wie “Exekutive”! Man sollte diese Art Schule abschaffen, den Bildungssoli direkt an Eltern zur freien Verwendung gegen Nachweis zuteilen statt an ihn zweckentfremdende u. für sich ausnutzende Lehrkörper, vgl. etwa Ansätze wie die Khan-Akademie…

    Sorry, aber so beurteile ich die Mehrzahl derer heute, die unseren Kindern Bildung vermitteln wollen. Und leider zeigen sie sich i.d.R. per se unbelehrbar, außer sie bekommen dafür den Schultag frei für sich, dann rennen alle hin u. keiner könnte kontrollieren, was da reell an Leistung für die, für die Schule da sein sollte, je herauskommt außer Selbstbeschäftigung auf Kosten der Gemeinschaft. Daher wird wohl jede echte Kommunikation mit Eltern o. kostenfreien supervisionellen Helfern auch per se wie in einer Diktatur autokratisch abgewürgt, wie ich es bisher fast stets erlebte: bloß keine freiheitlich-demokratisch offenen Diskurse o. Dialoge mit externen Kritikern, scheint beratungsresistente, da privativ auf sich fixierte Devise: oder???

    Lehrer können ja auch sich selbst zum Vorteil verhelfen u. Beratung würde nur Kindern, Eltern, Familien, Gesellschaft o.a. Leidtragende der Akzentverschiebungen u. Umverteilungen per Machtworten weiter bringen, Privilegien kritisch hinterfragen: daran scheint man entgegen öffentlichen Lippenbekenntnisse ganz wie in der Politik (bzw. pädagogikbetriebliche Legislative) gänzlich uninteressiert, heute….

    schrieb S.K. am

  • #3

    Was soll ich als Elternteil machen.
    Ich muss gerade miterleben wie mein Sohn immer mehr die Freude am Lernen verliert.(3. Klasse) ” Im Kindergarten war es viel schöner.”
    Wenn ich meine Verantwortung ernst nehmen will und muss, sehe ich mich mittlerweile gezwungen meinen Sohn vor der Schule zu Schützen. Hier wird nicht auf das Leben vorbereitet. Gute Noten sagen nichts aus außer das man gut gelernt hat. Ob man das wissen Anwenden kann ist eine andere Sache. Ich hätte mir gewünscht das die Schule sich in den letzten 30 Jahren sich zum besseren entwickelt hätte. Statt dessen stelle ich fest das man es gerade so Geschäft hat die Prügelstraffe abzuschaffen. Schuld am nicht erreichen des Lernzieles ist der Schüler und seine Eltern . Niemals der Lehrer.
    Was soll ich machen? Auswandern? Wohin?
    Möge der Herr gesunden Menschenverstand auf die Schule Regnen lassen.

    schrieb Reinhardt am

  • #4

    Engführende Kopf-Logik geht so: als Kind wurde ich unterrichtet, litt unter Lehrern; nun bin ich groß, werde selbst Lehrer, unterrichte, leide nicht mehr - und alles ist besser. Ich stehe für Freiheit: meine Freiheit! In Wahrheit verbirgt sich so ein Geist der Rache, der Freiheit zum Lernen nur sich vorspiegelt, im Lehren Ungeist ist. Narziss sorgt dafür, vom Opfer zum Täter zu werde. Danach soll Schule beim Alten: lehrerfreundlich statt kindgerecht bleiben - oder?

    schrieb S.K. am

  • #5

    unterhalten, unternehmen, unterschreiben, untermalen ... richtet immer nur nach unten

    schrieb GriasDi am

  • #6

    “Lehrer” sind ja selbst a) als Schüler und b)als “Lehrer” immer nur UNTERrichtet = nach unten gerichtet worden.
    Die wissen gar nicht, was LERNEN ist.
    Für sie ist - aus Gewohnheit LERNEN = unten das tun, was von oben vorgegeben wird.
    Da das alle so sehen und machen und auch noch alle (gern oder ungern) mitmachen, kennt man gar nichts anderes mehr.
    “Lehrer” werden immer perfekter darauf dressiert, Unterricht abzuwickeln, Vorgaben zu vollziehen, Kinder - und sich selbst - in Schablonen zu drücken und darin zu halten.
    Es könnte alles so schön funktionieren und es scheitert letztlich alles immer nur an einer einzigen, kleinen Kleinigkeit, nämlich dass DIE ANDEREN NICHT MITMACHEN.
    Der Mensch kann sich nicht ständig UNTERWERFEN, EINFÜGEN, WILLIG MITMACHEN.
    Das vernichtet ihn, und das lässt die Lebenskraft in ihm nicht zu, die für´s Überleben zuständig ist.
    Der GEIST im Menschen lässt sich die UNTERrichtung nicht gefallen und zeigt, dass es was Besseres geben muss.
    Dieser GEIST wird für seine WARNHINWEISE AN DIE PÄDAGOGIK ständig bekämpt - nach unten zu richten versucht.
    Man könnte sich bucklich lachen übersoviel päd. Dummheit, wenn es nicht tagtäglich dieselbe Dummheit wäre.
    “Lehrer” oder vielmehr Unterrichtsvollzugsbeamte, hängen fest in ihren künstlichen, toten Strukturen.
    Sie sind Marionetten in einem seichten, plumpen, weithin geistlosen Spiel.
    Sie reproduzieren den Unfug, den man ihnen beigebracht hat, vor Kindern, die wenigstens anfangs noch ORIGINAL LEBEN.
    So wird die Wirklichkeit verspielt und das Leben VERWIRKT statt es zu VERWIRKLICHEN.
    Wir brauchen uns nur die Krankheitsstatistik - in Quantität wie Qualität - anschauen. Da bieten “Lehrer” heute ein jämmerliches Bild. Die Altersweisheit der “Päd.-Profis” besteht heute darin, dass man je älter umso kränker und hilfloser wird.
    Was sollen Kinder von solch einem VORBILD lernen?
    Natürlich trifft das nicht auf jeden zu, doch die Ergebnisse lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
    Und auch die Krankheitsentwicklung - wie die Entwicklung aller anderen Probleme - der Schüler ist STÄNDIG STEIGEND.
    Wofür geht man da überhaupt in die “Schule”?
    Wenn Unterrichtsvollzugsbeamte sich nicht entscheiden können, etwas für ihr Überleben zu lernen,
    wenn sie Probleme so sehr brauchen,
    wenn es ihnen immer noch zu wenig ist,
    dann sollten wir ihnen erst einmal nicht Lösungen bringen
    sondern lächelnd anbieten, gerne noch ein paar Probleme dazu zu machen.
    Solange es kein Interesse fürs UMKEHREN gibt, bedeutet Hilfe praktisch, Perlen vor die Säue zu werfen.
    Wenn ich jemand sagen kann “Ich mach dir gern noch ein paar Probleme dazu”, wird es viel interessanter, sich zu überlegen, ob man nicht doch schon reif ist, sein Leben einmal sorgfältig zu überdenken.
    Ich wünsche allen guten Erfolg.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #7

    Wo Lehrer Vorbilder fürs Lernen sein sollten, wieso sind sie dann meist lernunwillig - diese Frage stelle ich selbst in meinen Mental-Kursen für Lehrer, Trainer, Manager u.a. zuerst.

    Nun hatte ich in einer Klassenkonferenz letzten Do. das unerfreuliche Feedback, dass unser Sohn für meine uneinsichtigen Thesen besonders hart abgestraft worden sei - uns als ausgeschlossenen Eltern von Teilnehmern direkt danach zugetragen, die Verschwiegenheit in zivilem Ungehorsam missachten, da über die skandalöse Lehrerhaltung zu empört. Denn zuvor fiel zu meiner Stellungnahme in der folgenden Fragerunde kein offenes Wort.

    Ist dies nicht äußerst falsch wie feige - live u.a. von Schülervertretern mitzuerleben, trotz der Mehrheit von 14 Lehrern zu 1er ohnmächtig kritischen Stimme? Wundert es da, dass solch Lehrer auf Schüler oft nicht positiv wirken? Nun schreibt man sich dort auch noch auf die Fahne, eine “Schule mit Courage” zu sein - da wird mir nur übel!

    Eindringlicher Rat: Wo Schüler zu Störverhalten neigen, nach erzwungenem stundenlangen Stillsitzzwang aufgestaute Triebenergie abführen wollen, pubertär Rivalität auf letztlich natürliche Weise ausleben etc., sind sie nicht gleich als böse zu verklären u. abzuurteilen: damit Lehrer sich in ihrer Strafmacht produzieren können, so u.U. die noch residual vorhandene kindliche Lernfreude im Keim immer weiter erstickend, mit dem Holzhammer auf Kinder wie Eltern einschlagend, damit Schlägereien zu verhindern meinend? Mitunter wäre es hilfreich, wenn Lehrer auch mal wieder zur Schule gingen u. etwas über sich selbst erlernten von dem, der sich trotz aller Einschüchterungspraxis (indem nachher der Sohn doppelt hart bestraft wurde, für Papa mit) zutraut, ihnen kritisch den Spiegel zwecks Selbstreflektion in ihrer verantwortungsvollen Rolle für Schule vorzuhalten - oder?

    Viele Lehrer fühlen sich ja fertig mit der Schulwelt, versuchen die Pensionierung schnellstens zu erreichen, werden dauererkrankt, nur kündigen sie fast nie ihr Dienstverhältnis auf u. sind auch nicht ‘entfernbar’. Sie bejammern gern sich selbst, doch trotz allem halten fast alle stets am Job fest, sich für befähigt, stets andere für schuldige Übeltäter?

    Ist dies nicht vllt eine Berufskrankheit, der jeder begegnen sollte - mit der Courage sich selbstkritischer im Spiegel zu betrachten? Supervision für Lehrer wäre eine Option - leider bisher nur Privatsache. Daher fallen übrigens 80% meiner freiwillig-privat, obgleich billigst an der Vhs zu buchende Lehrer-Kurse aus: mangels Interesse für die einstige ‘Berufung’ wie sich selbst? Ist das vorbildlich klug?

    schrieb S. Korth am

  • #8

    Das wird die SOG-Wirkung, die es überall im Leben gibt, wenig stören, wenn jemand den Kopf in den Sand steckt und sich suggeriert, dass er sie ablehnen kann.
    Nehmen wir z.B. “ADHS”.
    Da wird von einem “Aufmerksamkeitsdefizit” geredet und das gilt als “wissenschaftlich” weil mit viel Aufwand viel dazu konstruiert wird.
    In WIRKlichkeit gibt es kein Aufmerksamkeitsdefizit.
    Die Aufmerksamkeit ist immer da,
    und sie geht dahin, wo es sie am stärksten hin ZIEHT.
    Die “wissenschaftliche” Pädagogik macht Druck und verliert damit die Aufmerksamkeit.
    Und dann macht sie noch mehr Druck und verliert immer noch mehr.
    Mit Druck kann man nicht ziehen.
    Da hilft nur LERNEN.
    Guten Erfolg!
    FRanz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #9

    Also mein Sohn wurde nicht gefragt. Er war schon VOR dem Schuleintritt nicht begeistert, kam am ersten Schultag frustriert heim (wir haben rein gar nichts gelernt), nach einer Woche wollte er nicht mehr hingehen (es war noch immer nichts gelernt worden). Er gab nicht nach, bis ich ihm die Konsequenzen eines ev. Fernbleibens wahrheitsgemäß beantwortete. Daraufhin war Ruhe, aber auf die Frage, ob es ihm in der Schule denn gefiele,  meinte er: Ja, die Pausen sind o.k.  Das ging so bis zur Matura, monatelang machte er gar keine Hausübungen, dann 15 an einem Wochenende (da Mahnschreiben der Deutschlehrerin ...ein Nichtaufsteigen angedroht hatten).
    Heute studiert er (Physik, internationale Wirtschaft) und das erste Mal hab ich heuer auf die Frage “Freust du dich, dass es weitergeht?” gehört “Ja, schon.”

    schrieb Ann am

  • #10

    Ich verabschiede mich und danke für die Debatte. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch !
    PS: Die neue Regierung setzt die alte Bildungspolitik fort. Die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie waren bereits nach einem Tag aus den Medien, die meisten Zeitungen haben sich nicht die Mühe gemacht, die Meldung “Deutsche Schüler immer besser” kritisch zu überdenken. Ohne eine gesellschaftliche Debatte über die “gute Schule” bleibt jede individuelle Lösung Augenwischerei, jede Debatte, wie diese hier, eine Eintagsfliege. Eine Schule mit “Sog-Wirkung” (Franz Josef Neffe) lehne ich ab, die Äußerungen sind sowieso nebulös und unwissenschaftlich.

