Erdbeben - Tsunami - Reaktorunfälle 15.03.2011, 10:51

Tsunami, Ausschnitt, Vorschaubild

Freitag, 11. März 2011: Ein heftiges Erdbeben vor der nordjapanischen Küste reißt 400 km Meeresboden auf. Das schwerste jemals in Japan gemessene Erdbeben löst einen Tsunami aus, der ganze Wohngebiete an der Nordostküste überflutet und Tausende Menschen in den Tod reißt. Doch das Inferno steigert sich dramatisch: Atomreaktoren geraten außer Kontrolle. Der Ablauf der Katastrophe mit Zeichnungen.

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Eine Kette von Katastrophen
März 2011: Desaster im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 

Der tec.LEHRERFREUND skizziert das Inferno beim Zusammentreffen von zwei Naturkatastrophen und einem dramatischen Technikunfall.
(Die Texte stammen teilweise aus WIKIPEDIA und sind stark gekürzt).

 

Erdbeben –> Tsunami –> Reaktorunfall

Ein Erdbeben 

Freitag, 11. März 2011: Ein heftiges Erdeben vor der nordjapanischen Küste reißt den Meeresboden auf einer Länge von rund 400 Kilometern auf. Es setzt eine so ungeheuere Energiemenge frei, dass sich die japanische Hauptinsel um 2,40 Meter und damit die Schwerkraftachse der Erde um rund 17 Zentimeter verschiebt. Folge: Die Erdrotation beschleunigt sich geringfügig.
Dieses schwerste jemals gemessene Erdbeben in der Geschichte Japans löst einen Tsunami aus, der große Landstriche an der Ostküste überflutet. Er reißt tausende Menschen in den Tod. Doch das Inferno steigert sich noch: Atomkraftwerke geraten außer Kontrolle.

Landkarte Japan/Fukushima

 

Der Tsunami

Eine Reihe verheerender Tsunamis zwischen 1945 und 1965 machte dieses Naturphänomen weltweit bekannt; »Tsunami« setzte sich bald als international verwendeter Begriff durch. Das Wort Tsunami (japanisch für: Hafenwelle) haben japanische Fischer geprägt, die vom Fischfang zurückkehrten und in ihren Häfen alles verwüstet vorfanden, obwohl sie auf offener See keine Welle gesehen oder gespürt hatten. Das liegt daran, dass Japan eine Tiefseesteilküste hat. Die in Richtung Land schwappenden Wassermassen bilden erst kurz vor dem Strand eine Riesenwelle und schlagen dann über die Hafenmauern in den Hafen, wo sie die Schiffe zertrümmern.

Tsunami Entstehung

Entstehung und Fortpflanzung eines Tsunami
Etwa vier Fünftel aller Tsunamis werden durch Hebungen und Senkungen nach Erdbeben verursacht, die restlichen entstehen durch die abrupte Verdrängung großer Wassermassen, bedingt durch Vulkanausbrüche, küstennahe Bergstürze, usw. Tsunamis treten mit 79 % am häufigsten im Pazifik auf: Am Rand des Stillen Ozeans schieben sich tektonische Platten der Erdkruste (Lithosphäre) übereinander. Durch die sich ineinander verhakenden Platten entstehen Spannungen, die sich zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt schlagartig entladen, wodurch Erd- und Seebeben ausgelöst werden. Wird dabei eine der tektonischen Platten angehoben, wird der Meeresgrund und damit auch die darüberliegende Wassermasse schlagartig nach oben gedrückt. Die angehobene Wassermasse dehnt sich als Welle in alle Richtungen aus.

Tsunamis unterscheiden sich grundlegend von Wellen, die durch Stürme entstehen, denn bei diesen kann das Wasser zwar unter außerordentlichen Bedingungen bis zu 30 Meter hoch aufgeworfen werden, die tieferen Wasserschichten sind davon jedoch nicht betroffen. Bei einem Tsunami dagegen bewegt sich das gesamte Wasservolumen, also die gesamte Wassersäule vom Meeresboden bis zur Meeresoberfläche als so genannte Grundwelle.
Wie aber kam es zu den Reaktorunfällen?
 

