Eulis technisches Tagebuch 25.07.2008, 10:58

Euli

Euli hat sich vorgenommen, das Wichtigste von dem, was er uns berichten will, aufzuschreiben.

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Eulis technisches Tagebuch

Ich habe mir vorgenommen, ein Tagebuch über die Technik um mich herum zu schreiben.Euli_im_geb__lk_150.jpg
Weil wir Eulen ja ganz ohne Uhr und Kalender leben, ist es  nicht so wichtig, wann genau etwas geschah. Viel wichtiger finde ich, dass überhaupt etwas geschieht. Allerdings: Zum Geburtstag wünsche ich mir einen alten Wecker. Ich möchte nämlich sehen, wie er innen aussieht und wofür er so viele Zahnrädchen braucht.

Beim Lesen meiner Aufschriebe kannst du in Gedanken - und noch besser in Versuchen - mit mir Technik studieren und durch die Gegend fliegen; auf diese Weise erfährst du von meinen technischen Erlebnissen.

Anfangs wohnte ich einige Zeit zusammen mit meinen Eltern, meiner Schwester und meinem Bruder in einer großen Scheune. Den ganzen Tag saß ich hoch oben im Nest und sah und hörte, wie die Leute tief unten arbeiteten und was sie miteinander sprachen. Da ging es oft um technische Dinge: Der Bauer regte sich zum Beispiel auf, wenn der alte Traktor nicht ansprang oder das Bremspedal hängen blieb. Ein Mechaniker kam und schweißte einen großen Pflug, und einmal besprach ein Vertreter mit unseren Wirtsleuten die neue Melkanlage. Diese Beobachtungen gefielen mir mehr als alles, was meine Eltern über das nächtliche Mäuse-, Frösche- und Schlangenfangen berichteten.

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Die größte Freude aber machte mir Uli, der Sohn des Bauern und seiner Frau. Er und sein Bruder haben Fahrräder, mit denen sie fast so schnell flitzen wie wir Eulen fliegen können. Aber es gibt auch dauernd etwas daran herumzubasteln. Als ich ganz klein war, nahm ich mir vor, auch Rad fahren zu lernen. Aber daraus wurde leider nichts, denn ich könnte den Lenker nicht halten, und freihändig fahren ist verboten und auch sehr gefährlich.
Von Uli (der ja fast so ähnlich heißt wie ich) und den anderen Kindern lernte ich, wie man mit Werkzeugen umgeht und wie die Teile am Fahrrad heißen. Die schwierigsten Namen kratze ich mit meiner rechten Mittelkralle auf den Balken vor mir. Du musst wissen, dass Eulen nicht wie Menschen in die Schule gehen müssen; nein, wenn wir aus dem Ei schlüpfen, beherrschen wir schon die Eulenschrift und können auch schön malen. 

Heute möchte ich nur noch von der Nacht berichten, in der mein Vater meinte: »Du hast jetzt lange genug hier gewohnt, du kannst dich nach einem neuen Schlafplatz umsehen.« Bei uns Eulen ist der Vater absolute Respektsperson und so kam es, dass ich - auch wenn mir nicht verborgen blieb, wie meine Mutter ein paar Tränen verdrückte - mich im linken der beiden Kirchentürme niederließ. Dort wäre alles schön gewesen, doch die Glocken verbreiteten einen Lärm, dass ich den völligen Ruin meines Trommelfells befürchtete. Und das Schlimmste: Es gab weit und breit keinen Uli, der an seinem Fahrrad bastelte. Da flog ich am späten Abend wieder in die Scheune zurück und richtete mich ein Paar Meter neben meinen Eltern ein. Sie begrüßten mich freudig und redeten nie mehr etwas von Umziehen. Dafür vermache ich ihnen hin und wieder eine Maus.

Muensterturm.jpg

Was ich dir demnächst berichten werde?
Ich habe an Ulis Rad studiert, wie Schrauben- und Nietverbindungen aussehen müssen, ich habe mir die Fahrradelektrik angesehen und die Fahrradglocke; ich weiß jetzt, wie Kräfte am Fahrrad wirken. Was sind denn das alles für Werkstoffe am Rad, habe ich mich gefragt, und was mir für meine Eulensprache und das Übersetzen besonders wichtig ist: Welche Fachbegriffe verwenden die Menschen in der Technik?

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