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #11

    Schule wird NICHT dadurch besser, dass wir die SCHABLONE verbessern. Eben das hat doch jeder einzelne Reformversuch der letzten Jahrzehnte gezeigt.

    SCHULE wird überhaupt erst SCHULE (und nicht mehr das Gegenteil davon) wenn wir aufhören, eine SCHABLONE draus zu machen, in die wir jeden Tag alle hineinzwängen.

    Es pervertiert den SINN, wenn wir den Beteiligten immer nur vorschreiben, was wir ihnen offensichtlich selbst NICHT VORLEBEN.

    Dieses barbarische gegenseitige Unterdrucksetzen sollte endlich durch ein VORBILD abgelöst werden, das interessiert und SOG-Wirkung hat.-
    Genau dafür ist SOG das Grundprinzip der neuen Ich-kann-Schule.

    Ich grüße freundlich.

    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #12

    Kinder sind auch nur Menschen und es geht ihnen genau wie Erwachsenen um Anerkennung und Aufmerksamkeit. Unsere Bedeutung erhalten wir durch die Bedeutung die wir für andere haben.
    Leider sind die Anforderungen in der Schule nicht individuell genug um den durch “Unterforderung” und “Überforderung” entstehenden Frust zu vermeiden.
    Außerdem machen wir den Fehler den Schulen Aufgaben zu übertragen, die eindeutig nur in einem privaten Umfeld zu meistern sind.
    Kein noch so brillianter Lehrer, keine noch so geniale Lehrerin wird ein Kind dazu bringen sich für “schulische” Dinge zu begeisten, wenn es auf der Suche nach existenziellen Dingen ist.
    Kinder die das Gefühl haben, dass sie wichtig sind, sind leicht zu motivieren.
    Dieses Gefühl kommt aber ganz schnell abhanden, wenn sie in der Masse untergehen.
    Genau das passiert vielen in der Schule. Sie bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie brauchen um sich für den für sie eigentlich nicht relevanten Stoff zu begeisten. Oder sie sind längst Feuer und Flamme für eine Materie aber es interessiert niemanden und schon lohnt es sich nicht mehr.
    Schule wird dann besser, wenn sie klare Ziele formuliert, Individualität anerkennt und deutlich macht, wo die Grenzen ihrer Möglichkeit sind, damit die Gesellschaft nicht Aufgaben an die Schule deligiert, die diese niemals erfüllen kann.
    Auch Eltern müssen wissen wie wichtig sie für ihre Kinder sind, damit sie ihre Aufgabe gern und damit gut bewältigen können.
    Dann läufts auch in der Schule besser!
     

    schrieb Ellen Gause am

  • #13

    Mir geht es nicht um die Interpretation von Worthülsen.
    SCHULE war einmal etwas, womit LERNEN funktioniert.
    Das verändern wir ständig weiter ins Schlechte.
    Was wir ständig besser machen und perfektionieren sit nicht SCHULE sondern die FEHLER damit.
    Nicht aus romantsichen Gründen bestehe ich auf wirklicher SCHULE sondern aus praktischen, denn was wir daraus gemacht haben, ist nicht nur für Kinder unausstehlich sondern auch für alle beteiligten Erwachsenen.
    Wir passen uns ja gar nicht an.
    Die Krankheitsstatistik spricht da eine deutliche Sprache.
    AUFARBEITEN tun SICH die Lehrer mit dem, was sie treiben.
    Nicht nur Lehrer, auch ihre Oberaufseher scheinen im Alter ihre Dummheiten erheblich zu reduzieren. Ich denke da an einen jungen, 150%igen Schulamtsdirektorenanfänger, der nichts unversucht ließ, seine Papierpädagogik allen aufzunötigen und an den Schulamtsleiter, der zwar diesen Unfug nicht aufhielt aber doch immer wieder um Ausgleich bemüht war.
    Wenn wir Kinder nicht immer wieder selbst DEmotivieren würden, wäre Motivation m.E. weitestgehend überflüssig. Wenn uns das, was wir tun, selbst SINN gibt und Freude macht, werden wir viel ATTRAKTIVER = anziehender als mit nicht verstandenen Beeinflussungsversuchen.
    SUGGESTIVWIRKUNGEN VERSTEHEN, das müsste jeder LEHRER, wenn er gesund die Pensionsgrenze erreichen will.
    Wenn wir nur genau hinschauen und FÜHLEN, ist SOG kein bisschen schwammig.
    Sog ist das Gegenteil von Druck.
    Die Pädagogik ist immer noch so dumm, im Ernstfall die bewussten Anstrengungen zu verdoppeln. Das ist geradeso lkächerlich als wollte jemand einen Wettlauf dadurch gewinnen, dass er sich ein Bein durch eine Stelze aufs Doppelte verlängert. So kann man nur auf die Nase fallen.
    Wir müssen endlich lernen, MIT BEIDEN BEINEN ZU GEHEN.
    Wir leben in einer POLAREN Wirklichkeit.
    Druck und Sog sind physikalische Kräfte und es ist ungeheuerlich, dass wir eine Pädagogik so vollkommen an der Wirklichkeit vorbei konstruieren, dass sie die eine Hälfte der Realität einfach ignoriert und dann auch noch von allen verlangt, dass sie sich ihrem Irrtum unterwerfen und ihn wie das Goldene Kalb vergötzen.
    Druck und Sog.
    Bewusst und Unbewusst.
    Unterrichten und Lehren
    Müssen und Können.
    In die Schablone rein und aus der Schablone raus.
    Man kann nicht ungestraft die Hälfte des Lebens missachten.
    Keiner kommt davon ohne die Folgen tragen zu müssen.
    Ich denke, wir könnten es besser.
    Mit herzlichem Gruß

    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #14

    # 54 Franz Josef Neffe
    Die Verknüpfung Sinn-Freude-Lernen finde ich schlüssig, obwohl ich Ihre Methode nicht teile, nämlich die Bedeutung eines Wortes durch die historische Wortbedeutung, durch die Etymologie, abzuleiten. Ob “Schule” ein Ort des Innehaltens ist, hängt davon ab, ob wir, die Gesellschaft, dies wollen, die politische Debatte schlägt die linguistische. Die Widersprüche der “Schule” zur realen Schule kann (oder müsste eigentlich) jeder sehen, der damit zu tun hat: Lehrer, Schüler und Eltern. Und zwar jeden Tag ! Trotzdem scheinen wir uns anzupassen und daran gewöhnt zu haben, dass die jungen Menschen unterrichtet werden, ohne dass sie dabei etwas für sie Sinnvolles lernen. Sie, Herr Neffe, appellieren, den eigenen Verstand zu gebrauchen, und halten damit die Fahne der Aufklärung hoch. Tatsächlich unterscheiden sich die älteren Lehrer (ab 40) meiner Erfahrung nach darin, dass sie ihren Verstand gebrauchen und nur noch so tun, als würden sie sich nach dem Lehrplan richten (die jüngeren glauben oft, sie müssten nur methodisch besser werden, um die Schüler und sich selbst “besser” zu motivieren, was ja ein Irrtum ist). Diese individualistische Lösung (“der Älteren”), so vernünftig sie auch erscheint, ist doch eine Sackgasse, weil sie letztendlich die notwendige öffentliche Debatte darüber, was eine “gute Schule” ist (ist es nur ein Ort des “Innehaltens” ? - das wäre mir zu wenig und ohne Bezug zur Gesellschaft, an der der junge Mensch ja teilnehmen soll), verhindert.
    An diesem Punkt sind wir und haben ohnmächtig und vielleicht auch opportunistisch der Bildungspolitik das Feld für ihre G8-Experimente überlassen statt uns einzumischen und die Debatte selbst zu führen. Aber jetzt wiederhole ich mich (wer mag, siehe #25, #39 und #47).
    PS: Was Sie zum “Sog” schreiben, ist zu schwammig und weckt in mir (nur mir ?) ungute Assoziationen: “Sog in der Schule” ? Das hatten wir schon einmal und war gar nicht gut. Also: Ich will keinen Sog in der Schule !

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #15

    Wir sollten uns angewöhnen, erst etwas genauer hinzuschauen, ehe wir uns ein endgültiges Urteil bilden.
    Ich habe nie dafür plädiert, Kinder irgendwo hin zu zerren statt sie hin zu schieben. Beides zeigt nur, dass man mit den entscheidenden Kräften des Lebens nicht vertraut ist.
    In der Ich-kann-Schule lässt man sich was auffallen und/oder einfallen, was ZIEHT.
    Es geht um eine genauere Beachtung und einen sorgfältigeren Umgang mit den feinsten und entscheidendsten Kräften des Lebens.
    Ich hab auch gar nichts gegen Druck als solchen.
    Ich meine nur, wir sollten so weit kommen, dass wir ErDRÜCKung und ErZIEHung auseinanderhalten können. Wenn wir Druck machen, ist es ErDRÜCKung.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #16

    Sog ist auch Druck Herr Neffe, Sog zieht, Gras wächst nicht schneller wenn man dran zieht.

    schrieb GriasDi am

  • #17

    Der SPASS ist ein schnell abgebranntes Feuer, um den geht es gar nicht.

    Was den Kindern fehlt, wenn sie UNTERRICHTET werden, ist immer der für sie erfahrbare und verstehbare SINN.

    Wenn der SINN fehlt,kommt KEINE FREUDE auf.

    FREUDE - wenn man sie verstanden hat und sie aufkommen lässt - ist ein tief, stark und lang wirkendes Feuer.

    Wenn wir nicht so sehr auf die Übernahme von Vorgaben und die Abwickelöung von Untrerricht dressiert wären, ,müsste uns längst aufgefallen, wie extrem schwer LERNEN wird, wenn man UNTERRICHTET wird.

    UNTERRICHT ist eines der wirksamsten Lernhindernisse; das bleibt uns aber UNBEWUSST, weil wir es nie zu hinterfragen gelernt haben.

    UNTERricht richtet nach unten.

    Wenn es dabei anfängt, schwer zu gehen, machen wir noch mehr DRUCK.

    Von DRUCK werden die Talente nicht satt sondern matt (Burnout) und platt (Depression); es ist kein Zufall, dass BGurnout und Deprtession ständig wachsen und wir - durch Unterricht daran konditioniert - nicht davon loskommen.

    DRUCK komprimiert Mensch + Problem; das ist das exakte Gegenteil von LÖSUNG.

    Die Kinder verlieren also - wenn wir genau hinschauen - nicht den Spaß am Lernen sondern die Freude am Unterrichtetwerden.

    In der neuen Ich-kann-Schule ist SOG das Grundprinzip.

    Sog löst.
    Sog richtet auf.
    Sog macht wachsen.
    Mit Sog kann man Kräfte mühelos punktgenau lenken.
    Sogwirkung ist attraktiv = anziehend,
    Mit Sogwirkung kann man mitreißen und begeistern.

    Wenn ich nicht unterrichte sondern LERNE, kann ich Sogwirkung dadurch bekommen.

    LERNEN - von germ. “laisti = die Fährte” - bedeutet: FÄHRten des Lebens folgen, GeFAHRen bestehen, eigene ErFAHRungen sammeln.

    Wenn mich das, was ich auf meinen Lebensfährten erfahre, so begeistert, dass andere neugierig werden und mir VON SICH AUS FOLGEN wollen, bin ich LEHRER.
    Solange ich nur Stoff durchnehme, bin ich Unterrichtsvollzugsbeamter.

    Dann macht MEIN TUN SINN.
    Ahd. “sinan = der Weg”,
    und dann geht es auch für mich und meine Schüler auf dem WEG weiter.