Technik beschädigt: Reaktorunfall

Das Kernkraftwerk Fukushima 1 liegt unmittelbar am Meer und nutzt Seewasser zur Kühlung. Es arbeitet mit sechs Siedewasser-Reaktoren. Eine wichtige Funktionsgruppe in solchen Kraftwerken sind die Kühleinrichtungen. Ihre Aufgabe: Das für die Dampfturbinen nötige Wasser wird von Kernbrennstäben erhitzt. Der Erhitzungsprozess muss aber so gesteuert werden, dass er sich in Material schonenden Grenzen bewegt. Dafür werden so genannte Steuerstäbe aus Cadmium- oder Borverbindungen zwischen die Uran-Brennelemente geschoben. Danach geht die Kernspaltung nur noch gebremst weiter.
Das Kühlen setzt eine funktionierende Stromversorgung voraus - doch diese fiel beim Erdbeben der Stärke 9,0 mit nachfolgenden Tsunami-Überschwemmungen aus. Folge: Wenn nicht andere Kühlmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kommt es nach wenigen Stunden zur gefürchteten Kernschmelze. Teile des geschmolzenen Reaktorkerns können auf den Boden des Druckbehälters stürzen und diesen aufschmelzen. Dabei tritt radioaktive Substanz aus.

Bild: Warnung vor radioaktiven Stoffen

warnschild_vorsicht_radioaktiv

Beim Beben schalteten sich die Kühlpumpen automatisch ab. Nun sollten Notstromaggregate und Batterien für wenige Tage den weiteren Betrieb der Pumpen übernehmen. Doch im Fall Fukushima fielen auch sie aus.
Darüber hinaus führte die durch das Beben und den Tsunami weitgehend zerstörte Infrastruktur dazu, dass man für Reparaturarbeiten an die Kraftwerke viele Tage lang nicht mehr heran kam.

Kernkraftwerk_Schemazeichnung

Der Kernreaktor (siehe vereinfachtes Schemabild)
Der Siedewasserreaktor ist ein Leichtwasserreaktor mit nur einem Wasser-/Dampfkreislauf. Der radioaktive Kreislauf ist somit nicht auf den Sicherheitsbehälter beschränkt. Durch Bildung von Dampfblasen direkt auf den Brennstäben erfolgt eine lokal ungleichmäßige Benetzung der Brennelementestäbe und im Ergebnis an der Oberfläche der Brennstäbe eine dynamisch wechselnde Wärmeverteilung mit besonderer Korrosionsgefahr in der Dampfphase.
In den Druckbehälter des Reaktors wird vorgewärmtes Wasser gepumpt. Im Druckbehälter befinden sich die Brennelemente aus Urandioxid angereichert mit Uran-235, das temperaturbeständig und chemisch nicht reaktiv ist. Der Druckbehälter ist zu ungefähr zwei Dritteln mit Wasser gefüllt. Durch die bei der Kernspaltung entstehende Wärme verdampfen Teile des Wassers (Siedekühlung) bei z. B. 71 bar und 286 °C im Druckbehälter; dieser Dampf treibt die Turbine an. Ein Generator wandelt die von der Turbine gelieferte Energie in elektrischen Strom um. Der entspannte Wasserdampf wird durch Kühlwasser im Kondensator verflüssigt und wieder dem Kreislauf zugeführt.
Die Reaktorleistung kann über Wasserumwälzpumpen und mittels Steuerstäben im Bereich zwischen etwa 60 und 100 % geregelt werden.

Reaktor abschalten: Wird ein Reaktor abgeschaltet, produziert er durch den radioaktiven Zerfall der Spaltprodukte weiterhin Wärme. Die Leistung dieser so genannten Nachzerfallswärme entspricht anfänglich etwa 5–10 % der thermischen Leistung des Reaktors im Normalbetrieb und klingt in einem Zeitraum von einigen Tagen ab.
Um die Nachzerfallswärme in Notfällen (bei ausgefallenem Hauptkühlsystem) sicher abführen zu können, besitzen alle Kernkraftwerke ein aufwändiges Not- und Nachkühlsystem. Sollte jedoch der Fall eintreten, dass auch diese Systeme versagen, kann es durch die steigenden Temperaturen zu einer Kernschmelze kommen, bei der Strukturteile des Reaktorkerns und unter Umständen Teile des Kernbrennstoffs schmelzen. 

