Costa Concordia (3): Letzte Fahrt 25.07.2014, 11:19

Zweieinhalb Jahre nach der Havarie im Januar 2012 trat die leckgeschlagene »Costa Concordia« am 23. Juli 2014 ihre letzte Reise in die ligurische Hafenstadt Genua an. Für die gut 300 Kilometer lange Strecke und bei einer Geschwindigkeit von knapp vier Kilometern pro Stunde dauert die Fahrt nach Genua fünf Tage. Zwei Hochseeschlepper ziehen den Koloss.

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Letzte Reise

Zweieinhalb Jahre nach der Havarie im Januar 2012 trat die »Costa Concordia« am 23. Juli 2014 ihre letzte Reise in die ligurische Hafenstadt Genua an, wo das Schiff verschrottet wird. 32 Menschen waren bei dem Unglück vor der Insel Giglio ums Leben gekommen, darunter 12 Deutsche. 

Hunderte Experten arbeiteten Wochen lang daran, das Wrack für den Abtransport vorzubereiten. In die 30 Schwimmtanks an den Seiten des Schiffs wurde Pressluft gedrückt, damit es den Auftrieb bekam, den das leckgeschlagene Schiff nicht mehr selbst liefern konnte. Damit brachte man den Kreuzfahrtriesen auf einen Tiefgang von etwa 17 Metern. Das Abschleppen wurde von dem Firmenkonsortium Titan-Micoperi organisiert, das auch für das Aufrichten des Schiffs verantwortlich war.

Für die gut 300 Kilometer lange Strecke bei einer Geschwindigkeit von knapp vier Kilometern pro Stunde dauerte die Fahrt nach Genua fünf Tage. Zwei Schlepper zogen den Koloss.

Zum Konvoi des Riesen mit 114 000 Tonnen Gewicht gehörten auf seiner letzten Reise zehn weitere Schiffe. Darunter waren Spezialboote mit Werkstattausrüstung und Kran, ein Schiff, das ausgelaufenes Öl aufnehmen konnte. Umweltschützer und die Küstenwache sowie ein Hubschrauber begleiteten den Transport. Besonders die Franzosen beobachteten ihn mit Argusaugen: Zwar war der größte Teil der Treibstoffe nach der Havarie abgepumpt worden, doch die Costa Concordia näherte sich auf ihrer riskanten letzten Fahrt bis auf 30 Kilometer der französischen Insel Korsika. 

Die Einwohner Giglios werden auch nach dem Abschleppen wohl bis in den Winter hinein an das havarierte Kreuzfahrtschiff erinnert werden. So lange wird es ungefähr dauern, bis die schwimmende Stadt verschwunden sein wird, die rund um das Wrack entstanden ist. 

Das Verschrotten des Schiffs soll noch einmal knappe zwei Jahre dauern. Medien berichten, dass ein Heer von 700 Arbeitern den Riesen zerlegen werden. 80 Prozent des Materials können wiederverwertet werden; nur etwa 20 Prozent des 114 000 Tonnen schweren Wracks werden endgültig verschrottet. 

Die Bergung, Abschleppung und Verschrottung der Costa Condordia dürfte wohl der teuerste Einsatz werden, den es in der Seefahrt je gegeben hat. Auf insgesamt 1,5 Milliarden Euro bezifferte Michael Thamm, der Vorstandschef der Reederei Costa Crociere, die Kosten für das Unglück. Eine Milliarde Euro davon ist bereits ausgegeben worden. 

Wer war für das Auffahren auf den Unterwasserfels verantwortlich? Kapitän Francesco Schettino steht vor Gericht. Er soll sich bei der Annäherung an Giglio verantwortungslos verhalten haben. Seine Karten stehen auch deswegen schlecht, weil er sich in der Gefahr nachweislich als einer der Ersten davongemacht hatte – als Kapitän hätte er bis zuletzt auf dem sinkenden Schiff verharren müssen.

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13. Mai 2017 

Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, muss der Ex-Kapitän der „Costa Concordia“ ins Gefängnis. Die Richter des Kassationsgerichts in Rom bestätigten am ein Urteil, das 16 Jahre Haft für Francesco Schettino vorsieht. Schettino war bei der Verhandlung nicht anwesend.

Im Februar 2015 war Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Er hatte das Schiff mit mehr als 4000 Passagieren im Januar 2012 zu nah an eine Insel gesteuert. Unter den Todesopfern waren 12 Deutsche. Nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt hatten, kam der Fall im Mai 2016 vor das Berufungsgericht in Florenz. Die Richter bestätigten das Urteil. Doch Schettino zog in eine weitere Instanz - und auch die Staatsanwaltschaft legte erneut Berufung ein.