    SCHULE von griech “scholae = innehalten, zu sich kommen, mit sich wieder eins werden” ist etwas anderes als ein Lehrplanabwickelinstitut.

    Stell dir vor, morgen verlangen deine Schüler: “Heute machen wir einmal SCHULE!”
    Wie ist das dann mit dem vorbereiteten Lehrplanvollzug?
    Musst du dann den Offenbarungseid leisten?

    Wenn wir uns daran gewöhnen könnten, statt des angelernten den eigenen Verstand zu gebrauchen, könnten SCHULE und FREUDE und Begeisterung fürs LERNEN schon möglich werden.

    Ich wünsche allen guten Erfolg.

    Franz Josef Neffe

    schrieb Franz Josef Neffe am

  • #18

    (#44) Die Maus
    Vielleicht war das “Wir” etwas unkonkret. Hier die Verbesserung: Wir könnten wissen, was guter Unterricht ist, wenn wir uns darum kümmern würden. Siehe #34 ; das sind nur zwei vernünftige Ansätze.
    Oder: Es gibt einige Lehrer, die wissen ...

    Zu deinem Fazit: Wir könnten zwar wissen, was guter Unterricht ist, es gelingt uns jedoch nicht diesen nachhaltig umzusetzen!

    Das könnte ich unterschreiben

    schrieb Christian am

  • #19

    (#44) Christian: “Natürlich wissen wir,was guter Unterricht ist.”
    wie ...
    (#51) Christian: “Ich bin mir auch sicher, dass unsere Motivationskrise nicht ausschließlich Ergebnis böser politischer Umstände ist, sondern dass sie - zumindest was das Gymnasium betrifft - daran liegt, dass es uns Lehrer nicht gelingt, nachhaltig zu lehren.”
    ... erklären sich diese 2 gegensätzlichen Aussagen?

    Wir wissen zwar, was guter Unterricht ist, es gelingt uns jedoch nicht diesen nachhaltig umzusetzen! OhOh.

    schrieb Die Maus am

  • #20

    #oliver gunkel-pfitzner

    Entschuldigung genommen! Aber ganz im Ernst: Es ist doch die Frage, was ich will und welche Kapazitäten und Freiheiten ich habe. Ich will: Ein gutes Leben führen - und dazu gehört, dass ich einen Beruf habe, der mich erfüllt. Und die Voraussetzung dafür ist, dass ich Mensch um mich habe, denen es möglichst gut geht.
    Und das sind motivierte Schüler, deren Motivation mein Erfolg ist. Mir ist schon klar, dass man viel Politisches tun könnte, aber ich kenne keinen Ansatz, der mich nur annähernd überzeugt. Ich bin mir auch sicher, dass unsere Motivationskrise nicht ausschließlich Ergebnis böser politischer Umstände ist, sondern dass sie - zumindest was das Gymnasium betrifft - daran liegt, dass es uns Lehrer nicht gelingt, nachhaltig zu lehren. Hier könntest du die politische Kiste aufmachen, weil die Nachhaltigkeit nicht gefördert wird, aber ich kenne keine Organisation, die sich das auf ihre Fahne geschrieben hätte.
    Und ich widerspreche dir: Das kranke Bildungssystem für die Motivationskrise verantwortlich zu machen, ist mir zu einfach; da verlagern wir wieder Verantwortung nach außen und schützen unser positives Selbstkonzept.
    Ich wage die Aussage, dass selbst dann, wenn wir alle Weichen in ein bildungspolitisches Paradies stellen könnten, würde sich nicht viel ändern, weil der wesentliche Fehler bei uns liegt, denen es nicht gelingt nachhaltig zu unterrichten.
    Versteh mich nicht falsch: Ich will die Politik nicht aus der Verantwortung lassen, aber wir brauchen sie erstmal nicht, wenn es um ein Umdenken geht. Wir brauchen sie dann, wenn wir wissen, was wirklich helfen könnte und Geld kostet: Größere wahrnehmungsoptimierte Klassenzimmer, schulnahe Nachilfeinstitute ...

    schrieb Christian am

  • #21

    Mit grossem Interesse habe ich diese Diskussion gelesen.

    Spannend finde ich die Fragestellung “Spass am Lernen” vor dem Hintergrund der Studie, daß diese von einem Verlag und einer Softwarefirma ins Spiel gebracht wurde.

    Vor dem Hintergrund von getroffenen Aussagen zum Lernen in der Schule, wie “Acht Jahre verlorene Zeit ...” und “Schule verlangt Leistung, Disziplin, Fleiss, Durchhaltevermögen. Spass ist hier falsch ...” und “So macht Schule Spaß! Und trotzdem, besser gesagt, deswegen wird auch gelernt: ...”, frage ich mich, ob wir in Deutschland jemals vom bildungspolitischen KleinKlein, in sechzehn provinziellen Dialekten, abkommen.

    Natürlich gibt es ein freiwilliges Lernen, das den Menschen auch Spass macht und Spass bringt.
    Daß eine Schule, die deswegen keinen Spass machen muss, weil dort eine Schulpflicht herrscht, sich nicht darum bemüht, ist logisch. Hier muss sich das Lehrpersonal keine Mühe, die Klienten inhaltlich zu binden. Der Auftrag ist effektive Stoffvermittlung und das einüben standardisierter Konventionen.

    Auch wenn Lehrer dies gerne negieren, erwartet wird, dass die Schüler für den Arbeitsmarkt zurecht gebügelt werden.
    Vorgabe war in manchen Bundesländern lange Zeit, 30% Hauptschüler für die niederen Tätigkeiten, 30% Realschüler für die mittlere Laufbahn und 30% Gymnasiasten für die Führungsebene. 10% hat man als unbeschulbar abgeschrieben. 

    Durch PISA wurde alles anders. Wir wurden vergleichbar. Und es wurde festgestellt, wir sind nicht die besten. Die bisherige dreigliedrige Ordnung wurde in Frage gestellt, denn Finnland ist besser. Ohne die Dreigliedrigkeit. Vielleicht sogar noch mit mehr Spass? Und mit ohne flächendeckende Frührente für Lehrer? Und ohne Beamtentum und mit weniger Gehalt?

    Beim einen lachen sich die Schüler kaputt, wenn man diese Fragen stellt, der andere scheint eingeschnappt und sich beleidigt zu fühlen (#48), weil seine Kollegen zitiert werden (#45).
    Ich verstehe diese Zusammenhänge nicht.
    Wieso soll darf kann es keinen Spass beim Lernen geben?
    Wieso müssen sich die Schüler deswegen kaputt lachen (#27)?
    Wieso müssen Lehrer immer sofort beleidigt sein, wenn jemand Fragen stellt oder fordert, daß das was sie selbst täglich mit grosser Genugtuung zelebrieren, das Benoten, daß diese Praxis ebenso exzessiv auf sie selbst angewandt wird?

    schrieb Der Klaus am

  • #22

    # 48 Christian
    Lieber Christian, deine Kritik richtest du irrtümlicherweise an Rabulist, obwohl ich deine Haltung kritisiert habe. Es tut mir leid, dass du meine Worte so persönlich genommen hast; ich kenne dich ja gar nicht, also ging es mir natürlich nicht um dich, sondern um deine hier im Forum mehrmals geäußerte Meinung. Ich halte es für fatal, wenn wir Lehrer unseren Blick nicht über unseren Unterricht hinaus auf übergeordnete Fragen richten.  Vor 10 Jahren habe ich auch gedacht, guter Unterricht sei alles. Aber die Demotivation der Schüler und Lehrer ist doch ein Symptom für ein “krankes Bildungssystem” und nicht allein durch guten Unterricht zu lösen (auch wenn dieser elementar ist).  Also, nichts für ungut !
    # 46 Jens
    Was folgt aus deinen rhetorischen Fragen ? Ein “Nein”. Ich habe unter # 39 ein paar Forderungen aufgezählt. Was hältst du davon ?

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #23

    #Rabulist
    Mir Resignation und Naivität zu unterstellen halte ich für arrogant und unverschämt. Es bestätigt mich in meiner Meinung, dass es besser ist nicht mit jedem die Kommunikation zu pflegen.

    schrieb Christian am

  • #24

    # 45 Rabulist
    Danke für deine Links. Wer sich von der elitären Ausdrucksweise nicht abschrecken lässt, findet Interessantes:
    1.) Die Schule soll “Versager entlassen” und die Lehrer sollen “die Achtung vor dem Beruf” nicht verlieren und die “Schüler entflammen”. Soweit Bueb. 2.) “Erfolg sei nicht alles”, (aber ?) es sei sicher notwendig, “die einzelschulische Anarchie in den Griff zu bekommen”. Soweit Zellner. Stark verkürzt, ich weiß.
    Beide Positionen, so konträr sie auch sind, sprechen die gleiche Sprache: sie sind aggressiv, einseitig und äußern sich abschätzig über (schlechte - was ist das ?) Lehrer bzw. Eltern und die Schule.
    Beide sprechen vom Versagen, von der Schuld und den Schuldigen.
    Es ist lustig, dass ihre Forderungen (so absurd sie sind, um nicht zu sagen: bescheuert) uns zum Kernproblem der Schule in Deutschland führen, nämlich im mangelnden gegenseitigen Vertrauen aller Beteiligten. Der mangelnden Wertschätzung, der mangelnden Handlungsfreiheit (“Anarchie” ist das für Zellner und viele andere, weil sie Angst davor haben), dem mangelden “Gottvertrauen”, dass alles gut wird. Es ist eine sehr deutsche Eigenschaft, möglichst nichts dem Zufall zu überlassen, alles und jeden zu kontrollieren. Aber sollten wir uns von unseren Ängsten treiben lassen ? Mich wundert, was seit PISA 2001 in Deutschland passiert ist, nicht, aber ich bedaure, dass Menschen wie v.Hentig und Enja Riegel aus der bildungspolitischen Debatte ausgeschieden sind. Ich vermisse sie. Sie waren nicht von ihren Ängsten getrieben !
    # 42 Christian
    ...deshalb ist der Rückzug auf seinen Unterricht und seine Schüler zwar nicht falsch (überhaupt nicht: guter, motivierender Unterricht ist elementar), aber ohne eine politische Aktivität (ich meine nicht parteipolitisch) z.B. in seiner Schule, etwa wo die Schulleitung Diskussionen über G8/G9 unterdrücken, eine Form der Resignation, die auch stückweise naiv ist. Verständlich, aber naiv.
    # Ursula 41
    Wir haben die Politik den “Politikern” überlassen. Das war ein Fehler.

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #25

    Die obige Studie behauptet: “Kinder verlieren in der Schule den Spaß am Lernen”

    Herr Rau ergänzt: Wie so oft wird hier natürliche Reifung mit Lernen im lernpsychologischen Sinn verwechselt. (Impliziert das nun, dass Lernen im lernpsychologischen Sinn spassfrei sein muss?)

    Lehrerfreund sagt: “Es geht ja nicht um Fun, sondern um die Frage, ob jemand _gerne_ lernt.”

    Andrea lässt uns wissen: “Dass die Leistungen in der Schule nicht mit den Leistungen während des Studiums und im Beruf korrelieren, ist allseits bekannt. ... Das ist eben meist keine Spaßveranstaltung, sondern mit mühsamem Üben verbunden.”

    Ursula kommentiert: “... die Motivation von Kindern hängt wesentlich davon ab, wie sehr sich auf sie eingestellt wird. Das lernen Lehrkräfte aber nicht unbedingt in der Ausbildung.”

    Christian doziert: “Selektion im jetzigen Modus würde diese Elite zu sehr verkleiner und sie zu sehr belasten.”

    Und die Süddeutsche Zeitung schreibt am Wochenende:
    A1. Geht es euch gut? Feelgood-Manager haben nur einen Auftrag: Alle sollen froh sein!
    A2. Was sich Unternehmen alles einfallen lassen, damit junge Mitarbeiter Spass an ihrem Job haben. UND damit sie gut (!) funktionieren.
    A3. Grössere Betriebe tun mehr für die Gesundheit
    A4.Viele Bewerber wissen nicht, dass sie mit Reverenzen besser punkten können als mit Arbeitszeugnissen!

