Der Erfinder: Glocke für den Schuhmacher 11.01.2016, 06:17

Bild: Glocke

Was tun, wenn man sich in einem Verkaufsraum bemerkbar machen will, in dem es laut zugeht? Man braucht eine Glocke, die den Lärm übertönt. Für Walter Günther kein Problem, denn er integrierte eine fünf Kilogramm schwere Industrieglocke mitsamt Hammer in seine Erfindung.

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Aus Günthers »mechanischer Bratwurst«

Wir stellen hier als erstes Beispiel vor 

Die Glocke 

Damit ein zufällig an der Glocke vorbeikommender Literat nicht in die falsche Richtung denkt, wird die Glockenbeschreibung (im Buch) erläutert mit dem Zusatz  
»Nicht die von Schiller«

Glocke in drei Fotos dargestellt

Im Buch beschreibt Walter Günther, wie es zu seiner Erfindung kam:  
»Der Schuhmachermeister Lenz betreibt einen recht großen Laden, in dem auch seine Nähmaschinen Platz finden. Wenn diese am Rattern sind, wird‘s sehr laut. Um sich dann bemerkbar zu machen, blieb dem eintretenden Kunden nur noch das vehemente Läuten einer Rezeptionsglocke, die gut sichtbar für diesen Zweck auf der Ladentheke platziert war. Dies gelang nur durch beherztes „Draufhauen“. Obwohl die Glocke kein Billigmodell war, brach sie irgendwann dennoch unter der Belastung entzwei. Diagnose: Reparatur sinnlos!   
Gesucht wurde nun ein kräftigeres und schallintensiveres Geläut. Sich der Werbewirkung imposanter Mechanik bewusst, wandte sich Meister Lenz an mich. Eine fünf Kilogramm schwere Industrieglocke, Bronzeguss, 30 Zentimeter Durchmesser, erstanden im Frankfurter Feldbahnmuseum, setzte die entsprechenden Maßstäbe. Da sich in der Lenz‘schen Schuhmacherei auch das Hammermuseum befindet, war die Verwendung eines alten Schlosserhammers als Klöppel obligatorisch. Dieses Schlagwerk, wegen der manchmal doch recht „schlagkräftigen“ Kundschaft mit einem mechanischen Überlastungsschutz ausgestattet, thront heute mitsamt Glocke auf einem ausgemusterten und eigens hierfür umgebauten Haltestellenmast. Mittels schmiedeeiserner Zugkette wird der „große Gong“ ausgelöst und der Kunde kann sich der Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen in, aber auch außerhalb der Schuhmacherei sicher sein«
.    

Weil es im Buch zur Glockenkonstruktion keine Entwurfsskizze gibt (die uns natürlich sehr wichtig wäre), hat der tec.LEHRERFREUND dem Schlossermeister nachträglich eine solche untergeschoben. Der Grund: Der Hammerantrieb ist hinter dem Glocken-Rahmenprofil versteckt. 
Wir haben eine kleine Aufgabe daraus gemacht. Sie heißt: Denken Sie nach, was Walter Günther vorausgedacht hat und konstruieren Sie den am Kettenzug beginnenden Hammerantrieb. 

Der Hammerantrieb sieht wahrscheinlich so aus (Feinheiten wurden weggelassen): 

Glocke mit Hammerantrieb
Zieht man kräftig an der Kette, dann hebt der Hebel aus Federstahl den Hammer an. Dabei dreht er sich um den Drehpunkt A nach rechts und schlägt auf den Glockendeckel. Auf den letzten Millimetern nimmt der Hammerstiel den schrägen Federstab mit; nach getaner Arbeit drückt die zuvor gespeicherte Biegeenergie den Hammer wieder nach links. 
Noch eine Funktion hat die Stabfeder als Rückzieherelement: Sie hindert die Hammerfeder von oben her, dass sie aus ihrer Halterung springt oder sich verschiebt. 


Das Buch 

Die mechanische Bratwurst  
Die Erfindungen des Schlossermeisters Walter Günther 

128 Seiten 

B3 Verlags- und Vertriebs-GmbH

ISBN: 978-3-938783-79-5 

Verkaufspreis: 29,90 Euro 

Erhältlich im Buchhandel, auch bei Amazon.