Atomarer GAU - Kernreaktor GAU-Abfolge

Kernschmelze: Wenn Brennstäbe niederschmelzen und sich dadurch zusammenballen, kann es zu einer schnellen unkontrollierten Aufheizung kommen. Der Fall der Kernschmelze wird als größter anzunehmender Unfall (GAU) betrachtet, als der schwerste Unfall also, der bei der Auslegung der Anlage in Betracht zu ziehen ist und dem sie ohne Schäden für die Umgebung standhalten muss. Ein solcher Unfall ereignete sich beispielsweise im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island; er kann derzeit im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I nicht ausgeschlossen werden.

Der Super-GAU schließlich entsteht, wenn die hoch erhitzten Brennstäbe alle Hüllen zerschmelzen und massive radioaktive Strahlung in die Umwelt gelangt.

Welche Stoffe gelangen bei einem Reaktorunfall in die Umwelt?
Bei einem atomaren Unfall entweichen radioaktive Stoffe in die Umgebung. Sie sammeln sich bei der Kernschmelze zunächst am Boden des Reaktordruckbehälters. Schmilzt er durch, gelangen sie in den Sicherheitsbehälter (Containment). Wird auch er zerstört, wird das strahlende Material freigesetzt. Bei einem Reaktorunfall bildet sich eine Mischung aus den unterschiedlichsten Stoffen. Die wichtigsten sind Jod, Cäsium, Strontium, Uran und - das bei weitem gefährlichste Gift - Plutonium.

Wie misst man radioaktive Strahlung? Welche Grenzwerte gibt es?
Die Wirkung radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird nach dem Internationalen Einheitensystems (SI) in Sievert gemessen: 1 Sievert (Sv) = 1000 Millisievert (mSv) = 1.000.000 Mikrosievert (µSv). Für den Menschen ist es dabei von Bedeutung, in welcher Zeit die Strahlung abgegeben/aufgenommen wird (Dosisleistung). In Deutschland liegt die natürliche Strahlenbelastung nach Angaben des Bundesumweltministeriums in einem ganzen Jahr bei durchschnittlich 2,4 mSv. Akute Strahlenschäden sind ab einer Dosis von mehr als 500 Millisievert pro Stunde zu erwarten: Laut Bundesamt für Strahlenschutz zählt man dazu verbrennungsähnliche Reaktionen auf der Haut, Haarausfall, Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit und Blutarmut. Zum Vergleich: Bei der Reaktorexplosion im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 sollen die Beschäftigten einer Strahlung von 5500 Millisievert pro Stunde Gesamtdosis ausgesetzt gewesen sein. 


An den vorausgehenden Beitrag schließen wir eine Chronologie der Ereignisse in Japan an.

– Sa. 12.3. 2011: Die Reaktoranlagen Fukushima I und II mit ihren insgesamt zehn Reaktoren bilden den Schwerpunkt der japanischen Atomkraftindustrie.
»Einen Tag nach der Naturkatastrophe bereitet zunächst Reaktor 1 massive Probleme. Die Stromzufuhr ist gekappt, das Kühlsystem versagt nach und nach. Der Kühlwasserstand sinkt ab, in der Hitze bildet sich Wasserstoff.« (Zitat ZDF). Dieser tritt in das Reaktorgebäude aus; kommt er in Kontakt mit Sauerstoff, dann führt er zu einer Knallgas-Explosion, die das Reaktorgebäude zerstört. Die innere Stahlhülle, in der sich die Brennstäbe befinden, soll aber noch intakt sein (siehe Skizze tec.LEHRERFREUND). Der Betreiber TEPCO1 flutet den Reaktor mit Meerwasser, um eine Kernschmelze zu verhindern. Fachleute befürchten jedoch, dass Teile des Reaktorkerns bereits geschmolzen sein könnten.
(1TEPCO = Tokyo Electric Power COmpany)

