Bunte Briefe

Lehrerfreund-Newsletter 16.09.2015 16.09.2015, 14:26

Lehrerfreund-Newsletter vom 16.09.2015 mit diesen Themen: Anglizismen, Film im Unterricht (VLC-Player), Blogger-Interview, Rapper-Rache an Lehrern, Ruhe im Unterricht, höhere Schülerbeteiligung, Jugendliche und Facebook-Nutzung, Einser-Abiture, Gemeinschaftsschule, Unterricht mit Spicken, 10 Jahre Rechtschreibreform

Bücherregal, nach Regenbogenfarben angeordnet
Bild: John Nakamura Remy: Rainbow of Books
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Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie schon einmal ein YouTube-Video im Unterricht gezeigt? Dürfen Sie das überhaupt? In Kürze veröffentlichen wir dazu einige hilfreiche Tipps.

Es wäre nett, wenn Sie sich dazu an unserer kurzen Umfrage beteiligen würden, das dauert nicht länger als zwei Minuten:
Kurzumfrage »YouTube-Videos im Unterricht«


Inhalt

  1. Lange Filme in kurze Unterrichtsstunden quetschen
    Einige Tricks zur Benutzung des VLC-Players
  2. Anglizismen einfach: Schreibung von Verben
    Downgeloadet oder gedownloadet? Regeln, Übungen
  3. Ex-Blogger »teacher« im Interview
    Interessantes vom Ex-Betreiber des Lehrer-Blogs niemehrschule
  4. Kurzumfrage: YouTube im Unterricht verwenden
    Für unseren nächsten Artikel wollen wir Sie kurz was fragen
  5. Rundschau
    Das Wichtigste aus den Twitter- und Facebook-Kanälen vom Lehrerfreund, geordnet nach diesen Themen:
    - Lehrer/innen
    - Unterrichtsgestaltung
    - Schüler/innen
    - Schulsystem
    - Technik
    - Mediendidaktik & Medienpädagogik
    - Unterrichtskonzepte mit Spicken
    - Deutschunterricht
  6. Auf Wiedersehen

1) VLC-Player - Wie man einen zu langen Film doch noch in die Unterrichtsstunde quetschen kann

3 Tricks für Lehrer/innen zur Benutzung des kostenlosen und nützlichen VLC-Players im Unterricht, z.B. Tastenkürzel für Vollbild, Pause, verbleibende Zeit … Der perverseste Trick: dezente Manipulation der Geschwindigkeit, um die Länge des Films an die Länge der Unterrichtsstunde anzupassen.
Beitrag »Tricks für den VLC-Player« lesen


2) Anglizismen einfach: Verben (Arbeitsblatt mit Regeln, Übungen)

Die wildesten Fehler bei Verb-Anglizismen finden sich beim Partizip 2: gedownloadet oder downgeloadet? Habe ich auf Facebook geliked, geliket oder gar gelikt? Dabei ist es gar nicht so schwer. Arbeitsblatt mit den wichtigsten Regeln zu Verb-Anglizismen, außerdem ein Blatt mit Übungen (Niveau Sek I/II).
Beitrag »Anglizismen: Verben« lesen


3) Ex-Blogger »teacher« im Interview

Das Lehrerblog »niemehrschule« gehörte lange Jahre zu den ersten und meistkommentiertesten Lehrerblogs im deutschsprachigen Web. Der bis heute anonyme Autor mit dem Pseudonym »teacher« spricht im Interview über den Sinn des Bloggens, das Schulsystem und die Frage, wie man als Lehrer/in möglichst glücklich überleben kann.
Beitrag »Interview Ex-Lehrer-Blogger« lesen


4) Kurzumfrage: YouTube im Unterricht verwenden

Haben Sie im Unterricht schon einmal ein YouTube-Video gezeigt? Bitte beantworten Sie kurz vier Fragen dazu, damit der nächste Lehrerfreund-Beitrag noch gehaltvoller wird.
Kurzumfrage »YouTube-Videos im Unterricht«


5. Rundschau

Hier die interessantesten Funde aus unseren Facebook- und Twitter-Kanälen:

Lehrer/innen

Wie immer zu Beginn ein schönes Zitat, diesmal ein wirklicher Insider:

Dieser Stress von "nur sechs Wochen Sommerferien" verstehen auch nur LehrerInnen, oder?!