    In welcher Welt leben wir nun?
    Wenn 1. gute Beziehungen (= Reverenzen?) mehr zählen als Arbeitszeugnisse (= Leistungsbenotung)
    Wenn 2. Unternehmen sich gleichzeitig so sehr um ausreichenden Spass und die ganzheitlichen Wohlfühlfaktoren ihrer Mitarbeiter sorgen, dass diese ihre optimale Leistung abrufen können und wollen
    Wenn 3. wir nicht gelernt haben unsere Schüler zu motivieren
    Wenn. 4. diese ganze spasslose und ineffektive Schinderei für die Katz war, weil am Ende doch nur Papis Beziehungen zählen, ...

    ... dann müssen wir uns vielleicht langsam fragen, ob der uns von der Gesellschaft übertragene Auftrag, von uns noch adäquat so erfüllt wird, dass wir diese möglicherweise komplett sinnlose Schinderei noch vor uns selbst rechtfertigen können?

    Machen wir einfach weiter? Nach dem Motto: Augen zu und durch!

    Nach uns die Sintflut?

    schrieb Jens am

  • #26

    Lehrer verlieren den Spass an der Schule

    Nur noch 10% der Lehrer gehen nach 20 Jahren freudig zur Schule.

    Haben Kollegen wie Bueb daran Schuld, wenn sie behaupten:

    Auf den Lehrer kommt es an: den Beamtenstatus abschaffen sei der erste Schritt. Weg von falschen Privilegien und hin zu vermehrter Kontrolle, heißt die Losung. Mangelhafte Leistung muss Sanktionen nach sich ziehen, nicht nur für den Schüler, sondern auch für den Lehrer.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/schule-erziehung-stellt-den-lehrer-in-die-mitte-der-debatte-1701028.html

    Oder ist Schule doch nur als vegetarische Kartoffeleinheitsbreipampe, nach Kollege Zellner, zu betrachten:

    Auch der ministerielle Versuch, Restelemente einzelschulischer Anarchie durch Vergleichsstudien, Evaluationsprokrustesbetten und die Ausräucherung kontrollfreier Restresiduen in den Griff zu bekommen, ist sicher notwendig, bleibt aber nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/optimierungswahn-in-der-schule-anstrengende-eltern-angestrengte-kinder-12670511.html

    Beisst sich der Kollege Zellner womöglich mit seinen doppelt gemoppelten ‘Restresiduen’ selbst ins Bein? Hat er wirklich selbst verstanden was er da von sich gibt?
    Wie werden mangelhafte Leistungen im Kollegium bewertet?
    Wird das zukünftig über die negativ ausfallenden Leistungen der Schüler bewertet?
    Wie stellt sich Bueb das konkret vor?
    Sind wir nicht überwiegend der Meinung, unsere Schüler müssen liefern! Versagen sie, haben sie und meist noch ihre Eltern Schuld daran? Und wer nicht liefert, hat weder das Recht auf einen Platz in der grossen Koalition, noch auf einen Platz an einer weiterführenden Schule? Wieso meint Bueb, solle das jetzt plötzlich auch für die Lehrer gelten? Wird er durch Hattie legitimiert?

    schrieb Rabulist am

  • #27

    #Heinz-Günter
    Natürlich wissen wir,was guter Unterricht ist. Dazu gibt es mehr als eine aktuelle Untersuchung. Ich befürchte nur, dass man - dem relativierenden Individualismus huldigend - solche Untersuchungen einfach ignoriert. Wozu hat man schließlich auch Psychologie und Pädagogik studiert?
    Dass Schulnoten mit Universitäts- bzw. Berufserfolg nicht korrelieren, ist einfach Quatsch. Sie korrelieren halt nicht so, dass die Prognosen sicher sind. Aber alle anderen Prognose-Werkzeuge erwiesen sich als noch unsicherer.
    Aber ich gebe dir recht, dass das selektierende Schulsystem nicht mehr zeitgemäß ist; allerdings aus anderen Gründen: Wir tun noch so als hätten wir eine immense Jahrgangskohorte, bei der es reicht, wenn ein kleiner Prozentsatz eine “Elite” bildet. Das war uns ist ein billiges Instrument,das der politischen Kaste sehr ins Konzept passt.
    .Jetzt gibt es aber diese große Jahrgänge nicht mehr und folglich müssen wir jetzt unsere Eliten noch mehr fördern und gut ausbilden, damit sie die Last ihrer Generation überhaupt tragen können. Selektion im jetzigen Modus würde diese Elite zu sehr verkleiner und sie zu sehr belasten. Aber dieses Fördermodell ist eben teurer und daher für unsere Volksvertreter nicht akzeptabel. In Norwegen gab es schon in den 80er Jahren ein ähnliches Modell. Ich weiß allerdings nicht, was daraus geworden ist.

    Wenn wir uns die Welt als veränderbar träumen würden, bräuchten wir ein mehrgliedriges Schulsystem mit Eingangsprüfungen (auch Tests wären denkbar), die solide feststellen, welche Schule die richtige für das Kind ist, und dann brauchen wir die bestmögliche Förderung, wenn das Kind in einem bestimmten Schultyp ist. Hier könnte man - je nach dem - auch auf Noten verzichten.
    Und wann ist mein Unterricht erfolgreich? Wenn meine Schüler bei mir motiviert lernen - wenn sie also mit Freude lernen! Ich orientiere mich am Lehrplan und dem, was die Schüler zu leisten in der Lage sind. Warum soll ich mich an Kollegen orientieren?

    Ich würde dir gern auch noch auf das andere antworten, aber sie erscheinen mir für diese Fragestellung zu administrativ. Nur noch ein Wort zu offiziellen Absprachen mit Kollegen: Ich vermeide sie, weil sie in der Regel viel Zeit kosten und meist aus einer Position der Ängstlichkeit gegenüber Eltern und Behörde entstehen und häufig dazu dienen, Verantwortung zu delegieren. Informelle Absprachen mit einzelnen Kollegen haben meist eine höhere Verbindlichkeit und sind meist pragmatisch und zukunftsorientiert - zumindest bei den Kollegen,mit denen ich zusammenarbeite. ;-)

    schrieb Christian am

  • #28

    Was ist guter Unterricht? Wir wissen es nicht!

    Jetzt will ich mal wirklich eine jeweils ehrliche Antwort von euch:

    Woran orientiert ihr euch bei der Erfolgsmessung eures eigenen Unterrichtes?
    Am Lehrbuch und wie effektiv die SuS diesen Stoff inhalieren und wiedergeben?
    Am Kollegium und dessen oft kruden und widersprüchlichen Vorstellungen?
    An den im Studium und Referendariat vor- und nachgebeteten Unterrichtsstrategien und deren Gelingen?
    An den Lehrplanvorgaben?

    Gibt es an eurer Schule ein Curriculum, das definiert, was jeweils am Ende einer Jahrgangsstufe erlernt werden sollte?
    Ist dies jeweils sinnvoll aufbauend von Jahr zu Jahr? 
    Und wie soll dieses Erlernte jeweils bewertet werden?
    Was passiert, wenn eine/r der KollegInnen ausfällt (wegen Krankheit, o.ä.) und die Klasse deshalb den Stoff nicht vermittelt bekommt?
    Wie wird die Pubertät und deren Spezifitäten in den Unterricht integriert? Sind pubertäre Veränderungen überhaupt bekannt und werden diese positiv in den Unterricht integriert?
    Stimmt sich euer Kollegium ab, ob sinnvoll Überschneidungen gleichzeitig behandelt werden und aus als solche thematisiert werden?

    Soll Schule nur Leistung als Stoffsammlung und Stoffverwertung bewerten?
    Muss Schule selektieren?
    Wenn es stimmt, “Dass die Leistungen in der Schule nicht mit den Leistungen während des Studiums und im Beruf korrelieren, ist allseits bekannt.”, welchen Sinn macht Schule dann in der aktuellen selektiven Form? Denn dann scheint die Aussagekraft von Noten gegen ‘Null’ zu tendieren?

    Wenn diese Aussagekraft jeweils gegen ‘Null’ tendiert und die Nachhaltigkeit des so erworbenen Wissens ebenso, wieso darf diese scheinbar ‘sinnfreie’ Veranstaltung dann sowenig Spass, Freude, Fun (oder wie auch immer ihr das noch nennen wollt) machen, dass wir so bemerkenswert viele sinnlos frustrierte KollegInnen und SchülerInnen aus dieser Institution entlassen müssen?
    Die einen weil sie keine Freunde am Unterricht haben, die anderen, weil sie keine Freunde am Lernen entwickeln oder diese Freude verloren haben.
    Und die vorliegenden Zahlen sprechen leider eine deutliche Sprache.

    schrieb Heinz-Günter am

  • #29

    Noch einmal: Ich will nicht die Welt retten, sondern nur so arbeiten, dass meine Schüler und ich motiviert und erfolgreich sind. Daher ist mein Gedanke ganz pragmatisch: Wie kann ich etwas ändern, ohne dass ich darauf hoffen muss, dass andere sich verändern? Erfahrungsgemäß machen sie das nämlich nicht. Die Lösung muss bei mir als Lehrer liegen, und wenn ich da den Spielraum ausschöpfe, den ich habe, ist immer noch ganz viel Luft nach oben.

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

    schrieb Christian am

  • #30

    #37 Andrea:
    Um Fleiß, Disziplin und Respekt vor Erwachsenen (und MitschülerInnen) zu erlernen, muss ich meine Kinder nicht in die Schule schicken. Das mag sicher nicht überall so sein. Aber von Schule erwarte ich in erster Linie die Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Haltungen - und zwar sehr viel grundsätzlicheren Haltungen als Fleiß und Disziplin. Für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern muss Schule in erster Linie den Sinn für Bildung vermitteln und dann diese individuell angepasst fördern. Und da - das haben ja nun schon mehrere festgestellt - hapert es wohl doch massiv.

    #39 Oliver Gunkel-Pfitzner:
    Endlich mal einer! Ja, das glaube ich auch! Wir brauchen wieder eine auch politische Bildungsvision. Was aber vermutlich nicht leicht wird angesichts des beruflichen Hintergrunds vieler Politiker/innen. Obwohl die’s ja eigentlich besonders gut kennen müssten! Und es gibt bei den Diskussionen auch Probleme: dann wird wieder eine neue Schulform eingeführt oder ein neuer Lehrplan und dann geht der Ärger von vorn los. Was wir brauchten m.E.: Bundesweite Strukturen und einen gesamtgesellschaftlichen Bildungskonsens mit Engagement aller Gruppen - Wirtschaft inklusive! Ohne die permanente Unterstellung, dass die nur Kunden werben wollen, wenn sie fördern.
    Und vielleicht noch was: Vertrauen in die Kids und die Zukunft, Optimismus, positive Weltsicht. Die Fähigkeit, das Positive zu sehen und nicht nur die Fehlentwicklungen. Lehrer, die ihr Selbstvertrauen und eine grundsätzlich nachsichtig-fördernde Haltung zu Kindern und Jugendlichen behalten.