– Di. 15.3.: »Das Atomkraftwerk Fukushima I gerät zunehmend außer Kontrolle: Es gibt Probleme mit allen sechs Reaktoren. Vier sind schwer beschädigt«. (Zitat ZDF). Reaktor 2 ist möglicherweise undicht. Wegen hoher radioaktiver Strahlung haben die Mitarbeiter das Gelände verlassen. Man befürchtet einen Super-GAU.
Der GAU im Atomkraftwerk Fukushima hat solche Ausmaße erreicht, dass er die Folgen des Tsunamis übersteigt. Die Hoffnung, noch Überlebende in den Trümmern zu finden, schwindet. Auch von der Windrichtung her droht Unheil: Der Wind weht in Richtung Süden, wo das 240 Kilometer von Fukushima entfernte Tokio liegt. In der 36-Millionen-Metropole wurden inzwischen erhöhte Strahlenwerte gemessen.
Deutschland: Die Bundesregierung verfügt die Stilllegung von sieben Alt-Kraftwerken. Der baden-württembergische Ministerpräsident Mappus versichert, das Atomkraftwerk Neckarwestheim werde ganz abgeschaltet.

– Mi. 16.3.: Die Lage im AKW Fukushima spitzt sich weiter zu: Aus dem Reaktor 3 tritt weißer Rauch aus, die Reaktorhülle könnte beschädigt sein. Die Arbeiter, die wegen hoher Strahlung abgezogen worden waren, betraten inzwischen wieder das Gelände. In unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks wurde die Strahlenbelastung vorübergehend mit 1.000 Millisievert pro Stunde angegeben. Nach Vorhersagen der japanischen Wetterbehörde soll der Wind in den kommenden Stunden in Richtung Osten und somit hinaus auf den Pazifik wehen.
Etwa 400.000 Menschen leben in etwa 2.500 Notunterkünften. Es mangelt ihnen teilweise an Wasser und Essen. Im Nordosten Japans sollen annähernd eine Million Haushalte ohne Strom sein.
Deutschland: Abgeordnete von CDU und SPD bezweifeln, ob die Bundesregierung und Landesregierungen eine Abschaltung von Atomkraftwerken ohne Zustimmung des Bundestages beschließen dürfen. Er lasse prüfen, ob es dazu weitergehender gesetzlicher Regelungen bedürfe, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert der „Berliner Zeitung“.

– Do. 17.3.: Unermüdlicher Kampf: Im Krisenkernkraftwerk Fukushima haben Hubschrauber - bisher vergeblich - versucht, mit vielen Tonnen Wasser die Brennstäbe zu kühlen. Nun übernehmen Wasserwerfer vom Boden aus die Aufgabe. Derweil drohen massive Stromausfälle: Unternehmen und Bürger wurden angehalten, ihren Stromverbrauch zu reduzieren. Der japanische Wirtschaftsminister warnte, bereits am Vormittag sei der Stromverbrauch annähernd so hoch wie die Stromproduktion gewesen. Wenn zum Abend hin der Stromverbrauch wie üblich zunehme, drohe ein Zusammenbruch im Stromnetz.
Die Situation spitzt sich wegen kalter Witterung in der betroffenen Region zu. Regierungschef Naoto Kan hatte schon am Sonntag Stromabschaltungen angekündigt, nachdem die Betreiber einen Teil ihrer Atomkraftwerke heruntergefahren hatten.

Deutschland: Trotz des Moratoriums1) will die Bundesregierung nicht zu dem von der rot-grünen Koalition beschlossenen Atomausstieg zurückkehren. „Wir brauchen einen Ausstieg mit Augenmaß“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Die Kernkraft sei als Brückentechnik unverzichtbar, aber die Energiewende müsse nun noch mehr forciert werden.
»SPD-Chef Sigmar Gabriel bezweifelt die Rechtmäßigkeit des Moratoriums. In seiner Antwort auf die Regierungserklärung der Kanzlerin kritisierte er, dass die Bundesregierung überhaupt die Laufzeiten für Atomkraftwerke im vergangenen Herbst verlängert habe. Merkel habe damals „Sicherheit gegen Geld getauscht.“« (Zitat ZDF).
1) Ein Moratorium (lat. morari für „verzögern“, „aufschieben“) ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu unterlassen oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen (WIKIPEDIA).