Wurden Sie von einem ehemaligen Schüler eigentlich schon mal als "Hurensohn" betitelt? Wenn in Ihrer Klasse ein zukünftig erfolgreicher Rapper sitzt, können Sie sich schon jetzt darauf einstellen: "Rapper und ihr Lehrer-Komplex" - mit Beispielen von Bushido, Shindy, Eko Fresh oder Kay One. Der Artikel kommt zu der Erkenntnis, dass es doch eigentlich "rührend" sei, wenn Rapper

… sich ihren früheren Lehrern beweisen wollen. Darum geht es nämlich: Zu zeigen, dass man es doch geschafft, dass man alle Erwartungen übertroffen hat und nicht ein Leben lang der pöbelnde Proll aus der letzten Reihe bleibt.

Nehmen Sie den Fehdehandschuh der Rapper auf und zeigen sie ihnen, wer tatsächlich der Phatteste ist - indem Sie sich für den Lehrer-Nobelpreis bewerben - er ist mit 1.000.000 Dollar dotiert. Allerdings hurtig: Bewerbungsschluss ist der 10.10.2015.

Falls Sie nicht nach Höherem streben und Ihnen der kommende Winter auf die Nerven geht, können Sie noch schnell einen Auswanderungsversuch starten, um nach Feierabend den Kopf in den Sangria-Eimer zu hängen: Hier gibt es zwei Stellenausschreibungen für Lehrer/innen auf Mallorca (Grundschule und Mathe/Physik). Wer es etwas knackiger braucht, bewirbt sich auf diese Schulleitungsstelle (PDF) in der Schweiz - beim Anforderungsprofil dürfte mancher Bahn-Manager ins Schwitzen kommen. Wenn gar nichts von all dem geht - rasch ab nach Nordrhein-Westfalen, dort wird demnächst die Höchstaltersgrenze für die Verbeamtung auf 42 Jahre angehoben (Gesetzesentwurf; Quelle).

Unterrichtsgestaltung

Warum immer rumschreien, wenn man Ruhe braucht? Christian Spannagel setzt neuerdings mit großem Erfolg einen Klangstab ein: *bing, 3 Sekunden Pause, *bing - und fast schon gespenstische Ruhe herrscht. Das könnte auch in Ihrem Unterricht mal einen Versuch wert sein: Lernzeit effektiv nutzen. Alternativ können Sie auch ein Shut Up Toy verwenden.

Nun gibt es auch die gegenteilige Situation: Sie hätten gerne etwas mehr Schülerbeteiligung, aber keiner antwortet ihnen. Einige gute Ideen, wie man die (Diskussions-…)Beteiligung im Plenum erhöhen kann, hat Oliver Tacke formuliert.

Doch auch ein zünftiger Lehrervortrag ist bisweilen nicht verkehrt, meint Günter Schlamp auf seinem Blog Basedow1764: Die Wiederentdeckung des Lehrervortrags

Schüler/innen

Es ist bekannt, dass Facebook bei Jugendlichen einen steilen Abstieg erfährt - WhatsApp, Snapchat und Instagram ersetzen den ungeliebten Moloch. Die Ursachen dafür erfahren wir in einem sehenswerten Vater-Sohn-Gespräch auf YouTube (von @albersheinemann, 5min).

Haben Sie übrigens Mitleid, wenn die Kinder Sie um 7:40 Uhr bleich und hohlwangig anstarren - sie können nicht anders. Denn die erste Stunde für Jugendliche [ist] Folter. Naja. Für uns Lehrer/innen ja auch.