    schrieb Ursula am

  • #31

    So macht Schule Spaß! Und trotzdem, besser gesagt, deswegen wird auch gelernt:
    https://www.youtube.com/watch?v=AiHVokSmtuE

    schrieb Gerd Haehnel am

  • #32

    # Ann: Das kann ich bestätigen, meiner Tochter (inzwischen 7. Klasse) geht es genauso. Obwohl sie grundsätzlich gerne lernt,  geht sie nicht gern zur Schule, und das seit der 2. Klasse ! Schule ist eine Mischung aus Über- und Unterforderung, wodurch Erschöpfung und Langeweile die häufigsten Gefühlszustände der Schüler sind. Nicht Neugierde, nicht Spaß, nicht Vorfreude. Freude, wenn Unterricht ausfällt. Frustration, wenn Lehrer monologisieren und im Unterricht nichts gelernt wird.
    Schule wird überschätzt. Von den Eltern, den Lehrern, der Gesellschaft. Erfüllt sie selbst die Ansprüche, die sie von den Schülern erwartet ? Nein. Schon bei lösbaren Problemen wie dem “Vertretungsunterricht” versagt sie i.d.R und langweilt die Schüler oft durch Filme Gucken und Stadt-Land-Fluss Spielen : ein Armutszeugnis ! Und der gesellschaftliche Rahmen ? Der Schulabschluss verspricht unverbindlich einen beruflichen Aufstieg, tatsächlich ist die Massenarbeitslosigkeit und die staatlich subventionierte Minderbezahlung ein Skandal, an den wir uns gewöhnt haben. Die Institution Schule ist dabei ihre Legitimation einzubüßen, wenn man ohne sie auch Erfolg haben kann. Und das ist heute der Fall.
    # Herr Rau: Schule ist Arbeit und Arbeit macht keinen Spaß ? Diese Haltung ist unwissenschaftlich und zynisch. Sie schiebt die Schuld für Misserfolge den Schülern zu (“zu faul und zu blöd”) und weigert sich, jegliche Verantwortung für die Ergebnisse zu übernehmen. Das dreigliedrige Schulsystem ist ihre Waffe, die angebliche bessere Förderung in den Schulzweigen ein Hohn. Die angeblichen bayrischen Spitzenergebnisse sind manipuliert, weil von Anfang an die Schüler selektiert werden. Jedes Bundesland hätte bayrische Verhältnisse, wenn es nur 25% zum Abitur durchließe. Was leistet also Bayern außer sein trotziges “Mia sam mia” ? Es verbreitet Angst unter den Schülern und ist stolz darauf.
    # Christian/ spaßbremse: Lernen muss nicht immer Spaß machen, Frustration ist Teil eines jeden Lernprozesses. Aber wenn dies ein Dauerzustand wird und die Schüler resignieren, dann ist es aus mit der intrinsischen Motivation. Und mit dem Lernen.  Man könnte sagen: Spaß ist nicht alles, aber ohne Spaß ist alles nichts.
    # Christian/ Fred: Wir bräuchten eine mutige Bildungspolitik, die anstelle von Effektivität, Kontrolle und dem ewigen Herunterbeten von angeblichen Erfolgsmeldungen der vielen Vergleichsstudien (das ist doch nur ein Pfeifen im Wald) eins setzt: Verantwortung.
    Auch die Schule könnte ein anderes Lernklima schaffen, das Verantwortung für die individuellen Lernprozesse übernimmt (Mehr rückmelden statt bewerten und benoten), das sich an den Stärken der Schüler orientiert (Mehr loben !). Eine intelligente Schule (ich halte unser Schulsystem für borniert, weil es aus ihren Fehlern nicht lernt !) würde mehr Lern-Anreize schaffen, wäre überraschender, offener, kreativer im Tagesablauf, würde die Fächergrenzen auflösen und damit den Fachlehrer und die Fachwissenschaften (spannend ist doch, einmal Chemie und Politik zu verbinden, Ethik und Physik !). Wir brauchen in erster Linie Pädagogen, die auch Didaktiker sind, denn Sinn und Zweck der Schule ist der Schüler, wir haben aber Fachwissenschaftler mit pädagogischem Wissen in homöopathischen Dosen. Wir brauchen andere Zeugnisse (Lernentwicklungsberichte !). Wir brauchen alle Generationen im Haus der “Schule”, also die VHS-Kurse zur gleichen Zeit wie der Unterricht. Wir brauchen Lehrer, die nicht ein Leben lang nur lehren, sondern die sich nach und nach das Wissen anderer Fächer aneignen und selbst Lerner sind, und zwar im Unterricht ihrer Kollegen. Schulleitungsmitglieder sollten nach fünf Jahren wieder als Lehrer arbeiten und Schulämter kein Sammelbecken von Karrieristen und Schulmüden werden (daher auflösen !).
    Kurz: Jeder Lehrer muss für sich eine individuelle Lösung suchen, wie er (im Unterricht) glücklich wird, aber ohne eine politische Diskussion, ohne eine Vision lösen wir die grundsätzlichen Probleme der Schule nicht.

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #33

    Hallo Ann,

    “Von Angang an wurde in der Schule einfach zu wenig verlangt.”

    Mir erging es ähnlich: Die Schule kann nicht wissen wen sie vor sich hat. Es sind zu viele Schüler mit jeweils vielen individuellen Potenzialen. Der beste Lehrer der Welt kann sie nicht entdecken und fördern. Die Eltern auch nicht. Und der Einzelne ebenso nicht.

    Deshalb brauchen wir eine völlig neue Bildungskultur mit völlig neuen Instrumenten, welche in der Lage sind, den Einzelnen ins Zentrum des pädagogischen Geschehens zu stellen. Der Einzelne muss als ein souveränes Wesen geachtet und gefördert werden.

    Das ist - wie gesagt - schulisch unmöglich.

    Möglich aber ist es, wenn man die ganze Menschheit mit all ihren Kompetenzen als Kompetenz-Pool in den lebensbegleitenden Selbstbildungs-Prozess einbindet. Der Einzelne “pickt” sich aus diesem Pool diejenigen heraus, die er zur Weiterentwicklung seiner Potentiale benötigt. All dies und noch mehr kann man unter http://www.flyer.edeju.de entdecken. Der Kern ist der http://www.cleverle-navi.de - der als Diskussionsgrundlage dient - bevor er einem Modernisierungsprozess unterzogen wird.

    schrieb Wolfgang Helmeth am

  • #34

    @Ann
    Dass die Leistungen in der Schule nicht mit den Leistungen während des Studiums und im Beruf korrelieren, ist allseits bekannt.

    In der Schule wird nur eine Wissensbasis gelegt. Das ist eben meist keine Spaßveranstaltung, sondern mit mühsamem Üben verbunden. Manche Schulen praktizieren sehr erfolgreich selbstorganisiertes Lernen, dazu müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein.

    Sie schreiben: “Im Gymnasium hat er dann begonnen, die LehrerInnen nicht mehr ernst zu nehmen…”. Schüler erlernen ja heute “Kompetenzen”. Sind Fleiß, Disziplin und Respekt (vor Erwachsenen) heute keine Kompetenzen mehr? Ich finde das in keinem Lehrplan.

    @Spassbremse
    Sehr gute Fragen!

    schrieb Andrea am

  • #35

    @ann
    Für deinen Sohn hat die Schule zu wenig verlangt. Für andere Kinder mag es ja gepasst haben.
    Es gibt eine Theorie aus dem letzten Jahrhundert, die das ganz gut erklärt: Sie stammt von D.E. Berlyne, einem amerikanischen Psychologe, der zu den Behavioristen gezählt wird, was seine Theorie somit dem Vorwurf entzieht, sie sei zum wenig empirisch ausgelegt.
    Das Wesentliche der Theorie lässt sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Ein Organismus ist ständigen Einflüssen der Umwelt ausgesetzt. Er ist darum bemüht das körpereigene Gleichgewicht zu erhalten. Trifft nun ein Reiz auf den Organismus, der zu den Schemata passt, die der Organismus bereits kennt, löst das keine Reaktion aus, weil das Gleichgewicht nicht gestört ist; trifft er auf einen Organismus, in dem das Schema nicht angelegt ist oder in dem es nur Schemata gibt, die zu wenige Gemeinsamkeiten mit der neuen Information haben, blockt der Organismus die Rezeption ab und erhält damit das Gleichgewicht. In unserem Fall heißt das: Der Schüler entwickelt eine Fremdheitserfahrung und will von dem Neuen nichts wissen. Trifft der Reiz auf ein Schema, weist aber noch genügend Unterschiede dazu auf, dann entsteht aus dieser positiven Spannung Neugiermotivation, weil der Organismus diese entstandene Spannung dadurch ausgleichen will, indem er mit anderen Information kombiniert die neue Information in das bestehende System integriert.  Dass an diesem Modell etwas dran sein könnte, zeigen die Ergebnisse der PISA-Studie, in der der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und Schulabschluss deutlich wird. Berlyne würde das damit erklären, dass ein Kind aus einer bildungsorientierten Familie von Vornherein mehr Wissen und damit Anknüpfungspunkte für neue Informationen hat als ein Schüler aus einer bildungsfernen Familie und folglich weniger Fremdheitserfahrungen hat und mehrNeugier entwickelt.
    Interessant ist dabei, dass uns Berlyne immer nur eine Erklärung lieferte, wie diese Neugier entsteht: neuartig und komplex sollte der neue Reiz sein; der Einzelne darf nur angemessen viel davon wissen und es sollte eine kleinen Konflikt zwischen dem vorhandenen Wissen und der neuen Information geben. Das ist ja schön und gut. Und das wissen wohl auch einige. Was wir aber großzügig übersehen haben, ist der Umstand der Fremdheitserfahrungen, sofern die neue Information allzu weit von den vorhandenen Schemata entfernt ist. Und das ist unser großes schulisches Problem: Wir produzieren bei den meisten Schülern Fremdheitserfahrung über Fremdheitserfahrung, ohne es zu merken, weil wir dem Schüler unseren Stoff nur anbieten, ohne sicherzustellen, ob er ihn auch gelernt hat. Wenn er ihn nicht gelernt hat und wir dennoch daran anknüpfen, haben wir die klassische Fremdheitserfahrung produziert, bei der der Schüler dann immer mehr auf Tauchstation geht. Damit niemand bemerkt, dass der Unterricht an ihnen vorbeiläuft, investieren sie ihre Energie in die Vertuschung ihres Unwissens. Eine von vielen Möglichkeiten ist es, den Unterricht mit Störungen zu sabotieren.

    Bei deinem Sohn waren es nicht die Fremdheitserfahrungen, sondern das vorhandende oder zu leicht zu erwerbende Wissen, was dazu führte, dass der Unterricht an ihm vorbei lief. Der Organismus reagierte einfach nicht auf den Input.
    Dass er sich die Erfolge, die er in der Schule nicht bekam, dann bei Computerspielen holte, ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen, das wir alle kennen. Wahrscheinlich wäre es ihm aber andersrum lieber gewesen.

    schrieb Christian am

  • #36

    Mein Sohn war ein extrem wissbegieriges Kind, bis er in die Schule kam. Schon nach zwei Tagen wollte er nicht mehr hingehen (wir tun ja nichts). Im Gymnasium hat er dann begonnen, die LehrerInnen nicht mehr ernst zu nehmen (es wurde Fleiß bewertet und nicht Leistung) - und ich hatte Mühe, ihn “durchzubringen”. Es gelang mir, indem ich mich mit “Du solltest nur durchkommen; Noten sind mir egal.” zufriedengab. Zweimal hatte er eine Wiederholungsprüfung (Geschichte, Latein) - dauernd bekam ich Mahnungen. Da musste er dann auch mal Hausübungen machen, sonst war der Computer im Keller. Ansonsten habe ich ihn machen lassen. Sein Maturazeugnis schaut dementsprechend aus.

    Aber jetzt - er absolviert mühelos zwei Studien nebeneinander (Internationale Wirtschaftswissenschaften und Physik) - überflügelt er seine Mitschüler, die mit Auszeichnung abgeschlossen haben.

    Von Angang an wurde in der Schule einfach zu wenig verlangt.

    schrieb Ann am

  • #37

    Zweiter Versuch:

    http://www.bildung.koeln.de/imperia/md/content/selbst_schule/downloads/andreas_helmke_.pdf

    und für die etwas Konservativeren:

    Helmke, A. (2009). Was wissen wir über guten Unterricht? Über die Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf den Unterricht als dem “Kerngeschäft” der Schule. IfR Informationen für den Religionsunterricht, 63, 55-59.