–  Fr. 18.3.: Eine Woche nach dem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami gedachte Japan der Opfer. Im am schwersten betroffenen Nordosten des Landes legten die Menschen eine Schweigeminute ein. Durch das Erdbeben der Stärke 9,0 sind nach Behördenangaben gegen 7.000 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 10.300 Menschen werden noch vermisst.
»Der Kampf gegen den drohenden Super-GAU geht weiter: Um den massiven Austritt radioaktiver Strahlen zu verhindern, könnte das japanische Atomkraftwerk Fukushima unter einem Berg aus Sand und Beton begraben werden. Die Methode, die bereits 1986 beim Störfall in Tschernobyl zum Tragen kam, sei ein letzter Ausweg, teilten Ingenieure des Betreibers Tepco am Freitag mit.« (Zitat Tagesschau). Derzeit unternehme man aber alles, um einen Super-GAU durch die Kühlung der Reaktoren zu verhindern.

Am Katastrophen-AKW Fukushima begannen am Freitag etwa 140 Feuerwehrleute aus Tokio ihren Einsatz. Sie spritzten 50 Tonnen Wasser in den Reaktor 3, um eine Kernschmelze zu verhindern. Ein weiteres Problem stellen verbrauchte Brennstäbe des Reaktors 4 dar, die in einem Abklingbecken auf dem Reaktorgelände gekühlt werden müssen. Die weiterhin Hitze erzeugenden Brennstäbe könnten bereits trocken liegen.

Kühlung des Reaktors von außen

 

Bild: So stellte das japanische Fernsehen die Notkühlung dar.
 

– Sa. 19.3.: Im Atomkraftwerk Fukushima bemühen sich Soldaten und Feuerwehrleute, die überhitzten Reaktorblöcke mit Wasser zu kühlen. Parallel dazu versucht man, die Stromversorgung wiederherzustellen. Große Teile der Elektro-Installation wurden nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO vom Tsunami überspült. Die Internationale Atomenergiebehörde in Wien teilt mit, in die Dächer der Reaktoren 5 und 6 gebohrte Löcher sollen verhindern, dass sich auch dort Explosionen ereignen. In der Umgebung von Fukushima wurden verstrahlte Lebensmittel entdeckt. So lägen die Werte bei Milch und Spinat über den zulässigen Höchstgrenzen.
Da die Arbeiter bei ihrem Einsatz im japanischen Atomkraftwerk immer höheren Strahlendosen ausgesetzt sind, erhöhte die Betreiberfirma die Obergrenze für die Werte inzwischen auf 150 Millisievert pro Noteinsatz. Zuvor waren 100 Millisievert pro Schicht ddie Grenze gewesen. »„Die aktuellen Probleme sind beispiellos und erfordern sofortige Maßnahmen“, zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers. 150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich gelten würde.« (Zitat Deutschlandfunk).

– Mo. 21.3.: Kann Japan aufatmen? Es gibt offensichtlich Fortschritte im Kampf gegen die Reaktorpanne in Fukushima. Inzwischen ist es den Einsatzkräften vor Ort gelungen, alle sechs Reaktoren wieder an die externe Stromversorgung anzuschließen. Einige Kühlsysteme arbeiten wieder und die Wasserwerfer zeigen ebenfalls Wirkung. Die Temperaturen in den Abklingbecken sollen gesunken sein. Jetzt will man mit Panzern das Gelände räumen. Jedoch - die bisher ausgetretene Radioaktivität beeinträchtigt zunehmend Lebensmittel, Luft und Trinkwasser.
Wie der Deutschlandfunk meldet, wirft man TEPCO, der Betreiberfirma von Fukushima, vor, sie sei schon vor der Reaktorpanne mit wichtigen Sicherheitskontrollen nachlässig umgegangen.

– Di. 22.3.: »Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist aus Sicht der Regierung in Tokio weiter angespannt. Es sei schwierig, von Fortschritten zu sprechen, sagte Industrieminister Kaieda, der auch für die Atomaufsicht zuständig ist«. (Zitat Deutschlandfunk). Der Reaktor 3 des Kraftwerks werde wieder mit Wasser besprüht - die Maßnahme sei am Montag zum Schutz der Einsatzkräfte unterbrochen worden.
Die Autohersteller Toyota und Honda haben ihren Produktionsstopp verlängert, weil die Zulieferung wichtiger Bauteile weiterhin unterbrochen ist. Wann in den Fabriken wieder gearbeitet werden kann, ist ungewiss. Auch Sony musste die Produktion in mehreren Werken einstellen.