Schulsystem

Erst mal die gute Nachricht: Das Abitur wird weiterhin immer einfacher. In Thüringen haben inzwischen 38 Prozent der Schüler/innen ein Einser-Abitur, es ist ein heimlicher Wettstreit zwischen den Bundesländern entstanden - wer hat die klügsten Schüler/innen (= die meisten Einser-Abiture)? Und der Konkurrenzdruck ist groß: Während 2013 die durchschnittliche Abiturnote in Thüringen bei 2,17 lag, war es in Niedersachsen 2,61 (Quelle). Da muss das niedersächsische Kultusministerium aber wirklich noch nachbessern.

Die nicht ganz so strebsamen Schüler/innen können sich über diese Entwicklung freuen, Günter Ymnasium hingegen nicht, denn: "Eine Welle von Einser-Abis spült das traditionelle Gymnasium weg." (Christian Füller: Im Nerv getroffen). Erstaunlich, dass es in Deutschland trotz dieser Entwicklung so viele Abgänger ohne Hauptschulabschluss gibt, am allermeisten in den ostdeutschen Bundesländern. Die interaktive Karte der Caritas zeigt die Details.

In Baden-Württemberg entwickelt sich übrigens die Gemeinschaftsschule zur neuen Hauptschule. Das Konzept wurde in vielen Fällen schlampig umgesetzt, und nun tritt das Schicksal nochmal zu in Form eines Gutachtens des Kultusministeriums, in dem eine Vorzeigegemeinschaftsschule wirklich ihr Fett abbekommt. Pikant: Das Kultusministerium hält das Gutachten unter Verschluss - leider liegt es aber der FAZ vor, die gleich mal unter dem Titel Schwäbisches Himmelfahrtskommando Details auspackt.

Werfen wir noch einen kurzen Blick nach Finnland. Zwischen 2003 und 2012 hat Finnland bei PISA 25 Punkte verloren - das entspricht dem Lernerfolg eines ganzen Schuljahres. Entweder haben die Finn/innen ihr Schulsystem nicht im Griff, oder wir müssen uns fragen, wie aussagekräftig Schulleistungsstudien wie PISA tatsächlich sind (gefunden in einem Tweet von joeranDE).

Technik

"Online-Collaboration-Tools" sind Apps, mit denen man übers Netz zusammenarbeiten ("kollaborieren") kann. Diese wirklich üppige Sammlung ist nach zahlreichen Themen gegliedert, z.B. "Screen Sharing", "Web Presenting", "Free Video Conferencing Software", "Collaboration Spaces", "Text Chat", "Mindmapping Tools", "File Sharing", "Collaborative Writing" u.v.m. Tipp von @mgrosty. Philip Stade fängt erst mal mit einem Wiki an und probiert wikispaces.com aus (Tweet), während Jöran Muuß-Merholz Google Docs liebt:

Welche war die quantitativ folgenreichste Innovation der letzten Jahre für Euren Arbeitsalltag? Ich denke, bei mir war es Google Docs.

Kommen wir endlich mal zu den Sachen, die man anfassen kann:

Einen lesenswerten Einführungsartikel zum Thema Dokumentenkamera (= Episkop) mit Tipps zu Hardware und Software finden Sie auf lehrerzimmer.org.

Im Gegensatz zum Episkop sind Interaktive Whiteboards groß, sperrig - und stehen oft nur nutzlos herum, weshalb man dieser Zeit den hämischen Spruch zu lesen bekam:

"Der größte Vorteil des Whiteboards: Man kann sich für die Presse davor fotografieren lassen."

Mediendidaktik, Medienpädagogik

Die Frage nach einer fachspezifischen Mediendidaktik  ist sicher sinnvoll - im Matheunterricht sind wahrscheinlich andere Konzepte und Tools nützlich als in Ethik oder Musik. Mehr darüber hier: Ein Kanon für die digitale Fachdidaktik?

Die wirklich monströse Infografik "Wie Lehrer/innen das iPad benutzen" (engl.) enthält einige interessante Details, aber natürlich auch viel Schrott (kein Wunder bei einer Bildhöhe von mehr als 13.000 Pixeln).

Sind Livestreamingdienste wie YouNow eigentlich wirklich so schrecklich? Jöran winkt ab: "YouNow - viel Medienhype um nichts?"