    @Spassbremse
    Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Schüler von uns gar nicht erwarten, dass das, was wir tun, besonders unterhaltsam ist. Wohl dem, der über diese Fähigkeit verfügt!
    Unseren Schülern würde es schon reichen, wenn sie nach einem Schultag, das Gefühl haben, dass sie etwas gelernt haben und dass es Menschen gibt, die dafür sorgen, dass das, was sie jetzt gelernt haben, als Wissen auch nach einem Monat noch zur Verfügung steht, wenn neues Wissen daran anknüpft.

    schrieb Chistian am

  • #38

    @Spassbremse
    Es geht ja nicht um Fun, sondern um die Frage, ob jemand _gerne_ lernt.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #39

    Was mich interessieren würde, wie beurteilt ihr überhaupt den Spassfaktor?
    Muss Schule überhaupt Spass machen?
    Welche Aufgabe und welches Ziel sollte Schule/Bildung haben?
    Und woran liegt es, dass Schule als spassbefreite Zone gilt?
    Woran liegt es, dass die Krankheits- und Frühpensionsquote nirgendwo höher ist, als bei Lehrern?
    Was hat sich mit dem G8 daran geändert?
    Sind Hausaufgaben generell spasslos und müssen sie so sein?

    schrieb Spassbremse am

  • #40

    Zu meinem Roman “Viktor und die Macht der Farbschattenklänge” gibt es ein Nachwort, das sich mit dem hier angesprochenen Problemkreis aus der Sicht eines Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie beschäftigt - mit interessanten Thesen. Ich habe es hier ins Internet gestellt:
    http://gerd-haehnel.de/farbschattenromane/nachwort-zum-roman-von-dr-rainer-scheel/

    Wer sich also für die Ausführungen von Dr. med. Rainer Scheel aus Essen interessiert, die auf den Erfahrungen aus seiner Praxis beruhen, möge dort einmal hereinschauen.

    schrieb Gerd Haehnel am

  • #41

    Hallo Christian,
    vielen Dank für den Link, aber der funktioniert so nicht, Bei selbst… fehlt was.

    Wolfgang

    schrieb Wolfgang Helmeth am

  • #42

    oder:
    http://www.bildung.koeln.de/imperia/md/content/selbst…/andreas_helmke_.pdf

    schrieb Christian am

  • #43

    Oliver hat vollkommen Recht - sagt jemand, der das Unrechtssystem selbst erlebt hat. Ich. Es war mir aber damals garnicht bewusst. Acht Jahre verlorene Zeit - 1950 bis 1958 katholische Volksschule in Plittersdorf. Als geborener Autodidakt - sage ich heute - hätte ich mir all das, was bis heute dank der Schule übrig geblieben ist, in wenigen Wochen selbst beigebracht. Ohne die jahrelange gut gemeinte “pädagogische Folter” erdulden zu müssen. Autodidaktisch machte ich mich auf den Weg und wurde zunächst Entwicklungsingenieur Elektronik, und zunächst parallel, dann beruflich, Entwickler einer völlig neuen Bildungskultur, welche auf der Autodidaktik beruht. Auch das habe ich mir autodidaktisch angeeignet.
    Also - es geht auch anders.
    Früher, als es noch keine Schule gab, erlernten die Kinder die Berufe der Eltern. Ausnahmen ausgenommen. Dann kamen sie in die Fabrik. Die Schulpflicht befreite sie. Nun waren sie Schüler, und ihnen wurden weitere Perspektiven eröffnet - perfekt isoliert von der harten Realität, aber unter einer neuen Diktatur. Nun aber haben sich die Zeiten geändert. In den Schulen versucht man mir ständigen Reformen hinterher zu hinken. Aber das Ziel, “die individuellen Interessen” zu fördern ist mit keiner Schule zu erreichen. Individuelle Interessen von Kaufhauskunden kann nur ein wohl bestücktes Kaufhaus - mit Selbstbedienung erfüllen - just in time. Nicht nach Kaufplan. Ebenso ist es mit den Kindern. Wenn sie - wie die Kaufhauskunden - alle Möglichkeiten zur Verfügung hätten ihre Bedürfnisse - just in time - zu erfüllen, weil sich jetzt gerade das Interesse auf ein bestimmtes Thema konzentriert, dann haben wir es mit einem absoluten Chaos zu tun. Also brauchen wir, wie das chaostaugliche Kaufhaus, auch eine chaostaugliche Bildungskultur. Das souveräne Kind, nun nicht mehr Schüler, sondern Cleverle genannt, da sie ja ihr individuelles Spektrum an Potenzialen und den Eigeninitiativ-Instinkt zur selbstständigen Potenzialentfaltung mit auf die Welt bringen, gehen nun ganz souverän ihren eigenen Bildungsweg. Wer will, nutzt dazu den Navigator, um zielgerecht an sein Ziel zu kommen. Der Cleverle-Navi steht bereits als Diskussionsgrundlage zur Verfügung. Ich, Autodidakt, habe ihn entwickelt, um die Autodidaktik zu kultivieren, zu systematisieren um die Schüler aus der Schule zu befreien, so dass sie von nun an Cleverle sind - und das ab der Geburt. Aus Kindergärten werden Cleverle-Sphären, welche sich ständig - ein Leben lang - erweitern und letztlich die ganze Welt umspannen. Facebook deutet schon auf diesen allzu menschlichen Bedarf hin. Wikipedia präsentiert und das Wissen der Welt. der Cleverle-Navi führt diesen Prozess weiter und bietet ungeahnte Möglichkeiten, die hier in Kürze nicht beschrieben werden können. Probieren sie die Vorab-Version einfach mal aus. Alles ist gratis. Wer sich anmeldet und seinen Namen (mindestens) angibt und veröffentlicht, dem stehen wesentlich mehr Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Interesse, kann ich weitere Administrationsrechte vergeben.

    Oliver - hast du Lust den Anfang zu machen?
    Ruf mich doch einfach mal an: [sorry, Telefonnummer geht hier nicht - aber auf der http://www.flyer.edeju.de/ gibt es ganz unten eine Mailadresse. Lehrerfreund, 19.11.2013]

    Wolfgang

    schrieb Wolfgang Helmeth am

  • #44

    Und noch schlimmer: es handelt sich um Minderjährige! Ja denkt denn niemand an die Kinder!! Die wissen ja nicht einmal, wie schlecht sie es haben!!!
    Ernsthaft, wenn ich diesen Kommentar meinen Schülern vorlege, die lachen.
    (Gymnasium, Bayern - wo wir seit fünfzig Jahren Zentralabitur haben, ohne dass die Welt zusammengebrochen ist.)

    schrieb HerrRau am

  • #45

    @Fred
    natürlich ist das vereinfacht und müsste differenziert werden, weil es eben ganz viele Faktoren gibt, die diesen Lernprozess stören, wie z. B. eine Lehrkultur, bei der die beteiligten Gruppen, die Schüler, die Lehrer und die Administration, kein Interesse an einer nachhaltigen Bildung haben und die sich mit der Vergabe von Noten zufrieden stellen lässt. Aber es ist mir, ehrlich gesagt, zu blöd, darauf zu warten, dass ich die Welt ändert, solange ich noch genügend Potential habe, die kleine Welt, für die ich verantwortlich bin, zu optimieren,
    Und da mache ich eben auch die Erfahrung, dass wir guten Willens sind: Betrachte doch einmal die am Lehrprozess beteiligten Hauptdarsteller: die Lehrer und die Schüler. Schaue dir doch diese beiden Gruppen besonders am Anfang eines Prozesses an,  also bei einem Schulwechsel oder am Anfang eines Schuljahres: Lehrer und Schüler haben sich vielvorgenommen und sind meist bis in die Fingerspitzen motiviert – und ein paar Monate später müssen die Vertreter beider Gruppen kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen. Bei den Schüler, die mit großen Erwartungen und viel Elan von der Grundschule ans Gymnasium wechseln und schon Ende der sechsten massiv mit Selbstzweifeln und Motivationsproblemen zu kämpfen haben, ist es genauso. Was ist dazwischen passiert? Menschen, die mit viel Enthusiasmus angetreten sind, sind sehr schnell an ihre Grenzen gestoßen: Die Schüler merken, dass sie mit dem Lernen Schwierigkeiten haben, und die Lehrer, dass sie zwar lehren, aber dass zu wenige Schüler etwas lernen.
    Da stimmt doch etwas ganz Grundsätzliches nicht. Und ich weiß: Das Grundsätzliche ist eben mal banal.

    schrieb Christian am

  • #46

    Mich wundert immer wieder, dass die Jugendlichen ertragen, was wir ihnen zumuten ! Dass sie nur demotiviert sind und nicht wütend ! Dass sie sich über schlechten Unterricht nur ärgern, sich über fragwürdige Lehrer nur amüsieren, über sinnfreien Vertretungsunterricht freuen und Unterrichtsausfall nur begrüßen, statt ihn zu fordern ! Dass es so wenig Vandalismus in der Schule gibt, dass Lehrer so selten angegriffen werden.
    Hätten sie nicht Grund genug dazu ?
    Die individuellen Interessen der Schüler spielen in der Schule keine Rolle; sie dienen höchstens als Einstiegszauber (oder als Referatsthema), um unseren Unterricht mit ihrem Vorwissen zu verknüpfen. Lehrpläne und Zeugnisse drücken unser völliges Desinteresse an den Individuen aus, die vor uns sitzen, Worte der Anerkennung, der Rückmeldung, des Lobes fehlen. Statt dessen: Zahlen, die die Vergleichbarkeit in der Klasse herstellen und jede Leistung nivellieren. Die Klassen sind vollgestopft, die Klassenräume auf 60 m² genormt, es herrscht Enge und eine uniforme Sitzordnung: mit Blickrichtung zum Lehrer. Die Lernmethoden sind auch mit der technischen Aufrüstung im Klassenraum die alten (frontal) geblieben. Das Wissen wird nicht angewandt, sondern theoretisch gelehrt und in über zehn Fächern voneinander isoliert. Was draußen in der Welt passiert, ist höchstens ein Aufhänger, aber nie die Zielrichtung unseres Unterrichts. Worum geht es in der Schule: um gute (!) Noten. Nicht zu verstehen, nennen wir “mangelhaft” oder “ungenügend”. In der Schule gibt es keine Entschuldigung für etwas, was Schüler nicht sofort verstehen. Die Schüler lernen immer für die nächste Arbeit und vergessen, was einmal abgefragt worden ist. Vor den Schulferien drängen sich die Termine, obwohl wir “Experten” wissen müssten, dass für das langfristige Lernen so keine Zeit übrig bleibt. In die unterrichtsfreie Zeit wuchert der Nachmittagsunterricht, die Ganztagsschule und die Hausaufgaben (und der Nachhilfeunterricht) hinein, als gäbe es nichts anderes für junge Menschen als zur Schule zu gehen. Schule ist ein totalitäres System.
    Wir machen (machten) übrigens die gleichen Erfahrungen, wie unsere Schüler sie jetzt erleben dürfen: In der Vergangenheit in unserer Schulzeit, in der Universiät und während des Referandariats. Wir sind durch dieses System vollständig sozialisiert worden. Und werden in der Gegenwart weiter sozialisiert, z.B. neigt die Bildungspolitik zu zentralistischen Lösungen (Zentralabitur, G 8), weil sie in einer Legitimationskrise steckt (PISA) (von erschlichenen Doktortiteln, siehe Guttenberg, siehe Schavan will ich gar nicht reden - aber deprimierend ist es schon, dass die Ex-Bundesbildungsministerin eine Betrügerin ist und sie nicht geteert und gefedert wurde), und fragt nicht nach den Bedürfnissen der Lehrer (und der Schüler schon gar nicht), höchstens der Eltern, denn das sind ihre Wähler.
    Ob es eine entwicklungspsychologische Konstante ist oder ein systemisches Problem der Schule, diese Frage der (De-)Motivation der Schüler ?
    Das ist die falsche Frage. Warum ist die Schule so, wie sie ist ? So widersprüchlich, unsinnig und nervtötend ? Eine Frage der Mentalität, der Kultur, des politischen Bewusstseins ? Sollten wir akzeptieren, woran wir nicht mehr glauben ? Anderen die Schuld geben (den Schülern natürlich !)und unbescheiden auf unsere Unkündbarkeit, die vielen Pfründe verweisen, an denen wir uns Beamte doch so laben ?
    Nein.

