Die Sprache der Bilder 02.06.2008, 17:45

Skizze mit dem Zeitung lesenden Napoleon

Es ist eine der Aufgaben des Lehrers, zu seinen Schülern Kontakt zu halten, mit ihnen zu sprechen. Menschen, die sich mit den Eigenheiten der Sprache beschäftigen, sagen aber, alle Sprache sei zugleich immer auch Bildersprache. Gerade in Berufsschulen geht es darum, das technische Denken zu fördern. Erfolg in diesem Bemühen verspricht ein Unterricht um so mehr, je mehr er praktische Versuche einsetzt.

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In vielen Bundesländern baut man dabei auf eine Arbeitsteilung: Im Theorieunterricht werden vorauslaufend theoretische Inhalte gelehrt, die der Praxisunterricht mit der Arbeit am Objekt untermauert. Das heißt aber nicht, dass der Theorielehrer sich in die reine technische Wissenschaft zurückzieht; auch er muss das Lernen der Schüler mit Anschauungshilfen, also Versuchen, stützen. Wir wollen hier in einem ersten Schritt einfache Verständnis- und Einprägehilfen besprechen.

1. Verständnis- und Einprägehilfen

Der tec.LEHRERFREUND geht davon aus, dass unsere in eine moderne Informations- und Technologiegesellschaft hinein wachsenden Schüler eine sichere Wissens- und Könnensgrundlage brauchen. Eine solche entsteht nur, wenn sie Unterrichtsinhalte verstehen. Ein bewährter Weg dorthin ist das Arbeiten mit Verständnis- und Einprägehilfen.

An wissenschaftlichen Theorien darüber, wie ein Mensch richtig und verlässlich lernt, wie er Gelerntes behält, fehlt es uns nicht. Hier wollen wir diese Theorien nicht vertiefen, sondern der mehr praktischen Unterrichtspur folgen.

Was soll etwa der aus dem Chemie-Unterricht sattsam bekannte Satz bewirken: »Zuerst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das Ungeheure«? Er ist eine gereimte, leicht erinnerbare und damit wirksame Einprägehilfe, um den mit Säure Experimentierenden vor Schaden zu bewahren. Für den Lehrer ist es tägliches Methodik-Brot: Er will seinen Schülern etwas beibringen und hofft, das Beigebrachte möge in ihnen haften bleiben, sie noch eine Weile beschäftigen. Es wäre sicher nicht gut und fast so etwas wie eine Verschwendung, wenn ein Unterricht nicht mehr als Halbbildung hinterließe. Wie man es macht, führt uns täglich die Werbeindustrie vor: Sie arbeitet massiv mit knappen Texten und mit Bildern, mit guten, mit raffinierten und leider oft auch mit mehr oder weniger anständigen.

Schon Napoleon kannte die Kraft des Bildes, die Ökonomie der Anschauung, wie man aus folgender Anekdote erfährt: 

Zur Vorbereitung eines Angriffs schickte er einen Adjutanten auf die vor ihnen liegende Anhöhe, wo er Besonderheiten des Geländes und die Vorbereitungen des Gegners erkunden sollte. Der Adjutant brachte Napoleon drei eng beschriebene Blätter zurück, worauf der ihn anschnauzte: »Muten Sie mir zu, dies alles zu lesen? Ihre miserabelste Skizze hätte mir mehr gesagt als dieses ganze Geschreibse«, und er zerriss das Werk. 
Der Offizier musste noch einmal gehen und dem Feldherrn eine Skizze anfertigen.

2. Unterrichtsinhalte verdeutlichen, klar machen

Oft genug gibt es im Unterricht die Situation, dass die Wellenlänge des Lehrers mit der der Schüler nicht übereinstimmt. Darauf reagiert ein Schüler etwa mit der Bemerkung: »Das ist mir zu hoch!«

Hier braucht es eine Transformation, die auch mit »didaktischer Reduktion« bezeichnet wurde: Der Lehrer muss das, was er sagen will, eine Ebene herunter holen und es dort seinen Schülern erklären, verdeutlichen, einsichtig machen. Wenn ihm dann in brenzligen Situationen gute Einpräge- und Merkhilfen zur Verfügung stehen, hat er schon halb gewonnen.
Wir wollen die Einpräge- und Merkhilfen hier einmal ordnen.

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