– Mi. 23.3.: Im Atomkraftwerk Fukushima I behindern eine hohe radioaktive Strahlung und Hitze die Arbeiten. Die Schädigung der Umwelt lässt sich nicht mehr verharmlosen: Das Lieferverbot für Gemüse musste ausgeweitet werden. In Tokio warnt man Eltern davor, ihren Kleinkindern Leitungswasser zu trinken zu geben.
Die Reparaturen im Block 2 wurden heute eingestellt, weil dort die sehr hohe Radioaktivität von 500 Millisievert pro Stunde registriert wurde.

– Fr. 25.3.: Japan kämpft mit allen Kräften gegen den Super-GAU. Trotzdem hat sich im Atomkraftwerk Fukushima ein weiterer Zwischenfall ereignet: In einem der Reaktordruckbehälter scheint die Hülle beschädigt zu sein. Vorher hatte man einen starken Anstieg der Strahlung auf dem Gelände registriert. Dabei erlitten zwei Techniker durch extrem radioaktiv belastetes Wasser Strahlungsverletzungen.
Inzwischen zählt man 10.000 Tote, die auf das Erdbeben und den Tsunami zurückzuführen sind. Und noch immer werden 17.000 Menschen vermisst.
Eine freundliche und doch hilflose Geste des japanischen Ministerpräsidenten: Er entschuldigt sich für die durch den Kraftwerksunfall entstandenen Schäden.

– Mo. 28.3.: »Die japanische Regierung hat eingeräumt, dass es in Reaktor zwei ... zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist. « (Zitat Deutschlandfunk). Es sollen mehr als 1.000 Millisievert in der Stunde Radioaktivität gemessen worden sein. Das Meer in der Umgebung des Kraftwerks ist stark radioaktiv verseucht. Im Nordosten Japans gab es heute früh ein weiteres Erdbeben: Stärke 6,5.

Deutschland: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz enden mit jeweils starken Gewinnen der GRÜNEn. Jetzt machen sich die Parteien Gedanken über die Neuausrichtung der Atompolitik. Bundesumweltminister Röttgen (CDU) strebt einen raschen Ausstieg aus der Kernkraft an.

– Di. 29.3.: In einem Interview des Deutschlandfunks mit Michael Sailer vom Öko-Institut Darmstadt und Mitglied der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung, antwortet dieser auf die Frage, ob er noch Hoffnung habe, dass die normalen Kühlsysteme jemals wieder in Betrieb genommen werden können:
»Nein! Sie können schon jetzt die normalen Kühlsysteme nicht in ihrer normalen Funktion in Betrieb nehmen. Das schließt nicht aus, dass die eine oder andere Pumpe ... noch funktioniert, aber das Gesamtsystem wird nicht funktionieren.« (Zitat Deutschlandfunk)

– Mi. 30.3.: TEPCO  kündigt an, die Reaktorblöcke eins bis vier des AKWs Fukushima zu verschrotten. Die Regierung in Tokio will keinen der sechs Meiler mehr ans Netz gehen lassen.
Deutschland: Was tun, wenn radioaktiv kontaminierte Schiffe aus Japan in europäischen Häfen anlegen wollen? Die "Financial Times Deutschland" berichtet, in Hamburg arbeite man an einem Notfallplan zum Umgang mit möglicherweise verseuchten Frachtern. Die Rotterdamer Hafenbehörde verlange von den Reedereien eine schriftliche Erklärung, dass aus Asien einlaufende Schiffe nicht verstrahlt seien.

– Do. 31.3.:  In der 40 Kilometer westlich von Fukushima gelegenen Kleinstadt Iitate wurden stark erhöhte Strahlungswerte gemessen. Jetzt hat nach der Internationalen Atomenergie-Agentur auch die japanische Nuklearaufsicht empfohlen, die Evakuierungszone um Fukushima zu erweitern, was die Regierung aber ablehnt.