    schrieb oliver gunkel-pfitzner am

  • #47

    Mit Christians Bemerkung zur Motivation der Kids ist sicher viel zu erklären - nicht alles! Es gibt nie nur einen Grund. Und die Motivation von Kindern hängt wesentlich davon ab, wie sehr sich auf sie eingestellt wird. Das lernen Lehrkräfte aber nicht unbedingt in der Ausbildung. Zwischen den kindlichen/jugendlichen Lebenswelten und der/den der Lehrkräfte liegen oft Lichtjahre. Aber auch diese Distanz kann man u.U. noch konstruktiv nutzen. Wenn Lehrkräfte selbst gern lehren und das authentisch vermitteln können, haben sie gute Voraussetzungen, Kinder mitzunehmen. Die stehen auf Authentizität. Aber zu lernen nur für Noten und nicht, weil man davon überzeugt ist, das Wissen und Neues zu lernen einfach toll ist, lebenslang, - das motiviert einen keine 12 oder 13 Jahre! Wenn man als Eltern den Kids schon klarmachen muss, dass sie nicht paralysiert auf die Noten gucken sollen, sondern darauf, dass ihnen die Relevanz des Stoffes klar wird und sie Schule halt einfach als notwendige Durchgangsstation sehen müssen, ist das eigentlich ein Armutszeugnis für die Schule als Institution. Und diese Haltung kann man sich auch nicht in jeder Schulart leisten. Viele werden da vielleicht sagen, “Fuck u Göhte” ist Sozialromantik - aber man lernt was zur Haltung den Schülern gegenüber! Man kann übrigens auch die Hattie-Studie lesen, wenn man das lieber mag.

    schrieb Ursula am

  • #48

    Das Gehirn ist kein homogenes monokulturelles plattes Ährenfeld, sondern eine jeweils individuelle komplexe Landschaft, mit Strukturen, die sich für Trampelpfade und Autobahnen eignen - um im Bild zu bleiben. Wer Lust auf Berge hat, baut sich Serpentinen, oder klettert Steilwände hoch. Andere schwimmen lieber an ihr momentanes Ziel oder tauchen in die Tiefen des Ozeans und werden Freaks für viele Bereiche, wenn sie die nötige Freiheit und Gelegenheit dazu haben.

    Die vorgefertigten Bildungswege der Schule sind auf Dauer nicht so spannend, abenteuerlich und immer mit den gleichen Leuten und Räumen auch nicht sonderlich motivierend. Vorgesetztes ist weniger reizvoll als selbst entdecktes und selbst erobertes. Und wenn man sich seine Kumpel selbst aussuchen kann, entstehen auch noch (schulisch) ungeahte Synergieeffekte. Resumée: Warum fällt uns eigentlich nichts Neues ein - in anderen Lebenswelten kommen wir vor revolutionären Neuerungen kaum noch mit. Im Film ALPHABET ist auch nichts Neues zu erfahren - aber gemeckert wird heftig. Wenigstens das. Ein völlig neuer Gedanke ist hier zu entdecken: http://www.flyer.edeju.de -  nicht für Konservative geeignet.

    schrieb Wolfgang Helmeth am

  • #49

    Hallo , zum ersten Mal, dass ich mich hier zu Wort melde.Ich sehe hier einige fuer mich richtige Denkanstoesse .Ich gehe nach jeder misslungenen Unterrichtsstunde tief in mich, lote grundsaetzlich aus, woran es bei mir lag, dass die Stunde nicht lief.Ich muss als Lehrer saemtlichen Situationen gewachsen sein, auch wenn es sich utopisch anhoert, aber die Wege , um Schueler zu motivieren bahne ich.Wenn es dann mal nicht dorthin geht, was ich mir zum Ziel setzte,laeufts beim naechsten Mal besser.Ich rede mit den Schuelern darueber, wie ihnen die einzelnen Lernwege gefallen oder was ich noch anders machen koennte, damit uns der Spass am Lernen erhalten bleibt.Ich bin das 46 Jahr im Schuldienst.Es macht mir noch immer sehr viel Spass, Lehrerin zu sein.

    schrieb marita wilke am

  • #50

    @Christian:
    “Die mangelnde Motivation unserer Schüler ist ein Indikator dafür, dass sie das nicht wirklich lernen, was wir ihnen lehren.”

    Was für ein belanglose Vereinfachung…

    schrieb Fred am

  • #51

    Zur Vorverlagerung von Pubertätsproblemen auf Kinder zwischen 8 u. 12 Jahren vgl.: “Der totale Rückzug, wie er heute zunehmend bei Jungs zwischen acht und zwölf Jahren zu beobachten sei, könne Wahlster zufolge entwicklungspsychologisch nicht begründet werden.” (http://fontanefansschnipsel.blogspot.de/2013/11/zur-vorverlagerung-der-pubertat.html)
    Totaler Rückzug ist schlimmer als simpler Rückgang der Lernfreude. Aber ein Indiz dafür, dass Identitätsprobleme wie in der Pubertät heute früher auftreten als noch vor wenigen Jahrzehnten ist er gewiss.

    schrieb Fontanefan am

  • #52

    Eigentlich ist es ganz einfach: Wir sind dann motiviert, wenn wir etwas können. Die mangelnde Motivation unserer Schüler ist ein Indikator dafür, dass sie das nicht wirklich lernen, was wir ihnen lehren. Daher müssen wir die Lehre umstellen:  Es funktioniert nicht, dass wir dem Schüler etwas anbieten und darauf hoffen, dass er es mag, sondern wir brauchen eine Lehrkultur mit viel Wiederholungen und Zusammenhängen. Wir sind dann gute Lehrer - auch aus der Sicht der Schüler - wenn wir ihnen etwas beibringen.
    Jede schlechte Note eines Schülers sollte uns signalisieren, dass der Lernprozess nicht funktionierte. Und es ist eben unsere Aufgabe als Lehrer, diesen Prozess zu moderieren.
    Übrigens: Motivierte Schüler motivieren auch Lehrer wieder.

    schrieb Christian am

  • #53

    “Lerndruck” und “Wie Lernen Spaß machen kann!”: Darüber habe ich einen Jugendroman geschrieben, auch für Erwachsene:

    Gerd Haehnel: Viktor und die Macht der Farbschattenklänge. Mit Illustrationen von Herbert Siemandel-Feldmann und einem Nachwort von Dr. med. Rainer Scheel. (ISBN: 978-3-943257-10-6 ” cref=“CitaviPicker978-3-943257-10-6”]<img   title=‘Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen’> )

    Dazu schreiben mir Schülerinnen und Schüler:
    “Ich habe den Roman förmlich verschlungen; er verringert unsere Angst vor Klassenarbeiten; witzig, unterhaltsam und informativ; die vielen Tipps helfen nicht nur Viktor beim Lernen, sondern auch mir!”

    Und Christian Oelemann (buchkultur.de): “Viktor-Vergleichbares habe ich bislang nicht gelesen. Ein Juwel in der zeitgenössischen Jugendliteratur!”

    Das Buch eignet sich auch als Klassenlektüre. Die kostenlosen Unterrichtsmaterialien (dort auch eine Sammlung weiterer Untersuchungen zum Thema) dazu sowie alle weiteren Infos inklusive Leseprobe und Bezugsquellen auf meiner Homepage http://www.farbschattenromane.de .

    Viel Freude beim Lesen wünscht Gerd Haehnel!

    schrieb Gerd Haehnel am

  • #54

    “@Storb
    Das Lernen als (auch-)Reaktion auf äußere Reize steht hier zur Debatte. Sie interpretierten das in Ihrem ersten Kommentar als “primär körperliches Lernen”, was so nicht korrekt ist.”

    Sie werden sicherlich gleich eine Definition von “körperlichem Lernen” formulieren, um die mangelnde Korrektheit nachzuweisen.

    Es geht im Artikel ganz ersichtlich nicht um ein Lernen, das “irgendwie” mit äußerlichen Reizen zu tun hat. Es geht also nicht darum, etwa ein Buch zu lesen und daraus zu lernen, und in diesem Kontext in Erinnerung zu rufen, dass man beim Lesen auch die Sinne und äußerliche Reize braucht.

    Worum es im Artikel geht, ist ein Lernen, bei dem der Körper und die Körperlichkeit eine primäre Rolle spielt. Entsprechend konzentriert sich der Artikel sehr auf sinnliche Naherfahrung, weshalb etwa der “abstrakte” Sehsinn in ihm nur eine untergeordnete Rolle spielt. Es geht genau aus diesem Grund um Tasten, Schmecken, Riechen. Wo vom Sehen die Rede ist, geht es um die allgemeine Wahrnehmung von Licht, was schlicht und ergreifend die voraussetzungs- und anspruchsloseste visuelle Wahrnehmung ist, die denkbar ist.

    Auch die folgenden Beispiele zeigen, dass es um ein Lernen auf Säuglingsniveau geht. Woraus entsteht Lust? Daraus, dass das Kind ein Geräusch (!) (kein Wort, keinen Satz, keinen abstrakten Gedanken) produzieren kann.

    Es besteht also gar kein ernsthafter Zweifel daran, was hier für ein Lernen vorgestellt wird: Ein Lernen, das primär an körperliche Grunderfahrungen gebunden ist und das damit natürlich primär körperlich ist. Es ist eben kein intellektuelles Lernen, kein Nachdenken über etwas, kein Schlussfolgern, kein Auswendiglernen.

    “Kinder lernen gerne, alle. Das ist das Programm des Lebens. Und irgendwann lernen viele nicht mehr gerne. Das ist wahrscheinlich ein Prozess, für den zivilisatorische Entwicklungen verantwortlich sind (und der deshalb beeinflussbar sein könnte).”

    Das einzige “Programm des Lebens” ist, dass Menschen sich ändern und irgendwann sterben. Diese Änderung lässt sich aber nicht einfach als zivilisatorisch induziert bezeichnen. Im Übrigen reicht ein Blick auf Kinder, die ohne Schule oder ganz ohne Zivilisation aufwuchsen oder aufwachsen, um die Frage zu klären, wie wünschenswert dieses Leben ist. Auch die Klage über die Schule setzt Schule voraus. Und nicht gerade wenig Schule.

    schrieb Storb am

  • #55

    Sorry, meine letzte Nachricht ging natürlich an den Lehrerfreund, nicht an mich selbst ;-)

    schrieb Fred am

  • #56

    @Fred:
    Mit anderen Worten, Sie argumentieren für entsprechende Änderungen am Schulsystem, obwohl die zugrundeliegenden Daten diesen Kausalzusammenhang überhaupt nicht hergeben?

    Dass Herr Hauke eine klare Ursachenzuordnung vornimmt, sei ihm für sich persönlich gegönnt. Ebenso könnte es aber sein, dass seine Vorschläge den umgekehrten Effekt hätten. Wie gesagt: Die obige Datenlage gibt dies überhaupt nicht her.

    Ich bin doch sehr verwundert. Wünschen Sie sich wirklich basierend auf einer Einzel_meinung_ strukturelle Änderungen am Schulsystem? Das kann doch unmöglich Ihre Schlussfolgerung sein…

    schrieb Fred am

  • #57

    Sagen wir so: Würde man im Schulsystem Änderungen vornehmen, könnte man möglicherweise den Prozentsatz an lernfreudigen Schüler/innen maßgeblich nach oben drücken. Und darum geht es. Der Kommentar von Hanspeter Hauke zeigt das gut.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #58

    @Lehrerfreund:
    Sie schreiben “Eine Pädagog/in, die vor einer Klasse steht und 8 oder 10 Kinder als “abgeschrieben” betrachtet, sollte ihren Job wechseln.”

    Völlig korrekt! Und ebenso sollte ein guter Pädagoge/eine gute Pädagogin ihre Grenzen kennen und realistisch einschätzen können, dass sie ca. ein Drittel ihrer SuS nicht erreichen kann. Man kann sich sicherlich über die genaue Prozentzahl streiten. In jedem Fall gehört das Erkennen der eigenen Grenzen zur Professionalität dazu.

    Sie schreiben weiter:
    “Wie Sie absolut richtig schreiben, sind die Einflussfaktoren multipel und komplex - niemand kann das alles beeinflussen: Familie, Schulsystem, Gesellschaft usw.”

