Kirchenglocken (1): Ohne Technik kein heiliger Bimbam 10.01.2013, 10:32

Zeichnung Kirchenglocken, Vorschaubild

Die Herstellung von Kirchenglocken erfordert ein hohes Maß an handwerklichem und technischem Können. Nicht weniger Geschicklichkeit und Erfahrung sind gefragt, wenn man eine fertige Glocke in den Turm hängt. Dem Aufhängen von Glocken geht viel Vorbereitungsarbeit voraus. Wir beschreiben, wie eine Glocke und eine Läuteanlage aufgebaut sind.

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Glockentechnik 

Fast jeder von uns hört jeden Tag irgendwo Kirchenglocken läuten. Die einen läuten hoch und hell, andere tiefer und dumpfer. Der Klang hängt mit der Glockengröße zusammen. Vergleicht man Glocken mit Sängern, könnte man sagen: Die kleinen Glocken sind die Tenöre, die großen die Bässe.

Die Herstellung von Kirchenglocken erfordert ein hohes Maß an handwerklichem und technischem Können. Nicht weniger Geschicklichkeit und Erfahrung sind gefragt, wenn man eine fertige Glocke in den Turm hängt. Dem Aufhängen von Glocken geht viel Vorbereitungsarbeit voraus. Wir beschreiben, wie eine Glocke und eine Läuteanlage aufgebaut sind.


Die Glocke hängt nicht irgendwo im Glockenturm, sondern relativ hoch an ihrem Platz, den man die Glockenstube nennt.
Die Glockenstube besitzt im allgemeinen keine Fenster sondern Schallluken, damit der Schall der Glocken in der gewünschten Weise nach außen dringen kann. Zum Schutz der Glocken und der Läuteeinrichtung vor der Witterung sind die Schallluken häufig mit Holzjalousien abgedeckt. Diese, schräge Bretter, lenken den Klang nach unten. 

In die Glockenstube wird vor dem Einbau der Glocken ein Holzgerüst gestellt, das als Lagerung für die schweren Glocken dient. Dieses Lagergerüst ist der Glockenstuhl (Bild oben). Die Glocken sind also nicht in den Steinwänden gelagert. Die Glocke selbst hängt an einem Joch. Dieses, ein kräftiger, an seinen Enden oft kunstvoll abgerundeter Balken, besteht meistens aus Holz und ermöglicht mit seinen Lagerzapfen ein freies Schwingen der Glocke. 

Früher hat man Glocken weitgehend von Hand geläutet, indem man sie durch das Herabziehen und Loslassen eines Seils zum Schwingen brachte. Diese Arbeit übernehmen inzwischen Läutemaschinen. Die Läutemaschine besteht aus einem Elektromotor mit elektromechanischer oder elektronischer Steuerung, Kette und Seilrad. Der Motor bringt über einen Kettenantrieb und das Seilrad die Glocke zum Schwingen. Im Bereich der Ruhelage der Glocke wird der Motor abwechselnd in die eine oder andere Drehrichtung kurz eingeschaltet, wodurch sich die Glockenbewegung nach und nach bis zum gewünschten Läutewinkel aufschaukelt. 

Kirchenglocken werden zumeist aus Glockenbronze, einer Legierung aus 78% Kupfer und 22% Zinn, hergestellt und sind mit einem variantenreichen Dekor verziert. Aus dieser in den Mantel eingegossenen Umschrift lässt sich oft die Aufgabe oder das Motiv einer Glocke ablesen, z. B.: Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango - die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich.

Die älteste Kirchenglocke Deutschlands ist die Lullusglocke in Bad Hersfeld; sie wurde 1038 gegossen. Die größte frei schwingende Kirchenglocke der Welt ist die St. Petersglocke im Dom zu Köln. Sie wiegt etwa 25 000 kg. 

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