– Fr. 1.4.: Deutschland: »Der Energiekonzern RWE hat beim hessischen Verwaltungsgerichtshof Klage gegen die einstweilige Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis A eingereicht«. (Zitat Deutschlandfunk). Mit einer Entscheidung sei aber erst in einigen Monaten zu rechnen.

– So. 3.4.: »Die japanische Regierung geht davon aus, dass noch monatelang Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk Fukushima entweichen könnte. Regierungssprecher Edano sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo, ein langer Kampf gegen die Atomkrise sei nicht zu vermeiden.« (Zitat Deutschlandfunk). Im schwer beschädigten Atomkraftwerks versuchen Techniker weiter, ein Leck im Reaktor 2 mit Hilfe von Kunststoffen zu reparieren. Vorher hatten sie vergeblich bemüht, einen 20 Zentimeter langen Riss mit Beton zu versiegeln. Aus diesem Riss läuft offensichtlich stark verstrahltes Wasser ins Grundwasser und ins Meer.

– Do. 7.4. Deutschland: Den radikalen Umstieg auf erneuerbare Energieformen fordert ein von der Bundesregierung berufenes Expertengremium. Die Welt könne ihren Energiebedarf ohne Atomkraft und fossile Brennstoffe decken, heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen. In Deutschland sei dies bis 2020 zu schaffen.

– Mo. 11.4.: In der Nähe des zerstörten Atomkraftwerks gab es erneut ein Erdeben; es hatte eine Stärke von 7,1. Die Arbeiter im AKW Fukushima wurden in Sicherheit gebracht, nachdem in der Anlage vorübergehend der Strom ausgefallen war. »Die Regierung in Tokio hatte zuvor mitgeteilt, dass nun doch weitere Gebiete um das Kernkraftwerk evakuiert werden. Die Bewohner einzelner Orte jenseits der bestehenden 20-Kilometer-Zone wurden gezielt aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.« (Zitat Deutschlandfunk)

– Die. 12.4.: Die japanische Atomaufsicht setzte die Gefahrenstufe von fünf auf sieben herauf. Sie stuft damit den Störfall im Kernkraftwerk Fukushima als ebenso schwer ein wie das Reaktor-Unglück in Tschernobyl vor 25 Jahren. Diese höchste Stufe steht für einen katastrophalen Unfall, bei dem sehr viel Radioaktivität austritt.

– 8. 6. 2011: Drei Monate nach Beginn der Atomkatastrophe ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle.
»Bei den Mehrfach-GAUs im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I ist in den ersten fünf Tagen nach dem Tsunami doppelt soviel Radioaktivität freigesetzt worden als bislang bekannt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt. Bereits wenige Stunden nach dem Beben war es in den Reaktoren 1 bis 3 zu Kernschmelzen gekommen.« (Zitat Deutschlandfunk)
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Möglichkeiten, im Unterricht mit dem Thema umzugehen, zeigt zum Beispiel der Bildungsserver Hessen 


 

2016: Ein Link des tec.LEHRERFREUNDs

Fukushima: Fünf Jahre nach dem Super-Gau 

Hat die japanische Regierung gehalten, was sie den Geschädigten versprach? Sie versucht den Evakuierten zu helfen, aber 5 Jahre danach gibt es noch schwere Missstände.

Große Teile des Gebiets sind immer noch unbewohnbar, denn fast überall ist die Strahlung weiterhin gefährlich hoch. Tausende sind geflohen. Nur wenige sind freiwillig geblieben, weil sie nicht wissen, wo sie hin sollen. 

Die Süddeutsche Zeitung hat nachgeforscht und berichtet im März 2016 über die in der Umgebung von Fukushima liegenden Ortschaften und Städte Minamisoma, Natori, Ishinomaki und Kesennuma.

Im Nordosten fühlen sich viele Bewohner vom Rest des Landes vergessen: Etwa 90 000 Menschen, die aus der Sperrzone flüchteten, leben in Behelfsunterkünften. Schlimm hat es die Stadt Ishinomaki getroffen: Fast 3 000 Menschen kamen ums Leben, ebenso viele sind vermisst. 28 000 Gebäude waren vollständig zerstört. 

http://www.sueddeutsche.de/panorama/japan-fuenf-jahre-nach-katastrophen-so-sieht-es-heute-rund-um-fukushima-aus-1.2900747