    Richtig. Der Beitrag stellt macht aber etwas anderes. Er stellt einen Kausalzusammenhang her—allein vom Titel: “Kinder verlieren IN DER SCHULE die Lust am Lernen”. Und genau das halte ich für eine völlig absurde Vereinfachung und daher bloße Behauptung, die sich aus den statistischen Daten in keiner Weise ableiten lässt. Hier wird aus einer einfachen Korrelation (Kinder verlieren in einem gewissen Alter die Lust am Lernen) ein einzelner Zusammenhang mit dem Einflussfaktor Schule hergestellt, ohne das es dafür verlässliche Anhaltspunkte gäbe. In jedem Statistik-Proseminar lernt man, solche völlig irrsinnigen Schlüsse zu vermeiden.

    Deshalb erneut meine Frage:
    Welche Prozentzahl halten Sie für realistischerweise erreichbar?

    schrieb Fred am

  • #59

    Wie so oft wird hier natürliche Reifung mit Lernen im lernpsychologischen Sinn verwechselt. Das Lernen des Kindes ist weitgehend Reifung - Programm des Lebens, wie der Lehrerfreund so schön schreibt. Was danach kommt, ist nicht mehr Programm, sondern Wahlfreiheit. Das irgendwie zu vergleichen ist sinnlos.

    Lehrerfreund hält anscheinend 100% für realistisch erreichbar. Das ist nicht das Optimum, sondern allenfalls das Maximum, und selbst da bin ich skeptisch.

    schrieb Herr Rau am

  • #60

    @Fred
    Kinder lernen gerne, alle. Das ist das Programm des Lebens. Und irgendwann lernen viele nicht mehr gerne. Das ist wahrscheinlich ein Prozess, für den zivilisatorische Entwicklungen verantwortlich sind (und der deshalb beeinflussbar sein könnte).

    Was heißt “realistisch erreichbar”? Wie Sie absolut richtig schreiben, sind die Einflussfaktoren multipel und komplex - niemand kann das alles beeinflussen: Familie, Schulsystem, Gesellschaft usw. usf. Die Optimalquote liegt trotzdem bei 100 Prozent, auch wenn für den Statistiker die 66 Prozent gut/akzeptabel/logisch sind. Eine Pädagog/in, die vor einer Klasse steht und 8 oder 10 Kinder als “abgeschrieben” betrachtet, sollte ihren Job wechseln.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #61

    @Lehrerfreund:
    Sie schreiben, eine Quote von 66% sei nicht viel, denn dies bedeute, dass jeder dritte Jugendliche in der/für die Schule nicht gern lerne.

    In meinem fachlichen Verständnis von statistischen Erhebungen (und den kontraproduktiven Einflüssen von Alter/Pubertät und einigen familiären Umfeldern, die in der Studie - wie bereits von Storb völlig korrekt erwähnt - als Kausalverbindungen keinerlei Berücksichtigung finden, was aus Sicht der Statistik an sich schon ein grober Fehler ist) ist diese Quote herausragend gut.

    Natürlich wünschen wir uns insgeheim alle 100%. Und gerade deswegen würde mich interessieren: Welche Quote halten Sie für gut und realistisch erreichbar?

    schrieb Fred am

  • #62

    @Storb
    Das Lernen als (auch-)Reaktion auf äußere Reize steht hier zur Debatte. Sie interpretierten das in Ihrem ersten Kommentar als “primär körperliches Lernen”, was so nicht korrekt ist.

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #63

    @Lehrerfreund: Selbstverständlich habe ich den Text genau gelesen. Und selbstverständlich geht es um körperliches Lernen, zumindest in den Beispielen, die Hauke nutzt, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

    Zitat aus dem Text: “Reize wie Licht, Berührung, Geräusche, Gerüche oder Geschmacksempfindungen regen Nervenzellen im Gehirn an. Je öfter die gleichen Nervenzellen angeregt werden, um so leichter und schneller werden die eingehenden Impulse im Gehirn verarbeitet. Übung macht hier in der Tat den Meister.”

    Zitat aus dem Text: “Die Nutzung der Sinnesorgane und die Verarbeitung der Informationen ist beim Säugling und Kleinkind mit Spass und Lust verbunden. Gelingt es dem Kind, ein neues Geräusch zu produzieren, ist ihm die Freude darüber anzumerken. Spaß am eigenen Erfolg, Freude am eigenen Tun, Lust am Erkunden und das selbstbestimmte sich Ausprobieren aktivieren das körpereigene Belohnungssystem: Endorphine werden ausgeschüttet, der kleine Mensch fühlt sich glücklich. Mit der Einschulung hört der Spaß auf.”

    Eine Quote von 66% bei Kindern in der (prä-)Pubertät ist gut. Zumindest sehe ich das so. Sie sehen es anders. Und nun?

    Beachten Sie übrigens die Frage: Genau genommen geht es bei den 66% um das Lernen FÜR die Schule, also am Nachmittag. Davon, wie viele Kinder gerne zur Schule gehen, ist hier gar nicht die Rede.

    schrieb Storb am

  • #64

    Inzwischen fängt die Pubertät bei vielen Kindern schon mit 10 Jahren an, bei 13jährigen ist sie bei den meisten schon weit entwickelt, sie entwickelt sich aber noch weiter.
    6jährige jedenfalls sind noch nicht in der Pubertät.

    schrieb Fontanefan am

  • #65

    1) Lautete die Frage wirklich “Macht das Lernen FÜR die Schule Spaß?” Dies ist für mich nämlich ein Unterschied zu “Macht das Lernen IN der Schule Spaß?”. Ersteres findet nach meiner Auffassung zu Hause statt in Form von Hausaufgaben und dem Üben für Klassenarbeiten.

    2) Man muss bei der Interpretation der Ergebnisse mit Sicherheit beachten, dass für einen 6-jährigen Schule neu ist und allein aus diesem Grunde reizvoller ist. Der Reiz des Neuen verliert aber nun mal mit der Zeit, da mag die Aktivität vorher noch so “spaßig” gewesen sein.

    3) Wenn man jetzt ganz kleinlich sein will, dann würde mir die Gestaltung der Antwort-Items nicht passen. Für mich ist schon die Auswahlmöglichkeit “manchmal” in diesem Zusammenhang negativ besetzt. Ich verbinde damit “in weniger als 50% der Fälle). Als erste Abstufung hätte ich hier ein “oft” oder “meistens” besser gefunden. Aber vermutlich wollte Scoyo ja mit der “Studie” darauf hinweisen, dass Schule keinen Spaß macht ...

    schrieb Bingenberger am

  • #66

    @Storb
    Storb, vielleicht haben Sie den Text nicht genau gelesen; es geht doch nicht um körperliches Lernen! (auch wenn es sicher nicht verkehrt ist, sich das biologische Lernprogramm in der Schule durch entsprechende methodische und pädagogische Rahmenbedingungen zu Nutze zu machen).
    Sie schreiben außerdem:

    dass immer noch 66% der 13-jährigen in der Schule z. T. gerne lernen, was nicht schlecht ist.

    Diese Quote ist absolut inakzeptabel. Jede/r dritte Schüler/in lernt in der Schule nicht gerne - das ist viel.

    @Fontanefan
    Die Pubertät spielt sicher eine gewaltige Rolle. Bei der befragten Altersgruppe fängt die Pubertät aber erst an, oder?

    schrieb Der Lehrerfreund am

  • #67

    Ich hatte in der ersten Klasse überhaupt keinen Spaß beim “Spazierstöckchen malen”.
    In der Sekundarstufe II nahm die Motivation deutlich zu.
    Aber mein Beispiel zählt (auch aus meiner Sicht) nicht.

    Ist aber bei der Auswertung dieser Erhebung niemand darauf gekommen, dass es eine Pubertät gibt?

    schrieb Fontanefan am

  • #68

    “Offensichtlich hat kein einziges Kind im Alter von 6 Jahren mit “Nein” geantwortet “
    Ich vermute mal, es waren weniger als 5, da die Ergebnisse auf volle Prozent gerundet wurden!

    schrieb rwadel am

  • #69

    Es fällt schwer, auf Haukes “Befunde” mit wenigen Worten zu reagieren, weil sie so aberwitzig sind. “Erklärt” wird hier in jedem Fall gar nichts. Festzustellen ist zunächst, dass die Ergebnisse der “Studie” lediglich über Korrelationen, nicht Kausalverbindungen Auskunft geben. Es könnte auch sein, dass Kinder generell weniger lustvoll lernen, wenn sie älter werden (Schlagwort u. a. “Pubertät”), was dann der Schule zugerechnet wird, weil Kinder sich hier viel aufhalten. Selbst wenn aber die Kausalverbindung besteht, muss man zunächst feststellen, dass immer noch 66% der 13-jährigen in der Schule z. T. gerne lernen, was nicht schlecht ist.

    Woran Hauke sich begeistert, ist - wie immer in solchen Texten - der Gegensatz zwischen dem Lernen des Säuglings bzw. Kleinkindes und dem schulischen Lernen. Dass dieser Unterschied für ihn wichtig ist, ist nicht klar motiviert, denn eigentlich geht es um den Unterschied zwischen 6 und 13 Jahren. Der Säugling dient hier aber einer argumentativen Dramatisierung, mit der Reformpädagogen seit 100 Jahren erfolgreich hausieren gehen.

    Ein primär körperliches Lernen - zu schreien, zu greifen, zu gehen, zu rennen, zu trinken, zu essen, zu kopulieren - ist immer ein Lernen starker Rückmeldungen und idealerweise starker und unmittelbarer Gratifikation. Schon deshalb macht es offensichtlich mehr Spaß als das viel voraussetzungsvollere, abstrakte Lernen der Schule. Hinzukommt, dass ein solche Lernen in seiner unmittelbaren Nützlichkeit außer Frage steht.

    Leider ist unsere Welt allerdings keine Welt rein körperlicher Grundbedürfnisse mehr. Unmittelbar erkennbarer Nutzen und langfristiger Nutzen, direkte starke Gratifikation und spätere, längerwirkende Gratifikation driften auseinander. Dies ist nichts Neues, sondern wurde schon im 18. Jahrhundert von Pädagogen diskutiert. Wer in dieser Situation ein Lob des rein selbstbestimmten (Nicht-)Lernens singt, bereitet seine Kinder entweder - wie Hauke - auf die Einnahme einer Herrschaftsposition vor, weil er aus der Mittelschicht kommt und den eigenen Sermon nicht wirklich ernst nimmt (etwa wie die Mittelschichtler, die in den 1980er Jahren den Atomkrieg kommen sahen und doch fleißig Häusle bauten). Oder er gehört zur Unterschicht.

    Ansonsten hat die Studie denselben Wert wie viele Studien zum Stress von Schülern und ähnlichem, die nur eins zeigen: Das Leben ist anstrengend. Vielleicht werden deshalb - gewissermaßen aus pädagogischem guten Willen - in Deutschland keine Kinder mehr geboren. Was Hauke im Übrigen mit gleichem argumentativen Muster auch einmal schreiben könnte, wäre ein wissenschaftlicher Artikel dazu, weshalb es besser ist, den ganzen Tag Schokolade zu essen und Wein zu trinken (diese Lust, diese Gratifikation) als Schwarzbrot und Wasser zu konsumieren. Da er aber in einem Alter zu sein scheint, wo sich die Angst vor Krankheit an die Menschen heranschleicht, wird er wohl darauf verzichten und projiziert seine Utopien lieber - auf Kinder.

    schrieb Storb am

  • #70

    Aber wie könnte man Kinder und Jugendliche bis zum Abitur mit Freude lernen lassen? Es gibt hier ja die wildesten Theorien, wie z.B. selbstbestimmtes Lernen etc. Wenn die Schüler aber über ein bestimmtes Niveau der Allgemienbildung herauskommen wollen, dann ist Lernen halt anstrengend und muss es übrigens auch sein (“Desirable Difficulties”, Bjork/Dunlosky/Kornell. Self-Regulated Learning: Beliefs, Techniques and Illusions. Annu. Rev. Psychol. 64, 417-444 (2013))

    schrieb Andrea am

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