Unterrichtskonzepte mit Spicken

Bob Blume hat nach seiner Becher-Grammatik-Maschine mal wieder ein originelles Konzept ausgespuckt: eine Klassenarbeit, für die die Schüler/innen Spickzettel anfertigen müssen (und verwenden dürfen). Das hat die Schüler/innen wirklich zu Höchstleistungen angetrieben (danke Bob Blume für Bild):

Spickzettel auf Klebestift

Ein ähnliches Konzept führt Ludger Humbert seit Jahrzehnten durch: Kofferklausuren, in denen alles benutzt werden darf (Tweet).

Die Universität Bern sieht das Thema wesentlich unentspannter und hat angesichts des Smartwatch-Hypes ein Uhrenverbot bei Prüfungen ausgesprochen. Dabei wäre doch zu überlegen, ob man nicht vielmehr grundsätzlich Webzugang in Prüfungen gewährt und die Klausuren so konzipiert, dass die Nutzung externer Ressourcen einfach nur sinnvoll ist. Das Problem ist leider, dass dann auf dem Schulhof der schlaue Fritz sitzt und für eine Kiste Bier die Klausur mit "sehr gut" löst und ins Zimmer zurückfunkt.

Deutschunterricht

Die Reform der Rechtschreibreform jährt sich zum zehnten Mal, und Gisela Beste (Rat für Rechtschreibung) zieht im Interview mit dem Deutschlandradio eine überaus positive Bilanz - für die Schüler/innen sei alles klarer und damit einfacher zu lernen geworden. Doch Moderator Oliver Thoma hakt nach:

Oliver Thoma: Aber es heißt doch immer, die Fehlerquote sei so wahnsinnig gestiegen - sagen die Kritiker zumindest.
Gisela Beste: Ja, das liegt aber nicht an den Regeln. Die Schülerinnen und Schüler machen heute mehr Fehler als früher, das haben auch verschiedene Untersuchungen nachgewiesen. Aber es liegt nicht an den Regeln, es liegt daran, aus meiner Sicht, dass stärker auf das Sprachbewusstsein der Schülerinnen und Schüler im Unterricht abgezielt werden sollte …
Oliver Thoma: Also es ist mehr ein Problem der Lehrer als der Schüler. …
Gisela Beste: Ich denke, für Lehrkräfte ist die Rechtschreibung auch ein Problem. Viele Lehrkräfte haben ja die Reform der Reform wirklich mitbekommen … Das verunsichert, umlernen ist immer am schwierigsten, und insofern wäre es wichtig, heute auch in der Fortbildung, in der Ausbildung darauf zu achten, dass Systematik in der Rechtschreibung betrachtet wird … Ich denke, da könnte sich die Fachdidaktik noch stärker engagieren.

Sie hätte auch sagen können: "Ja, die Lehrer haben das nicht im Griff." Hat sie Recht?

Wenn es mit der Rechtschreibung haberd, dann sollte wenigstens der Grammatikunterricht präzise durchgeführt werden. Warum man im Deutschunterricht (der Grundschule) »Namenwort« nicht sagen soll, erfahren Sie hier. Das steht sicher auch in einem Deutschbuch. Aber leider sind die Deutschbücher von heute auch mehr auf visuellen denn auf Lerneffekt aus, meint @Hokey:

Aaargh! Möglichst viel Tabellen, Bilder und Kästchen, bloß kein TEXT! Deutschbücher heute.


6. Auf Wiedersehen

Ein Lehrer war'n richtiger Drachen,
Ließ es ständig im Unterricht krachen.
    Ein Schüler ganz kess
    Schrieb ihm 'ne SMS:
»Herr Lehrer, Sie sollten mal lachen!«

                              Susanne. F. aus M. - danke!

Wir wünschen Ihnen für dieses Schuljahr Spaß, Glück, Erfolg, Freude, Liebe, Anerkennung, winzige Klassen, freudstrahlende Schülergesichter, fröhliches Elternlachen, wohwollende Schulleitungsküsse und natürlich einen echten Freund.

Den Lehrerfreund

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