Obsoleszenz (2) 21.03.2016, 06:39

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Kurz nachdem der tec.LEHRERFREUND einen Beitrag zur Obszoleszenz online gestellt hatte, veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) eine neue Studie, die sich ausführlich mit dem Thema befasst. Wir stellen Texte daraus gekürzt vor.

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Textauszüge aus einer Studie des Öko-Instituts e.V. und der Universität Bonn 

im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA). Veröffentlicht im Februar 2016.

Elektrogeräte werden immer kürzer genutzt

Gründe für den frühzeitigen Austausch sind vielfältig – UBA empfiehlt Mindesthaltbarkeit

Ob Waschmaschine, Smartphone oder Fernseher: Die meisten elektronischen Geräte werden immer kürzer genutzt. Das zeigt eine neue Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführt wurde. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel. Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima. Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte. ....“

Die Gründe für einen frühzeitigen Neukauf von Elektrogeräten sind vielfältig. Gerade im Bereich der Unterhaltungselektronik und Informationstechnik sind Technologiesprünge und der Wunsch nach einem neuen Gerät häufig Anlass für den Neukauf. Selbst bei Haushaltsgroßgeräten wie Kühlschränken ist bei einem Drittel der Befragten der Wunsch nach einem besseren Gerät ausschlaggebend. ... Eine Verbraucherbefragung im Rahmen der Studie zeigt, dass rund ein Drittel der Befragten unzufrieden mit der Lebensdauer der Produkte waren.  
Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das nicht hinnehmbar. In allen untersuchten Produktgruppen, sei es der Fernseher, das Notebook oder die Waschmaschine, belasten die kurzlebigen Produkte unsere Umwelt deutlich stärker als Geräte mit langer Nutzungsdauer. ...

Eine gezielte kurze Produktlebensdauer, die die Hersteller mittels eingebauter Mängel erzeugen – die sogenannte geplante Obsoleszenz – kann in der aktuellen Studie nicht nachgewiesen werden. Vielmehr kalkulieren Hersteller mit einer bestimmten Produktlebensdauer, die sich auch nach Zielgruppen, Einsatzbereichen und Produktzyklen richtet. Bei Fernsehgeräten beispielsweise werden von den Verbraucherinnen und Verbrauchern innerhalb eines Jahres neue Entwicklungen erwartet. Dieser kurze Innovationszyklus kann zu Lasten der Qualität gehen – so werden manche Geräte nur noch auf bekannte Schwachstellen und nicht mehr umfassend getestet. Auf diese Weise lässt sich die Testzeit von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduzieren. 

„Problematisch ist die mangelnde Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Auch der Preis ist da nicht immer ein zuverlässiger Indikator. Im Sinne der Verbraucher und der Umwelt wäre eine Kennzeichnung, die beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt“, sagt Krautzberger. ... Stichwort Reparierbarkeit: Geräte müssen repariert werden können, um die Lebenszeit zu verlängern. Hierzu gehören zum Beispiel ein reparaturfreundliches Design und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, welche auch für nicht- herstellergebundene Werkstätten zugänglich sein sollten. 

FOCUS Online meint dazu: Die Forscher leiten aus ihren Ergebnissen mehrere Forderungen ab. Demnach sollen Hersteller künftig auf Geräten eine voraussichtliche Lebensdauer angeben. Auch die Politik müsse klare Vorgaben über den Zeitraum machen, in dem ein Produkt fehlerfrei funktioniert. In Zukunft sollten die Geräte leichter und günstiger reparierbar sein. Der an der Studie der beteiligte Wissenschaftler Siddharth Prakash meint, dass nichts für fest verbaute Akkus spreche, die niemand auswechseln kann. 

Auch dem Kunden wird eine große Macht zugesprochen: Geplante Obsoleszenz falle in unserer Informationsgesellschaft sofort auf, was sich kein Hersteller leisten kann. Und: Wenn die Nutzer bewusst Handys kaufen würden, die zehn Jahre halten, oder Bohrmaschinen, die man noch den Enkeln vererben kann, dann würden sich die Hersteller wohl oder übel darauf einstellen.

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