Was ist ein Technischer Produktdesigner? 24.10.2011, 12:08

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) informiert über Veränderungen in der Ausbildungslandschaft: Den alten Technischen Zeichner gibt es bald nicht mehr - er wird Technischer Produktdesigner.

Anzeige

Technischer Zeichner ade! Er wird Technischer Produktdesigner. 

Aus einer Pressemitteilung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) erfuhr man vor Kurzem: »Die neuen Ausbildungsordnungen Technische/-r Produktdesigner/-in und Technische/-r Systemplaner/-in treten am 1. August 2011 in Kraft. Sie lösen die »alte« Ausbildung zum Technischen Zeichner ab.«

Wer ein Leben lang als Technischer Zeichner gearbeitet hat, fragt sich: Technischer Produktdesigner? Warum nicht gleich Technical Product Designer? Würde sich mitten in Deutschland »Technischer Produktentwickler« nicht besser lesen?

Bleibt ein Bauer kein Bauer, nur weil der die Schubkarre in die Ecke gestellt hat und mit dem Hoflader über seinen Hof und durch seinen Stall fährt, und weil er mit computergestützten Maschinen düngt, sät und erntet? Er bleibt natürlich Bauer mit allen bisherigen Aufgaben, und würde man ihm auch die Berufsbezeichnung Agrotechniker verpassen.

Ebenso wird der alte Technische Zeichner auch dann ein Technischer Zeichner bleiben, wenn Zirkel, Lineal und Radiergummi in seiner Schublade verstauben und er schon lange Zeichnungen am Computer mittels CAD-Programmen erstellt, und auch wenn er jetzt »Technischer Produktdesigner« ist. Nach wie vor muss er über das gewöhnliche Projektionszeichnen, über Bemaßung, Normung und vieles mehr Bescheid wissen. Ja, er wird, wenn er in die Werkstatt kommt und mit dem Praktiker fachliche Fragen diskutieren soll, sogar ein Blatt Papier hernehmen müssen; dort wird man ihn danach beurteilen, ob er mit einem ganz ordinären Bleistift eine verständliche Freihandzeichnung zustande bringt.

Á propos »Produktdesigner«: Ist es nicht nach wie vor so, dass der (studierte) Konstruktionsingenieur dem Zeichner seinen Entwurf vorlegt und ihn daraus (am Computer) Einzelteile zeichnen oder produzieren oder umgekehrt aus den Einzelteilen eine Gruppenzeichnung herstellen lässt?
Das englische Wörterbuch übersetzt den »designer« mit Konstrukteur. Ein Zeichner ist im Englischen jedoch ein draftsman oder ein drawer.

Es sieht ganz so aus, als ob den Produktdesigner-Namensgebern vor lauter englischem Fimmel einiges durcheinander geraten wäre!

Hier der vollständige Text des Pressemitteilung 37/ 2011 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Bonn, 28. 07. 2011

Vom Zeichenbrett in die CAD-Welt: Start in eine neue Ausbildung im Konstruktionsbereich

Ohne sie läuft so gut wie nichts: Immer dann, wenn ein neues Produkt - egal ob Fön, Auto oder Werkzeugmaschine - entworfen, gestaltet und konstruiert werden muss, ist die Arbeit von Technischen Zeichnern gefragt. Aber das gute, alte Zeichenbrett hat ausgedient, moderne CAD-Technik („computer-aided-design“, computergestütztes Entwerfen) sowie zwei- und dreidimensionales Konstruieren gehören längst zum Standard. Um diesen veränderten technologischen und arbeitsorganisatorischen Abläufen bereits in der Ausbildung gerecht zu werden, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit den Sachverständigen der Sozialpartner und Vertretern der Länder zwei neue, hochmoderne Ausbildungsberufe im Konstruktionsbereich erarbeitet. Die neuen Ausbildungsordnungen Technische/-r Produktdesigner/-in und Technische/-r Systemplaner/-in treten am 1. August in Kraft. Sie lösen die „alte“ Ausbildung zum Technischen Zeichner ab. Im vergangenen Jahr haben rund 3.000 Auszubildende in diesem Bereich einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden liegt bei knapp 40 %.
Das „Erbe“ des Technischen Zeichners treten zwei Konstruktionsberufe an, die durch gemeinsame Inhalte eng miteinander verbunden sind. Darüber hinaus gliedern sich die Ausbildungen in unterschiedliche Fachrichtungen:

Technische Produktdesigner/-innen erstellen nach Gestaltungs- und Kundenvorgaben mit Hilfe von computergestützten Konstruktionsprogrammen 3-D-Datensätze und technische Dokumentationen für die Fertigung von Produkten:
In der Fachrichtung Produktgestaltung und -konstruktion werden mit Hilfe von CAD-Systemen zum Beispiel Konsumgüterprodukte wie Autos, Staubsauger oder Küchenmöbel konstruiert. Gestalterische Aspekte fließen verstärkt in die Aufgabenstellung ein. Arbeitsplätze bieten Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen von Industrieunternehmen, Konstruktions- und Ingenieurbüros, insbesondere des Automobil-, Flugzeug-, Möbel- und Innenausbaus, sowie die Medizintechnik und die Konsumgüter- und Verpackungsindustrie.
In der Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion werden mit Hilfe von CAD-Systemen detaillierte Konstruktions- und Montagepläne erstellt. Beschäftigungsmöglichkeiten bieten Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, im Apparate-, Schiffs-, Fahrzeug- und Flugzeugbau sowie in der Verpackungsindustrie. 



Bild: Technische Produktdesigner bei der Arbeit. Foto BIPP

Die Arbeit von Technischen Systemplanern/Technischen Systemplanerinnen konzentriert sich im Wesentlichen auf die Konstruktion von technischen Ausrüstungen für Gebäude und Anlagen. Hierzu fertigen sie ebenfalls mit Hilfe von CAD-Programmen technische Unterlagen für die Herstellung und Montage von Gebäudetechnik an. Je nach Fachrichtung sind sie auf unterschiedliche Gewerke spezialisiert.
Unterschieden wird dabei zwischen den Fachrichtungen Versorgungs- und Ausrüstungstechnik, Stahl- und Metallbautechnik und Elektrotechnische Systeme. Nachgefragt werden Technische Systemplaner in Konstruktions-, Planungs- und Ingenieurbüros, die sich mit Herstellung, Montage und Betrieb von Gebäude- und Anlagentechnik, Stahl-, Fassaden- und Metallbautechnik sowie mit Elektroinstallationen befassen.

Anzeige